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Valence, unsere dritte Heimat

Endlich wird es Süden! Auch wenn ich eigentlich gar nicht für die große Hitze gemacht bin – ursprünglich komme ich aus den Tiefen Neufundlands – liebe ich persönlich die vom Himmel lachende Sonne sehr. In solchen Momenten bin ich zwar nicht hyperaktiv und muss, wenn keine Schwimmmöglichkeiten vorhanden sind, regelmäßig aus der Borddusche refresht werden, aber ich liebe es, an diesen Tagen auf dem Vorschiff zu dösen . Neuerdings hat Frauchen auch noch eine neue Funktion der ohnehin schon ekligen Haarbürste entdeckt. Die ziept mir die Unterwolle aus dem Fell. Sie soll dafür sorgen, dass ich es etwas luftiger habe, ist aber extrem unangenehm für meine zarte Haut. Sie macht das immer, wenn ich nicht großartig flüchten kann. Wir haben ein nicht ausgesprochenes Agreement: Ich lasse ihr ein paar Züge, ziehe mich vornehm auf die andere Seite des Vorschiffes zurück und sie akzeptiert das.

Ich liebe den Geruch vom großen weiten Meer, den ich persönlich jetzt schon in der Nase habe, das Zirpen der Zikaden und das üppige Leben im Draußen und seinen Plätzen. Deshalb schlug mein Herzchen vor Freude immer höher, als wir uns dann endlich aus der Großstadt verzogen und weiter gen Süden schiffwanderten. 

Valence und endlich gibt es ein Wiedersehen mit Anne und Wolfgang

Nach drei Tagen kamen wir dann nach Valence, was meine beiden Menschen direkt in wahre Entzückung versetzte. Sie erkannten Orte in der Landschaft wieder, die mir völlig neu waren und faselten von Namen zu denen ich keinen Geruch in der Nase hatte. Wahrscheinlich war das auf kleine Trips zurückzuführen, die sie unverschämterweise ohne mich unternommen hatten. Ihr Verhalten machte mich immer neugieriger, weil jetzt auch ich wissen wollte, wer sich denn hinter den Namen Anne und Wolfgang verbirgt.

Am Freitag gegen halb elf tauchten die beiden dann endlich auf und, das machte sie mir direkt äußerst sympathisch, sie brachten gleich etwas zu essen mit. Leider war es überwiegend Gemüse, was mich als Labbi enttäuschte, aber meine Lieben hochgradig erfreute, denn es handelt sich um Erzeugnisse aus Wolfgangs Garten. Ich erspähte aber noch zwei Gläser, in denen ich Wurst vermutete. Das würde eher was für mich sein. Leider durfte ich nur den Duft kosten. Bei so guten Sachen wird leider nicht immer gerecht gedrittelt. Und Pommes hatten Anne und Wolfgang nicht dabei.  

Bei einem etwas verfrühten, aber durchaus erquicklichen Apero kamen die Vier ins Plaudern und erzählten viel aus den alten Zeiten. Herrchen und Wolfgang waren mal Geschäftspartner, aber daraus ist schnell sehr viel mehr geworden. Und auch Wolfgang und Anne sind echte Schiffsleute, die vor vielen Jahren um die halbe Welt gesegelt sind. Herrchen war von Island bis Grönland mit an Bord. Unser Schiff hat ihnen sehr gut gefallen und wenn es zeitlich klappt, wollen Sie gerne mal mit auf Reisen kommen. Im Moment vermieten sie aber ihre tolle Ferienwohnung und machen für ihre Gäste schon mal einen supertollen Apero aus ihrem Selbstversorgerleben. Bei denen hat man als Labbi bestimmt den Himmel auf Erden. Vielleicht sehen wir sie im Herbst sogar bei uns auf der Insel wieder. Auch darüber haben sie gesprochen. Ich wäre unbedingt dafür, auch wenn sie nichts zu essen mitbringen.

Danach ließen sie mich auf dem Boot alleine und machten ihren obligatorischen Bummel durch Valence, den sie immer unternehmen, wenn sie die beiden besuchen. Das war für mich sehr okay, denn ich kenne so langsam die eng gestellten Tische in Frankreich. Es würde mir nicht sehr gefallen, mich bei den warmen Temperaturen unter einen kleinen Tisch zur verkrümeln und von den umher strömenden Essensdüften wahnsinnig zu werden. Da ging es mir auf dem Schiff schon besser. Leider sah ich die beiden nicht mehr, aber Wolfgang hinterließ mir einen lieben Gruß, indem er mir die Knochen seiner Schweinefüßchen überließ. Bestimmt habe ich einen guten Eindruck bei ihm hinterlassen. 

Und zack sind wir im Mittelmeer

Den Samstag hatten wir eigentlich ein weiteres Mal durch Valence stromern wollen, aber da die hier mit ihren Leihfahrrädern nicht ganz so gut aufgestellt sind wie in Lyon und wir auf dem Markt gar nichts mehr holen mussten, weil wir ja so tolles Gemüse von Wolfgang bekommen hatten, blieben wir im Hafen, was eine kluge Entscheidung war, denn bereits am Vormittag ging ein heftiges Gewitter über die Marina hinweg. So machten wir unsere üblichen Bootsgeschäfte, wie Waschen, Aufräumen, die nächsten Routen ausbaldowern und gingen noch in aller Ruhe tanken. Die nächsten Tage waren größere Routen angedacht. So half uns der Tag, uns dafür zu richten.

Die Überfahrt nach Viviers war eine echte Wurmtour, denn da steckte von Anfang derselbige drin. Schon bei der ersten Schleuse schrubsten wir mit dem Schiff an die Ecke des Anlegestegs für die Schleuse. Alle Schleusenpoller, die wir sonst im Schlaf finden, schienen sich in letzter Sekunde mit einem Satz in die ein oder andere Richtung zu verschwinden und zu guter Letzt donnerten wir direkt vor dem Hafen unter sämtlichen Blicken der dort flanierenden Sonntagsspaziergänger über ein paar Felsbrocken, die ziemlich untief angebracht waren. Zwar waren wir auf der richtigen Seite des Pollers gefahren, das wohl aber ein wenig zu nah. 

Mir ist das zwar stets ein wenig peinlich und ich verziehe ich mich sofort ins Schiffsinnere bis ein wenig Gras über die Sache gewachsen ist. Aber solche Tage gehören zum Bootsfahrerleben dazu (sagt Herrchen immer) und so lange nichts Übleres passiert, stimme ich dem zu. Das Anlegen gegen die Strömung gelang dem Kapitän wunderprächtig und so konnten wir den Tag entspannt beenden, einen langen Spaziergang durch die entzückenden Gassen des Ortes unternehmen und waren am Montag für neue Abenteuer gerüstet.

Dieser Tag lief auch nicht ganz nach Plan, aber das stellte sich im Nachhinein eher als Gewinn heraus. Wir hatten eigentlich nicht die nahezu 80 km bis nach Avignon fahren wollen. Wir sind ja schließlich nicht auf der Entenjagd. Aber in diesem Abschnitt der Rhône gibt es nicht allzu viele Anlegemöglichkeiten. In freier Wildbahn anzulegen, ist in diesem Fluss keine gute Idee. Den Steg vor St. Etienne gab es nicht mehr, wie im Fahrtenbuch angekündigt. Für die Marina in L’Ardoise hätten wir in einem Parallelarm der Rhone 4 km gegen die Strömung zurück fahren müssen. Das hätten wir zwar gemacht, aber nachdem wir die Fotos der Marina im Internet entdeckt hatten, war das keine Alternative mehr. Also blieb der letzte Steg (9 km vor Avignon) und der sah so wenig einladend und so wenig schattig aus, dass wir das bisschen noch anhängten und schon am frühen Abend an der berühmten Pont Saint-Bénézet vorbei fuhren, die einen wirklich sehr beeindruckt. 

Bei unserer Reiserei finde ich besonders spannend, dass wir häufig eine andere Sicht auf die Dinge bekommen, weil wir sie vom Wasser aus betrachten können. Die Brücke in Avignon sieht man ja von der Stadt aus oder man flaniert darüber. Die Brücke selbst besteht nur noch aus einem Rest, der bis in die Mitte des Flussarms reicht. Wir durften also am Wasser und somit an der Brücke vorbeifahren, was wenige Besucher zu Gesicht bekommen. Durch die Torbögen zu fahren ist aus selbsterklärenden Gründen verboten. Das war ein ganz beeindruckendes Erlebnis.

Überhaupt ist Avignon wirklich eine bezaubernde Stadt, in der man sich Tage lang verlustieren kann. Kaum biegt man um die Ecke tut sich ein neues Viertel auf, alles befindet sich fußläufig und am Palast der Päpste kommt man so oder so vorbei. Am Abend herrscht dort ein fantastisches Flair. Viele sitzen in den Cafés und Restaurants, andere sitzen auf den vielen Stufen und einige flanieren über den Platz. Leider war es sehr heiß, so dass wir über Mittag eine Pause einlegen mussten. Aber wir wandelten in den Markthallen, frühstückten wie immer französisch auf einem kleinen Platz und schickten Frauchen zum Friseur. Die hatte es bitter nötig und obwohl ihre französischen Sprachkenntnisse gerade erst wieder zum Leben erwachen, konnte sie dem Coiffeur gut verständlich und somit erfolgreich klar machen, was ihr Anliegen war. 

Der Termin in der Werft für das Aufstellen der Masten rückt immer näher, so dass wir nur einen ganzen Tag in dieser wundervollen Stadt hatten, aber sie ist jedem zu empfehlen und wir werden hier bestimmt wieder vorbei kommen – um uns die anderen Perspektiven der Brücke zu Gemüte zu führen. 

Nach einem sehr heißen Reisetag und einer nicht eingeplanten Warteschleife in der letzten Schleuse der Rhône, liegen wir nun im Port St. Louis schon im Salzwasser und genießen die Meeresbrise, die uns die Hitze erträglicher macht. Das war gestern noch nicht so. Ich hatte Mühe mein Schattenplätzchen auf dem Schiff zu finden und wurde aber dankenswerterweise in regelmäßigen Abständen abgeduscht. Die letzte Schleuse befindet sich direkt vor dem Hafen, so dass wir eigentlich schon das Gefühl hatten dazu sein. Für das Schleusen gibt es feste Termin, da direkt nach Austritt die Brücke hochgefahren werden muss. Damit nicht jeder Bootsfahrer diese Aktion auslöst und den gesamten Autoverkehr aufhält, wird ein bisschen gesammelt. Spätestens sollten wir da sein, um Viertel vor vier würde geschleust. 

Leider kam ein Feuer irgendwo in der Gegend dazwischen, dass die Feuerwehr dazu bewegte, die Brücke für die Dauer ihres Einsatzes zu sperren und so mussten wir über eine Stunde in der Schleuse und der entsprechenden Hitze, mit Schwimmwesten und ohne Schatten ausharren und kamen dann endlich am Liegeplatz an.

Heute treffen wir sämtliche Vorbereitungen, die für die Maststellung erforderlich sind und genießen ansonsten den Ruhetag in der Marina. 

Bleibt uns gewogen, bis zum nächsten Mal Eure Labbidame Leila

Unsere Crew ist wieder komplett

Der Junior fährt heimlich hinter uns her. Irgendwie jedenfalls. So muss es sein. Anscheinend ist er für die adäquate Versorgung an Bord verantwortlich. Und das ist im Nordosten Frankreichs (Grand Est) bitter nötig. Denn hier ist es an vielen Stellen sehr leer und ich musste die letzten Tage bereits feststellen, dass selbst die süße kleine Bäckerei in Pfotennähe keine Selbstverständlichkeit ist. 

Viele Dörfchen, in die wir fahren, wirken wie ausgestorben. Die Straßen sind leer, die meisten Ladengeschäfte auch, von Restaurants ganz zu schweigen. Gut, zum Damenfriseur könnte ich in jederzeit und überall gehen. Das scheint wichtig zu sein. Aber einige dieser kleinen Landstriche machen doch einen sehr verlassenen Eindruck und ich denke mir, dass viele von dort weggehen. Viele Wohnhäuser sehen jedenfalls sehr einsam aus.

Das hat der Junior bestimmt gerochen. Denn am Abend des letzten Mittwochs tauchte er wie aus dem Nichts auf. Ich hätte eigentlich selbst drauf kommen können. Alles wurde von meinen Zweibeinern hübsch gemacht und aufgeräumt. Das Wetter wurde auf Sommer geknipst und schon war er da. Offenbar wurde das auch höchste Zeit, denn er hatte ein fast vollgeladenes Auto und für jeden was dabei.

Der Flohmarkt in Fontenoy-le-Chateau hatte es nicht so wirklich gebracht. Frauchen wollte ja Vieles, was auf dem Boot an Accessoires fehlt, unterwegs erstehen, damit sie  immer an das Reisen erinnert wird. Aber dieser Markt war kein typisch französischer, sondern eher eine Keller-Ausmist-Aktion. Also Sperrmüll auf dem Dorfplatz.

Frauchen hatte nebenbei mit ganz anderen Problemen zu kämpfen und kein wirkliches Auge für die einzelnen Stände. Sie versteifte sich an diesem Tag lieber darauf, ihre EC-Karte zu verlieren, sie dann sperren zu müssen, nur um sie am Ende wiederzufinden. Nicht jeder Landgang ist hier die Entspannung pur. Für ein bisschen frisches Gemüse und das obligatorische Schmuckstück hat es dann doch noch gereicht. Auch für das Essen musste an diesem Tag nicht gesorgt werden. Es gab einen Stand mit Steak-Sandwich und einer guten Flasche Wein. Für die Menschen! Ich wurde mit ein paar billigen Pommes abgespeist. 

Apropos Essen

Dachte ich in Metz noch, meine Existenz sei gesichert, wurde es in diesem Teil des Landes mit der Jagdbeute meiner Leute zunehmend dürftig. Das geht allen Bootskollegen so, die wir jeden Abend wunderbarerweise am neuen Anlegeort wiederfinden. Kurz nach dem Aussteigen und Strom legen (falls es überhaupt welchen gibt) wird Kontakt mit dem Rest der Meute aufgenommen und die allgemeine Restaurant,- Bäcker- oder Supermarktlage besprochen. Dienstag sind wir zum Beispiel extra nicht ganz so weit gefahren, weil es in Selles ein leckeres Restaurant geben sollte. Kaum, dass wir angelegt hatten, stellte sich die Lokalität, die in Reichweite der Liegestelle lag, entgegen gewisser Informationen aus dem Internet als zuverlässig verrammelt heraus. Und man darf sich an dieser nicht vorstellen, dass es weitere Alternativen zu begutachten gegeben hätte.

Wir trafen auf ein weiteres Paar aus der Schweiz, die diese Gegend seit vielen Jahren befahren und richtig ein bisschen überdrüssig geworden sind, weil es kaum etwas gibt. Von kulturellen Reizen wollen wir an dieser Stelle noch überhaupt nicht sprechen.

Auch meine Leute kennen das Problem. Schließlich sind sie die Tour vor neun Jahren schon mal gefahren und dabei fast verhungert. Was bin ich froh, dass ich erst später in diese Familie gekommen bin. Natürlich hatten sie sich auf die Diaspora vorbereitet, aber schließlich will man in Frankreich nicht aus der Dose leben, wenn zu einem guten Anlegemanöver ein leckeres Gericht und ein Gläschen Rosé gehört. 

Gut also, wenn man einen Junior hat, der einen ein bisschen mitversorgt. So bekam Herrchen eine Kiste alkoholfreies Bier, das es hier kaum gibt, Frauchen ihr gutes Olivenöl aus der Heimat und ich ein paar zärtliche Krauler hinter die Ohren. 

Und nur um auf Nummer sicher zu gehen und weil das Auto nun mal gerade vor der Tür stand, fuhren sie in den nächstgelegenen Supermarkt, um sich für die nächsten Tage zu versorgen. Was ich da so alles in den Kühlschrank wandern sah, machte mir durchaus Mut. 

Die Saône 

Der Sohnemann ist aber auch ein Kluger. Er stieß in Corre zu uns. Das ist die Endstation des Canal-des-Vosges und ab hier sollte die Lage besser werden. Zur Feier des Tages hatten wir uns für die schönere Marina entschieden. Die sollte auf jeden Fall ein Restaurant haben. An der letzten Schleuse, von übrigens über 90, die wir mittlerweile bewältigt hatten, gaben wir unsere Schleusenfernbedienung wieder ab, indem wir sie in einen Kasten warfen. Ab jetzt würden uns Bämbel begleiten. So nennen wir die dicken Schläuche die von einer Leitung herunterhängen und gedreht werden müssen. 

Ein kleiner Anlass, an dem man die Diskussionsfreudigkeit meines Rudels ablesen kann.  Hier wird nicht einfach zur Kenntnis genommen, dass man rechts drehen muss. Die Frage was rechtsherum in diesem Zusammenhang nun wirklich bedeutet und wie das Prozedere richtig zu verstehen sei, wurde den halben Vormittag ausgiebig debattiert und geprüft.  Und man soll es nicht glauben, jeder hat dazu eine eigene Vorstellung. Häufig höre ich nur mit einem halben Ohr zu, während ich so vor mich hin döse. So lange der Laden insgesamt läuft, besteht meinerseits kein Bedarf, um einzugreifen. Und der Laden lief in der Tat recht gut. 

Die Marina liegt also nach der Schleuse bereits in der Petite Saône und so konnten wir einen Blick auf den Hochwasserstand werfen und das beruhigte doch sehr. Ganz sanft konnten wir eintreten und direkt fühlen, dass das mit dem Fluss kein Problem werden würde. Die Marina war toll. Nur auf Hunde müssen sie sich noch ein wenig einstellen. Die haben da so richtig eklige Steggitter, die an Land führen. Und die sind für uns Vierbeiner die Hölle. Ich habe zwar als Welpe geübt, über jeden Bodenbelag zu stapfen, aber ein Vergnügen ist das barpfotig nicht. Ich hätte mir dieses Rudel jedoch nicht ausgesucht, wenn sie in so einem Fall nicht Abhilfe schaffen könnten. Als sie sahen, wie sehr ich mich abmühen musste, packten sie den Bollerwagen aus und ich verstand sofort. In dem bequemsten Shuttle-Service wurde ich nun unter amüsiertem Gelächter sämtlicher umliegender Bootsfahrer an Land gebracht. Milde lächelnd grüßte ich erhobenen Hauptes nach rechts und links und wahrte die Haltung. 

Jetzt da wir wieder zu Dritt an Bord waren, konnten wir unser Running-System ein wenig verändern. Wir spielten alle Rollen mal durch. Herrchen musste also auch mal an die Leinen, was er dringend nötig hatte. Frauchen und der Junior mussten sich am Steuer behaupten und in passgenaue Schleusen und durch enge Sicherheitstore manövrieren.  Eigentlich ist es für mich entspannter, wenn jeder so seine Aufgaben und Funktionen inne hat. Dann gibt es kaum Geschrei und Diskussionen und alles läuft getragen und lautlos wie in einem Stummfilm ab. Aber schnell kann es passieren, dass die Rollen getauscht werden müssen. Dann ist es gut, wenn jeder eine Ahnung hat, was auf ihn zukommt. Nur meine persönliche Verantwortung hier an Bord ist natürlich nicht delegierbar.

Der Junior fuhr sogar den dunklen und kühlen St. Albin-Tunnel. Es war ganz heiß an dem Tag und so waren die 860 m für mich eine erholsame Abwechslung, aber bestimmt nicht einfach zu steuern. Die kleine Saône bietet zwei solcher Tunnels an. Die sparen einem nämlich einige Fluss-Kilometer. Ebenso mussten wir mehrere Sicherheitstore passieren, die nach dem Hochwasser wieder offen standen. An der Vegetation konnte man übrigens gut sehen, wie weit das Wasser über die Ufer getreten war. Sie war heftigst schlammig verfärbt.

In der Saône wird es auch mit dem Essen besser. Meine Leute brachten jedenfalls gute Jagdbeute mit nach Hause und einmal durfte ich sogar mit. Am Freitag haben wir uns einfach an einen kleinen Steg mitten im Fluss gelegt und sind in ein nahegelegenes Strandbad gelaufen. Dort gab es lecker Burger und Pommes (mal wieder für mich). Doch ich lieb’s, wenn ich mit darf. Ich lege mich dann unter den Tisch und betrachte das ganze Kino, was um mich passiert, ohne die Futterquelle aus den Augen zu lassen.

Außerdem darf ich jetzt jeden Tag schwimmen und das finde ich richtig klasse. Das Wetter ist toll, es gibt immer den passenden Ausstieg für mich und die Ente fällt immer zum richtigen Moment ins Wasser. 

Nur eines ist blöd. Nach vier Tagen musste der Junior wieder heim und wir fahren ohne ihn weiter. Aber ich bin mir sicher, wenn bei uns die Versorgungslage eng wird, kommt er wieder angefahren. Vielleicht aber auch einfach so, um uns zu besuchen. Ich freu mich, so oder so.

Jetzt werden die Messer gewetzt!

Ich dachte, wir sind nach Epinal umgezogen. Da war ich mir komplett sicher. Wir haben dort für fünf Tage gelegen. So lange waren wir noch nie an einem Ort, aber Feiertag, Sperrung und der Regen machten es nötig. Seitdem hat sich das Schiff keinen Millimeter Richtung Süden bewegt! Wir kauften hier ein wie zu Hause, wir wuschen und putzten wie zu Hause, wir gingen Gassi wie zu Hause und ich war manchmal für ein Stündchen alleine wie zu Hause, wenn meine Leute auf die Jagd gingen. Hier in Epinal wollten sie unbedingt los, um tollen Honig zu kaufen und kamen mit zwei Kisten Rosé wieder. So machen die das. An mich denkt hier keiner!

In diesem entzückenden Städtchen zu verweilen war zunächst recht amüsant. Wir lagen an der Kaimauer. Direkt dahinter erschloss sich ein Park, indem viele verschiedene Menschen auftauchten, auf den Bänken vor sich hin träumten, joggten, Ball spielten oder so Vierbeiner wie mich ausführten. Ich hätte also überhaupt keine Langeweile gehabt, während meine Zweibeiner das Schiff auf Vordermann brachten. Das macht man nämlich so an Liegetagen. Man muss all das wieder richten, was während der Fahrerei liegen  geblieben ist oder nicht gemacht werden konnte. Und da kommt ganz schön was zusammen.

Wenn nur dieser Regen nicht gewesen wäre. Bei den Massen, die da runter machten, konnte ich meinen Platz in der ersten Reihe auf dem Vorschiff nicht einnehmen, um mir alles in Ruhe zu betrachten. Kaum waren wir losgelaufen, um meine Runde zu drehen, mussten wir wieder nach Hause hechten, weil es nass von oben wurde. Und die Aussichten wurden immer schlimmer. So richteten wir alles nach dem Wetterbericht aus und genossen ansonsten die Ruhe. Einmal mussten wir sogar die Heizung anmachen –  an einem Nachmittag – im Juli! Aber das sind natürlich keine ernsthaften Probleme, bei all dem was plötzlich in der Heimat passierte, mit all den schlimmen Überschwemmungen.

14 Juillet fällt ins Wasser 

Unter den Wetterbedingungen wäre auch mit Sicherheit der französische Nationalfeiertag ein wenig öde geworden, da es auch an diesem Tag wie aus Eimern schüttete. Das Feuerwerk, das es wirklich in jeder vernünftigen Stadt an diesem Tag zu bewundern gibt, hätten wir fast verpasst. Es ging nämlich zu nacht schlafender Zeit los, wenn kleine Labbis schon im Körbchen liegen. Am 13.07. abends um 23 Uhr. Aber wir hatten auf unserer Terrasse einen tollen Platz und bekamen den zweiten Teil gebührend mit. So eine unmotivierte Knallerei nehme ich übrigens ganz locker. Das macht mir nichts aus. Ich hatte zwar keinen Schimmer wo der ganze Krach herrührte und fürchtete schon, dass jemand vielleicht auf die Idee gekommen war, erneut auf die Bastille zu stürmen, aber bevor es ernst wurde, war offenbar der Friede wieder eingekehrt. 

Am Feiertag selbst war außer einer kleinen Runde nicht viel drin, und so waren wir froh, uns mit unseren netten Nachbarn aus der Schweiz (die übrigens ebenfalls einen so sympathischen Hund wie mich haben) zu einem Aperitif verabredet zu haben und verlebten einen kurzweiligen und schönen Abend. Ich habe zwar nicht so viel von mir zu geben, aber meine Ohren sind stets auf Empfang und so bekam ich eine Menge mit von den beiden, die auf einer wahnsinnig attraktiven, blauen und 20 m langen Péniche wohnen. Natürlich muss ich unumwunden zugeben, dass mich auch die kleinen Leckereien auf dem Tisch ein wenig abgelenkt haben und ich hier nicht mehr alles wortgetreu wiedergeben kann. Aber die Zwei machen auch mehr als Urlaub auf dem Schiff und sind im Moment in die entgegengesetzte Richtung bis nach Toul unterwegs. Natürlich haben wir sie vor dem Kraut gewarnt. Das macht man unter Bootsleuten so.

Und auch sie wollen einen Blog schreiben. Ob bei denen wohl auch der Hund schreibt? Also wenn ihr mal eine schöne hellblaue Péniche seht, dann grüßt die Drei ganz lieb von uns.

Schleusentreppe und die letzten 14 Male nach oben

Auch wenn am folgenden Abend der Gegenbesuch angestanden hätte, haben wir uns doch entschlossen, weiter auf Wanderschaft zu gehen. Wenn man sich das so angewöhnt hat, wird man ein wenig ungeduldig, wenn man sich so gar nicht vom Fleck weg bewegt. 

Trotz der nassen Aussichten wollten wir wenigstens die Schleusentreppe schaffen. Gerne wollten wir die alleine fahren. Das ist in den kleinen Dingern wirklich entspannender. Deswegen starteten wir schon vor 9, um pünktlich einzufahren. Den gleichen Gedanken hatten wohl noch zwei andere Schiffe und so teilten wir uns in wirklich netter Art und Weise gerecht auf. Wir würden die Schleusentreppe, das sind wirklich 14 Schleusen direkt hintereinander und ohne Pause, mit einem kleinen Segler schleusen. D. h. Wir würden wieder weiter nach vorne in die Schleuse müssen und die Leinen richtig gut in den Griff nehmen, damit wir weder vorne gegen das Schleusentor knallen, aber auch nicht gegen unseren Hintermann donnern. 

Alles in allem funktionierte das auch ganz gut und ich konnte mich mal wieder über die Entwicklung meiner beiden Mitfahrer freuen. Sie brauchten genau zwei Schleusen, um ihr System auszubaldowern. Nur ich stand kurzfristig unter Schock, weil Frauchen nicht aufs Boot zurückkam. Sie fuhr einfach mit dem E-Roller weg. Ich überlegte fieberhaft, ob es vielleicht in der Nähe eine Bäckerei gäbe, die sie sucht oder ob es dort oben trockener wäre. Aber Gott sei Dank wartete sie zuverlässig an der nächsten Schleuse und als ich das verstanden hatte, konnte ich mich wieder der schönen Natur widmen. Nur an einer Bäckerei kam sie offenbar nicht vorbei.

Nach der Schleusentreppe war der nächste Liegeplatz der unsere. Den Nachmittag regnete es durch und ab dem Abend sahen wir nur noch geschockt im TV, was da in Deutschland passiert ist. Sehr schlimm.

Jetzt geht es bergab

Nun war der Tag gekommen, an dem wir den Berg erklommen hatten. Nach einer kurzen Passage durch die Scheitelsohle kam die erste Schleuse, die nach unten führte und da denke ich jetzt immer noch drüber nach, wie diese Zauberei möglich ist. Zu Beginn der Reise sind wir immer in den Keller des Wassers gefahren und die Wand fuhr von oben nach unten, so dass wir irgendwann einen tollen Blick zurück in die Welt bekamen. Jetzt passiert das plötzlich umgekehrt. Ich sehe nette Häuschen, treffe manchmal lustige oder freche Schleusenhunde und wenn sich die Maschinerie in Gang setzt, kommt die Glibberwand von unten nach oben und wir verschwinden im Keller? Ich würde es ernsthaft mit der Angst zu tun bekommen, wenn nicht die Welt wieder käme, meist schöner als zuvor, sobald die Tore wieder aufgehen. 

Und meinen Zweibeinern tut das Runterschleusen gut, jedenfalls gehen sie das ganz locker an. Nur liegen neuerdings eine Axt und ein scharfes Messer auf dem Vorschiff. Das hat mich schwer beeindruckt, vor allem weil ich da natürlich nicht reintreten darf. Dabei handelt es sich um eine reine Sicherheitsmaßnahme, sagt der Kapitän. Es gibt beim Runterschleusen nämlich nur einen dummen Punkt und das ist der, wenn sich die Leine aus irgendwelchen Gründen verhaken oder verkanten würde. Dann senkt sich das Wasser weiter ab und  das Boot hängt plötzlich an den Leinen in der Luft. In so einem Fall muss man ganz schnell die betroffene Leine durchschneiden. Und da ich nicht mal schnell in die Küche  laufen kann, um ein Messer zu holen, hat Herrchen alles gleich mal bereit gelegt. 

Sperrung, die Zweite

Wir könnten jetzt ganz genüsslich weiter verfahren und bald in die Saône eintreten. Aber wir haben in der Zwischenzeit erfahren, dass dieser Fluss, ebenfalls aus Hochwassergründen, gesperrt werden musste. Also sind wir jetzt nur bis Fontenoy-le-Chateau gefahren und bleiben mal wieder liegen, aber ganz gewiss werden es keine fünf Tage, denn die Durchfahrt soll schnell wieder aufgemacht werden. Und gerade kommt auch hier der Sommer an. Wir können ja bis dahin ein bisschen putzen und waschen und in diesem entzückenden kleinen Ort wohnen bleiben. 

Also haltet uns weiter die Daumen.

Wir wollten es entspannt – jetzt haben wir es entspannt

Die französische Küche ist exakt meine. Allem voran ein Stück herrlich frisches Baguette, das Herrchen und ich jeden Morgen vom Bäcker bekommen. Dafür laufen wir täglich unserer Nase nach, bis wir den unvergleichlichen Duft von frisch gebackenem Brot erschnuppern. 

Sobald ich den in der Nase habe, zeige ich Herrchen das Geschäft, setze mich adrett davor und gebe ihm ein Zeichen, dass er jetzt Kontakt mit der Boulangerie aufnehmen kann. Wenn er dann mit geschossener Beute zurückkommt, gehen wir diskret ein paar Schritte auf Seite und ich bekomme meinen obligatorischen Anteil. Dieses Ritual begann in Schwebsange und heute, keine neun Tage später sind wir eingespielt wie ein altes Ehepaar und bringen die leckersten Wutzereien aufs Schiff.

Zwei Tage Luxemburg zeigen uns das Tempo der Reise

Auch wenn das kleine Land samt seiner Bewohner ein sehr entzückendes ist, war es nur ein kurzer Durchgangspunkt auf unserer Reise, der um einen Tag erweitert wurde, weil die Tankstelle trotz der Ankündigung eines Bootskollegen doch noch nicht spontan in Betrieb ist. Dieser Punkt war für uns jedoch nicht diskutabel, denn erstens ist es die letzte Tankmöglichkeit vor der Saône und zweitens ist der Sprit hier natürlich um einiges günstiger. So was nehmen wir immer mit. Schließlich kann man von dem Ersparten wieder essen gehen. Und das ist mir äußerst wichtig.

Die Gelegenheit schien zunächst günstig. Wir kamen am Montag an. Am Dienstag sollte der Tankwart kommen, so war die Aussage der äußerst sympathischen Hafenmeisterin mit eigener Geschichte. Auch sie war schon mit ihrer Peniche durch den Kanal gereist und beneidete uns deswegen sehr um unser Vorhaben.

Früh am Morgen legten wir auf direktem Weg am Tanksteg an und warteten. Erst bis um 9 Uhr, dann bis um 10. Schließlich wurde es drei Uhr nachmittags. Wir überlegten kurz, ob wir nach dem Tanken eine Station weiter wollten, verabschiedeten uns aber schnell von dem Gedanken. Wir wollten diese Reise ja ohne Zeit- und Termindruck angehen. Darüber hinaus wollte uns die deutsche Nationalmannschaft am Abend ins Viertelfinale schießen und das wollten wir auf keinen Fall verpassen. Also blieben wir. Das Viertelfinale bestreiten jetzt andere, unser Tank ist dafür randvoll.

Der erste Schritt nach Frankreich ist Metz

Ein kleines Stück Paris, wie meine beiden Leute immer sagen. Wir hatten den Tag davor ein wenig draufgehalten und waren die 62 km plus 6 Schleusen in einem Rutsch gefahren. Damit hatten wir uns einen ganzen Tag Zeit für das entzückende Städtchen rundum die Kathedrale St. Etienne herausgefahren. In größeren Städten habe ich das Schiff ja immer ein bisschen mehr für mich, weil die sich alles angucken wollen. Aber gegen Mittag holten sie mich ab und wir gingen gemeinsam in ein nettes Bistro zum Essen. Das Wetter war verträglich und so konnten wir draußen Platz nehmen. Ich zeigte mich von meiner besten Seite, ließ mich direkt neben dem Tisch nieder und wurde unsichtbar. Trotzdem kam der Koch mal kurz an mir vorbei und ließ mir dann von der sehr freundlichen Bedienung einen Gruß aus der Küche bringen. Ein Näpfchen mit 1 a frischem, rohem Fleisch wanderte vor meine erstaunte Schnauze und ich glaube langsam, dass Hunde in Frankreich ein sehr gutes Leben führen können. Wie auch die Hafenmeisterin aus Schwebsange, kann auch ich das kleine Restaurant nur empfehlen.

Toul nie wieder auf dem Wasserweg

Die nächsten Tage bis Toul verliefen ruhig und ohne besondere Vorkommnisse. Ich konnte sehen, wie sich meine beiden Zweibeiner immer mehr einspielten und das gibt auch mir ein beruhigendes Gefühl. So waren sie vor den drei „Stadtschleusen“, die nach Toul führen auch nicht sonderlich aufgeregt. Sie wussten zwar noch, dass die recht heftig scheppern, aber zwischenzeitlich sind wir Drei ja richtig gut.

Die Schleusen an sich klappten auch recht gut. Sie sind in der Tat ziemlich wirbelig und zwar schon bevor es richtig losgeht, aber das war nicht das Problem. Wirklich schlimm war das gesamte Kraut, das sich direkt nach der ersten Schleuse angesammelt hatte. So hatten wir uns das Gestrüpp postwendend eingesogen, den Filter verstopft und dampften wie ein kaputter Traktor. Ist mir echt immer ein bisschen peinlich, so unterwegs zu sein. Aber wenn den Kram niemand wegmacht?

Das allein war aber auch noch nicht das Übelste. Richtig schlimm wurde es in der letzten Schleuse vor dem Hafen, als sowohl das Getriebe als auch das Bugstrahlruder gleichzeitig ausfielen. Wir schafften es noch in die Schleuse, fuhren aber zu weit an der Treppe vorbei, sodass Frauchen nicht hochklettern konnte, um die Leinen zu befestigen. Während sie noch ratlos mit den Leinen in der Hand auf eine Eingebung wartete, tauchte von oben ein Engel in Gestalt der Schleusenwärterin auf und nahm freundlich lächelnd beide Leinen entgegen. 

Nach über einer Stunde endlich am Liegeplatz angekommen, öffneten wir den Motorraum und nahmen das verstopfte Kühlsystem unter die Lupe. Wir befreiten alles so gut es ging und hatten dann erstmal Ruhe. Aber am nächsten Tag mussten wir dieselben drei Schleusen ja wieder retour und das brachte uns einen weiteren Boxenstopp ein, indem wir wieder alles von dem Kraut befreien mussten. Nach der letzten Odyssee im vergangenen Jahr in Frankreich hatten wir selbstverständlich dazu gelernt und waren nun mit einer Luftdruckpistole und einem sehr langen Draht bewaffnet, sodass wir uns erstmal weitgehend von dem Schmodder befreien konnten.

Das Leid am Ankunftsabend in Toul hielt jedoch nicht lange vor. Erstens erfuhren wir, dass es im Kanal sehr viel besser werden würde und zweitens gingen wir blendend essen. Was die Zwei da wieder für mich mitbrachten, lässt mich ernsthaft darüber nachdenken, ob ich nicht in Frankreich wohnen bleibe.

Canal des Vosges – Wir kommen um zu bleiben

Die Säuberungsprozeduren mussten wir noch ein, zweimal wiederholen. Das Kraut schien überall zu stecken. Das bekamen wir noch den ganzen Tag zu spüren. Aber am späten Abend verließen wir die Mosel, verabschiedeten uns von der Berufsschifffahrt und traten in den Canal des Vosges ein. Jetzt, da war ich mir sicher, würde ich viel zu sehen bekommen. Die dortigen Schleusen funktionieren automatisch. In Neuve-Maison erhält man eine Art Fernbedienung, mit deren Hilfe man die einzelnen Schleusen von nun an in Gang setzt. Zuerst wird das Wasser für uns vorbereitet. Bei grüner Ampel können wir einfahren und uns festmachen. Dafür muss Frauchen aber jedes Mal die Leiter hochkraxeln und Herrchen die Leinen passgenau werfen. Liegt man dann fest, wird der Schleusungsprozess mit dem Hochziehen einer Stange in Gang gesetzt. Typisch für die kleinen französischen Schleusen ist, dass das Wasser mit ziemlich viel Tempo angeschossen kommt. Man muss sich also wirklich gut festmachen. Herrchen hatte sich da so ein besonderes System ausgedacht, was ihn dazu befähigen sollte, die Leinen alleine unter Kontrolle zu halten. Nun ja, es hielt genau eine Schleuse lang dann wurde modifiziert. 

Von meinem Beobachtungsposten aus, den ich bei wirklich jeder Schleuse einnehme, könnte ich durchaus den ein oder anderen wertvollen Tipp in die Runde werfen, aber als alte Pädagogin habe ich gelernt, dass selber entdecken viel besser für den Lernprozess ist, und meine beiden Eleven stellen sich so blöd gar nicht an. 

Im ersten Schritt übernimmt nun jeder eine Leine. Herrchen unten auf dem Schiff, Frauchen oben an der Schleuse. Zweitens ziehen wir es vor, alleine zu schleusen. Meist bekommen wir nämlich den Vortritt, weil wir das größere Schiff sind, dann bekommen wir die volle Ladung mit allen Kräften ab, während die Nachhut in unserem Windschatten gemütlich eine Etage nach oben fährt. Sind wir alleine können wir uns weiter nach hinten legen. Das führt dazu, dass wir auf der Seite anlegen können, an der Frauchen rausmuss. Das erspart ihr das höchst zügige Umrunden der Schleuse, um die Leinen auf der anderen Seite entgegen zu nehmen.

Charmes – ab jetzt im Gänsemarsch

Und dann kamen wir nach Charmes, wo uns charmanterweise zwei Bootsfahrer zu Hilfe eilten, um unsere Leinen aufzufangen und uns im selben Atemzug darüber aufzuklären, dass der Kanal weiter südlich, offenbar kurz vor Corre, aufgrund eines Unfalls komplett gesperrt sei. Es sei wohl bis zum 15. Juli ab dort kein Weiterkommen möglich. Zusätzlich hätten sich schon ganz viele Boote dort versammelt, die darauf warteten, durch das Nadelöhr zu schlupfen.

Ein Anruf beim VNF bestätigte das. Wir fahren nun also noch viel langsamer als geplant. Aber ich habe schon mal meine Nase in den Wind gehalten. Auch hier scheint es leckere Bäckereien zu geben. Die werden wir jetzt alle einzeln abklappern. 

A bientôt mes chers, restez fidèles à moi et passez un bon moment, votre Leila

Bequem in Boussenac versus Trubel in Thüringen



Es tut sich wieder was

Die letzten Wochen ist es ziemlich still um mich, den reisenden Labbi geworden. Das hatte seinen Grund: Wir sind ja nicht am Reisen! Kaum Zuhause angekommen ist der Junior ausgezogen. Er ist nun nur am Wochenende da, was ich nicht sehr lustig finde und das lasse ich ihn die ersten zehn Minuten, wenn er kommt auch spüren. Auch Herrchen und Frauchen hatten eine Menge zu tun.

Letzten Sonntag war es aber wieder so weit. Ich habe es daran bemerkt, dass eine große Tasche gepackt wurde. Allerdings nicht für alle. Nur meine Sachen verschwanden darin. Das habe ich nicht verstanden, bis mich Noah zur Tante gebracht hat. Ich durfte also mit der Verwandschaft in die Großstadt nach Erfurt. In diesem Moment war es mir fast egal, was meine Menschen unternehmen würden, denn in Erfurt wartet ein großes Bürorudel auf mich, das mich von morgens bis abends verwöhnt – und das meine ich nicht nur kulinarisch. Wenn es mir in dem einen Zimmer zu langweilig wird, tappe ich eben ins nächste. Ich finde, jedes Büro sollte einen Hund haben. Tut nicht nur dem Vierbeiner gut.

Boussenac an der Ardeche
Was aber trieben meine Menschen? Gut, der Junior geht nun jede Woche seinen Studien nach und lebt sich in Baden-Würtemberg ein. Die anderen zwei haben sich auf den Weg ein Paradies nach Frankreich gemacht. Sie sind zu Anne und Wolfgang an die Ardeche gefahren. Dort waren sie bereits ganz oft, aber es geht ihnen immer wieder das Herz auf. Die Anreise funktioniert ein bisschen schneller als mit dem Schiff. Innerhalb von acht Stunden, größtenteils auf französischen Autobahnen, die sich entspannt fahren lassen, waren sie da. Allerdings einen Tag zu früh!!! Wer aber denkt, das würde die Bewohner von Boussenac aus dem Konzept bringen, der täuscht sich. Nach einem kurzen Moment der Überraschung wurden noch ein paar Zutaten in den Topf geworfen und so reichte das Essen für alle. Die Wiedersehensfreude war so groß, dass gleich in Annes Geburtstag reingefeiert wurde. So waren alle am nächsten Tage ein wenig müde.

Beim Ablaufen des Grundstücks hatte sich wieder einiges verändert: Es gibt ein neues Teichhäuschen, die Tochter Iris hat Bienenhäuschen aufgestellt, fährt erste Erfolge als Imkerin ein und die Scheune ist keine Scheune mehr, sondern ist auf dem Weg ein schönes Apartment zu werden. Das Highlight, aber ist die neue Eselin Diane, ein ausgesprochen sanftes Tier, das zu Pinos großem Vergnügen, die Nachfolge seines Vaters und Kumpels Paco angetreten hat. Im Frühjahr gibt es Nachwuchs. Schon am zweiten Morgen begrüßten sie uns lautstark von ihrem Platz aus.



Die Nachmittage werden dann ganz gemütlich auf dem Berg verbracht. Wäre es noch ein wenig wärmer, könnte man den Schwimmteich nutzen und mit den Fischen um die Wette plantschen. Wären meine Leutchen nicht so faul, könnten Sie hinter dem Haus auch eine Partie Tennis spielen oder eine tolle Wanderung durch die französische Landschaft unternehmen. Dieses Fleckchen Erde zu genießen, füllt jeden Akku wieder auf.



Zwei feste Dates an der Ardeche

Für meine Leute gibt es an der Ardeche meist zwei Unternehmungen. Zuerst bummeln sie durch Valence, überqueren den Markt und nehmen in einer kleinen Brasserie (Le Bistro des Clerks) den Plat du Jour ein. Gestern Mittag sogar draußen im Sonnenschein. Trotzdem bereitete Wolfgang am Abend (als hätten sie nicht schon genug gegessen, aber wir sind ja in Frankreich) eine wunderbare Bouillabaisse für seine Anne als Geburtstagsgeschenk zu.

Den Tag drauf geht es, jedenfalls, wenn es ein Freitag ist, nach La Voulte auf den Markt. Dort werden ein paar wunderbare französische Lebensmittel für alle Daheimgebliebenen eingepackt. Anschließend gehen sie natürlich, wie es sich hier gehört, auf ein Bierchen / Weinchen ins Bistro. Einen Teil der Einkäufe haben sie dort gleich verzehrt und an eine entzückende kleine Kollegin abgetreten. Das wäre eigentlich mein Platz gewesen.



Jetzt schlafen wir hier nicht bei Freunden auf dem Sofa, sondern dürfen die Ferienwohnung nutzen, die angemietet werden kann. Hier trifft man auf keine anderen Gäste, erfährt eine wunderbare Ruhe umgeben von Natur und vielen Tieren (zwei Esel, sechs Schafe, sechs Hühner, unzähligen Koi, herumwühlenden Wildschweinen und ein paar Katzen, die auf der Suche nach Futter vorbeischauen).

Währenddessen habe ich die Großstadt unsicher gemacht. Ich konnte souverän zeigen, wie man sich im Aufzug verhält und auch als Bürohund Laut geben kann. Von den Passanten in der Fußgängerzone wollte ich wissen, ob sie wirklich dasgleiche in der Bäckertüte haben, wie wir in Rheinhessen und fast wäre ich noch mit dem Riesenrad gefahren, das gerade auf dem Domplatz seine Runden dreht. Es ging mir herrlich in diesen Tagen und ich habe meine Leute nicht allzu stark vermisst, obwohl auch ich die neue Eselin gerne mal beschnuppert hätte.

Am Samstag findet dann Zuhause wieder die große Familienzusammenführung statt: Der Junior kommt aus seinem Studienort, wir aus dem Osten und Herrchen und Frauchen direkt vom Paradies. Bis dahin lass ich mich noch ein wenig bespaßen und spiele mit Dolly, dem Schaf.

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