Jetzt erklär mir einer diese Menschen!! Da fahren wir fünf Monate, tausende von Kilometern, erleben einen prachtvollen skandinavischen Sommer, nur um dann wieder in Rheinhessen zu enden? Haben die unser Zuhause verschoben? Ist der Teich samt Fischen umgezogen? Wie ging das? Manche Dinge muss man als Labbi einfach so hinnehmen. Gefreut habe ich mich trotzdem. Bin erst mal quer über die Wiese getobt und habe den gesamten Garten durchgeschnüffelt. Es war ein sehr schönes Nachhausekommen, zumal wir mit einem wunderbaren Sommerwetter empfangen wurden.

Das ging bereits in Duisburg los. Dort fuhren wir in den Rhein ein. Von nun an ging es bergauf. Es dauerte eine Weile bis wir uns an Zweierlei gewöhnt hatten: die eigene Langsamkeit und die schnelle Wuchtigkeit der anderen. Jeder Schlepper schien eine Bedrohung. Im Schnitt lag unsere Geschwindigkeit bei 5 km in der Stunde. Im Binger Loch gab es in der Tat eine Phase, da standen wir praktisch auf der Stelle. Der Plotter zeigt 0km/h an. Ein durchaus mulmiges Gefühl, wenn die Binnenschiffer von vorn und hinten angeschossen kommen.

1a in die hinterste Lücke eingeparkt

Nach einem Tag des Einfahrens fand der Kapitän eine Lösung für das Dilemma und so fuhren wir meist auf der flachen Seite des Flusses, da hält sich die Schifffahrt spontan eher nicht auf. Deswegen kamen wir gut aneinander vorbei und haben einiges dazu gelernt. Die Binnenschiffer haben nämlich schon ein bisschen ein Auge auf die kleinen Sportboote. Das haben wir über Funk mitbekommen. Wir griffen wieder unseren Rhythmus auf und wechselten im Stundentakt durch. Nach 60 Minuten ist man wirklich froh, wenn man sich ein wenig von der Wuseligkeit des breiten Flusses erholen kann.

Bei dieser Reisegeschwindigkeit fuhren wir somit fast den ganzen Tag Schiff. Für 50 km benötigten wir ca. 10 Stunden plus. Zwar standen wir früh auf, aber nachdem wir in der Marina angelegt hatten, war uns nur noch nach Erholung und gutem Essen. Wir bekamen mit Duisburg, Neuss und Köln die Highlights des Rheins mit und fühlten uns ab Oberwinter wieder heimisch, weil wir in Rheinland-Pfalz einfuhren und uns beim Beobachten der Landschaft, insbesondere der vielen Weinberge gleich warm ums Herz wurde.

Unterschwellig fuhr beim weiblichen Teil der Besatzung immer die Anspannung mit. Während die Herren voll in die Technik vertrauten, hörten wir auf jedes auffällige Motorengeräusch oder komische Brummen aus den Tiefen des Schiffbauches. Wir wollten es nicht erleben, plötzlich von der Strömung bergab geschoben zu werden und nichts dagegen tun zu können. Aber das blieb uns Gott sei Dank erspart. Die Dialima hat ihre Feuerprobe bestanden. Und am 22.08 war es dann so weit:

Wir huldigten der Skyline von Mainz, fuhren an Dom, Rheingoldhalle, Hyatt und Winterhafen vorbei. Ein wirklich beeindruckendes Gefühl nach all der Zeit. Auch wenn uns niemand winkte, so fuhren wir der Heimatstadt freudig entgegen und genossen das Gefühl wieder Zuhause zu sein.

Gegen 18 Uhr erreichten wir unseren Winter-Liegeplatz. Dort bleibt unser Schiff jetzt erst mal. Wir holten nur das Nötigste raus. Dazu gehörte selbstverständlich auch der rotgezeichnete Tiger und der hatte so was von überhaupt keine Lust das Schiff zu verlassen. Das tat er auch lautstark kund. Auch Zuhause machte er spontan nicht den Eindruck, komplett glücklich über die Heimkehr zu sein. Er ist also zur echten Schiffskatze mutiert. Mittlerweile hat er sich aber wieder eingelebt und genießt die sonnigen Ecken im Garten.

Wir sind gespannt, wie sich all die Erlebnisse in den nächsten Wochen setzen werden. Das ist unbedingt nötig. Am Ende waren wir kaum noch in der Lage, all die neuen Eindrücke zu verarbeiten. So viele Hirnzellen hat ein Labbi nun auch wieder nicht. Das werden die nächsten Wochen bringen.

Wir danken euch alle fürs Mitlesen und Mitfiebern. Es war schön, dass ihr uns begleitet habt. Und vergesst nicht: Nach der Reise ist vor der Reise. So haben wir es jedenfalls vor. Ich höre meine Leute schon wieder planen und recherchieren. Nur der Junior wird nicht mehr flächendeckend dabei sein. Ein herber Verlust für die Crew, aber die Welt ruft.