Schlagwort: Kanalfahrt

Wir wollten es entspannt – jetzt haben wir es entspannt

Die französische Küche ist exakt meine. Allem voran ein Stück herrlich frisches Baguette, das Herrchen und ich jeden Morgen vom Bäcker bekommen. Dafür laufen wir täglich unserer Nase nach, bis wir den unvergleichlichen Duft von frisch gebackenem Brot erschnuppern. 

Sobald ich den in der Nase habe, zeige ich Herrchen das Geschäft, setze mich adrett davor und gebe ihm ein Zeichen, dass er jetzt Kontakt mit der Boulangerie aufnehmen kann. Wenn er dann mit geschossener Beute zurückkommt, gehen wir diskret ein paar Schritte auf Seite und ich bekomme meinen obligatorischen Anteil. Dieses Ritual begann in Schwebsange und heute, keine neun Tage später sind wir eingespielt wie ein altes Ehepaar und bringen die leckersten Wutzereien aufs Schiff.

Zwei Tage Luxemburg zeigen uns das Tempo der Reise

Auch wenn das kleine Land samt seiner Bewohner ein sehr entzückendes ist, war es nur ein kurzer Durchgangspunkt auf unserer Reise, der um einen Tag erweitert wurde, weil die Tankstelle trotz der Ankündigung eines Bootskollegen doch noch nicht spontan in Betrieb ist. Dieser Punkt war für uns jedoch nicht diskutabel, denn erstens ist es die letzte Tankmöglichkeit vor der Saône und zweitens ist der Sprit hier natürlich um einiges günstiger. So was nehmen wir immer mit. Schließlich kann man von dem Ersparten wieder essen gehen. Und das ist mir äußerst wichtig.

Die Gelegenheit schien zunächst günstig. Wir kamen am Montag an. Am Dienstag sollte der Tankwart kommen, so war die Aussage der äußerst sympathischen Hafenmeisterin mit eigener Geschichte. Auch sie war schon mit ihrer Peniche durch den Kanal gereist und beneidete uns deswegen sehr um unser Vorhaben.

Früh am Morgen legten wir auf direktem Weg am Tanksteg an und warteten. Erst bis um 9 Uhr, dann bis um 10. Schließlich wurde es drei Uhr nachmittags. Wir überlegten kurz, ob wir nach dem Tanken eine Station weiter wollten, verabschiedeten uns aber schnell von dem Gedanken. Wir wollten diese Reise ja ohne Zeit- und Termindruck angehen. Darüber hinaus wollte uns die deutsche Nationalmannschaft am Abend ins Viertelfinale schießen und das wollten wir auf keinen Fall verpassen. Also blieben wir. Das Viertelfinale bestreiten jetzt andere, unser Tank ist dafür randvoll.

Der erste Schritt nach Frankreich ist Metz

Ein kleines Stück Paris, wie meine beiden Leute immer sagen. Wir hatten den Tag davor ein wenig draufgehalten und waren die 62 km plus 6 Schleusen in einem Rutsch gefahren. Damit hatten wir uns einen ganzen Tag Zeit für das entzückende Städtchen rundum die Kathedrale St. Etienne herausgefahren. In größeren Städten habe ich das Schiff ja immer ein bisschen mehr für mich, weil die sich alles angucken wollen. Aber gegen Mittag holten sie mich ab und wir gingen gemeinsam in ein nettes Bistro zum Essen. Das Wetter war verträglich und so konnten wir draußen Platz nehmen. Ich zeigte mich von meiner besten Seite, ließ mich direkt neben dem Tisch nieder und wurde unsichtbar. Trotzdem kam der Koch mal kurz an mir vorbei und ließ mir dann von der sehr freundlichen Bedienung einen Gruß aus der Küche bringen. Ein Näpfchen mit 1 a frischem, rohem Fleisch wanderte vor meine erstaunte Schnauze und ich glaube langsam, dass Hunde in Frankreich ein sehr gutes Leben führen können. Wie auch die Hafenmeisterin aus Schwebsange, kann auch ich das kleine Restaurant nur empfehlen.

Toul nie wieder auf dem Wasserweg

Die nächsten Tage bis Toul verliefen ruhig und ohne besondere Vorkommnisse. Ich konnte sehen, wie sich meine beiden Zweibeiner immer mehr einspielten und das gibt auch mir ein beruhigendes Gefühl. So waren sie vor den drei „Stadtschleusen“, die nach Toul führen auch nicht sonderlich aufgeregt. Sie wussten zwar noch, dass die recht heftig scheppern, aber zwischenzeitlich sind wir Drei ja richtig gut.

Die Schleusen an sich klappten auch recht gut. Sie sind in der Tat ziemlich wirbelig und zwar schon bevor es richtig losgeht, aber das war nicht das Problem. Wirklich schlimm war das gesamte Kraut, das sich direkt nach der ersten Schleuse angesammelt hatte. So hatten wir uns das Gestrüpp postwendend eingesogen, den Filter verstopft und dampften wie ein kaputter Traktor. Ist mir echt immer ein bisschen peinlich, so unterwegs zu sein. Aber wenn den Kram niemand wegmacht?

Das allein war aber auch noch nicht das Übelste. Richtig schlimm wurde es in der letzten Schleuse vor dem Hafen, als sowohl das Getriebe als auch das Bugstrahlruder gleichzeitig ausfielen. Wir schafften es noch in die Schleuse, fuhren aber zu weit an der Treppe vorbei, sodass Frauchen nicht hochklettern konnte, um die Leinen zu befestigen. Während sie noch ratlos mit den Leinen in der Hand auf eine Eingebung wartete, tauchte von oben ein Engel in Gestalt der Schleusenwärterin auf und nahm freundlich lächelnd beide Leinen entgegen. 

Nach über einer Stunde endlich am Liegeplatz angekommen, öffneten wir den Motorraum und nahmen das verstopfte Kühlsystem unter die Lupe. Wir befreiten alles so gut es ging und hatten dann erstmal Ruhe. Aber am nächsten Tag mussten wir dieselben drei Schleusen ja wieder retour und das brachte uns einen weiteren Boxenstopp ein, indem wir wieder alles von dem Kraut befreien mussten. Nach der letzten Odyssee im vergangenen Jahr in Frankreich hatten wir selbstverständlich dazu gelernt und waren nun mit einer Luftdruckpistole und einem sehr langen Draht bewaffnet, sodass wir uns erstmal weitgehend von dem Schmodder befreien konnten.

Das Leid am Ankunftsabend in Toul hielt jedoch nicht lange vor. Erstens erfuhren wir, dass es im Kanal sehr viel besser werden würde und zweitens gingen wir blendend essen. Was die Zwei da wieder für mich mitbrachten, lässt mich ernsthaft darüber nachdenken, ob ich nicht in Frankreich wohnen bleibe.

Canal des Vosges – Wir kommen um zu bleiben

Die Säuberungsprozeduren mussten wir noch ein, zweimal wiederholen. Das Kraut schien überall zu stecken. Das bekamen wir noch den ganzen Tag zu spüren. Aber am späten Abend verließen wir die Mosel, verabschiedeten uns von der Berufsschifffahrt und traten in den Canal des Vosges ein. Jetzt, da war ich mir sicher, würde ich viel zu sehen bekommen. Die dortigen Schleusen funktionieren automatisch. In Neuve-Maison erhält man eine Art Fernbedienung, mit deren Hilfe man die einzelnen Schleusen von nun an in Gang setzt. Zuerst wird das Wasser für uns vorbereitet. Bei grüner Ampel können wir einfahren und uns festmachen. Dafür muss Frauchen aber jedes Mal die Leiter hochkraxeln und Herrchen die Leinen passgenau werfen. Liegt man dann fest, wird der Schleusungsprozess mit dem Hochziehen einer Stange in Gang gesetzt. Typisch für die kleinen französischen Schleusen ist, dass das Wasser mit ziemlich viel Tempo angeschossen kommt. Man muss sich also wirklich gut festmachen. Herrchen hatte sich da so ein besonderes System ausgedacht, was ihn dazu befähigen sollte, die Leinen alleine unter Kontrolle zu halten. Nun ja, es hielt genau eine Schleuse lang dann wurde modifiziert. 

Von meinem Beobachtungsposten aus, den ich bei wirklich jeder Schleuse einnehme, könnte ich durchaus den ein oder anderen wertvollen Tipp in die Runde werfen, aber als alte Pädagogin habe ich gelernt, dass selber entdecken viel besser für den Lernprozess ist, und meine beiden Eleven stellen sich so blöd gar nicht an. 

Im ersten Schritt übernimmt nun jeder eine Leine. Herrchen unten auf dem Schiff, Frauchen oben an der Schleuse. Zweitens ziehen wir es vor, alleine zu schleusen. Meist bekommen wir nämlich den Vortritt, weil wir das größere Schiff sind, dann bekommen wir die volle Ladung mit allen Kräften ab, während die Nachhut in unserem Windschatten gemütlich eine Etage nach oben fährt. Sind wir alleine können wir uns weiter nach hinten legen. Das führt dazu, dass wir auf der Seite anlegen können, an der Frauchen rausmuss. Das erspart ihr das höchst zügige Umrunden der Schleuse, um die Leinen auf der anderen Seite entgegen zu nehmen.

Charmes – ab jetzt im Gänsemarsch

Und dann kamen wir nach Charmes, wo uns charmanterweise zwei Bootsfahrer zu Hilfe eilten, um unsere Leinen aufzufangen und uns im selben Atemzug darüber aufzuklären, dass der Kanal weiter südlich, offenbar kurz vor Corre, aufgrund eines Unfalls komplett gesperrt sei. Es sei wohl bis zum 15. Juli ab dort kein Weiterkommen möglich. Zusätzlich hätten sich schon ganz viele Boote dort versammelt, die darauf warteten, durch das Nadelöhr zu schlupfen.

Ein Anruf beim VNF bestätigte das. Wir fahren nun also noch viel langsamer als geplant. Aber ich habe schon mal meine Nase in den Wind gehalten. Auch hier scheint es leckere Bäckereien zu geben. Die werden wir jetzt alle einzeln abklappern. 

A bientôt mes chers, restez fidèles à moi et passez un bon moment, votre Leila

Und schon sind wir am Ende von Deutschland

Zum ersten Mal seit fast zwei Jahren waren am 20. Juni alle Koffer, inkl. meiner überschaubar kleinen Reisetasche gepackt und ich konnte beim Anblick nur hoffen, dass mein Futter anderweitig an Bord gelangt ist. Wie bei unserer Schwedentour war das Rudel zunächst komplett und als wir in Winningen unser Schiff erreichten, schien auch alles seinen gewohnten Gang zu gehen. Während ich es mir erst mal gemütlich machte, wuselten meine Zweibeiner zwischen Auto und Schiff hin und her, füllten alles auf und richteten die Räumlichkeiten nett her. Meine Erziehung flutschte, das Personal flitzte.

Dann aber, als ich dachte, dass es nun endlich losgeht, verließen wir das Schiff wieder und stiegen ins Auto. Es konnte ja jetzt wohl nicht sein, dass wir wieder die Heimfahrt antreten würden. Jetzt wo endlich alles schön für die Abreise gerichtet war, wollten die wieder nach Hause? Nicht mit mir. Ich wusste ja jetzt wo das Schiff lag.

Wir fuhren jedoch nur eine kurze Strecke in den Nachbarort und marschierten in ein lecker riechendes Restaurant, in dem man mich sogar mit meinem Namen begrüßte, obwohl ich noch nie eine Pfote in dieses Etablissement gesetzt hatte. Das ließ Herrliches vermuten und deswegen zeigte ich mich auch von meiner besten Seite, machte brav Sitz und ignorierte den anwesenden Vierbeiner unter dem Tisch geflissentlich.

Silberhochzeit – ein wunderschön, privates Fest in tollem Ambiente

Man gab uns ein paar Schlüssel und direkt zogen wir weiter in ein herrlich kühles und schnuckeliges Hotelzimmer, indem es offenbar etwas zu feiern gab, denn alle schienen gut gelaunt. Wir blieben zwei Tage in dem leckeren Restaurant. Am ersten Abend feierten wir Abschied vom Junior, der nach Hause und an die Klausuren musste, am nächsten Tag zelebrierten wir den Abend romantisch zu Dritt und teilten uns die Leckereien etwas unfair zu meinen Ungunsten auf. Ich kann es den beiden nachsehen, denn das was ich bekam, war so unfassbar lecker und war überhaupt nicht mit den sonstigen Pizzarändern zu vergleichen, die normalerweise unter den Tisch wandern.

Gut geplant hilft beim Boot fahren auch nicht immer

Die Crew hatte sich perfekt vorbereitet. Die Zeit des unfreiwilligen Zuhausebleibens war genutzt worden, um Macken und Sollbruchstellen zu beheben. Es würde entspannt und fahrplanmäßig losgehen. Da war ich mir sicher. Und auch wenn ich als Reiseprofi gewohnt bin, dass es gerade in den ersten Tagen anders als gedacht läuft, blieb ich noch eine kleine Weile zuversichtlich.

Bereits am ersten Abend in Treis-Kaden musste Herrchen die Duschwanne erneut auspumpen. Das Wasser dort stieg zu hoch und ließ die Abwasserpumpe gleich mit absaufen. Am zweiten Abend in Senheim war dann die Bilge ziemlich gut gefüllt mit einer nicht sicher definierbaren Flüssigkeit. Der Kapitän konnte nicht herausfinden, ob es sich um Diesel, Wasser oder ein Gemisch handelte. So jedenfalls wollten wir uns nicht aus dem Dunstkreis unseres Mechanikers bewegen und deswegen riefen wir ihn an. Der Gute tauchte wirklich nach knapp zwei Stunden bei uns auf, befand mich für klasse und versenkte sich richtig ungemütlich für Stunden im Motorraum. Mir erging es nicht viel besser. Ich hatte nicht gut aufgepasst und mich spontan unter den Tisch verkrümelt. Bei offener Motorraumklappe entpuppte sich das als sicheres Gefängnis und ich musste dort ziemlich lange ausharren. Aber man weiß ja wofür man es tut.

Der Chef und sein Kollege verbrachten den Nachmittag bei uns und fanden keine Stelle an der das Wasser hätte austreten können. ! Dafür aber war das Getriebeöl schon wieder leer. Das füllte wir auf, zogen alles nochmal eine Spur fester und machten dann, nachdem wir die Bilge getrocknet hatten eine Probefahrt, um herauszufinden, ob Wasser, als das es sich schließlich herausgestellt hatte, von außen kam. Ich bin zwar eine routinierte Schwimmerin, was nicht heißt, dass ich das in einem fließenden Gewässer unter Beweis stellen möchte. Mir reicht es, meine Ente souverän aus jedem reißenden Fluss zu befreien und gut iss.

Zum Glück wurde das Wetter am nächsten Tag besser und der Junior hatte sich nach seiner Klausurenwoche zu Besuch angemeldet. Das hob die Stimmung. Das war auch nötig, denn kaum waren wir gestartet, fanden wir heraus, dass es auch die Abwasserpumpe nicht geschafft hatte. Und dieses Teil, was auch noch ein besonders Spezielles ist, ist nicht mal eben so schnell besorgt. Wir mussten also rum telefonieren und am Ende war es so, dass der Schwager die Pumpe in Wiesbaden besorgte, der Junior sie auf dem Weg zu uns dort abpflückte, sodass wir sie am Samstag kurz vor knapp einbauen konnten. Ich muss ganz ehrlich sagen, mein stubenreines Auftreten ist da schon ein bisschen unaufwendiger als das meiner Menschen, die ein hohes Maß an Technik benötigen, um die gute Stube sauber zu halten.

Jetzt läuft’s – hoffentlich

Das fehlende Rudelmitglied kam am Freitag wieder an Bord und von Bernkastel-Kues ging es zu unserem Lieblingsplatz in Pölich. Dort liegt man wie an einem Schweizer See und die ganze Zeit gibt es auf der Wasseroberfläche etwas zu gucken. Bei herrlichstem Wetter durfte zuerst ich eine Runde schwimmen, dann meine Menschen und am Abend wurde gegrillt und gelacht. Sonntagmorgen radelte mein jüngstes Herrchen zurück nach Bernkastel, stieg ins Auto und fuhr nach Hause. Wir machten uns auf die Reise zu unserer letzten Station in Deutschland. Konz stand auf dem Plan, die Geburtsstadt des Kapitäns. Dort kamen wir ohne besondere Vorkommnisse an. Bis vielleicht auf die Tatsache, dass der Schleusenwärter in Trier uns über Gebühr warten ließ, weil er auf die Berufsschifffahrt wartete, die nicht kam. Aber über solche Kleinigkeiten regt man sich nach einer Woche an Bord kaum mehr auf.

Alles in allem haben wir uns einpendelt. Das seemännische Geschehen läuft besser als von Frauchen vermutet. Auch zu Zweit bekommen wir das Schleusen hin. Alles eine Frage der Aufteilung. Die Technik des Kapitäns musste kurz modifiziert werden, hatte sich in der Praxis nicht ganz zu 100% bewährt. Nun aber haben sie den Dreh raus. Meine stumm gesetzten Impulse reichen aus und sie hören recht gut – meine Zweibeiner.

Morgen geht es endlich ins Ausland. Liebe Grüße, bleibt dabei und gespannt.

Eure Leila

Protokoll einer Kanalfahrt

Eigentlich bin ich nicht gut in der Lage, diesen Blogeintrag zu schreiben. Paradoxerweise fehlen mir die Worte, dieser Schönheit und Atmosphäre des Göta-Kanals verbal gerecht zu werden, obwohl ich übergelaufen bin an dem was ich gesehen habe. Frauchen hat mir jedoch gehörig die Leviten gelesen und mir gesagt, ich könne nicht mitten im Blog einfach so aufhören, etwas von mir hören zu lassen. Also machte ich mich ans Werk. Während der Kanaldurchquerung konnte ich partout nicht tippen, so sehr war ich durch Schnüffeleien und Beobachtungen abgelenkt. Ich würde mal behaupten an diesem Fleckchen Erde ist die ganze Welt vereinigt: Man findet Seen en masse wie in der Schweiz, reichlich Wälder wie in Kanada, herrliche Baumalleen wie an unseren Landstraßen, kleine entzückende Dörfchen wie in Frankreich, traumhafte Buchten wie am Mittelmeer und die Architektur erinnert an die Bauweise amerikanischer Farmerhäuschen; es ist einfach von allem was da und dennoch hat das Land seinen eigenen Charakter.

Run um die Leine

Ich liebe Kanäle und Flüsse ein klitzekleines bisschen mehr als das Meer. Die Gerüche sind leichter aufzuschnappen und mehr zu sehen bekomme ich auch. Vor allen Dingen interessante Artgenossen, die ich neuerdings anfange zu verbellen. Frauchen hat sich direkt ein Kommando ausgedacht und bei „Nicht bellen“ muss ich nun die Klappe halten. Revierkämpfchen beim Schleusen gab es auch. Angeblich hätte ich mich mitten in die Leinen gesetzt. Das kann ich nicht verstehen, ich wollte nur helfen. Nun haben wir uns geeinigt. Ich darf an den Bug, aber weg von den Leinen. Das kann ich akzeptieren und so wurde die Kanalfahrerei ein voller Erfolg.

Der Göta-Kanal mit seinen 190 km und 58 Schleusen ist etwas ganz Besonderes: Er verbindet zusammen mit dem Trollhättan-Kanal die beiden Städte Göteborg und Stockholm miteinander. Vor ziemlich genau 200 Jahren befand er sich mitten im Bau. Er sollte die üppige Seenlandschaft im Landesinneren miteinander verbinden, um somit die Transportwege in Schweden zu erleichtern. Ca. 100 Jahre war er die bedeutendste Strecke für Handel und Transport, ehe ihm der aufkommende Bahnverkehr den Rang ablief. Heutzutage ist er das beliebteste Reiseziel Schwedens. Ca. 3000 Freizeitschiffe befahren ihn pro Jahr. Wir waren eines davon. 

Bei der Planung haben wir uns entschieden, den Kanal von Sjötorp aus anzugehen. Einfach erstmal, weil wir lieber runter- als hochschleusen. Während der Fahrt stellten wir dann fest, dass die meisten von Mem aus starten, was uns wenig Wartezeiten an den Schleusen und viele freie Plätze in den Marinas bescherte.

Gerne möchte ich an dieser Stelle wieder für die Schweden schwärmen. Alles an diesem Kanal ist top organisiert. Bei Eintritt in den Kanal checkt man ein und bekommt eine kleine Einweisung, wie geschleust wird. Denn hier darf jeder ran, ob erfahren oder nicht. Das Personal schätzt die Schleusenkünste recht unauffällig ein und gibt (offenbar) Besonderheiten an die nächsten Schleusen weiter. Wir kamen mit zwei jugendlichen Flinkfüßen ganz gut in der Beurteilung weg und legten einen souveränen Start hin. Bei anderen Booten sprang man unauffällig herbei und fing Leinen auf oder führte das Boot mit in die nächste Kammer der Doppelschleuse, wenn das Schiff mit nur einem Mann besetzt war. Wir wurden stets gut informiert und instruiert. Z.B. wenn es vor der nächsten Schleuse zu Wartezeiten kam oder bei den Eisenbahnbrücken Eile mit der Durchfahrt geboten war. Nie mussten wir jemandem nachlaufen oder irgendwo anrufen. Man kam immer sofort auf uns zu. Die vielen Studenten, die die Schleusen bedienen, hatten immer ein Lächeln im Gesicht und ein nettes Wort für uns übrig. Innerhalb des Kanals sind die Übernachtungen im Preis inbegriffen. Das ist bei dem Gesamtpreis mehr als in Ordnung. Max. fünf Nächte darf man in einem Hafen bleiben. D.h. man sollte seinen Aufenthalt ein wenig ziehen, denn rein rechnerisch ist man in drei bis fünf Tagen durch.

Das war unser Programm:

Wir traten also am 12.6. in Sjötorp in den Kanal ein. Sofort ist die altbekannte Langsamkeit wieder da. Wir schafften an diesem Tag 7 km in 4 1/2 Stunden. Leider spielte das Wetter nicht recht mit. Es war nass und kühl. Da wir wegen des Schleusens aber viel draußen waren, wurden wir schnell unbeweglich in den Gliedern und steif in den Fingern, was ein bisschen anstrengte, da man die Leinen fest in der Hand halten muss. Bei Ankunft brunchten wir in einem süßen Café in Lyrestad und schauten den Rest des Tages dem strömenden Regen zu. Zum Glück wurde das Wetter schon am nächsten Tag besser.

Wir landeten nach drei Brücken und neun Schleusen an einem wunderbaren Liegeplatz in Hjästorp. Zunächst hatten wir den ganzen Platz für uns, aber nach ein paar Stunden lernten wir ein nettes Ehepaar kennen, an das wir auf dem Kanal noch öfter geraten würden. Durch sie haben wir die wirklich echten, leckeren schwedischen Kekse kennengelernt. Auch das ein altbekanntes Phänomen auf dem Kanal: Wenn man am selben Tag startet, trifft man sich immer wieder, weil man so ähnliche Strecken hinter sich lässt. Das sind mal nette, mal wundersame Begegnungen und bieten teilweise köstlichen Gesprächsstoff. So hat sich gezeigt, dass wir mit der Spontanvergabe des Namens „Hexe“ und unserer Menschenkenntnis nicht falsch lagen. Nicht nur unter Bootsleuten ist es völlig unüblich, in letzter Sekunde kommentarlos an vier wartenden Schiffen vorbei in die Schleuse zu schießen, seine Leine in egoistischer Weise über alle anderen zu legen oder allen Mitschleusern lediglich in der eigenen Muttersprache mitzuteilen, wie man vorzugehen hat.

Aber die meisten Bekanntschaften oder Beobachtungen waren durchweg positiv. Wir trafen eine entzückende junge schwedische Familie, die ein ca. zweijähriges Mädchen bei sich hatte, das fest angeschnallt auf dem Fahrersitz thronte. Während die Mutter oben mit der Vorleine hantierte, übernahm der Vater die Rückleine, bespaßte sein Töchterchen und fütterte es, weil bei fünf Schleusen irgendwann der Hunger kommt. Oder ein älteres Ehepaar, das sich mit wenigen Vorkenntnissen todesmutig in das Abenteuer Schleusen stürzte und mit jeder weiteren Schleuse unsicherer wurde. Auch hier griff das Schleusenpersonal (und wir) unauffällig ein. Natürlich blieben auch wir nicht verschont. Wir mussten beim Runterschleusen eine Leine kappen, da sie sich verhakt hatte. Aber die oberste Regel griff: Beim Runterschleusen muss immer ein Beil parat liegen und das kam zum Einsatz. Wir wurden vom Schleusenpersonal für unsere schnelle Reaktion gelobt.

Auf dem Weg nach Karlsborg wurde das Wetter endlich beständig schön. Während die Jungs direkt ins Wasser hüpften, wartete der Rest des Rudels vornehm bis Ljungsbro ab. Ich musste sogar bis Norsholm warten, weil es meist so problematisch war ins Wasser zu kommen oder wieder raus. Deswegen lernte ich dort etwas ganz Tolles, was mir am Anfang nicht geheuer schien. Ich lernte mit Anlauf vom Badesteg ins Wasser zu hüpfen. Dabei hat mich Herrchen einmal so überrumpelt, dass ich überhaupt nicht nachdachte und einfach mitlief (mach ich ja sonst auch immer). Als ich kapierte, wie viel Spaß das macht, wollte ich gar nicht mehr aufhören.

Mit jedem Tag wurde es immer abwechslungsreicher. Der Kanal ging in Seen über, wurde wieder zum Kanal, zeigte seine verwunschenen Ecken oder romantischen Plätze. Wir liefen über vor schönen Anblicken. An Kanaltagen machten wir nichts außer schleusen und gucken. Es wurde nicht gelesen, es wurde nicht geschrieben, es wurden auch sonst nur die nötigsten Dinge verrichtet. Wer sich diesem Flair nicht hingibt, verpasst etwas sehr Einzigartiges.

Ich muss zugeben, dass ich die Affinität für Schweden vieler Menschen immer ein wenig belächelt habe. Für mich ist der Süden ganz klar das Paradies auf Erden (gewesen). Aber das hier zu entdecken und durchfahren zu dürfen war mehr als das Highlight unserer Reise. Es ist nicht nur die Natur. Es ist auch das Licht, das sich viele Male über den Tag verändert. Es sind die taghellen Nächte. Es sind die wunderhübschen Plätze, die für die Gäste geschaffen werden. Es ist die freundliche Art der Schweden, die Tummelei mit den anderen Nationen, es ist so Vieles mehr. Man muss mal da gewesen sein.

In Motala besuchten wir das Kanalmuseum und lernten, welch ein Kraftakt der Bau des Kanals gewesen ist. Leider erlebte der Erbauer Baltzar von Platen die Fertigstellung seines Lebenswerkes, an dem er beinahe 20 Jahre gearbeitet hatte, nicht mehr. Er verunglückte drei Jahre vorher auf dem Vättern-See, ist nun aber in Motala direkt am Kanal bestattet worden. Wir haben ihm zugewinkt.

Wir erlebten ein gigantisches Gewitter kurz nachdem wir in Norsholm eingelaufen sind. Es brach so gewaltig vom Himmel, dass selbst die Schweden angelaufen kamen und Fotos machten. Eine halbe Stunde drauf badeten wir wieder im Kanal.

Noah fing im Roxen-See seinen zweiten Fisch. Dieses Mal war es ganz klar ein Hecht, mit stattlichen 52cm. Er reichte für alle Fischesser an Bord, inkl. der Sieben-Länder-Katze und mir.

Noah fing seinen zweiten Fisch, ein Hecht

Und am letzten Tag im Kanal und dem letzten Urlaubstag von Alex‘ Eltern, die ebenfalls auf Tour in Schweden waren, schafften wir doch noch ein gemeinsames Treffen. Schon die ganzen Tage hatten wir gegenseitig auf unsere jeweiligen Reiserouten gelinst, waren jedoch immer zu weit voneinander entfernt gewesen. Vorgestern aber nahmen Sandra und Jürgen den Weg von 2,5 Stunden Autofahrt auf sich, brachten leckeren Kuchen und anderes Backwerk mit, und wir saßen doch ein paar Stunden gemütlich zusammen.

Nur Midsommar haben wir nicht gefunden. Am Freitag begrüßten uns die Schleusenguards allesamt mit Blumenkränzen im Haar und wünschten uns fröhlich alles Gute zu ihrem hochheiligen Feiertag. Wir fragten jeden akribisch aus und fuhren extra bis Söderköping, um das große Ereignis nicht zu verpassen, was eigentlich gar nicht ging, wie man uns sagte. Als wir dann aber am Abend loszogen und Midsommar suchten, war ganz nach schwedischer Manier bereits alles wieder geschlossen und von Midsommer weit und breit nichts zu sehen. Das war ein bisschen schade, aber tat dem charmanten Kanal in der Mitte Schwedens keinen Abbruch.

Ich habe es Frauchen angedroht und nun muss es auch kommen. Wir müssen an dieser Stelle über ihre modischen Highlights an Bord sprechen.

Die Wahrheit ist: ungeschminkt, schmucklos, durcheinander gewürfelt, manchmal schräg, den Gegebenheiten angepasst und ohne jegliche Filter, ABER GEIL!!

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