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Intermezzo: Öland sehen und sterben

Öland gilt als die Ferieninsel der Schweden. Die schwedische Königsfamilie hat auf der zweitgrößten Insel eine Sommerresidenz. Insgesamt gibt es auf dem 135 km langen Eiland ca. 400 liebevoll gepflegte Windmühlen. Ebenso ist dort eine einzigartige karge Kalksteppe zu finden. Grund genug für uns einen Abstecher dorthin machen. Es wurde sich eingelesen. Die Wind- und Wetterlage wurde gecheckt und so ging es am Montagmorgen, für unsere Verhältnisse ziemlich spät, in Richtung Kalmarsund. Wir machten uns über die Überfahrt kaum Gedanken. Schließlich schien das Wetter ruhig und wir (meistens Frauchen und ich) sind schon längst nicht mehr so aufgeregt vor den Fahrten wie am Anfang.

Der Wind blieb ruhig bei zwei Beaufort, wie versprochen. Nur die Wellen nicht! Je tiefer wir in den Sund einfuhren, desto kippeliger wurde die See. Das Segel zu hissen, hätte nichts gebracht, weil ja praktisch kein Wind vorhanden war, der uns hätte stabilisieren können. Ich floh sofort auf meinen Wellen(Sofa)Platz, als das nicht mehr ausreichte, saß ich Frauchen auf dem Schoß. Sorry, aber wenn nicht angebundene Gegenstände durch das Schiff fliegen, verstehe ich keinen Spaß mehr.

Folgende Zeichen deuten an Bord an, dass lockeres Kaffeesegeln abgeschaltet ist: Die ansonsten ständig dudelnde Musik wird abgestellt. Noah verschwindet in seiner Kabine. Herrchen übernimmt das Steuer und kein Mensch sagt mehr etwas, während ich alles darf, was ich sonst nicht tun soll. Macht mir aber in dem Fall keinen Spaß.

Zwei zerbrochene Auflaufschüsseln und sieben durcheinander geflogene Wasserflaschen später lagen wir sicher im Hafen von Byxelkrok vertäut. Da waren wir nicht die einzigen. Das Hafenbecken lag voll. Es wurde eng zusammengerückt. Der Hafenmeister hatte ein bisschen seine Not. Wir verdienten uns eine Flasche Riesling von der Mosel, weil wir einer Bonner Männer-Crew Leinen-Asyl gewährten. Habe ich ja leider nichts von. Frauchen hütet die Flasche wie einen Schatz und wartet auf einen geeigneten Augenblick, sie zu öffnen.

Ich sprang raus und all mein Leid war vergessen. Das ist das Tolle an der Seefahrt. Währenddessen möchte man sterben. Sobald man eine Kralle wieder an Land hat, ist man geheilt. Ein bisschen erschöpft waren wir trotzdem. Schließlich war ich über zwei Stunden auf Frauchens Schoß herumgeturnt und habe ihr meinen Blend-a-Dent-freien Atem ins Gesicht gehechelt. Aber die steckt das weg.

Deswegen, und weil ein 5er Wind angekündigt war, legten wir einen Ferientag in diesem lebendigen Gästehamn ein. Hier war alles auf Touristen ausgelegt. Ein Büdchen neben dem anderen. Das tat uns gut. Leider konnten wir nur die kurzen Regenpausen zum Erkunden des dahinter liegenden Örtchens nutzen. Die eigentlich geplante Fahrradtour musste ausfallen. Das sind die Tage, an denen Blogbeiträge entstehen.

Mittwoch ging es dann nach Sandvik. Der Sund verlor seinen Schrecken. Mit der hochgezogenen Fock kamen wir stabil an und wurden belohnt. Es wurde ein milder Sommertag, der ein Eis und ein Abendessen im Freien möglich machte.

Am Nachmittag liefen wir zu einer der weltweit größten, achtstöckigen Mühle, Mitte des 19. Jhr. erbaut. Heute betreibt dort ein Italiener sein Ausflugsrestaurant. Uns zog es lieber an den Strand. Dort taten wir ein altes Saunahaus auf und ich durfte in die Fluten.

Da sich der Donnerstag sehr wind- und wellenstill ankündigte, beschlossen wir unseren Aufenthalt auf Öland frühzeitiger zu beenden. Nach Borgholm wären wir eigentlich gerne noch geschippert. So wurden wir der wunderbaren Insel nicht zu 100 Prozent gerecht. In der Hoffnung, dass das Wetter im Süden noch ein wenig besser wird, wollen wir noch Kapazitäten für den Schärengarten rund um Karlskrona zur Verfügung haben. Die Überfahrt nach Kalmar wurde so sanft, dass Frauchen und ich das dieses Mal alleine gemeistert haben. Der Junior war noch nicht auf Betriebstemperatur und der Kapitän hatte schon genug Stunden auf der Uhr.

An dieser Stelle muss ich mal erwähnen wie froh ich bin, dass Frauchen alles aufschreibt. Wir merken jetzt schon, wie wichtig diese Dokumentation auch für uns ist. Wenn man nomadenlike jeden Tag die Ortschaften wechselt, die sich nicht unähnlich sind, verschwimmen die Eindrücke mehr und mehr ineinander. Jeden Tag zwischen 13 und 15 Uhr in etwa laufen wir in kleine Häfen ein, die mit mehr oder weniger typischen, schwedenroten Häusern verziert sind. Die Umgebungen blühen uns ländlich entgegen. Wir laufen wunderbar durch in Ruhe gelassene Naturschutzgebiete und treffen auch hier wieder auf das ein oder andere bekannte Bootsgespann, das einem ähnlichen Weg wie wir folgt.

Diese Überfahrten sind mir die liebsten

Jedenfalls sitzen wir auf der DIALIMA oft zusammen und helfen uns gegenseitig dabei, unsere doch gerade erst geschehenen Erinnerungen auszugraben. Uns ist jetzt schon klar, dass es den Winter braucht, damit sich diese ganze Reise wird setzen können.

Auf der anderen Seite sind wir schon gut ins Reisedasein geschlüpft und werden nach zwei Nächten im selben Hafen bereits leicht unruhig. Wir wollen weiter und sehen, was als Nächstes auf uns wartet. Ganz konkret, die Hanöbukt, die unsere letzte große Station sein wird, bevor es wieder in Richtung Deutschland geht. Hebt uns also noch ein bisschen vom Sommer auf.

Fragen sind im übrigen jederzeit herzlich willkommen!

Kategorien: Allgemein

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2 Kommentare

  1. labbigoeseurope

    19. Juli 2019 — 15:50

    Hatten heute wieder so eine kippelige Überfahrt. Aber dieses Mal waren wir SO cool👌🙋🏻‍♀️😘

  2. Ihr erlebt ja echt Abenteuer am Stück aber wirkt wie ein Team, das jeder Sturm – zu Wasser und zu Lande -locker die Stirn bietet!! Hätte nichts anderes erwartet😘😘😘

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