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Fantastisches Stockholm als nördlicher Wendepunkt und Abschied eines Crewmitglieds

Zwei Tage benötigten wir nach Stockholm. Den Sonntag nächtigten wir in einem wunderbar idyllischen Naturhafen mit angrenzendem Naturum. Dachten wir, dass unser Anlegemanöver mit Heckanker und zwei Vorleinen an Ringen am Felsen bei Wind schon laut und diskussionsfreudig von statten gegangen war und ich mich leicht am Fremdschämen war, so toppte uns eine Stunde später eine schwedische Familie locker um viele Dezibel. Zwischendurch waren sich Mann und Frau so uneins, dass wir Angst bekamen, dass er sie ins Wasser schupsen würde. Sofort war sich mein Rudel wieder einig und die Familie verdrückte sich in eine hintere Ecke des Naturhafens und ward nicht mehr gesehen.

Dienstag jedenfalls kamen wir in Stockholm an und machten mitten im Trubel im Wasahamnen fest. Zum Glück hatten wir vorher angerufen. Da am Wochenende eine Regatta anstand, hätten wir ansonsten keine Chance gehabt.

Temporeich legten wir gleich los und schlenderten ins Vasa Museum, das in fußläufiger Entfernung lag. Wer jetzt an eine Knäckebrot-Ausstellung denkt, liegt völlig falsch: Dort ist das Wrack der Vasa, einem schwedischen Kriegsschiff, ausgestellt. Peinlicherweise sank dieses Schiff am 10.08.1628 direkt beim Stapellauf. Grund hierfür war offenbar die falsche Bauweise. Es gab 30 Tote. Für einen Aufbau im Museum, übrigens eine der größten touristischen Attraktionen weltweit, sorgte aber eher die Tatsache, dass die Vasa 333 Jahre später von einem Hobby-Forscherteam wieder geborgen wurde. Es wurde mühevoll restauriert und besteht zu 98 % aus seinen Originalteilen. Zwei Stunden wurden wir in die Welt der Schweden des 17. Jahrhunderts zurückversetzt und konnten einen eindrucksvollen Blick auf diese harte und entbehrungsreiche Zeit werfen.

Am nächsten Morgen kam Frauchen dann endlich in ihr geliebtes ABBA Museum. Seit frühester Kindheit Fan dieses schwedischen Phänomens genoss sie, aber die anderen auch, die Zeit im Museum und gönnte sich am Ende noch eine Tasse, die sie ab jetzt Tag und Nacht nutzt.

Dennoch war Frauchen in dieser tollen Stadt nicht 100 % bei der Sache. In diesen Tagen hätte sie sich gewünscht, dass Beamen funktioniert. Das Schuljahr in Rheinland-Pfalz ging zu Ende und gerne hätte sie ihre 4. Klasse mit verabschiedet. Aber es geht eben nicht alles im Leben und wie meine Oma zu sagen pflegte ist es auch „koi Bubbestübsche“ und deswegen DANKE an alle, die sie ein bisschen daran teilhaben ließen. Macht‘s gut meine 19 Lieben. Ich wünsche euch tolle Ferien und einen Superstart in die neue Schule.

Das älteste Freilichtmuseum weltweit, Skansen, beeindruckte alle sehr. Hier vermischen sich Gegenwart und Vergangenheit. Wir fanden nordische Wildtiere (schönes Elchvideo), aber auch exotische Arten und ein sehr großes Aquarium. Wir durchkämmten diverse Haushalte aus unterschiedlichen Zeiten. Eine schöne Idee hierbei: Oft befindet sich eine Person , der Zeit entsprechend gekleidet, im Raum, die gerne Fragen beantwortet oder berichtet wer wie in dem Haus gelebt hat. Am Ende trafen wir noch auf eine sehr lebendige Folklore-Gruppe. Hier mussten wir eine Weile stehen bleiben.

Und natürlich haben wir uns mehrfach in der Gamla Stan getummelt. Hierfür mussten wir kurz mit der Fähre übersetzen. Wir fanden auch die weniger touristischen Ecken mit viel schwedischem Handwerk. Die Altstadt gilt als der Urkern von Stockholm, von hieraus breitete sich die Stadt aus. Nach Södermalm, dem angeblichen Soho Stockholms, haben wir es leider nicht mehr geschafft und dem Gröna Lund Vergnügungspark verweigerten wir uns einstimmtig. Brandgefährlich erschienen uns tiefenentschleunigten Bootsfahrern diese rasenden Höllengeräte, aus denen wilde Angstschreie bis spät in die Nacht zu unserem Schiff herüber schallten.

Der Abschied am Freitag war unvermeidlich. Nicht die Katze ging von Bord (die hat sich ganz gut an ihr momentanes Indoorleben gewöhnt, lässt sich dick füttern und gönnt sich auch sonst jede Dreistigkeit, besetzt Betten und weckt Frauchen mitten in der Nacht zum Dosen öffnen). Alex machte sich auf den Weg zum Flughafen. Er war nicht seekrank, es war ihm bei uns auch nicht zu kalt, zu regnerisch oder zu langweilig. Nein, die fast vier Wochen waren einfach schon vorbei und seine Familie wollte ihn wieder haben. Lieber Alex, wir wünschen dir einen guten Flug und noch viel Spaß bis auch dein Weg ins Berufsleben startet.

Mein Rudel erzählt jetzt wieder dauernd etwas von Schären. Also wenn das stimmt was ich damit verbinde, dann will ich einfach nur noch los. Großstadt ist nichts für mich. Ich firmiere bevorzugt unter Landei.

Kategorien: Allgemein

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8 Kommentare

  1. Liebe Süley-Crew,
    vielen Dank für diese tollen vier Wochen 🤗😁 Es lief alles super und die Crew hat wie ein Schweizer Uhrwerk perfekt zusammen gearbeitet, aber das habe ich auch nicht anders erwartet. Den Göta-Kanal werde ich auf jeden Fall noch einmal besuchen. Ich wünsche euch noch eine erholsame und eindrucksvolle Rückreise. Auch wenn die Heimat schön ist, vermisse ich das Reisen auf dem Boot jetzt schon.
    Viele Grüße, Euer Alex
    P.S.: Information an Gunni und Noah: Mein Alfa ist direkt beim ersten Versuch problemlos angesprungen, so wie sich das gehört 😎

  2. Und ich hätte mich gerne ins ABBA-Museum gebeamt! 😁

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