Das Rudel hat entschieden und eigentlich ging es recht zügig. Wir hatten uns bereits im Vorfeld verabredet, nochmal ernsthaft darüber nachzudenken, ob unsere geplante Reise wirklich noch mit der heiß geliebten Gulet möglich ist.

Seit sie vor zwei Monaten am Anleger untergegangen ist, haben wir zwar alles dafür getan, dass es weiter gehen kann, aber zwei Argumente ließen sich nicht niederkämpfen:

Würde uns unser Holzboot wirklich sicher über alle Gewässer tragen (schließlich müssen wir auch über das offene Meer) und würde es auf Dauer für uns bezahlbar bleiben?

Ausschlaggebend war, dass wir unser Herbstziel nicht erreicht hatten. Wir hatten es nicht geschafft, das Schiff wieder ins Wasser zu bekommen. Es wurde mit jedem Tag klarer, dass der Aufwand kaum mehr zu bewältigen ist, weil permanent neue Probleme hinzukommmen.

Auch finanziell wird der Druck immer größer, weil wir ja nicht in einen Wert investieren. Das  Schiff ist Baujahr 1979. Es ist nicht mehr veräußerbar..  Da wir vor dem Sommer bereits eine große Reparatur hatten und nach dem Untergang zusätzliche und ungeplante Kosten aufliefen, musssten wir ernsthaft darüber nachdenken, die Reißleine zu ziehen.

Ein bisschen hat uns zögern lassen, dass wir uns schlicht und ergreifend keine andere Art der Reiserei vorstellen wollen. Wir wollen nicht über Monate aus dem Koffer leben, indem wir Europa mit dem Auto bereisen und uns unterschiedliche Unterkünfte suchen. Wir wolllen reisen,  viele Länder kennenlernen und dennoch im eigenen Zuhause unterwegs sein.

Bleibt das Reisen mit einem Camper, aber auch der müsste ja erst angeschafft werden. Außerdem ist es eine komplett andere Art der Fortbewegung. Anders als auf einem Schiff, wo immer was zu tun ist, sitzt man zuviel während der Fahrt , das Ganze immer drinnen und man lernt in erster Lienie die Autobahnen Europas kennen.

Es war also sofort unstrittig, dass eine Entscheidung getroffen werden musste. So stoppten wir sofort die Aktivitäten unseres Bootsbauers, um die Reparaturkosten nicht weiter in die Höhe zu treiben . Als Nächstes begannen wir den Gebrauchtmarkt nach sog. Stahlschiffen abzugrasen und fingen an, zu überlegen, was mit unserem Holzschiff passieren könnte.

Während meinem Rudel, die Köpfe rauchten, blieb ich komplett gelassen.

Folgendes haben wir verabredet bzw. in die Wege geleitet:

Entweder unser Bootsbauer bekommt die Gulet zum Ausschlachten oder wir selbst übernehmen das. Und wir fahren Ende Oktober nach Holland und schauen uns ausgewählte Stahlschiffe an.

Dafür müssen wir unseren Gürtel natürlich enger schnallen, aber es ist unser Traum, Europa auf dem Wasserweg kennenzulernen und so machen wir es.

Für mich gar kein Problem. Ich bin ein Schokolabbi und äußerst flexibel. Zwar wurde ich auf einem Holzschiff ausgebildet, aber Boot fahren kann ich auch auf einem KOTTER.😉