Es mehren sich die Zeichen, dass sich in diesem Haus endlich mal wieder etwas tut. Bin ich doch hier angetreten, um ein europaweit wandelnder Labbi zu werden. Nach nunmehr über 20 Monaten des Innehaltens kann ich meine innere Uhr an den täglichen Tagesabläufen ausrichten, bevor es mein Rudel tut. So habe ich vorzeitig die Leine in der Schnauze, stehe am Fußball bereit mit dem Junior zu kicken und in meiner Futterecke, um meiner Lieblingsbeschäftigung nachzugehen. Ist alles ganz nett, aber täglich passiert hier dasselbe. Aber wie vielen anderen auch, fehlt mir die Welt.

Sonntagsfrühstück bei schönem Wetter

Es tut sich was! Ich bin begeistert

Seit ein paar Tagen scheint sich hier jedoch einiges zu tun. Es ist eine gewisse Rührigkeit zu verspüren, die mir Hoffnung macht. Gut, der Junior ist raus, der muss dieses Mal leider Zuhause bleiben, kommt aber immer mal wieder an Bord. Erfreulich zu sehen ist, dass Herrchen wieder baut. Er produziert Utensilien, die ganz offensichtlich aufs Schiff gehören und teilweise mit mir zu tun haben. So hat er ein überdimensionales Monster geschaffen, über das ich wandeln soll. Die Tücke: Gerade, wenn ich die Überquerung elegant und souverän hinbekomme, wird das Teil wieder ein Stückchen steiler aufgestellt. Gut, sie werden schon wissen, was sie da tun. Ich mache mit, wenn es nur endlich wieder losgehen kann.

Letzten Dienstag kam das Boot nicht nur wieder ins Wasser, wir fuhren über das lange Wochenende auch nach Winningen und überprüften, ob alle Reparaturen erledigt worden waren, machten eine heimelige Probefahrt und genossen das Dasein auf dem Wasser. Fazit: Das macht Lust auf mehr. Nur die Abwasserpumpe muss noch ausgesucht werden., sagt jedenfalls Frauchen.

Frauchen kann ich im Moment noch nicht helfen. Die kontrolliert als Sicherheitsbeauftragte die Reiseapotheke und ordert alles was während des vergangenen Trips aufgebraucht werden musste (und das war ja ein bisschen was) oder abgelaufen ist. Auch kauft sie Dinge fürs Schiff ein, die für mich völlig uninteressant sind: also Putzmittel, Wein und Klopapier. Und sie wäscht! Polster, Kissen und Bezüge. Das kann die Gute getrost machen – aber ohne mich. Ich steige ins Geschäft ein, wenn es um die wirklich wichtigen Dinge geht: Proviant und andere Leckereien.

Route

Hatte ich zwischendurch schon gedacht, es gäbe nur noch unser rheinhessisches Kaff, scheint auch Frankreich wieder auf die Karte zurückgefunden zu haben. Jedenfalls sieht so langsam alles danach aus, als könnten wir versuchen unseren heillos ins Hintertreffen geratenen Zeitplan einholen – aber ohne Eile. Wir haben uns vorgenommen, so zu fahren, wie uns die Lust und die Laune das vorgeben.

Zumindest bis Marseille – das ist der Plan! Das bedeutet, wenn alles klappt geht es in Winningen an der Mosel los. Und – mein Herzchen hüpft: Das bedeutet natürlich, dass dieser Sommer eine komplette geruchsvolle und entschleunigte Fluss- und Kanalfahrt wird, denn wer sich auskennt, weiß, erst in Marseille geht es ins Meer. Und das erst, wenn das Schiff wieder aufgeriggt ist und die Segel eingefädelt sind.

Vorher aber peilen wir es wie folgt an: Von der Mosel geht es in den Canal des Vosges – die Saône – die Rhone und zack sind wir im Mittelmeer. Dort dümpeln wir noch ein bisschen vor uns hin. Je nachdem wieviel Zeit noch übrig ist.

Der Wermutstropfen

Ich muss noch gute zwei Wochen Geduld aufbringen. Erstens damit das Boot sicher und schick ist und zweitens gibt es davor noch ein special Ereignis. Das habe ich zwar jetzt noch nicht so ganz kapiert, aber Herrchen und Frauchen wollen das ganz groß und nur zu Zweit feiern. Vielleicht kann ich da beim nächsten Mal ein bisschen mehr erzählen. Bis dahin, gehabt euch wohl,

Wuff kommt natürlich mit

Eure Leila