WESEL-DATTELN-KANAL
Samstag, der 13.04.2019, De Bijland – Wesel, ca. 50 km

Kapitän: Guny

Zum Glück geht der Kapitän morgens gleich ne Stunde mit mir laufen und wenn es geht, darf ich gut flitzen. So halte ich die zehn Stunden an Bord gut aus. 


Den Niederrhein ging es fast ohne besondere Vorkommnisse hoch. Den Schlepper J. wollen wir mal unerwähnt lassen. Obwohl es wirklich keine nette Art ist, uns so in Bedrängnis zu bringen, nachdem wir uns schon extrem an die Buhne verdrückt hatten.

Das muss man sich mal auf der Zunge zergehen lassen: Wir sind heute 50 Kilometer weit gereist und haben dafür etwa 9 Stunden gebraucht. Kann man sich das in der heutigen, schnell lebigen Zeit überhaupt noch vorstellen? Das bringt mich auf einen Gedanken:

Unser Leben in Zahlen:

Wir leben jetzt zu 5. auf ca. 50 Quadratmeter in 2 Ebenen und drei Kabinen. Das Schiff ist ca. 13 m lang und 4,5 m breit. Erst Brücken ab 3,5 m Höhe sind für uns ungefährlich. 

Wir sind heute im Schnitt 6 km/h Stunde gefahren. Gegen 9 Uhr fuhren wir los, ca. gegen 17 Uhr legten wir an der Tankstelle an. Dort haben wir 625 L Diesel aufgenommen. Der Wassertank nimmt ca. 800 L auf, die dann bis zur nächsten Möglichkeit reichen müssen (klappt aber ganz gut; sind auch noch city-tauglich). Der Fäkalientank muss nach spätestens 500 L geleert werden; hier sollte man nicht ganz bis an die Grenzen gehen.

Während des Fahrens achten wir ständig auf die Wassertiefe (unser eigener Tiefgang beträgt 1,30 m) und die Drehzahl beim Motor (1300 Umdrehungen ist für uns die Obergrenze). Natürlich dürfen die Kilometrierungen rechts und links am Fluss / Kanal nicht vernachlässigt werden, sonst weiß man nicht mehr wo man ist. 

Liegen wir abends endlich am Strom, muss die Anzeige des Generators immer im Blick bleiben. Die Batterieanzeige sollte bevorzugt auf 100 % stehen. Alles andere versetzt mein Rudel nach wie vor in Alarmbereitschaft. Frauchen, unsere Spezialistin, hat es beim Kochen noch nicht so drauf und lässt nach wie vor beinahe alle Geräte in der Küche parallel laufen. Sie hält das für besonders ökonomisch, erreicht damit jedoch lediglich, dass wir die zumeist doch sehr niedrige Absicherung in den Marinas überschreiten. Aber sie ist lernfähig.

Nur der Vollständigkeit halber: Ich bekomme 2 Mahlzeiten am Tag (was ganz klar zu wenig ist) und werde dreimal ausgeführt.

MITTELLANDKANAL

Sonntag, 14.04.2019, Wesel – Flaesheim, 54 km, 4 Schleusen

Kapitän: Frauchen


Hier habe ich mal eine gute Übersichtskarte für euch gefunden. Dort könnt ihr mal unsere Reise bis in die Ostsee (beginnend mit heute ab Wesel) verfolgen. Anfang der Woche ab dem 21. wollen wir in die Ostsee einfahren. Den Rhein haben wir heute verlassen und das finden alle (inkl. uns Vierbeiner) richtig erholsam. Es schaukelt weniger, die Strömung fehlt. Dadurch fahren wir fast doppelt so schnell und es ist beschaulicher, weil hier weitaus weniger Schlepper unterwegs sind, die hier eine recht entspannte Fahrweise an den Tag legen.


Noahs erste Einfahrt in die Schleuse


Montag, 15.04.2019 Flaseheim– Fuestruep, 68 km, 3 Schleusen

Kapitän: Junior

Der heutige Tag war ein richtig schöner. Der Frühling hat sich zurückgemeldet. Frauchen und ich haben das direkt ausgekostet und uns in unserer freien Stunde in die Sonne gepflanzt. Andere Aufgaben blieben liegen und müssen bis morgen warten.


Wir haben unser System gefunden. Auch die Schleusen klappen jetzt. Jeder fährt seine Stunde ab und hat dann zwei Stunden frei. In dieser Zeit wird heftig an den einzelnen Projekten gearbeitet:

Frauchen schreibt ihre Blogbeiträge oder erstellt eine neue Seite

Noah arbeitet an seiner Website (www.proandfitbook.de) und 

Guny bastelt an seinen Filmen. Bis die fertig sind, hier mal ein paar Eindrücke vom Dortmund Ems Kanal. So langweilig, wie in den Büchern behauptet wird, finden wir den Kanal gar nicht.

Als wir am Samstag Holland verlassen haben und wieder nach Deutschland gefahren sind, kamen wir in der Wüste an: in der digitalen!!! Echt wahr. In Holland waren wir sofort im Internet. WiFi-Codes werden direkt an die Hand gegeben oder sind gleich offen. Die Verbindung ist gut, die Geschwindigkeit schnell. Kaum in Deutschland sind meine Leute fast von der Welt abgeschnitten. Ständig blinkt das E auf dem Display. Tja, werden die Drei mal für eine Weile ins analoge Leben zurück katapultiert.

Dienstag, 16.04.19, Fuestrupp – Bad Essen, 90 km

Kapitän: Guny

Fahrt ohne besondere Vorkommnisse oder ich habe nichts mitbekommen. Ich habe nämlich heute in die aus Versehen offen stehende Futterdose gepackt und mich etwas sehr überfressen.

Am Abend lagen wir dann in einem relativ modernen Hafen, war mir aber egal. Hauptsache ich fand eine gute Wiese. Mein Rudel hat dann mal wieder kräftig die Vorräte aufgestockt.

Mittwoch, 17.04.2019 Bad Essen – Idenssen, 70 km

Kapiteuse: Frauchen

Fahrt fast ohne besondere Vorkommnisse. Wir werden alle sicherer und trauen uns mehr zu. Zwei- und Vierbeiner genießen die Sonne. Etwas überrascht wurden wir von der Tatsache, dass am Wochenende Ostern ist. Man vergisst hier fast die Zeit.

Ciao Bellos, macht’s gut, die Leine ruft und die Wildnis wartet.