Letzten Freitag sind wir schon ein wenig schweren Herzens und extrem früh von Kopenhagen, dieser tollen Stadt gestartet. Mit ca 60 km hatten wir uns Einiges vorgenommen. Das Wetter schien ruhig, die Wellen niedrig. Dennoch wurden wir auch auf dieser Etappe vor eine Herausforderung gestellt: Ungefragt tauchte plötzlich direkt vor uns eine riesige graue Küchensuppe auf. Frauchen wäre natürlich am liebsten in den nächsten Hafen eingelaufen. Mittlerweile hat sie aber schon begriffen, dass das nicht die Form von Abenteuer ist, die beim männlichen Teil der Mannschaft vorherrscht. Außerdem war sie leider nicht Captain an diesem Tag.

An dieser Stelle ist ein Loblied auf die Technik anzubringen. Mithilfe des Plotters (Navi für Schiffe) konnten wir genau sehen wie wir fahren. Und dann die Apps, ohne die wir gar nicht mehr ablegen wollen. Mit „Windy“ können wir genau das Seewetter checken. Deswegen konnten wir auch gleich sehen, dass wir „nur“ eine gute Stunde in dem Nebel würden ausharren müssen. Und mit „Schiffsradar“ (im übrigen alles keine Werbung und bezahlte schon mal gar nicht) können wir sehen, wer sich in unserem direkten Umfeld so rumtreibt, egal ob Cargoschiff oder kleines Fischerboot. So wurschtelten wir uns durch und abgesehen von zwei verknuddelten Angelleinen gestaltete sich die Überfahrt ruhig und schon gegen halb 2 zurrten wir die Leinen in Gilleleje fest. Beeindruckend auf diesem Weg die Meerenge zwischen Helsingör (DK) und Helsingborg (S). Die beiden kreuzenden Fähren ließen wir großzügig durch.

Von dem Bade- und Fischerort Gilleleje waren wir restlos begeistert und von der plötzlichen Lebendigkeit einer dänischen Marina schwerstens entzückt. Gleich zu Beginn hatten wir einen beeindruckenden Kontakt mit der Werft. Routinehalber war der Impeller auszutauschen. Noch in Deutschland hatten wir uns die Finger wund telefoniert und keinen Termin bekommen. Hier kam der Mechaniker gleich mit und tauschte das gute Stück aus. Der Außenborder war leider nur komplett zu ersetzen, die Pleuelstange war hin. Aber auch hier wurden wir gut beraten und würden den Neuen schon am Montag bekommen.

So stellten wir uns auf ein nettes Wochenende ein und wurden nicht enttäuscht. Zwar immer noch frisch, aber komplett sonnig, pilgerten wir die Strände entlang, ergötzten uns an den schönen Häuschen der immerhin 6.000 Einwohner und erkundeten das Städtchen. Und am Samstagmorgen wurde es voll, ein richtig kleiner Erholungsort der Dänen. Viele Kopenhagener fahren hier gerne im Sommer und an Wochenenden hin. Wir bekamen die zweite Regatta der Saison mit und ließen uns auf das Frühlingstreiben ein. Nun standen wir auf der anderen Seite was die Bekleidungsmodalitäten anbelangt. Anders, als wir es im Süden erleben, wanderten wir nun eingemummelt mit Mütze und Schal durch die Gassen, während die Dänen in kurzen Hosen und Flipflops über die Promenade wandelten. Ganz besonders freuten wir uns auf den frischen Fisch, den es direkt im Hafen zu kaufen gab und den wir uns noch am gleichen Abend lecker zubereitet haben.

Auch am Sonntag schien halb Gilleleje auf den Beinen. Die Geschäfte und Cafés waren geöffnet. Allerdings überstürzt sich das dänische Bewirtungspersonal nicht, wenn man eine Lokalität betritt, sondern legt eher eine nordische Gelassenheit an den Tag. Sie haben definitiv keine Angst, dass man als Gast wieder geht, wenn man nicht auf seine Wünsche angesprochen wird. Auch waren wir stets wieder früh auf dem Schiff, wenn wir essen gingen; das Abendgeschäft ist hier spätestens um 21 Uhr Geschichte und die Läden dicht. Frauchen wurde anlässlich des auch in Dänemark stattfindenden Muttertags am Abend zum Essen eingeladen. Sie hatten den Tisch für 19 Uhr reserviert, waren damit die letzten Gäste die eintrudelten und bei Frauchens Esstempo natürlich die letzten Gäste, die das Restaurant verließen.

Am Montag wurde dann wieder „gearbeitet“. Der Außenborder wurde abgeholt und angebracht und der vormalige Eigentümer kam und besprach mit uns die Maststellung am Donnerstag in Frederiksvaerk durch. Am Ende kontrollierten wir noch, ob wir dafür auch alles dabei und vorrätig hatten und plauschten ein wenig mit Hr. Jensen über das nun uns gehörende Schiff und seinen Erlebnissen damit.

Nach all der Action an der frischen Luft habe auch ich mich wieder an den Schreibtisch gesetzt und wüst über die passenden Formulierungen für diesen Blog nachgedacht.