Labbi goes europe - Blog

Protokoll einer Kanalfahrt

Eigentlich bin ich nicht gut in der Lage, diesen Blogeintrag zu schreiben. Paradoxerweise fehlen mir die Worte, dieser Schönheit und Atmosphäre des Göta-Kanals verbal gerecht zu werden, obwohl ich übergelaufen bin an dem was ich gesehen habe. Frauchen hat mir jedoch gehörig die Leviten gelesen und mir gesagt, ich könne nicht mitten im Blog einfach so aufhören, etwas von mir hören zu lassen. Also machte ich mich ans Werk. Während der Kanaldurchquerung konnte ich partout nicht tippen, so sehr war ich durch Schnüffeleien und Beobachtungen abgelenkt. Ich würde mal behaupten an diesem Fleckchen Erde ist die ganze Welt vereinigt: Man findet Seen en masse wie in der Schweiz, reichlich Wälder wie in Kanada, herrliche Baumalleen wie an unseren Landstraßen, kleine entzückende Dörfchen wie in Frankreich, traumhafte Buchten wie am Mittelmeer und die Architektur erinnert an die Bauweise amerikanischer Farmerhäuschen; es ist einfach von allem was da und dennoch hat das Land seinen eigenen Charakter.

Run um die Leine

Ich liebe Kanäle und Flüsse ein klitzekleines bisschen mehr als das Meer. Die Gerüche sind leichter aufzuschnappen und mehr zu sehen bekomme ich auch. Vor allen Dingen interessante Artgenossen, die ich neuerdings anfange zu verbellen. Frauchen hat sich direkt ein Kommando ausgedacht und bei „Nicht bellen“ muss ich nun die Klappe halten. Revierkämpfchen beim Schleusen gab es auch. Angeblich hätte ich mich mitten in die Leinen gesetzt. Das kann ich nicht verstehen, ich wollte nur helfen. Nun haben wir uns geeinigt. Ich darf an den Bug, aber weg von den Leinen. Das kann ich akzeptieren und so wurde die Kanalfahrerei ein voller Erfolg.

Der Göta-Kanal mit seinen 190 km und 58 Schleusen ist etwas ganz Besonderes: Er verbindet zusammen mit dem Trollhättan-Kanal die beiden Städte Göteborg und Stockholm miteinander. Vor ziemlich genau 200 Jahren befand er sich mitten im Bau. Er sollte die üppige Seenlandschaft im Landesinneren miteinander verbinden, um somit die Transportwege in Schweden zu erleichtern. Ca. 100 Jahre war er die bedeutendste Strecke für Handel und Transport, ehe ihm der aufkommende Bahnverkehr den Rang ablief. Heutzutage ist er das beliebteste Reiseziel Schwedens. Ca. 3000 Freizeitschiffe befahren ihn pro Jahr. Wir waren eines davon. 

Bei der Planung haben wir uns entschieden, den Kanal von Sjötorp aus anzugehen. Einfach erstmal, weil wir lieber runter- als hochschleusen. Während der Fahrt stellten wir dann fest, dass die meisten von Mem aus starten, was uns wenig Wartezeiten an den Schleusen und viele freie Plätze in den Marinas bescherte.

Gerne möchte ich an dieser Stelle wieder für die Schweden schwärmen. Alles an diesem Kanal ist top organisiert. Bei Eintritt in den Kanal checkt man ein und bekommt eine kleine Einweisung, wie geschleust wird. Denn hier darf jeder ran, ob erfahren oder nicht. Das Personal schätzt die Schleusenkünste recht unauffällig ein und gibt (offenbar) Besonderheiten an die nächsten Schleusen weiter. Wir kamen mit zwei jugendlichen Flinkfüßen ganz gut in der Beurteilung weg und legten einen souveränen Start hin. Bei anderen Booten sprang man unauffällig herbei und fing Leinen auf oder führte das Boot mit in die nächste Kammer der Doppelschleuse, wenn das Schiff mit nur einem Mann besetzt war. Wir wurden stets gut informiert und instruiert. Z.B. wenn es vor der nächsten Schleuse zu Wartezeiten kam oder bei den Eisenbahnbrücken Eile mit der Durchfahrt geboten war. Nie mussten wir jemandem nachlaufen oder irgendwo anrufen. Man kam immer sofort auf uns zu. Die vielen Studenten, die die Schleusen bedienen, hatten immer ein Lächeln im Gesicht und ein nettes Wort für uns übrig. Innerhalb des Kanals sind die Übernachtungen im Preis inbegriffen. Das ist bei dem Gesamtpreis mehr als in Ordnung. Max. fünf Nächte darf man in einem Hafen bleiben. D.h. man sollte seinen Aufenthalt ein wenig ziehen, denn rein rechnerisch ist man in drei bis fünf Tagen durch.

Das war unser Programm:

Wir traten also am 12.6. in Sjötorp in den Kanal ein. Sofort ist die altbekannte Langsamkeit wieder da. Wir schafften an diesem Tag 7 km in 4 1/2 Stunden. Leider spielte das Wetter nicht recht mit. Es war nass und kühl. Da wir wegen des Schleusens aber viel draußen waren, wurden wir schnell unbeweglich in den Gliedern und steif in den Fingern, was ein bisschen anstrengte, da man die Leinen fest in der Hand halten muss. Bei Ankunft brunchten wir in einem süßen Café in Lyrestad und schauten den Rest des Tages dem strömenden Regen zu. Zum Glück wurde das Wetter schon am nächsten Tag besser.

Wir landeten nach drei Brücken und neun Schleusen an einem wunderbaren Liegeplatz in Hjästorp. Zunächst hatten wir den ganzen Platz für uns, aber nach ein paar Stunden lernten wir ein nettes Ehepaar kennen, an das wir auf dem Kanal noch öfter geraten würden. Durch sie haben wir die wirklich echten, leckeren schwedischen Kekse kennengelernt. Auch das ein altbekanntes Phänomen auf dem Kanal: Wenn man am selben Tag startet, trifft man sich immer wieder, weil man so ähnliche Strecken hinter sich lässt. Das sind mal nette, mal wundersame Begegnungen und bieten teilweise köstlichen Gesprächsstoff. So hat sich gezeigt, dass wir mit der Spontanvergabe des Namens „Hexe“ und unserer Menschenkenntnis nicht falsch lagen. Nicht nur unter Bootsleuten ist es völlig unüblich, in letzter Sekunde kommentarlos an vier wartenden Schiffen vorbei in die Schleuse zu schießen, seine Leine in egoistischer Weise über alle anderen zu legen oder allen Mitschleusern lediglich in der eigenen Muttersprache mitzuteilen, wie man vorzugehen hat.

Aber die meisten Bekanntschaften oder Beobachtungen waren durchweg positiv. Wir trafen eine entzückende junge schwedische Familie, die ein ca. zweijähriges Mädchen bei sich hatte, das fest angeschnallt auf dem Fahrersitz thronte. Während die Mutter oben mit der Vorleine hantierte, übernahm der Vater die Rückleine, bespaßte sein Töchterchen und fütterte es, weil bei fünf Schleusen irgendwann der Hunger kommt. Oder ein älteres Ehepaar, das sich mit wenigen Vorkenntnissen todesmutig in das Abenteuer Schleusen stürzte und mit jeder weiteren Schleuse unsicherer wurde. Auch hier griff das Schleusenpersonal (und wir) unauffällig ein. Natürlich blieben auch wir nicht verschont. Wir mussten beim Runterschleusen eine Leine kappen, da sie sich verhakt hatte. Aber die oberste Regel griff: Beim Runterschleusen muss immer ein Beil parat liegen und das kam zum Einsatz. Wir wurden vom Schleusenpersonal für unsere schnelle Reaktion gelobt.

Auf dem Weg nach Karlsborg wurde das Wetter endlich beständig schön. Während die Jungs direkt ins Wasser hüpften, wartete der Rest des Rudels vornehm bis Ljungsbro ab. Ich musste sogar bis Norsholm warten, weil es meist so problematisch war ins Wasser zu kommen oder wieder raus. Deswegen lernte ich dort etwas ganz Tolles, was mir am Anfang nicht geheuer schien. Ich lernte mit Anlauf vom Badesteg ins Wasser zu hüpfen. Dabei hat mich Herrchen einmal so überrumpelt, dass ich überhaupt nicht nachdachte und einfach mitlief (mach ich ja sonst auch immer). Als ich kapierte, wie viel Spaß das macht, wollte ich gar nicht mehr aufhören.

Mit jedem Tag wurde es immer abwechslungsreicher. Der Kanal ging in Seen über, wurde wieder zum Kanal, zeigte seine verwunschenen Ecken oder romantischen Plätze. Wir liefen über vor schönen Anblicken. An Kanaltagen machten wir nichts außer schleusen und gucken. Es wurde nicht gelesen, es wurde nicht geschrieben, es wurden auch sonst nur die nötigsten Dinge verrichtet. Wer sich diesem Flair nicht hingibt, verpasst etwas sehr Einzigartiges.

Ich muss zugeben, dass ich die Affinität für Schweden vieler Menschen immer ein wenig belächelt habe. Für mich ist der Süden ganz klar das Paradies auf Erden (gewesen). Aber das hier zu entdecken und durchfahren zu dürfen war mehr als das Highlight unserer Reise. Es ist nicht nur die Natur. Es ist auch das Licht, das sich viele Male über den Tag verändert. Es sind die taghellen Nächte. Es sind die wunderhübschen Plätze, die für die Gäste geschaffen werden. Es ist die freundliche Art der Schweden, die Tummelei mit den anderen Nationen, es ist so Vieles mehr. Man muss mal da gewesen sein.

In Motala besuchten wir das Kanalmuseum und lernten, welch ein Kraftakt der Bau des Kanals gewesen ist. Leider erlebte der Erbauer Baltzar von Platen die Fertigstellung seines Lebenswerkes, an dem er beinahe 20 Jahre gearbeitet hatte, nicht mehr. Er verunglückte drei Jahre vorher auf dem Vättern-See, ist nun aber in Motala direkt am Kanal bestattet worden. Wir haben ihm zugewinkt.

Wir erlebten ein gigantisches Gewitter kurz nachdem wir in Norsholm eingelaufen sind. Es brach so gewaltig vom Himmel, dass selbst die Schweden angelaufen kamen und Fotos machten. Eine halbe Stunde drauf badeten wir wieder im Kanal.

Noah fing im Roxen-See seinen zweiten Fisch. Dieses Mal war es ganz klar ein Hecht, mit stattlichen 52cm. Er reichte für alle Fischesser an Bord, inkl. der Sieben-Länder-Katze und mir.

Noah fing seinen zweiten Fisch, ein Hecht

Und am letzten Tag im Kanal und dem letzten Urlaubstag von Alex‘ Eltern, die ebenfalls auf Tour in Schweden waren, schafften wir doch noch ein gemeinsames Treffen. Schon die ganzen Tage hatten wir gegenseitig auf unsere jeweiligen Reiserouten gelinst, waren jedoch immer zu weit voneinander entfernt gewesen. Vorgestern aber nahmen Sandra und Jürgen den Weg von 2,5 Stunden Autofahrt auf sich, brachten leckeren Kuchen und anderes Backwerk mit, und wir saßen doch ein paar Stunden gemütlich zusammen.

Nur Midsommar haben wir nicht gefunden. Am Freitag begrüßten uns die Schleusenguards allesamt mit Blumenkränzen im Haar und wünschten uns fröhlich alles Gute zu ihrem hochheiligen Feiertag. Wir fragten jeden akribisch aus und fuhren extra bis Söderköping, um das große Ereignis nicht zu verpassen, was eigentlich gar nicht ging, wie man uns sagte. Als wir dann aber am Abend loszogen und Midsommar suchten, war ganz nach schwedischer Manier bereits alles wieder geschlossen und von Midsommer weit und breit nichts zu sehen. Das war ein bisschen schade, aber tat dem charmanten Kanal in der Mitte Schwedens keinen Abbruch.

Ich habe es Frauchen angedroht und nun muss es auch kommen. Wir müssen an dieser Stelle über ihre modischen Highlights an Bord sprechen.

Die Wahrheit ist: ungeschminkt, schmucklos, durcheinander gewürfelt, manchmal schräg, den Gegebenheiten angepasst und ohne jegliche Filter, ABER GEIL!!

Kanal, Schleusentreppe und mehr See

Schlagartig wurde es wieder labbigerecht. Die Häuser verwandelten sich in Bäume, die Luft wurde reiner, die Geräusche natürlicher und das Tempo wandelte sich von Großstadt-Rasen in Gemütlichkeit. Von einer Sekunde auf die andere wurden wir ruhig und es ging in Richtung Trollhätte-Kanal.

Den ersten Tag bis nach Akersvass begleitete uns strahlender Sonnenschein. Wir genossen jede Minute und ich blieb den ganzen Tag draußen; zwischendurch wurde es richtig heiß. Akersvass ist ein mitten im Grünen liegender Ankerplatz. Unterhalb der alten Schleusentreppe in parkartiger Umgebung wollten wir grillen. Leider richtete sich das Wetter nach dem Bericht und pünktlich um 19 Uhr krachte ein urgewaltiges Gewitter vom Himmel, das uns alle zusammenzucken ließ. Die Umgebung passte sich an und es wurde richtig nebelig, ein verwunschener Märchenwald entstand. Gegrillt wurde trotzdem.

Nach so einem geruhsamen Abend war die Schleusentreppe am nächsten Morgen kein Problem. Das bereits seit vielen Jahren eingespielte Team kam zum Vorschein und wir schleusten die vier Schleusen souverän in 1,5 Stunden durch. Sie waren ein wenig umständlich zu handhaben, da wir die Leinen mangels passender Poller jedes mal um die Treppensprossen legen mussten. Das Zahlen der TrollhätteKanal-Gebühren hätten wir uns allerdings sparen können, die sind nämlich in den Gebühren für den Göta-Kanal inbegriffen, aber das sollten wir erst später bemerken. Unser Ziel sollte Vänersborg werden und wurde es auch. Daran änderten auch die zwei ausstehenden Brücken und die von der Kapitänin unterschlagene 5. Schleuse nichts.

Vänersborg ist der Einstieg in den Vänern, dem größten See der Schweden. Zum Vergleich: Er ist 11 x größer als der Bodensee. Man hat eher das Gefühl auf dem Meer unterwegs zu sein. Auf Anraten eines Schifferkollegen steuerten wir Läckö an und das war kein Fehler.

Wenn ich malen könnte, so wäre Läcko genau der Ort, der auf meinem Zeichenblock entstehen würde. Das barocke Schloss ist natürlich der Blickfang, aber drumherum ist ein Paradies zu finden, das ganz im Sinne der Natur erhalten wird. Schafe mähen den Rasen, das Hotel- und Restaurantgebäude ist mit unbehandeltem Holz verkleidet, ab Juni werden Führungen auf dem Naturlehrpfad angeboten, Wanderwege schlängeln sich durch das gesamte Gebiet und die Duschen liegen romantisch mitten im Wald. Ich wäre gerne noch länger geblieben, aber die Katze kam pünktlich zurück und deswegen gab es keinen Grund am Montagmorgen nicht abzulegen.

In Mariestad lagen wir unterhalb des Doms und die Marina, direkt am Städtchen, zeigte sich in mediterranem Kleid, was sicherlich an der angeknipsten Sonne lag. Das genossen wir in vollen Zügen.

Hier fand ich auch eine tolle Spielkameradin

Bis nach Sjötorp, unserer letzten Station am Vänern, war es lediglich eine Etappe von ca. 20 km. Deswegen wurde die Überfahrt dem Angeln gewidmet. Wir dümpelten mit 5 km/h dorthin, wenn man da nicht entschleunigt, weiß ich auch nicht. Von Erfolg gekrönt war das Ganze leider nicht. Obwohl es in dem See von Fischen nur so wimmeln soll, hat sich keiner an unsere Haken verirrt.

Eine abwechslungsreiche Woche liegt hinter uns. Langeweile kommt nicht auf, weil sich permanent das Terrain ändert. Im Kanal kann man sich kaum an der Umgebung satt sehen, draußen auf dem Meer fühlt man sich ein wenig wie Vasco da Gama und die Schleusenarbeit gibt einem das Gefühl am Ende des Tages etwas geleistet zu haben. Das ist als kleine Fingerübung ganz gut, denn es erwarten uns im nächsten Abschnitt 58 Schleusen auf 190 km. Der Labbi und seine Crew sind gerüstet.

Göteborg auf der Waschmaschine

Für unsere zweibeinigen Mitreisenden haben wir uns in dieser Woche mal zurückgenommen. Sie wollten in „Kultur“ machen. Wir waren zwar sehr gespannt, was dieses „Göteborg“ zu bedeuten hatte und was der tolle „Lipstick-Tower“ und „Lilla Bommen“ sein sollten, aber als wir letzten Freitag in der Marina mit durchgedrücktem, weil kaputtem Gashebel anlegten, waren wir Vierbeiner doch ein bisschen enttäuscht: Laute Baustellengeräusche, viele Abgase in der Nase, weit und breit nur Betonwüste. Ich musste ewig bis zur ersten Wiese laufen und frei war ich in dieser Woche nur an Bord.

Unsere Menschen jedoch waren komplett losgelassen. Sie schmiedeten eifrig Pläne, was sie sich alles angucken wollten. Ich war nur froh, wenn ich hörte, dass ich nicht mitten durch das Menschengetümmel musste. 

Der Katze ging es auch nicht besser. Nachdem sie sich alles genau durch die Fenster betrachtet hatte, entschied sie selbst, dass sie in der Nacht nicht raus wollte. Es war ihr zu hell, zu laut, zu viel los. Sie ist halt ein Landei. So verbrachte sie jede Nacht hellwach auf der Waschmaschine mit Blick nach draußen und lernte Göteborg von dort aus kennen. 

Am ersten Tag ging es am Abend kurz in die Stadt. Die bordeignen Ingenieure hatten den ganzen Nachmittag voll damit zu tun gehabt, den Bowdenzug des Gashebels wieder zu reparieren. Zu Beginn hatten sie keine Ahnung, was los sein könnte. Aber das Team gab nicht auf und am Ende war das Teil wieder funktionsfähig. Es ist wirklich kein Vergnügen, gute drei Stunden im Motorraum (der noch von der Fahrt tropische Temperaturen aufweist) geduckt zu hocken und an diversen Seilzügen rumzufriemeln. Vielen Dank den Männern an Bord, dass sie sich dafür nicht zu schade sind und erst mit der Arbeit aufhören, wenn alles wieder perfekt läuft.

Samstag nahmen wir Göteborg in Angriff: Auf eine Göteborg-City-Card haben wir verzichtet, nachdem wir gelesen hatten, dass in der Stadt alles fußläufig miteinander verbunden war. In den Stora Salu-(Markt-) Hallen wäre ich schon ganz gerne mit. Ein leckerer Lebensmittelstand nach dem anderen gab es dort zu bestaunen. Aber dort sind natürlich keine Hunde erlaubt. Wie immer bekam ich ein Schmankerl mitgebracht.

Danach ging es ins Haga-Viertel. Dort sollte es die größten und schmackhaftesten Zimtschnecken in ganz Göteborg geben. Haga ist ein ehemaliges Arbeiterwohnviertel. Die schmucken Holzhäuschen sollten zunächst abgerissen werden. Dank einer Bewohnerinitiative konnte das verhindert werden und so hat sich ein gemütliches und jugendhaftes Quartier herausgebildet. Wir sind dann nicht in das im Reiseführer empfohlene Café gegangen. Das war überfüllt, die Schlange lang (hier in Schweden holt man sich seine Sachen zum überwiegenden Teil selbst an der Theke; dafür kann man sich überall Filterkaffee und Wasser nachholen, so oft man möchte). Wir gingen ein paar Meter weiter und fanden ein entzückendes kleines Café mit fantastischen Zimtschnecken und anderen Leckereien. Jetzt spürten wir auch das lange Wochenende in Deutschland. Unter die vielen schwedischen Laute, mischten sich auffallend viele deutsche Satzfetzen. Am Abend gab es würzigen Käse und frisches Baguette, das wir uns aus den Hallen mitgebracht hatten. 

Am Sonntag wollten wir den viel gepriesenen Foodmarket unter die Lupe nehmen. Der hatte sich leider im Vergleich zu gestern in Luft aufgelöst. Es gab einen Essensstand, aber die Atmosphäre war auch ohne Futter zu genießen. Die Menschen saßen auf Bänken und Stühlen in einer großen Einfahrt und genossen die Wärme, die sich ankündigte. Am Nachmittag sind wir dann (mit mir) durch die mitten in der Stadt angelegten Parks gestromert. Die machen einen liebevoll gepflegten und wohl duftenden Eindruck. Auch hier blüht es jetzt in allen Ecken und Enden.

Montag ging es dann ins Museum. Wir entschieden uns für das Universeum, gingen in den Tropen auf die Pirsch, experimentierten im All und lernten, dass wir gegen einen Kobra-Angriff keine Chance haben würden.

Es wurde langsam Dienstag. Das Schiff wurde gewienert und entstaubt und vor allen Dingen von meinen Haaren befreit. Schließlich stand hoher Besuch an. 

Der kam in Person von Alex mit dem Flieger aus Deutschland. Alles klappte gut. Pünktlich gegen 15 Uhr fuhr das Taxi vor und das neue, schon mehrfach für gut befundene Crew-Mitglied stand in der Marina. Natürlich gab es erst mal Zimtschnecken zur Begrüßung.

Auch Alex wollte Elche sehen und den Foodmarket kennenlernen. So stand das Programm für den Mittwoch fest. In den Slottskogen ging es zu Fuß, das waren ca. stramme 50 Minuten, aber an Bord gibt es ja auch genug Tage, an denen man nicht auf seine Schritte kommt. Dann sahen wir sie, die Elche; gemütlich äsend standen sie beisammen und ließen es sich gut gehen. Auch hier fiel wieder auf, wie gepflegt die ganze Anlage (für die wir keinen Eintritt bezahlt haben) vorzufinden ist.

Der Foodmarket enttäuschte leider erneut. Obwohl er für jeden Tag angekündigt ist, scheint er nur an Samstagen in voller Montur anzutreten, aber verhungert sind wir bei Weitem nicht. Ein kleiner Tipp für Schwedenreisende: Es lohnt sich wirklich lunchen zu gehen. Man bekommt tolle Angebote und es ist günstiger als am Abend. So scheinen es die Schweden selbst zu handhaben. 

Ein Städtetrip mit eigenem Zuhause ist so viel entspannter. Wir sind nicht morgens vom Hotel aus los und abends wieder zurück. Wir nahmen uns Dinge vor, kehrten an Bord zurück, erledigten was zu tun war und legten die Füße hoch. Wer nochmal extra los wollte, konnte das tun oder mit mir auf dem Schiff kuscheln. Auch lernt man in der Marina, jetzt wo die Saison langsam losgeht und man auch draußen sitzen kann, schnell viele Menschen kennen.

Sogar für die Fitness ist gesorgt. Der Junior geht ja sowieso trainieren. So macht er sich bereits im Vorfeld schlau, welche Studios Tagespässe o. Ä. anbieten. Die Schweden sind hier super locker und kulant. Die Kette „Nordic Wellness“ (unbezahlte Werbung) hat uns nie enttäuscht. Anstandslos wurden uns Tages- oder sogar Wochenpässe ausgestellt, so dass wir wöchentlich fitter werden und die ganzen Zimtschnecken nicht auf den Hüften wohnen bleiben. Bezahlt haben wir dafür nichts. (Herrchen darf noch nicht, aber die Wunde verheilt bestens).

Die Göteborger selbst haben wir sehr gesellig wahrgenommen, die sich viel zu erzählen haben. Die Sprache ist für uns trotz einiger „Babbel“-Versuche relativ neu. Man kann gar nicht anders, als der Sprachmelodie zu lauschen, dem typisch schwedischen Singsang. Vielleicht liegt es an den überdurchschnittlichen vielen (9) Vokallauten oder daran, dass die Schweden ihre Akzente unterschiedlich setzen. Egal, ich könnte ihnen stundenlang zuhören, ohne einen Ton zu verstehen.

Jetzt aber geht es endlich wieder in die Natur! Auf in den Trollhättan-Kanal.

Chillout-Lounge Schwedens

Ich will ja nicht behaupten, dass wir den westlichen Schärengarten in- und auswendig kennengelernt haben, dazu ist er viel zu reichhaltig und vielfältig bestückt. Aber in der letzten Woche ist es uns gelungen, einen nachhaltigen Eindruck von der schwedischen Schärenwelt auf der Westseite des Landes zu gewinnen.

Ich bin nicht im Ansatz ein esoterisch angehauchter Labbi. Ich gebe Laute wie „Wuff“ und nicht „Ooommm“ von mir, aber ich muss schon sagen, die Orte, die wir in der letzten Woche kennengelernt haben, haben mich in einen extrem gechillten Flow versetzt. Wenn an Bord Aufregung entsteht, lupfe ich nur noch müde das Augenlid.

Ein ganzes Wochenende haben wir uns im Naturhafen Hjälton samt Wald, Felsen, Badebuchten wie Robinson Crusoe gefühlt. Das war genau meine Welt. Ich kam fast um vor lauter unbekannten Gerüchen und durfte die ganze Zeit frei laufen. Zu Beginn war ich ja ein wenig skeptisch gewesen, wie ich ohne Steg an Land kommen soll. Aber auf das Rudel ist Verlass. Vor Ort gibt es häufig eine wunderbare Vorrichtungen – ich denke für Labbis und sonstige Hunde. Da kann man mit den Vorderleinen an Metallösen, die am Felsen angebracht sind, festmachen. Hinten muss man dann nur noch den Anker schmeißen und schon liegt man bombenfest. Das Ankermanöver, dass ich zeitlich in etwa auf den halben Nachmittag eingeschätzt hatte, verlief erstaunlich schnell, und ohne große Komplikationen lagen wir gegen jeden Wind geschützt in der Bucht. Direkt ging das Abenteuer los und wir durchstreiften alle Vier das neue Revier. Wie in dieser Familie so üblich wurden auf der Stelle große Pläne geschmiedet und (Gott sei Dank nur theoretisch) Arbeitspläne aufgestellt: Wie man wohl auf diesem Fleckchen Erde als Selbstversorger überleben könne, lautete die Frage. Ein gewisses Starterpaket dürfte geordert werden (Baumaterial, Werkzeug, Hühner und Lebensmittel für die erste Zeit), aber nach ein paar Monaten müsse man ohne Anbindung an die Außenwelt klar kommen. Mit halbem Ohr bekam ich mit, dass mein Beitrag darin bestehen würde, die Enten zu jagen, falls die im Starterpaket enthalten wären. Falls nicht müsste ich auf Hasen umsteigen. Na ja, mir egal, war zum Glück nicht ganz ernst gemeint, jedenfalls kam am Abend das gekaufte Grillgut auf den Rost. Und den Rest des Wochenendes ging auch keiner mit mir auf die Jagd, wonach auch immer.

Am Montag hieß es Abschied nehmen. Da sich die ganze Woche wettermäßig eher zum Nachteil entwickeln würde (Donnerstag kündigte sich ein 7+ Wind an) beschlossen wir im inneren Teil des Gartens zu bleiben und haben das nicht bereut. Warum sollen wir auch außen fahren? Ich finde dann kann ich nur Wasser sehen und schnuppern. Punkt! Im inneren Teil hingegen muss man beim Fahren zwar sehr aufpassen, aber es gibt wunderbare Landschaften zu verfolgen, allein stehende Häuschen mitten auf hohen Felsen zu bewundern oder idyllische Buchten zu bestaunen.

So landeten wir schließlich in Gullholmen. Zwar wäre mein Rudel fast dran vorbei gefahren, weil sie sich so in die Landschaft verguckt und dabei kurzfristig den Überblick verloren hatten, aber letztendlich lagen wir fest vertäut vor dem einzigen, natürlich geschlossenen Restaurant des Städchens. Anfang der Woche in der Vorsaison in den schwedischen Schären unterwegs zu sein, heißt oft auf verriegelte Türen zu stoßen. Etwas diskriminierend, findet Frauchen die Tatsache, dass die Marinas mitnichten auf Frauen zu dieser Jahreszeit vorbereitet sind. Ist die Dusche schon mal geöffnet, bleibt das Wasser eiskalt oder sie ist gar nicht erst beheizt. Es hüpfen hier zwar nicht viele Frauen rum, aber die wenigen wollen auch sauber durch die Schären tingeln. (Zum besseren Verständnis: man versucht natürlich die vorhandenen Duschen in den Marinas zu nutzen. Das schont die eigenen Tanks).

Wir wurden beim Erobern dieses wunderbar pittoresken Ortes sofort von solch banalen Gedanken abgelenkt. Wanderten wir erst durch ein zauberhaftes Naturschutzgebiet, das einem die Seele öffnet, stromerten wir am Nachmittag durch das Häuserviertel und kamen aus dem Staunen kaum heraus. Bebauungspläne können die hier nicht haben, Zäune kennen sie auch nicht. Die Häuschen sind wie mit dem Würfelbecher ausgeschüttet und stehen in friedlicher Eintracht unüberbrückbar nebeneinander. Einem Teil kann man ansehen, dass sie offenbar eher im Sommer oder an den Wochenenden genutzt werden. Die Gedankenspiele kamen erneut ins Trudeln und mein Rudel überlegte, wie sie wohl leben würden, wenn das Geburtenroulette sie auf diesem Fleckchen Erde ausgespuckt hätte? Wie würden sie leben? Was würden sie arbeiten? Hätten sie mich in Haibach überhaupt gefunden?

Mittwoch musste dann mal Diesel getankt werden. Das ging am besten in Henan. Eine wie aus dem Ei gepellte Marina kam zum Vorschein, hatte alles was das Herz begehrte (außer geöffnete Damenduschen).

Es ist schon witzig zu beobachten: Jetzt wo wir so lange (zwei Monate sind es jetzt!) unterwegs sind, schafft sich ein neues Phänomen hervor: Sobald man angelegt hat und alle wichtigen Funktionen laufen, macht man sich die Umgebung häuslich. Ich erschnuppere mir die Welt, meine mitreisenden Menschen erlaufen oder ergoogeln sich alles was die nächsten 15 Kilometer so zu bieten haben. Jedenfalls fühlen wir uns spätestens am Nachmittag so heimisch, als hätten wir nie woanders gelebt.

Dazu gehört, dass der Junior die Supermarktlage checkt, Herrchen die angrenzenden Bäckereien stürmt, Frauchen die Aktionsmöglickkeiten von Minigolf bis Museum (alles aber noch zu) abscannt, die Katze die Nacht-Jagd-Gebiete ausbaldowert und ich nach den Feld- und Waldwegen schiele.

Langsam geht es in die Planung für die Fahrt nach Göteborg, die wir weiterhin im Inneren vornehmen müssen. Unser nächster Schlag ging also nach Stenungssund. Dort würden wir auch den Vatertag verbringen müssen, weil der wettermäßig ganz übel werden würde. Bei Ankunft stellten wir fest, dass wir direkt vor einem ausreichend bestückten Shopping-Center liegen würden. Nicht sehr hübsch, aber an einem Regentag außerordentlich nützlich.

Alles in allem liegt also eine komplett entspannte Woche hinter uns. Gerne hätten wir mehr Naturhäfen besucht, aber da hat das Wetter nicht unbedingt mitgespielt. Das ist nicht weiter schlimm, denn wir haben ja noch den Schärengarten vor Stockholm im Progrramm und dann ist auch in Schweden Sommer. Die einzelnen Schärenorte jedenfalls haben uns verzaubert und wir können jetzt in den Chor aller Fans miteinstimmen. Das Alles in der Vorsaison zu erleben, gibt dieser Reise einen besonderen Touch. Man kommt nicht drumherum, den Ruhepol in sich zu entdecken.

Ich lerne gerade steuerbord und backbord

Das dachte sich auch die Katz. Zuviel Müßiggang macht träge und blieb die Nacht von Mittwoch auf Donnerstag gleich mal weg. Gut, wir hatten ja den Tracker, dachten wir. Der zeigte auch direkt, in welchem Gebiet sie unterwegs war. Letztendlich geholfen hat er leider nicht. Diverse Male während des Suchens hätte Findus höchstens drei Meter neben uns stehen müssen, gesehen haben wir ihn nicht. Um 14 Uhr war der Akku alle und die Stimmung fiel auf dem Barometer schon Richtung „gedrückt“ Wir hofften zum zweiten Male auf die Nacht und seine Zuneigung zu uns, die er im Alltag bestens unter Verschluss hält. Und in der Tat sprang er kurz vor Mitternacht wie selbstverständlich durch die Klappe und verstand die Aufregung, die ihm entgegengebracht wurde gar nicht. Er wollte seinen Dosenöffner in Aktion sehen und gut is.

Die Crew ist komplett, so kann es nach Göteborg gehen. Mal schauen, ob wir City noch können. Schaut wieder vorbei. Ich freue mich.

Schären-Hopping bis der Alex kommt und die nackten Füße dürfen endlich an die frische Luft

Mit einer Dreiviertelstunde Verspätung (wieder gab es Nebel, aber dieses Mal war Frauchen die Kapitänin) wechselten wir offenbar nicht nur das Land, sondern auch die Jahreszeit. Gestartet sind wir im November, angelegt haben wir im Mai. Diesen Tag haben wir vollends genossen: Die See war sanft, die Sonne strahlte mit voller Kraft, Verkehr gab es nicht mal in der Enggstelle zwischen Dänemark und Schweden und die DIALIMA lag wie eine Sahneschnitte im Wasser.

Was Frauchen, bis unter die Zähne mit technischem Know-how bewaffnet, nie für möglich gehalten hätte: das Schiff lag allein durch die installierten Masten so viel stabiler im Wasser, dass es eine helle Freude war darauf zu schippern. Natürlich rollten wir mal die Genua auf, was wir aber mangels Wind gleich wieder sein ließen.

Unser erster Anlaufpunkt in Schweden hieß Mölle. Dort hat es uns gut gefallen. Wir benahmen uns spontan frühlingshaft: Die Socken und langen Hosen flogen in den Schrank; kurze Hosen und Flip Flops konnten endlich ausgepackt werden. Es gab ein Eis, das in der Sonne gleich dreimal so gut schmeckte. Jetzt konnten wir endlich mit dem beginnen, auf das wir uns schon so lange gefreut hatten: Wandern, Rad fahren und die Natur genießen. In Mölle hieß das, auf den Kullenberg zu spazieren. Ein rundum gelungener Tag, den wir in einem Ausflugslokal mit Scholle und Remouladensoße ausklingen ließen. Aber auch in Schweden muss man schnell sein: Um 19 Uhr wird die Küche zugemacht.

Seit fast einer Woche haben wir nun die Qual der Wahl. Die westlichen Schären vor Göteborg sind so reizvoll, vielfältig und unterschiedlich, dass uns die Entscheidung, wohin es am nächsten Tag gehen soll gar nicht so leicht fällt. Haben wir zu Beginn noch versucht ein Programm festzulegen, so haben wir diesen Plan ganz schnell über Bord geworfen. Wir lassen uns treiben und meist entscheidet das Wetter oder das eine oder andere Detail, das wir über die verschiedenen Ziele gelesen haben. Wir haben jetzt Kungshamn als nördlichen Wendpunkt festgelegt. Dann sind wir rechtzeitig wieder in Göteborg, um unser nächstes Crewmitglied einzufangen. Der ist nicht ausgebüxt, sondern Noahs Freund Alex und fährt ab dann drei Wochen mit uns durch den Göta-Kanal. (Übrigens, lieber Alex, könntest du bitte noch ein bisschen Skat üben, dann muss Frauchen nicht immer der dritte Mann sein.)

Angefahren haben wir bislang:

Glommen am Sonntag

Dort wollten wir nach dem Anlegen eine gemütliche Wanderung zum Morups Tange, einem Leuchtfeuer in der Nähe, machen. Frauchen und ich mussten das allerdings alleine übernehmen, weil die Jungs an Bord nur kurz den Glomex zum Laufen bringen wollten. Das Ganze dauerte dann geschlagene sechs Stunden, kostete einiges an Nerven, brachte die wüstesten Kommentare der Technikersprache ans Tageslicht und warf die abstrusesten Ideen auf, die am Ende doch irgendwie dazu führten, dass das Internet wieder lief. Den 1 a-Technikern an Bord sei Dank.

Es sollte an dieser Stelle nicht ganz unerwähnt bleiben, dass diese Anstrengungen nicht nur für mich und meinen Blog unternommen wurden, wie mehrfach betont. Auch die Herren frequentieren das Netz in nicht unerheblicher Weise.

Gottskär am Montag

Dieser Hafenmeister war das lebende Beispiel dafür, dass wir uns noch in der absoluten Vorsaison befinden. Ziemlich überrascht von uns, nahm er uns natürlich freundlich in Empfang und wies uns in alles ein. Als wir ihn ein bisschen ausfragen wollten, welche weitere Route er denn so empfehlen würde, hatte er sein Wissen noch nicht aus dem Winterschlaf befreit und schien ein bisschen überrumpelt. Er meinte, wir sollen doch einfach direkt nach Göteborg fahren. Wir entschieden uns anders und fuhren nach

Donsö am Dienstag

Dort unternahmen wir eine herrliche Radtour durch eine wunderbare Landschaft. Die sportliche Betätigung tat im Übrigen ganz gut, denn es ging ziemlich über Stock und Stein bergauf.

Leider fanden wir nicht das eigens auf der Insel gebraute und nur dort ausgeschenkte Bier, da das Restaurant (wieder mal) um 14 Uhr schloss und es der Supermarkt nicht vorrätig hatte.

Marstrand am Mittwoch

Während wir Drei eine richtig große Wanderung weit um die Festung Carlsten (ein ehemaliges Gefängnis) unternahmen und ich auch mal wieder lange frei laufen durfte, fuhr der Junior mit der Fähre nach Koön zum Frisör und kam schick gestylt wieder zurück. Eines fällt hier direkt auf: Schweden ist ein Land, das seine Natur liebt. Hier darf die Erde noch Natur sein. Auf diesem Spaziergang war alles dabei. Wir liefen am Meer entlang, kletterten über die Felsen, bogen in den Wald ab, stießen auf ein süßes kleines Biotop und überall schafft der Schwede nette Plätze zum Verweilen, die von den Besuchern respektiert werden. Es machte uns ganz viel Freude über diese Pfade wandeln zu können.

Uddevalla für Donnerstag und Freitag

Bis Mittwochabend halb elf stand fest, dass wir am nächsten Tag nach Gullholmen wollen. Dann bekamen wir den Wind schon im Hafen zu spüren und die Überprüfung durch die Wetterapp prophezeite uns eine ungemütliche Überfahrt. Das wollten wir nicht, also verzogen wir uns in den wirklich innersten Teil des Schärengartens und wurden mit einer wirklich ruhigen und wunderbaren Überfahrt belohnt. Der draußen vorherrschende Viererwind war im Inneren überhaupt nicht zu spüren. Was nicht heißt, dass man dort nicht hellwach sein muss. Überall tauchen plötzlich kleine felsige Inseln wie Buckelwale aus dem Wasser auf. Außerdem darf man die Orientierung in dieser Inselwelt nicht verlieren. Ohne unseren heiß geliebten Plotter hätten wir entweder bereits einen neuen Kontinent entdeckt oder wären am Ende der Welt wieder aufgetaucht. Hier mal ein Beispiel:

Uddevalla ist eine 55.000 Einwohner starke Industriestadt, die zwar keinen Schönheitspreis von uns bekommt, aber für unsere Bedürfnisse gerade recht kam. Da wir die nächsten Tage Naturhäfen ansteuern wollen, mussten die Vorräte aufgestockt und Grillgut besorgt werden. Außerdem waren wir wieder mal in Sachen Internet unterwegs. Natürlich brauchten wir – anders als vermutet – eine schwedische SIM-Karte und zwar eine, die man ohne schwedische Personalnummer aktivieren kann. Haben wir hinbekommen. Und nachdem alles erledigt ist, geht es jetzt so richtig in die Natur, ohne Strom und allem Drum und Dran.

Natürlich ist die Katze noch an Bord, was glaubt Ihr denn? Wir haben uns in den letzten Wochen einen zuverlässigen Rhythmus erarbeitet. Abends verlässt sie mit Tracker-Rucksack, das Schiff und am Morgen ist sie brav zurück. Allerdings ist mir immer ein wenig schwummrig, wenn ich sehe, wie weit sie sich in der Nacht vom Schiff entfernt. Aber offenbar kann sie es. Ich hoffe, sie lässt sich in den Naturhäfen nicht von all den vielen Elchen ablenken??

Maststellung in Frederiksvaerk

Auf dieses Fleckchen Erde waren wir gespannt, mein Rudel und ich, denn hier sollte Großes geschehen. Da war es auch nicht weiter schlimm, dass der Hafen in den Törnführern nicht all zu nett beschrieben wird. Grund hierfür, und das bestätigte uns auch der Vorbesitzer der DIALIMA, Hr. Jensen, auf den wir trafen, war das alte Stahlwerk. In der Tat war das kein recht schöner Anblick, aber anstatt nach links kann man ja auch nach rechts schauen und dann blickt man in einen traumhaft idyllischen Fjord, mit einer wirklich ansehenswerten und sehr aufgeräumten Marina. Von dem dahinter liegenden Ort bekamen nur der Kapitän samt Junior etwas mit, anlässlich der Besorgungen, die sie zu erledigen hatten.

Die Tage hätten wettertechnisch nicht unterschiedlicher sein können. Gab es am ersten Tag den Mischmasch, den wir die ganze Zeit schon erleben, wurde es am zweiten Tag so frühlingshaft, dass wir uns alle (inkl. mir, weil ich die Nase unbedingt in die Sonne strecken wollte) das Gesicht ein wenig verbrannten. Die Abreibung dafür gab es am dritten Tag, pures Aprilwetter ohne Sonne, jedoch mit einer kräftigen Portion Novemberflair. Aber darum ging es in diesem Tagen nicht.

Der Rigger, der, der die Masten, Takelage und Segelaufzieht, war für Donnerstag bestellt und vorher musste fast das gesamte Material noch intensiv gesäubert und poliert werden. Auch der Umzug unseres Glomex (Internet) an den ca. 10 m hohen Mast war besser heute, als morgen in luftiger Höhe zu erledigen. Alle Zweibeiner ließen die Finger rund gehen und ich trug die gesamte Verantwortung.

Zur Belohnung gab es ein Eis oder einen Burger oder beides, ich jedenfalls bekam den Großteil der Pommes.

Donnerstag ging es in der Tat hoch her und ich hätte nicht gedacht, dass am Ende des Tages aus dem Chaos aller Drahtseile und Leinen die komplette Maststellung erfolgen würde. Aber der Rigger schien zu wissen, was er tat, auch wenn ich zwischendurch desöfteren ein „I guess“, „I‘m not sure“ and „May be“ mitanhören musste. Selbstverständlich packten alle mit an. Auch der Voreigner, mit seinen fast 80 Jahren, wieselte wie nichts zwischen Steg und Boot hin und her. Am Abend waren alle so platt, dass es nur noch für ein wenig Serie gucken reichte, dann waren wir in unseren Kojen verschwunden.

Leider drückte uns ein wenig, die Tatsache, dass der Glomex in derart luftiger Höhe nicht arbeiten wollte. Offenbar wurde er nicht ausreichend mit Strom versorgt.

Deswegen standen wir am „Langen Freitag“ (Feiertag in Dänemark, an dem die Dänen nach Deutschland zum Shoppen fahren) früh auf, besorgten ein dickeres Elektrokabel und eine neue Haltevorrichtung für unser sensitives Internet-Ei und Noah wurde an eine echte Mutprobe herangeführt: Denn einer musste nach oben, um den Glomex wieder abzumontieren. Wir hatten ausbaldowert, dass uns die ursprüngliche Höhe des gefühlt rohen Plastik-Eis in der Nutzung durchaus zufriedengestellt hatte und dass es eher hinderlich war, den SIM-Kartenhalter so weit oben zu befestigen. 

In der Tat waren wir alle Vier sehr aufgeregt, als wir das Schiff erneut an den Schiffskran umlegten, damit der Junior sicher hochgezogen werden konnte. Dafür nutzten wir einen entsprechenden Schnürsitz, in den Noah verschalt wurde, um nach oben gezogen werden zu können. Frauchen war so konzentriert mit Sichern beschäftigt, dass sie zugunsten der Unversehrtheit des eigenen Kindes an dieser Stelle auf eine bildliche Dokumentation verzichtet hat. Am Ende stand der wirklich cool, aber auch verantwortungsbewusst agierende Spross mitsamt Glomex wieder auf sicherem Terrain und alle waren doch ein bisschen schwer erleichtert.

Hr. Jensen tauchte auch an diesem Tag wieder auf und ließ es sich nicht nehmen, uns darin zu unterstützen, alle Segel aufzuhissen, um sie dann wieder gut zu verpacken, damit wir auf unserer weiteren Reise darauf zurückgreifen können. Alleine hätten wir das nie geschafft. Selbst Hr. Jensen musste ein paar Mal intensiv nachdenken, wie alles nun wirklich zusammen gehör (Video)

Dafür bekommen sie von mir auch alle Mann ein dickes Lob, denn unter wirklich üblen Wetterbedingungen haben sie schwer und mit nur einer Teepause geschuftet und das Boot für den nächsten Reisetag gesichert, während ich die meiste Zeit im Körbchen schlummern durfte. Ganz süß: Hr. Jensen hatte uns zusammen nach Helsingör mit seiner Frau zum Essen einladen wollen, aber wir müssen leider weiter: ein neues Land ruft nach uns. Morgen geht es nach Schweden 🇸🇪 

Dänemark und deren Landsleute sind wirklich eine Reise wert. Wir finden sie super sympathisch, sehr hilfsbereit und immer freundlich. Nur über die Schweden lästern sie ein bisschen, aber das kennen wir zwischen den Mainzern und Wiesbadenern ja auch. 

Egal, ich freu mich jedenfalls auf die westlichen Schären, obwohl ich noch gar nicht so genau weiß, was das ist. Ob es sich futtern lässt?

Fangfrische Forellen und mehr in Gilleleje

Letzten Freitag sind wir schon ein wenig schweren Herzens und extrem früh von Kopenhagen, dieser tollen Stadt gestartet. Mit ca 60 km hatten wir uns Einiges vorgenommen. Das Wetter schien ruhig, die Wellen niedrig. Dennoch wurden wir auch auf dieser Etappe vor eine Herausforderung gestellt: Ungefragt tauchte plötzlich direkt vor uns eine riesige graue Küchensuppe auf. Frauchen wäre natürlich am liebsten in den nächsten Hafen eingelaufen. Mittlerweile hat sie aber schon begriffen, dass das nicht die Form von Abenteuer ist, die beim männlichen Teil der Mannschaft vorherrscht. Außerdem war sie leider nicht Captain an diesem Tag.

An dieser Stelle ist ein Loblied auf die Technik anzubringen. Mithilfe des Plotters (Navi für Schiffe) konnten wir genau sehen wie wir fahren. Und dann die Apps, ohne die wir gar nicht mehr ablegen wollen. Mit „Windy“ können wir genau das Seewetter checken. Deswegen konnten wir auch gleich sehen, dass wir „nur“ eine gute Stunde in dem Nebel würden ausharren müssen. Und mit „Schiffsradar“ (im übrigen alles keine Werbung und bezahlte schon mal gar nicht) können wir sehen, wer sich in unserem direkten Umfeld so rumtreibt, egal ob Cargoschiff oder kleines Fischerboot. So wurschtelten wir uns durch und abgesehen von zwei verknuddelten Angelleinen gestaltete sich die Überfahrt ruhig und schon gegen halb 2 zurrten wir die Leinen in Gilleleje fest. Beeindruckend auf diesem Weg die Meerenge zwischen Helsingör (DK) und Helsingborg (S). Die beiden kreuzenden Fähren ließen wir großzügig durch.

Von dem Bade- und Fischerort Gilleleje waren wir restlos begeistert und von der plötzlichen Lebendigkeit einer dänischen Marina schwerstens entzückt. Gleich zu Beginn hatten wir einen beeindruckenden Kontakt mit der Werft. Routinehalber war der Impeller auszutauschen. Noch in Deutschland hatten wir uns die Finger wund telefoniert und keinen Termin bekommen. Hier kam der Mechaniker gleich mit und tauschte das gute Stück aus. Der Außenborder war leider nur komplett zu ersetzen, die Pleuelstange war hin. Aber auch hier wurden wir gut beraten und würden den Neuen schon am Montag bekommen.

So stellten wir uns auf ein nettes Wochenende ein und wurden nicht enttäuscht. Zwar immer noch frisch, aber komplett sonnig, pilgerten wir die Strände entlang, ergötzten uns an den schönen Häuschen der immerhin 6.000 Einwohner und erkundeten das Städtchen. Und am Samstagmorgen wurde es voll, ein richtig kleiner Erholungsort der Dänen. Viele Kopenhagener fahren hier gerne im Sommer und an Wochenenden hin. Wir bekamen die zweite Regatta der Saison mit und ließen uns auf das Frühlingstreiben ein. Nun standen wir auf der anderen Seite was die Bekleidungsmodalitäten anbelangt. Anders, als wir es im Süden erleben, wanderten wir nun eingemummelt mit Mütze und Schal durch die Gassen, während die Dänen in kurzen Hosen und Flipflops über die Promenade wandelten. Ganz besonders freuten wir uns auf den frischen Fisch, den es direkt im Hafen zu kaufen gab und den wir uns noch am gleichen Abend lecker zubereitet haben.

Auch am Sonntag schien halb Gilleleje auf den Beinen. Die Geschäfte und Cafés waren geöffnet. Allerdings überstürzt sich das dänische Bewirtungspersonal nicht, wenn man eine Lokalität betritt, sondern legt eher eine nordische Gelassenheit an den Tag. Sie haben definitiv keine Angst, dass man als Gast wieder geht, wenn man nicht auf seine Wünsche angesprochen wird. Auch waren wir stets wieder früh auf dem Schiff, wenn wir essen gingen; das Abendgeschäft ist hier spätestens um 21 Uhr Geschichte und die Läden dicht. Frauchen wurde anlässlich des auch in Dänemark stattfindenden Muttertags am Abend zum Essen eingeladen. Sie hatten den Tisch für 19 Uhr reserviert, waren damit die letzten Gäste die eintrudelten und bei Frauchens Esstempo natürlich die letzten Gäste, die das Restaurant verließen.

Am Montag wurde dann wieder „gearbeitet“. Der Außenborder wurde abgeholt und angebracht und der vormalige Eigentümer kam und besprach mit uns die Maststellung am Donnerstag in Frederiksvaerk durch. Am Ende kontrollierten wir noch, ob wir dafür auch alles dabei und vorrätig hatten und plauschten ein wenig mit Hr. Jensen über das nun uns gehörende Schiff und seinen Erlebnissen damit.

Nach all der Action an der frischen Luft habe auch ich mich wieder an den Schreibtisch gesetzt und wüst über die passenden Formulierungen für diesen Blog nachgedacht.

Akkus aufladen im entspannten Kopenhagen und schicken Malmö

Der „Lange Linie-Hafen“ war die letzten Tage unsere Heimat und das war (eingeschlossen des sehr netten Hafenmeisters) die richtige Entscheidung für uns. In der Nähe der „Kleinen Meerjungfrau“ und einer äußerst gepflegten Parkanlage rund um das Castell (für meine Gassi-Runde) waren wir bestens aufgehoben und fühlten uns schon nach wenigen Stunden als Teil dieser Stadt.

Mein Rudel erkundete die dänische Hauptstadt mit dem Rad. Das fanden sie eine dolle Sache. Innerhalb weniger Minuten waren sie an Ort und Stelle, so dass sie eine Menge zu sehen bekamen. Sie finden Rad fahren in Kopenhagen klappt noch besser als in Amsterdam, weil es sich nach mehr Einklang zwischen Rad, Auto und Fußgänger anfühlt. Man muss allerdings schnell die Zeichen lernen. So heißt eine kurz nach oben ausgestreckte Hand: Achtung, ich halte gleich an. Wäre dem Junior fast zum Verhängnis geworden, aber Unfälle wollten wir ja ab jetzt auslassen. Auch sind die Radwege so breit, dass die Gemütlichen rechts und die Flotten links fahren. Super klappt das auch mit den elektrischen Rollern (s. Bild unten), die an jeder Ecke gemietet werden können und am Ziel – sicher geparkt – einfach abgestellt werden können.

Lassen wir an dieser Stelle einfach Bilder sprechen:

Als Hobby-Kulinariker hat uns der Foodmarket und der Nyhavn am besten gefallen. Herzlichen Dank auch von unserem lieben Freund Wolfgang: Wir haben das Heringsbuffet gefunden und sehr genossen.

Während ich von Kopenhagen eher die Parkanlagen ausgiebig ausschnüffeln konnte, durfte ich mit nach Malmö-City. Nach eingehender Diskussion wurden die Pläne erneut ein wenig verändert, wobei, ehrlich gesagt, sind wir bislang fast keinen Hafen angelaufen, den wir im Vorfeld am Wohnzimmertisch geplant hatten. Aber so ist das nun mal mit dem Seefahrer-Leben.

Da sich das Wetter also wieder gegen unsere Reisepläne stellen würde, nahmen wir uns für einen Tag einen Leihwagen und fuhren nicht unter der Öresund-Brücke durch, sondern über sie drüber.

In Malmö selbst haben wir uns dann sehr wohl gefühlt. Endlich wollte mal eine junge freundliche Polizisten meinen 1a-gepflegten Heimtier-Ausweis sehen. Wir begannen unseren Spaziergang bei Lilla Torg und verbrachten den Vormittag rundum die Altstadt. Nach einem leckeren Mittagessen haben wir uns dann das „Turning Torso“ mit samt dem topmodern anmutenden Viertel angesehen, das gerade entsteht, einen Blick in die Marina geworfen, in der wir gelegen hätten, und ein bisschen Shoppen im Emporia musste auch sein. Ich habe mich wunderbar citytauglich benommen und großes Lob eingeheimst.

In dieser Woche haben wir uns vorbildlich benommen: Keiner ist aus der Reihe getanzt, niemand hat das dänische Gesundheitssystem in Anspruch genommen oder ist sonst wie auffällig geworden. Wir waren alle lieb und haben sehr lecker gegessen.

Gerade wird diskutiert wie es weiter geht, bleibt also dran und schaut euch weitere Videos bei labbigoeseurope an.

Sieben Stiche und eine Sandbank bis nach Kopenhagen

Stubbekobing – Kalvehave, ca. 30 km

Dann waren sie da – die Abenteuer und nicht zu knapp. Deswegen sind wir jetzt, in Kopenhagen liegend, froh ein paar ruhige Tage verbringen zu können.

Angefangen hat alles damit, dass wir Stubbekobing am Freitag morgen gut gelaunt und voller Tatendrang verlassen haben. Der Wind hatte sich gelegt, die Sonne schien, wir waren gerade am Überlegen, ob wir unsere Tour nicht um ein paar Seemeilen verlängern sollten, da ruckte es zweimal kräftig und wir waren auf eine Sandbank aufgefahren. Davon gibt es im Gronsund eine Menge und das weiß mein Rudel natürlich auch, aber durch die vielen Wellen verschieben die sich auch gerne mal und sind dann nicht so genau, wie auf dem Plotter dargestellt.

Während Frauchen dann am liebsten die Feuerwehr, Küstenwache und Bergrettung auf einmal rufen würde, ist bei den männlichen Mitgliedern der Crew (der Kater natürlich ausgenommen, der verschläft eher die wahren Aktionen) die Abenteuerlust geweckt. Nachdem das Herausfahren mittels Motor und Bugstrahlruder nicht gelang, wurde der Tender klar gemacht und man wollte sich damit an der Spitze nach der Seite rausziehen. Was dadurch verhindert wurde, dass der Motor des Beiboots mit einem seltsamen Geräusch den Geist auf gab. Auch die zweite Idee, den Anker auszubringen und sich am festgezogenen Anker rauszuziehen klappte nicht. Wir blieben schön fest auf der Sandbank sitzen. Also ging der Kapitän erneut ans Steuer und malträtierte die Maschinerie so lange, bis die Sandbank nachgab und wir wieder frei schwammen. Die Frage, in Kalvehave festzumachen war wortlos beschlossen. Dort unternahmen wir noch eine schöne Wanderung an die etwas höher gelegene Kirche und genossen in gemütlicher Atmosphäre das auch hier vorherrschende, unberechenbare Aprilwetter in Dänemark.

Kalvehave – Rodvig, ca. 30 km

Die Fahrt nach Rodvig war dann erfreulich ereignisarm.Dort angekommen unternahm jeder was er wollte: die Herren gingen angeln, während Frauchen und ich die Ortschaft erkundeten.

Am Abend wollten wir dann mal so richtig dänisch essen gehen, was uns bislang nicht gelungen war. Wir landeten in einem sehr netten Restaurant mit gemütlichem Ambiente, das von einem sympathischen Berliner geführt wird. Auf der Suche nach einem Hausboot war er an diesem Zipfel Europas hängengeblieben und bereitet nun leckere Fischgerichte zu. Eine nette Begebenheit.

Rodvig über Koge nach Dragor (Vorort von Kopenhagen), ca. 70 km

Dieser Tag ging für mein Rudel völlig schief, aber Ende doch gut aus.

Es begann wie immer: Herrchen und ich übernahmen die Frührunde und sammelten schon mal ein paar Schritte. Bei der Rückkehr ans Boot hopste ich zuerst über die Rampe an Bord, Herrchen folgte und dann (ich hab‘s ja nicht so genau gesehen), rumste und schepperte es hinter mir. Sowohl meine Rampe, als auch Herrchens Schienbein waren kaputt. Das hatte zur Folge, dass ich ewig auf mein Futter warten musste und alle wie wild durcheinander liefen.

(Gedankt sei an dieser Stelle auch den total freundlichen Sanitätern der dänischen Ambulanz und dem aufrichtig bemühten Personal in der Klinik)

Ich habe der ganzen Aufregung entnommen, dass Herrchen in Kobe am Schienbein genäht werden musste (Foto nur auf Anfrage). Das bedeutete für Frauchen, den Junior und mich natürlich die nächste Feuerprobe: Wir beschlossen allein nach Koge (ca. 40 km) zu fahren, um das in Verlust gegangene und nun gehbehinderte Crewmitglied wieder einzusammeln. Und es ging, bis auf die Tatsache, dass wir einen kurzen Moment im falschen Hafen unterwegs waren, richtig gut. Wir verfuhren uns ansonsten nicht, schrotteten keine Fischernetze und reparierten sogar noch eine Fahrradbremse nebenbei – Dank meiner Oberaufsicht.

Nachdem wir das abtrünnige Rudelmitglied wieder an Bord hatten, ging es weiter nach Kopenhagen. Wir wollten im Zeitplan bleiben, da wir jetzt einen Mast-Termin am 16. in Frederiksvaerk bekommen haben. Das brachte uns einen 4er-Wind ein, was ich überhaupt nicht leiden kann,. Wir sind dann aber nicht ganz bis in den Hafen „Lange Linie“ direkt nach Kopenhagen gefahren, sondern haben im Vorort Dragor Halt gemacht. Dort bin ich auf einen sehr sympathischen Kumpel getroffen, der so von mir begeistert war, dass er bis in den späten Abend vor dem Schiff blieb. Die restlichen paar Kilometer haben wir am Montagmorgen sehr früh abgeschrubbt. Hat dafür aber kaum geschaukelt.

Ein schönes Highlight wird es wahrscheinlich im August auf der Heimfahrt noch geben: Meine lieben Geburtshelfer (Nordlights) ziehen um und liegen damit genau auf unserer Strecke. Dann kann ich Mama mal zeigen, was ich für ein tolles Mädchen geworden bin 🥰🥰🥰

Wir sind in Dänemark! Und mit denen läufts

Burgtiefe /Fehmarn – Stubbekobing (Dänemark)

Wir hatten eine richtig schöne und ruhige Überfahrt und – eine lange. Wir haben letztendlich über 90 km in elf Stunden zurückgelegt. Und das wird wohl auch die Strategie der nächsten Tage sein: An Tagen, an denen es windmäßig vertretbar ist , versuchen weit zu kommen, um dann an ungemütlichen Tagen im „Hafenkörbchen“ bleiben zu können. Tja, so ist es jetzt, nicht wir bestimmen, sondern das Wetter zeigt uns, wann wir fahren, wie weit wir kommen und wie lange wir liegen bleiben. Ist man als so eng getaktetes Lebewesen mit rasendem Alltag nicht gewöhnt, hat aber was.

Am Abend vor unserer Abfahrt kündigte sich die Wetterberuhigung an und rund ums Boot wurde alles für die Überfahrt vorbereitet. Auch ich musste meinen Teil dazu betragen und eine gewisse Zeit mit der Schwimmweste rumturnen, damit ich im Fall der Fälle nicht rumzappele.

Die Ostsee zwischen Fehmarn und Gedser zeigte sich von ihrer Schokoladenseite, was ich sehr nett fand, denn ich habe jetzt herausgefunden, wie das mit den Wellen und mir ist: Am liebsten bin ich vorne und erschnüffele mir die „Meereszeitung“. Das riecht alles so komplett anders, als ich es von den Feldrändern kenne. Hunde scheinen hier nicht so oft vorbeizukommen, es duftet eher maritim bis amphibisch. Schwer interessant. Total. Zu viele Wellen mag ich aber nicht, dann werde ich auch direkt nach hinten gerufen, da ist es ruhiger und ich kann auch keine Dummheiten machen (als würde ich mitten auf der See eine Möwe erjagen wollen).


Da es so famos lief, entschied das Rudel auf der Höhe von Gedser, gleich bis nach Haesnaes weiterzufahren, so nach dem Motto, was wir haben, haben wir. Und dann machen die ja manchmal Sachen, die kann man als vernunftbegabter Labbi nicht nachvollziehen, aber man ist ja von Hause aus treu. Wir hatten also in Haesnaes um 16 Uhr angelegt, den Strom angeschlossen, nochmal umgelegt, weil das besser schien, den Hafenmeister gesucht und nicht gefunden, den Strand erblickt; all das nur um dann wieder abzulegen und wieder wegzufahren? Herausgehört habe ich nur, dass hier in diesem Örtchen weniger als nichts zu finden war (hatte Frauchen ja nicht von Anfang an betont!) Das schien für die kommenden Tage etwas schwierig in Sachen Wetterbeobachtung zu sein und es gab ja noch das große Projekt des eigenen Internets. Deswegen brauchte es die ein oder andere Einkaufsmöglichkeit.

So landeten wir dann gegen 6 Uhr am Abend in Stubbekobing und haben es nicht bereut. Der Wind der vergangenen zwei Tage ist wirklich nicht ohne (Video auf Instagram @labbigoeseurope)und den Technikern und ITlern an Bord sei Dank: Wir haben jetzt unser eigenes Netzwerk an Bord. Sind also endlich von allen doch schwach funktionierenden WIFIs und der knauserigen GigaByte-Verteilung unabhängig.

Die Details habe ich jetzt auch nicht so auf der Pfanne, aber mit diesem lustigen Halb-Ei, sind wir in der Lage Internet zu empfangen (Reichweite ca. 20 sm bei freier Sicht auf die Funkmasten). In den Glomex steckt man dann eine SIM-Karte und jetzt kommt der Hammer: in Dänemark (und später auch in Schweden) haben die das im Griff.!!! Hier gibt es 200 GB für 30 Tage, kostet in etwa 27 €, bei flächendeckendem 4 G. Weitere Bemerkungen erspare ich mir an dieser Stelle, obwohl ich mich schon wundern muss, wie zähflüssig das in meiner Heimat laufen muss. Unsere Kommunikation jedenfalls ist gesichert und wir können nun auch auf dem Meer die Wind- und Wetterlage checken, ohne dauernd mit unseren nicht nennenswerten Datenvolumen haushalten zu müssen.

An den Tagen im Hafen ist uns überhaupt nicht langweilig. Es werden die Vorräte aufgestockt, Wanderwege erkundet, das Schiff auf Vordermann gebracht und die ortsansässige Restauration getestet.

Auch mit der Katz‘ hat Frauchen ein Agreement gefunden: An Abenden vor wichtigen Schlägen, darf er nicht raus. Damit muss er leben. In allen anderen Nächten muss er sich melden, bekommt dann seinen Tracker an und das Fenster auf. Entzückenderweise lässt sich das Katzentier drauf ein. Er wird noch richtig kommunikativ und ich ein wahrer Fan von ihm. Leider ist ihm meine Leidenschaft das ein oder andere Mal zu üppig. Spaßbremschen.

Was gibt es heute eigentlich zu essen?

Tak fürs Zuhören!

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