Auf dieses Fleckchen Erde waren wir gespannt, mein Rudel und ich, denn hier sollte Großes geschehen. Da war es auch nicht weiter schlimm, dass der Hafen in den Törnführern nicht all zu nett beschrieben wird. Grund hierfür, und das bestätigte uns auch der Vorbesitzer der DIALIMA, Hr. Jensen, auf den wir trafen, war das alte Stahlwerk. In der Tat war das kein recht schöner Anblick, aber anstatt nach links kann man ja auch nach rechts schauen und dann blickt man in einen traumhaft idyllischen Fjord, mit einer wirklich ansehenswerten und sehr aufgeräumten Marina. Von dem dahinter liegenden Ort bekamen nur der Kapitän samt Junior etwas mit, anlässlich der Besorgungen, die sie zu erledigen hatten.

Die Tage hätten wettertechnisch nicht unterschiedlicher sein können. Gab es am ersten Tag den Mischmasch, den wir die ganze Zeit schon erleben, wurde es am zweiten Tag so frühlingshaft, dass wir uns alle (inkl. mir, weil ich die Nase unbedingt in die Sonne strecken wollte) das Gesicht ein wenig verbrannten. Die Abreibung dafür gab es am dritten Tag, pures Aprilwetter ohne Sonne, jedoch mit einer kräftigen Portion Novemberflair. Aber darum ging es in diesem Tagen nicht.

Der Rigger, der, der die Masten, Takelage und Segelaufzieht, war für Donnerstag bestellt und vorher musste fast das gesamte Material noch intensiv gesäubert und poliert werden. Auch der Umzug unseres Glomex (Internet) an den ca. 10 m hohen Mast war besser heute, als morgen in luftiger Höhe zu erledigen. Alle Zweibeiner ließen die Finger rund gehen und ich trug die gesamte Verantwortung.

Zur Belohnung gab es ein Eis oder einen Burger oder beides, ich jedenfalls bekam den Großteil der Pommes.

Donnerstag ging es in der Tat hoch her und ich hätte nicht gedacht, dass am Ende des Tages aus dem Chaos aller Drahtseile und Leinen die komplette Maststellung erfolgen würde. Aber der Rigger schien zu wissen, was er tat, auch wenn ich zwischendurch desöfteren ein „I guess“, „I‘m not sure“ and „May be“ mitanhören musste. Selbstverständlich packten alle mit an. Auch der Voreigner, mit seinen fast 80 Jahren, wieselte wie nichts zwischen Steg und Boot hin und her. Am Abend waren alle so platt, dass es nur noch für ein wenig Serie gucken reichte, dann waren wir in unseren Kojen verschwunden.

Leider drückte uns ein wenig, die Tatsache, dass der Glomex in derart luftiger Höhe nicht arbeiten wollte. Offenbar wurde er nicht ausreichend mit Strom versorgt.

Deswegen standen wir am „Langen Freitag“ (Feiertag in Dänemark, an dem die Dänen nach Deutschland zum Shoppen fahren) früh auf, besorgten ein dickeres Elektrokabel und eine neue Haltevorrichtung für unser sensitives Internet-Ei und Noah wurde an eine echte Mutprobe herangeführt: Denn einer musste nach oben, um den Glomex wieder abzumontieren. Wir hatten ausbaldowert, dass uns die ursprüngliche Höhe des gefühlt rohen Plastik-Eis in der Nutzung durchaus zufriedengestellt hatte und dass es eher hinderlich war, den SIM-Kartenhalter so weit oben zu befestigen. 

In der Tat waren wir alle Vier sehr aufgeregt, als wir das Schiff erneut an den Schiffskran umlegten, damit der Junior sicher hochgezogen werden konnte. Dafür nutzten wir einen entsprechenden Schnürsitz, in den Noah verschalt wurde, um nach oben gezogen werden zu können. Frauchen war so konzentriert mit Sichern beschäftigt, dass sie zugunsten der Unversehrtheit des eigenen Kindes an dieser Stelle auf eine bildliche Dokumentation verzichtet hat. Am Ende stand der wirklich cool, aber auch verantwortungsbewusst agierende Spross mitsamt Glomex wieder auf sicherem Terrain und alle waren doch ein bisschen schwer erleichtert.

Hr. Jensen tauchte auch an diesem Tag wieder auf und ließ es sich nicht nehmen, uns darin zu unterstützen, alle Segel aufzuhissen, um sie dann wieder gut zu verpacken, damit wir auf unserer weiteren Reise darauf zurückgreifen können. Alleine hätten wir das nie geschafft. Selbst Hr. Jensen musste ein paar Mal intensiv nachdenken, wie alles nun wirklich zusammen gehör (Video)

Dafür bekommen sie von mir auch alle Mann ein dickes Lob, denn unter wirklich üblen Wetterbedingungen haben sie schwer und mit nur einer Teepause geschuftet und das Boot für den nächsten Reisetag gesichert, während ich die meiste Zeit im Körbchen schlummern durfte. Ganz süß: Hr. Jensen hatte uns zusammen nach Helsingör mit seiner Frau zum Essen einladen wollen, aber wir müssen leider weiter: ein neues Land ruft nach uns. Morgen geht es nach Schweden 🇸🇪 

Dänemark und deren Landsleute sind wirklich eine Reise wert. Wir finden sie super sympathisch, sehr hilfsbereit und immer freundlich. Nur über die Schweden lästern sie ein bisschen, aber das kennen wir zwischen den Mainzern und Wiesbadenern ja auch. 

Egal, ich freu mich jedenfalls auf die westlichen Schären, obwohl ich noch gar nicht so genau weiß, was das ist. Ob es sich futtern lässt?