Mit Tantchen und Onkel auf den roten Teppich in Cannes

Nachdem wir es uns in Porqueroles drei Tage hatten gut gehen lassen, weil draußen ein 6er-Wind pfiff, machten wir uns auf den Weg nach Fréjus. Dort wollten wir rechtzeitig sein, denn die Verwandtschaft wollte mal sehen, wie toll ich mich auf dem Boot mache und was ich als Bootshund so alles draufhabe.

Auch solche Tage gehören dazu

Es ging am frühen Morgen des 23. August los. Bei längeren Touren starten wir gerne vor sieben Uhr am Morgen. Erstens ist der Sonnenaufgang auf dem Schiff, ein so unbeschreibliches Erlebnis, dass ich davon gar nicht genug bekommen kann. Und zweitens ist das Meer zu dieser Zeit noch glatt wie Welpenpopo, was ganz in meinem Sinne ist. Wir hatten uns ca. 65 km vorgenommen. Das Wetter sollte ruhig werden und die Wellen sanft bleiben. Das nahm sich der frühe Morgen zu Herzen und lud uns sanft auf die Reise ein. Unseren Sonnenaufgang bekamen wir geliefert, aber schon nach einer halben Stunde mussten wir feststellen, dass das Schiff unruhiger im Wasser lag und die Wellen an Fahrt aufnahmen. 

Da wir immer noch einen Plan B an der Leine haben, beunruhigte uns das nicht allzu sehr. Würden wir eben nicht in die Bucht von St. Tropez fahren, sondern nach 30 km in Cavallier übernachten. Mit jedem Kilometer wurde für uns klarer, dass wir das alle Drei wirklich wollten und keinen Ehrgeiz entwickelten, unnötige Kilometer zu schrubben. Durch unseren frühen Start, kamen wir dummerweise so früh im Hafen an, dass keiner der Übernachtungsschiffe schon den Hafen verlassen hatte. Es war also kein Platz frei. Der Hafen wies uns ab. 

Ich fand die Art und Weise des im Schlauchboot befindlichen Jünglings ja ein wenig arrogant. Deswegen musste ich doch ein wenig in mich grinsen, als wir völlig unabsichtlich, nicht geplant und inmitten der Hafeneinfahrt ein 1 a- Anker-Manöver hinlegten, das besagten Jüngling ganz schön in Aktion brachte. Aus unerfindlichem Grund hatte sich der Anker gelöst, die Arretierung der Kette hatte nachgegeben und der Anker hatte sich auf dem Grund der Einfahrt festgezogen. Jetzt war Teamarbeit gefragt. Herrchen und Frauchen hatten natürlich überhaupt nichts zu lachen. Er navigierte und sie hob den Anker mit der Fernbedienung, was zunächst nicht klappen wollte. Erst nach einer Weile und mit manueller Unterstützung bekamen wir den Anker in seine Position zurück. 

Durch seine verkniffenen Lippen brachte der Hafenlotse zum Ausdruck, dass man so ein Manöver nicht in der Einfahrt hinlegt. Eine Tatsache, der wir uns durchaus bewusst waren, aber eine technische Unzulänglichkeit ist nur in seltenen Fällen planbar. Ein zweiter Lotse kam zu Hilfe und bot uns immerhin an, in einer Stunde nochmal nachzufragen. Vielleicht würde dann ja etwas frei werden. Leider konnten wir uns auf das Angebot nicht einlassen. Wir würden eine wertvolle Stunde verlieren, was bei 35 km, die man noch vor sich hat, nicht unerheblich ist. 

An diesem Tag entpuppte sich für uns ein bisschen das Dilemma an der französischen Mittelmeerküste: Obwohl es Häfen wie an der Leckerli-Schnur gibt, die ich Zuhause manchmal aufsaugen darf, sind viele davon voll oder haben nur wenige Gastliegeplätze zur Verfügung. Im Vorfeld reservieren kann man nur in den wenigsten Häfen und eine Auskunft, ob etwas frei ist oder nicht, bekommt man erst so um die Mittagszeit. Wir aber haben gute Gründe, warum wir unbedingt einen Platz im Hafen brauchen. Einer davon bin ich! 

Müssten wir draußen bleiben, uns an eine Boje legen oder ankern – ein Manöver, das wir eingeplant beherrschen – bekäme ich ein kleines Problemchen mit meiner Gassi-Runde. Ich müsste vom Schiff aus entweder an Land schwimmen oder in das Schlauchboot hopsen. Beides habe ich mich noch nie getraut. Auf dem Rückweg müsste ich wieder vom Schlauchboot zurück aufs Schiff. Ein Manöver, dem ich nicht sonderlich selbstbewusst entgegensehe. Normalerweise übe ich erst im heimischen Garten, bis ich alles was ich auf dem Boot brauche, sicher beherrsche. Deswegen hielten wir an unserem Vorhaben fest und strebten die Bucht von St. Tropez an, weil sie über vier Häfen verfügt. Dort würden wir bestimmt ein Plätzchen finden.

Port Grimaud – das Klein-Venedig in Frankreich

So kam es, dass wir an diesem Abend einen Platz in Port Grimaud bekamen. Das Anlegemanöver war secondbest und passte damit zum Tag. Er war einfach zu lang und anstrengend gewesen. Darüber hinaus lag unser Platz mitten in der Einfahrt und es war später Nachmittag, so dass große Yachten, schnelle Fähren und beeindruckende Segler rein und rausschossen, was uns ein trubeliges Anlegemanöver bescherte. Cool in diesen Marinas ist jedoch auch, dass das alle Helfer die Ruhe bewahren und einen in solchen Situationen nicht als kompletten Anfänger behandeln. Auf dem Schiff kann immer was schief gehen, mal darf man von außen drauf blicken, beim nächsten Mal steckt man selbst mittendrin. 

An diesem Abend reichte es bei Frauchen nur noch für das Öffnen einer Dose. Leider war es keine Hundefutterdose für mich. Es kam eine Suppe auf den Tisch. Genau das Richtige für diesen Tag!;) Da wir aber quasi zwei Etappen in einer gefahren waren, war klar, dass es morgen einen Ruhetag in Port Grimaud geben würde.

In den 60er Jahren von Architekten als Tourismussiedlung geplant und erschaffen, kommt man in dieses trockengelegte Sumpfgebiet entweder nur zu Fuß oder mit dem Schiff. So schlenderten wir am folgenden Tag durch eine wunderschön angelegte Planstadt, in dem sich Häuschen entlang der Gassen schlengeln, die wiederum von kleinen Kanälen durchzogen sind. Überall sind Boote festgemacht. Alles ist dabei: von der kleinen Fischerjolle bis hin zur prachtvollen Yacht. Auch an eine kleine Kirche wurde gedacht, sowie an einen Hundepark für mich. Der ist im übrigen so schön, dass ich dort nur einmal auf einen Hund getroffen bin. Bei allen anderen Gelegenheiten, saßen dort picknickende Familien oder dösende Einzelmenschen, die sich sogar eine Liegematte mitgebracht hatten. Dieser Tag lud unsere Batterien wieder auf und so ging es am nächsten Tag an den Ort, an dem ich meine Ersatzeltern wiedersehen würde.

Ab Fréjus kam endlich der Urlaub ins Spiel

Denn ich konnte ein wenig meiner Verantwortung statt auf zwei, auf vier Schultern verteilen. Das was im Busch war, erschnüffelte ich schon Tage davor, es wurde ungewöhnlich gründlich sauber gemacht. Als Frauchen dann noch mit einer Tasche an Bord kam, die den eindeutigen Duft von Tantchen verströmte, war die Sache klar.

Keine Viertelstunde später saßen beide auf unserem Sofa und die Freude war groß. Glücklicherweise hatten sie an alles gedacht und in einigen Dingen für Nachschub gesorgt. Für die nächsten Tage würde es entspannt und zu Viert die Côte d’Azur entlang gehen.

Am ersten Tag ging es gleich kompakte 1,5 km in den Nachbarhafen. Das taten wir nicht, um die beiden erstmal in die Kunst der Seefahrt einzuweisen, da kennen sie sich schon richtig gut aus. Wir mussten unseren Liegeplatz in Fréjus verlassen und hatten einen in St. Raphael gefunden, die direkt nebeneinander liegen. Da wir mit den beiden bis Nizza (also nur 60 km) insgesamt fahren würden, hatten wir keine Eile. In St. Rahpael bewunderten wir eine Hochzeitsfeier auf dem Katamaran, das Riesenrad und die Spielbank von außen. Schließlich würden wir das Original in Monaco besuchen. Der Junior sammelte Zuhause bereits die schicken Klamotten für den großen Auftritt. 

Cannes und Nizza – mondän und legere zugleich

Unsere nächste Station in Cannes stellte sich als gut organisiert, entspannt und wunderbar heraus. Das Wetter war fantastisch: spätsommerlich warm, aber nicht mehr so heiß. Die Marina top geführt. Hier wird genau kontrolliert, wer rein- und rausgeht, alles ist sauber und gepflegt und am Duschhaus befinden sich sogar Wasserspender an dem man sich flaschenweise Wasser zapfen kann: gekühlt, gesprudelt und naturell. Würschtelwasser war leider nicht dabei. Das kreieren wir hier an Bord selbst. 

Cannes selbst befand sich im Wechselmodus: Die Filmfestspiele waren gerade vorbei und die Schiffsmesse stand bevor. Einen Promi trafen wir leider nicht, oder erkannten ihn jedenfalls nicht, aber den roten Teppich, den konnten wir einfach nicht links liegen lassen.  Für eine Miniminute habe ich mich als VIP gefühlt, von den berühmten Kollegen aufs Heftigste bewundert. Wir genossen die Tage mit shoppen, faulenzen, schwimmen und essen gehen. Eine Tatsache, die ich an meiner Familie so liebe, die futtern genauso gerne wie ich. Das genossen wir.

Ebenso die Überfahrt nach Nizza. Dort hatte es sich Tantchen auf dem Verdeck so gemütlich gemacht, dass sie sich glatt ein wenig das Gesicht verbrannte. Aber schließlich sollte man Zuhause ja auch sehen, dass sie in der Sonne gewesen war.  Auch dort hatten wir einen Platz sicher. Das war wichtig, denn hier stand der nächste Crewwechsel an, was Anlass zur großen Freude gab, uns aber auch eine Träne ins Knopfloch zauberte, denn dafür musste ja ein Teil der Crew von Bord gehen. Es blieb uns noch ein ganzer Tag, an dem wir durch die Altstadt von Nizza stromerten, den Markt entdeckten und am Meer entlang wanderten. 

Liebe Heike, lieber Olli, mein Rudel und ich haben die Tage sehr mit euch genossen. Ihr seid ein toller Teil der Crew und ich habe beschlossen, dass ihr jederzeit wiederkommen dürft. Bin sehr froh, dass ich mich für eure Gastfreundschaft revanchieren darf. Schließlich ist eure Tür immer offen, wenn meine Leute meinen mal einen Kurztripp machen zu müssen, auf den ich nicht mitkann – und die Speisekammer gut gefüllt! 

Kategorien: Allgemein

2 Kommentare

  1. Super schöner Bericht, und nicht nur, weil wir drin vorkommen..
    Die Wasserzapfstelle in der Marina von Cannes hat ja offenbar nachhaltig Eindruck hinterlassen.
    Das schönste Foto ist aber eindeutig das aud dem roten Teppich!

    • labbigoeseurope

      7. Oktober 2021 — 16:16

      Das finde ich auch. Ein echter Glückstreffer, das Foto
      Das mit dem Wasser fand ich schon cool. So Sixpacks Wasser schleppen sich leider nicht alleine aufs Schiff.
      Freu mich, dass er euch gefallen hat. Der letzte ist jetzt auch bald fertig 😉

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