Zwei Tage lief die Probefahrt und ich war voll in meinem Element. Zwar plantschte ich noch nicht im kühlen Nass, raste aber über holländische Wiesen und schnupperte die Frühlingsluft. Auch wenn das Boot ganz anders ist, als es unsere Holzlaube war, so hat es vorne am Bug -wie gewohnt- meinen Lieblingsplatz.

Nachdem meine Leute ein paar Stunden fleißig waren, gab es den ersten Kaffee an Bord im strahlenden Sonnenschein. Unbezahlbar!

Wichtigste Fragestellung für mein Rudel, bezogen auf diesen kurzen Trip war, läuft die Heizung und macht sie ausreichend warm? Juckt mich ja nicht so, ich habe mein kuscheliges Fell und fühle mich sehr lange wohl, ohne dass ich friere. Aber meine drei Nacktschnecken brauchen es ein bisschen kuscheliger und wollten die Zeit in Schweden nicht schlotternd auf dem Kahn verbringen. Es klappte nicht im ersten Anlauf, weil die Heizung zunächst ohne Angabe eines Grundes ihren Betrieb einstellte. Ebenso der Generator. Und das war schon übel. Wenn man auf einem Boot einrückt, das zwei Jahre lang ungenutzt in der Werft lag und Strom und Wärme laufen NICHT. Ich muss sagen, das hat auch mich nicht sonderlich begeistert, denn plötzlich war von angenehmer Nachtruhe keine Spur mehr. Ständig ging der Generator ein und wieder aus, es brummte, dann mal wieder nicht, Herrchen tauchte auf, verschwand wieder von der Bildfläche. So ging die Nacht vorbei. Ausgeruht fühlte ich mich nicht, aber als gut gelaunter Labbi tat ich mein Bestes und setzte eine frohe Miene auf. Zum Glück gab es wie gewohnt Futter, das brachte meine Welt im Nu ins Gleichgewicht.

Am zweiten Tag gab es wieder eine Menge zu tun, aber nachdem der herbeigerufene Mechaniker 1 1/2 Stunden an Bord im Motorraum gezaubert hatte, liefen alle Maschinen und es ging los. Wir fuhren im wunderbarsten Frühlingswetter durch die Loosdrechter Plassen, taten uns etwas um und landeten auf einer wunderbaren kleinen Insel. Dort waren wir fast ganz für uns alleine. Ich durfte frei wie ein Vogel von Bord, da tauchte plötzlich mein (Spiel-)Hahn auf. Den kenne ich eigentlich aus Griechenland. Kurz wunderte ich mich, wie der nun nach Holland kam, aber egal. Hauptsache er wollte nur spielen. Die anderen verbrachten den ganzen Nachmittag damit, den Inhalt des Schiffes quer über die Wiese zu verteilen, um Inventur zu machen. Der Inhalt kann sich sehen lassen und ließ bei der Crew kaum Wünsche offen. Zwischendurch tauchte der ein oder andere Artgenosse auf und stellte sich mir vor. Hier in Holland scheinen die komplett anders „Gassi zu gehen“. Ihre Menschen fahren sie mit ihren kleinen Booten auf Inselchen wie unsere und dort dürfen sie sich austoben und lösen. Nach einer gewissen Zeit steigen alle wieder ein und fahren nach Hause. Einmal tuckerten zwei Jungs herbei, die waren viel jünger als mein Junior, fuhren alleine Boot und hatten einen Hund dabei. Das fand ich cool. 

Zuletzt brachten wir noch unseren Schiffsnamen an. Jetzt ist es wirklich unseres. Danach waren wie alle kaputt, so viel Sauerstoff am Stück sind wir nicht mehr gewohnt. Ein einfaches aber, richtig leckeres Abendessen rundete den Tag ab.

Der Generator schaffte auch die nächste Nacht nicht. Mit Ach und Krach konnten wir am Morgen drei Kaffee zapfen, dann war Schluss mit der Elektrizität an Bord. Glücklicherweise stand die Sonne hoch, mein Rudel musste nicht frieren. Dieses Problem würde der Mechaniker erneut lösen müssen. Etwas stimmt da ganz und gar nicht. Die Rückfahrt zur Werft genoss ich dennoch in vollen Zügen.

Das Anlegemanöver am Steg der Werft gelang alles andere als souverän, was aber mitnichten an der Mannschaft lag. Während dem Ansteuern  der Box griff der Vorwärtsgang des Gashebels nicht mehr. Es ging nur noch rückwärts. Das brachte uns zwei kurze Landkontakte ein, die nicht eingeplant waren; aber schlussendlich legten wir sicher an. Noch ein Auftrag für die Werft.

Auf dem Rückweg hatten wir mehrere Stunden Autofahrt und einen dicken Stau Zeit, Fazit zu ziehen. Vieles lief wirklich gut. Das Boot ist richtig seemännisch durchdacht und bestens ausgestattet. Wir müssen es eben noch besser kennenlernen und die vielen kleinen Baustellen, die sich nach zwei Jahren Liegezeit erst nach und nach zeigen, müssen behoben werden. Deswegen wird der Kapitän in der Zwischenzeit nochmal zur Dialima reisen, um zu überprüfen, so dass beim Start der Reise wirklich alles in Ordnung ist.

Wie auch immer, ich freu mich nach wie vor ungebremst. Und Zuhause lief auch nicht alles rund. Bei Ankunft war die ISDN-Box mausetot und verschieden. Eine neue musste her, deshalb so spät in dieser Woche.