Und schon sind wir am Ende von Deutschland

Zum ersten Mal seit fast zwei Jahren waren am 20. Juni alle Koffer, inkl. meiner überschaubar kleinen Reisetasche gepackt und ich konnte beim Anblick nur hoffen, dass mein Futter anderweitig an Bord gelangt ist. Wie bei unserer Schwedentour war das Rudel zunächst komplett und als wir in Winningen unser Schiff erreichten, schien auch alles seinen gewohnten Gang zu gehen. Während ich es mir erst mal gemütlich machte, wuselten meine Zweibeiner zwischen Auto und Schiff hin und her, füllten alles auf und richteten die Räumlichkeiten nett her. Meine Erziehung flutschte, das Personal flitzte.

Dann aber, als ich dachte, dass es nun endlich losgeht, verließen wir das Schiff wieder und stiegen ins Auto. Es konnte ja jetzt wohl nicht sein, dass wir wieder die Heimfahrt antreten würden. Jetzt wo endlich alles schön für die Abreise gerichtet war, wollten die wieder nach Hause? Nicht mit mir. Ich wusste ja jetzt wo das Schiff lag.

Wir fuhren jedoch nur eine kurze Strecke in den Nachbarort und marschierten in ein lecker riechendes Restaurant, in dem man mich sogar mit meinem Namen begrüßte, obwohl ich noch nie eine Pfote in dieses Etablissement gesetzt hatte. Das ließ Herrliches vermuten und deswegen zeigte ich mich auch von meiner besten Seite, machte brav Sitz und ignorierte den anwesenden Vierbeiner unter dem Tisch geflissentlich.

Silberhochzeit – ein wunderschön, privates Fest in tollem Ambiente

Man gab uns ein paar Schlüssel und direkt zogen wir weiter in ein herrlich kühles und schnuckeliges Hotelzimmer, indem es offenbar etwas zu feiern gab, denn alle schienen gut gelaunt. Wir blieben zwei Tage in dem leckeren Restaurant. Am ersten Abend feierten wir Abschied vom Junior, der nach Hause und an die Klausuren musste, am nächsten Tag zelebrierten wir den Abend romantisch zu Dritt und teilten uns die Leckereien etwas unfair zu meinen Ungunsten auf. Ich kann es den beiden nachsehen, denn das was ich bekam, war so unfassbar lecker und war überhaupt nicht mit den sonstigen Pizzarändern zu vergleichen, die normalerweise unter den Tisch wandern.

Gut geplant hilft beim Boot fahren auch nicht immer

Die Crew hatte sich perfekt vorbereitet. Die Zeit des unfreiwilligen Zuhausebleibens war genutzt worden, um Macken und Sollbruchstellen zu beheben. Es würde entspannt und fahrplanmäßig losgehen. Da war ich mir sicher. Und auch wenn ich als Reiseprofi gewohnt bin, dass es gerade in den ersten Tagen anders als gedacht läuft, blieb ich noch eine kleine Weile zuversichtlich.

Bereits am ersten Abend in Treis-Kaden musste Herrchen die Duschwanne erneut auspumpen. Das Wasser dort stieg zu hoch und ließ die Abwasserpumpe gleich mit absaufen. Am zweiten Abend in Senheim war dann die Bilge ziemlich gut gefüllt mit einer nicht sicher definierbaren Flüssigkeit. Der Kapitän konnte nicht herausfinden, ob es sich um Diesel, Wasser oder ein Gemisch handelte. So jedenfalls wollten wir uns nicht aus dem Dunstkreis unseres Mechanikers bewegen und deswegen riefen wir ihn an. Der Gute tauchte wirklich nach knapp zwei Stunden bei uns auf, befand mich für klasse und versenkte sich richtig ungemütlich für Stunden im Motorraum. Mir erging es nicht viel besser. Ich hatte nicht gut aufgepasst und mich spontan unter den Tisch verkrümelt. Bei offener Motorraumklappe entpuppte sich das als sicheres Gefängnis und ich musste dort ziemlich lange ausharren. Aber man weiß ja wofür man es tut.

Der Chef und sein Kollege verbrachten den Nachmittag bei uns und fanden keine Stelle an der das Wasser hätte austreten können. ! Dafür aber war das Getriebeöl schon wieder leer. Das füllte wir auf, zogen alles nochmal eine Spur fester und machten dann, nachdem wir die Bilge getrocknet hatten eine Probefahrt, um herauszufinden, ob Wasser, als das es sich schließlich herausgestellt hatte, von außen kam. Ich bin zwar eine routinierte Schwimmerin, was nicht heißt, dass ich das in einem fließenden Gewässer unter Beweis stellen möchte. Mir reicht es, meine Ente souverän aus jedem reißenden Fluss zu befreien und gut iss.

Zum Glück wurde das Wetter am nächsten Tag besser und der Junior hatte sich nach seiner Klausurenwoche zu Besuch angemeldet. Das hob die Stimmung. Das war auch nötig, denn kaum waren wir gestartet, fanden wir heraus, dass es auch die Abwasserpumpe nicht geschafft hatte. Und dieses Teil, was auch noch ein besonders Spezielles ist, ist nicht mal eben so schnell besorgt. Wir mussten also rum telefonieren und am Ende war es so, dass der Schwager die Pumpe in Wiesbaden besorgte, der Junior sie auf dem Weg zu uns dort abpflückte, sodass wir sie am Samstag kurz vor knapp einbauen konnten. Ich muss ganz ehrlich sagen, mein stubenreines Auftreten ist da schon ein bisschen unaufwendiger als das meiner Menschen, die ein hohes Maß an Technik benötigen, um die gute Stube sauber zu halten.

Jetzt läuft’s – hoffentlich

Das fehlende Rudelmitglied kam am Freitag wieder an Bord und von Bernkastel-Kues ging es zu unserem Lieblingsplatz in Pölich. Dort liegt man wie an einem Schweizer See und die ganze Zeit gibt es auf der Wasseroberfläche etwas zu gucken. Bei herrlichstem Wetter durfte zuerst ich eine Runde schwimmen, dann meine Menschen und am Abend wurde gegrillt und gelacht. Sonntagmorgen radelte mein jüngstes Herrchen zurück nach Bernkastel, stieg ins Auto und fuhr nach Hause. Wir machten uns auf die Reise zu unserer letzten Station in Deutschland. Konz stand auf dem Plan, die Geburtsstadt des Kapitäns. Dort kamen wir ohne besondere Vorkommnisse an. Bis vielleicht auf die Tatsache, dass der Schleusenwärter in Trier uns über Gebühr warten ließ, weil er auf die Berufsschifffahrt wartete, die nicht kam. Aber über solche Kleinigkeiten regt man sich nach einer Woche an Bord kaum mehr auf.

Alles in allem haben wir uns einpendelt. Das seemännische Geschehen läuft besser als von Frauchen vermutet. Auch zu Zweit bekommen wir das Schleusen hin. Alles eine Frage der Aufteilung. Die Technik des Kapitäns musste kurz modifiziert werden, hatte sich in der Praxis nicht ganz zu 100% bewährt. Nun aber haben sie den Dreh raus. Meine stumm gesetzten Impulse reichen aus und sie hören recht gut – meine Zweibeiner.

Morgen geht es endlich ins Ausland. Liebe Grüße, bleibt dabei und gespannt.

Eure Leila

Kategorien: Allgemein

4 Kommentare

  1. Hallo Ihr drei,

    Wuenschen Euch viel Spass und null Probleme mit der Technik. Bon voyage de Monique et Retz

  2. Das hört sich schon mal nach einem spannenden Start an. An Board ist irgendwie immer was los.
    Zum Glück ist die Schiffahrt zwischendurch so entschleunigend.
    Ich wünsche euch weiterhin viel Spaß und hoffe, dass die Technik keine Schwierigkeiten mehr bereitet.

    • labbigoeseurope

      1. Juli 2021 — 18:51

      Dankeschön. Bestimmt war das nicht die letzte Sollbruchstelle, die eine Überraschung für uns bereithält. Aber wir haben uns ganz fest vorgenommen, die Technik von nun an vorbildlich zu pflegen und jeden Entschleunigungsmoment dazwischen zu genießen. LG in die Heimat.

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