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Relativität nach Leila

Denksession

In dieser Woche hatte ich so viel Zeit, es reichte fürs Nachdenken und was soll ich sagen am Ende hatte ich meine eigene Relativitätstheorie entwickelt und die geht so:

In Schweden ist gerade Sommer, man merkt ihn bloß überhaupt nicht, das sagen auch die Schweden selbst. Dennoch sieht man sie an allen Orten in die Fluten springen. Für uns Reisende aus „Tyskland“ fühlt sich das vorherrschende Klima eher nach Winterende oder Frühherbst an. Deswegen sieht man uns mit Windjacken und geschlossenem Schuhwerk. In dieser Woche habe ich Frauchen sogar dabei ertappt, wie sie ihre Wollmütze wieder ausgepackt hat. Für Griechen (die ich ja auch ganz gut kenne) wäre dieses Wetter tiefster Winter und sie würden auf der Stelle kehrt machen und heimreisen (vielleicht ist das der Grund warum wir hier auf keinen einzigen Südländer treffen). Deswegen ist der Sommer für alle in Schweden befindlichen Menschen gerade relativ.

Das Motto der Woche lautete folglich: Lass dich vom Wetter leiten und schau wo du ankommst. Den Geheimtipp von unseren Nachbarliegern aus Stockholm schafften wir noch ganz nach Plan. Es ging nach Utö und wurde wunderbar.

Das Wetter wurde dort beinahe sommerlich. Sogar alle meine Nicht-Fellnasen gingen schwimmen; ich am Anfang unfreiwillig. Da mein Rudel direkt um mich herum war, habe ich das gar nicht als kleinen Unfall registriert. Wir legten mit Heckanker an, also mit dem Bug zum Land und ich musste vorne ziemlich steil über den Steg aussteigen. Ich konnte es nicht abwarten, startete durch und landete kopfüber im Wasser. Als ich auftauchte, war Frauchen bereits da und griff nach meinem Halsband. Der Junior sprang kopfüber ins Wasser und war somit direkt an meiner Seite. Gemeinsam schwammen wir beide gemütlich an Land und ich freute mich über so einen Spaß mit den beiden.

In Utö herrschte Wochenendstimmung. Alle Liegeplätze waren voll und die Boote selbst auch. Man saß mit Freunden und Familie zusammen. Wir waren im Südhafen bestens aufgehoben, der war ein bisschen ruhiger. Im Nordteil ist es lebendiger. Dort herrscht oft Partystimmung. Wir schlenderten durch die Marina, die alles zu bieten hat, was das Bootsherz begehrt, erlebten das WM-Aus der deutschen Damen und deckten uns mit Vorräten ein, denn nun sollte es wieder in einen Naturhafen gehen.

Nach Rassavikar ging es wirklich in den hintersten Teil des Gartens, aber genau da wollten wir hin. Souverän manövrierte uns der Kapitän durch so manche Engstelle und wir legten einsam an einem Stück Land an. In Empfang nahm uns der Grundstücksbesitzer und wir lernten das „allemansrätten“ (Jedermansrecht) in seiner Praxis kennen. In Schweden ist es nämlich so, dass man sich in der Natur aufhalten darf, auch wenn das Grundstück jemand anderem gehört. Selbstverständlicherweise sollte man sich entsprechend verhalten. Kurz gesagt: „Nicht stören und nichts zerstören.“ So hieß uns der Mann herzlich willkommen, gab sich zu erkennen und bat mein Rudel kein offenes Feuer zu legen, und mich die Schafe in Ruhe zu lassen (Kein Problem für mich, ich stehe auf Enten). Er fragte noch kurz wie lange wir bleiben und schritt wieder von dannen. Unsere einzigen Mitbewohner an diesem Wochenende waren eine echt goldige Schwanenfamilie.

Erholt sollte es am Montag nach Oxelösund gehen. Zu Beginn des Törns kamen wir noch gut voran, jedoch wurden Regen und Wellen zunehmend stärker und so drehten wir wieder ein und landeten schon um halb elf in Ankarudden. In diesem Gott verlassenen Hafen verbrachten wir einen gemütlichen Lesetag. Nur ein weiterer Segler verirrte sich ebenfalls hierher. Am Abend fanden wir tatsächlich ein wunderbares kleines Restaurant, das geöffnet hatte.

Also Oxelösund einen Tag später. Die Überfahrt war besser, wir waren darauf eingestellt. Man hat ein bisschen die Wahl: Wagt man sich raus, schaukelt es doch schon sehr. Fährt man innerhalb der Schären muss man wirklich schwer aufpassen, nicht die Orientierung zu verlieren und keine unschöne Grundberührung zu provozieren. Deswegen fahren eigentlich immer zwei von uns (Vieraugenprinzip). Schaukelt es zu arg, wird der Dritte zu meiner seelischen Beruhigung abgestellt.

Ohne besondere Vorkommnisse ging es am Folgetag nach Arkösund. Das Prinzip in diesen Tagen ist ähnlich: Die Lage wird sondiert, dann wird getan, was so ansteht. Ein bisschen Kopfzerbrechen macht uns der Generator, der muckt wieder. Zögerlich springt er an, so dass wir in 1. Linie Gäste- und keine Naturhäfen anlaufen. Schön finde ich, dass die Marinas langsam belebter werden. Wir treffen vermehrt auf Menschen und ihre interessanten Vierbeiner und frühstücken auch mal in entzückenden kleinen Cafés.

Trotz 5 Beaufort fuddelten wir uns nach Harstena durch und stießen auf nichts. Das malerische Fischerdorf sollte DER Treffpunkt im Sommer sein; wir hatten ihn ganz für uns alleine. Nach einem etwas kniffligen Anlegemanöver bei viel Gegenwind aus ungünstiger Richtung wurde es ein ausgesprochen gemütlicher Nachmittag. Auf unserem obligatorischen Spaziergang sah ich die entzückendste Bäckerei mit der famosesten Aussicht, aber sonst fast niemanden. Früher ein Fischerdorf, werden die Häuser meist nur in den Ferien genutzt. Zum Glück fanden wir eine Stromsäule, denn der Generator lief nicht rund, wenn er überhaupt ansprang.

Am Samstag erreichten wir Västervik und es war sofort klar. Hier würden wir bis Montag bleiben. Das Wetter wollte es so und der Generator auch. Aber meine beiden Supertechniker enttäuschten auch dieses Mal nicht. Es kostete sie zwar den Dreiviertel-Sonntag und einen Anruf beim Hersteller, aber dann war das Problem gelöst. Erneut hatte ein Relais endgültig seinen Dienst verweigert und musste neu bestellt werden, abzuholen in Kalmar. Frauchen bekam dafür Kilometergeld. Die Waschmaschine war so weit entfernt, dass sie für eine Ladung 72 Minuten im Regen hin und her lief. Ja, solche Sachen rechnet man hier aus und Prozeduren, die man Zuhause nebenbei erledigt, erfahren hier große Langsamkeit.

Bevor es nach Kalmar geht, machen wir noch einen kleinen Abstecher nach Öland. Gotland ist leider gestrichen. Es klingt paradox, aber wir haben dafür keine Zeit.

Ebbe in der Vorratskiste? Ist mein Hundefutter etwa leer?

Kategorien: Allgemein

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4 Kommentare

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  2. Hey liebe Layla + Rudel,
    schade, dass der Sommer in Schweden wohl nicht so richtig starten will.
    Hier ist es heute und die nächsten Tage auch bewölkt und regnerisch, das finde ich aber zwischendurch mal gar nicht so schlimm. Für uns Felltiere ist die Hitze ja auch immer ziemlich anstrengend. Zumal ich leider meine alte Kühlmatte aus Versehen zerbissen habe, weil ich alleine in meiner Box im Nachbarbüro warten musste, als Frauchen mit einem Mandanten gesprochen hat.
    Ansonsten spürt man hier, dass die Sommerferien begonnen haben (Frauchen und ich müssen morgens gar nicht mehr so lange im Stau stehen).
    Am Wochenende haben wir schon schöne Waldspaziergänge geplant, hoffen wir mal, dass das Wetter zumindest dafür ausreicht. Regen mag ich nämlich noch weniger als Hitze, da bin ich immer etwas entsetzt, wenn Frauchen trotzdem raus will und gehe ganz schnell wieder heim.
    Ich drücke euch die Daumen, dass ihr in den nächsten Wochen mal eine dauerhafte Dosis Sonne abbekommt.
    Mein Rudel und ich hoffen, dass Ihr die Fahrt weiterhin in vollen Zügen genießt,
    viele leibe Grüße aus der (heute verregneten) Heimat
    Euer Landbeagle Lenny

    • labbigoeseurope

      12. Juli 2019 — 21:39

      Lieber Lenny-Kumpel,
      Danke für deine schönen Zeilen. Ich habe mich sehr gefreut. Tja, jetzt könnt ihr auch mal fühlen, wie schwedisches Wetter ist. Mir macht es ja auch nicht so viel aus. Ich hüpfe sogar in die Fluten, sobald man mir ein Stöckchen schmeißt, aber ich habe auch ein dickes Fell.
      Euch wünsche ich eine Wetterberuhigung, lasst es euch gut gehen, bis bald und liebe Grüße natürlich auch vom Rest.😀🤗🐻🐈🙎🏻‍♂️👫
      Leila

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