Für unsere zweibeinigen Mitreisenden haben wir uns in dieser Woche mal zurückgenommen. Sie wollten in „Kultur“ machen. Wir waren zwar sehr gespannt, was dieses „Göteborg“ zu bedeuten hatte und was der tolle „Lipstick-Tower“ und „Lilla Bommen“ sein sollten, aber als wir letzten Freitag in der Marina mit durchgedrücktem, weil kaputtem Gashebel anlegten, waren wir Vierbeiner doch ein bisschen enttäuscht: Laute Baustellengeräusche, viele Abgase in der Nase, weit und breit nur Betonwüste. Ich musste ewig bis zur ersten Wiese laufen und frei war ich in dieser Woche nur an Bord.

Unsere Menschen jedoch waren komplett losgelassen. Sie schmiedeten eifrig Pläne, was sie sich alles angucken wollten. Ich war nur froh, wenn ich hörte, dass ich nicht mitten durch das Menschengetümmel musste. 

Der Katze ging es auch nicht besser. Nachdem sie sich alles genau durch die Fenster betrachtet hatte, entschied sie selbst, dass sie in der Nacht nicht raus wollte. Es war ihr zu hell, zu laut, zu viel los. Sie ist halt ein Landei. So verbrachte sie jede Nacht hellwach auf der Waschmaschine mit Blick nach draußen und lernte Göteborg von dort aus kennen. 

Am ersten Tag ging es am Abend kurz in die Stadt. Die bordeignen Ingenieure hatten den ganzen Nachmittag voll damit zu tun gehabt, den Bowdenzug des Gashebels wieder zu reparieren. Zu Beginn hatten sie keine Ahnung, was los sein könnte. Aber das Team gab nicht auf und am Ende war das Teil wieder funktionsfähig. Es ist wirklich kein Vergnügen, gute drei Stunden im Motorraum (der noch von der Fahrt tropische Temperaturen aufweist) geduckt zu hocken und an diversen Seilzügen rumzufriemeln. Vielen Dank den Männern an Bord, dass sie sich dafür nicht zu schade sind und erst mit der Arbeit aufhören, wenn alles wieder perfekt läuft.

Samstag nahmen wir Göteborg in Angriff: Auf eine Göteborg-City-Card haben wir verzichtet, nachdem wir gelesen hatten, dass in der Stadt alles fußläufig miteinander verbunden war. In den Stora Salu-(Markt-) Hallen wäre ich schon ganz gerne mit. Ein leckerer Lebensmittelstand nach dem anderen gab es dort zu bestaunen. Aber dort sind natürlich keine Hunde erlaubt. Wie immer bekam ich ein Schmankerl mitgebracht.

Danach ging es ins Haga-Viertel. Dort sollte es die größten und schmackhaftesten Zimtschnecken in ganz Göteborg geben. Haga ist ein ehemaliges Arbeiterwohnviertel. Die schmucken Holzhäuschen sollten zunächst abgerissen werden. Dank einer Bewohnerinitiative konnte das verhindert werden und so hat sich ein gemütliches und jugendhaftes Quartier herausgebildet. Wir sind dann nicht in das im Reiseführer empfohlene Café gegangen. Das war überfüllt, die Schlange lang (hier in Schweden holt man sich seine Sachen zum überwiegenden Teil selbst an der Theke; dafür kann man sich überall Filterkaffee und Wasser nachholen, so oft man möchte). Wir gingen ein paar Meter weiter und fanden ein entzückendes kleines Café mit fantastischen Zimtschnecken und anderen Leckereien. Jetzt spürten wir auch das lange Wochenende in Deutschland. Unter die vielen schwedischen Laute, mischten sich auffallend viele deutsche Satzfetzen. Am Abend gab es würzigen Käse und frisches Baguette, das wir uns aus den Hallen mitgebracht hatten. 

Am Sonntag wollten wir den viel gepriesenen Foodmarket unter die Lupe nehmen. Der hatte sich leider im Vergleich zu gestern in Luft aufgelöst. Es gab einen Essensstand, aber die Atmosphäre war auch ohne Futter zu genießen. Die Menschen saßen auf Bänken und Stühlen in einer großen Einfahrt und genossen die Wärme, die sich ankündigte. Am Nachmittag sind wir dann (mit mir) durch die mitten in der Stadt angelegten Parks gestromert. Die machen einen liebevoll gepflegten und wohl duftenden Eindruck. Auch hier blüht es jetzt in allen Ecken und Enden.

Montag ging es dann ins Museum. Wir entschieden uns für das Universeum, gingen in den Tropen auf die Pirsch, experimentierten im All und lernten, dass wir gegen einen Kobra-Angriff keine Chance haben würden.

Es wurde langsam Dienstag. Das Schiff wurde gewienert und entstaubt und vor allen Dingen von meinen Haaren befreit. Schließlich stand hoher Besuch an. 

Der kam in Person von Alex mit dem Flieger aus Deutschland. Alles klappte gut. Pünktlich gegen 15 Uhr fuhr das Taxi vor und das neue, schon mehrfach für gut befundene Crew-Mitglied stand in der Marina. Natürlich gab es erst mal Zimtschnecken zur Begrüßung.

Auch Alex wollte Elche sehen und den Foodmarket kennenlernen. So stand das Programm für den Mittwoch fest. In den Slottskogen ging es zu Fuß, das waren ca. stramme 50 Minuten, aber an Bord gibt es ja auch genug Tage, an denen man nicht auf seine Schritte kommt. Dann sahen wir sie, die Elche; gemütlich äsend standen sie beisammen und ließen es sich gut gehen. Auch hier fiel wieder auf, wie gepflegt die ganze Anlage (für die wir keinen Eintritt bezahlt haben) vorzufinden ist.

Der Foodmarket enttäuschte leider erneut. Obwohl er für jeden Tag angekündigt ist, scheint er nur an Samstagen in voller Montur anzutreten, aber verhungert sind wir bei Weitem nicht. Ein kleiner Tipp für Schwedenreisende: Es lohnt sich wirklich lunchen zu gehen. Man bekommt tolle Angebote und es ist günstiger als am Abend. So scheinen es die Schweden selbst zu handhaben. 

Ein Städtetrip mit eigenem Zuhause ist so viel entspannter. Wir sind nicht morgens vom Hotel aus los und abends wieder zurück. Wir nahmen uns Dinge vor, kehrten an Bord zurück, erledigten was zu tun war und legten die Füße hoch. Wer nochmal extra los wollte, konnte das tun oder mit mir auf dem Schiff kuscheln. Auch lernt man in der Marina, jetzt wo die Saison langsam losgeht und man auch draußen sitzen kann, schnell viele Menschen kennen.

Sogar für die Fitness ist gesorgt. Der Junior geht ja sowieso trainieren. So macht er sich bereits im Vorfeld schlau, welche Studios Tagespässe o. Ä. anbieten. Die Schweden sind hier super locker und kulant. Die Kette „Nordic Wellness“ (unbezahlte Werbung) hat uns nie enttäuscht. Anstandslos wurden uns Tages- oder sogar Wochenpässe ausgestellt, so dass wir wöchentlich fitter werden und die ganzen Zimtschnecken nicht auf den Hüften wohnen bleiben. Bezahlt haben wir dafür nichts. (Herrchen darf noch nicht, aber die Wunde verheilt bestens).

Die Göteborger selbst haben wir sehr gesellig wahrgenommen, die sich viel zu erzählen haben. Die Sprache ist für uns trotz einiger „Babbel“-Versuche relativ neu. Man kann gar nicht anders, als der Sprachmelodie zu lauschen, dem typisch schwedischen Singsang. Vielleicht liegt es an den überdurchschnittlichen vielen (9) Vokallauten oder daran, dass die Schweden ihre Akzente unterschiedlich setzen. Egal, ich könnte ihnen stundenlang zuhören, ohne einen Ton zu verstehen.

Jetzt aber geht es endlich wieder in die Natur! Auf in den Trollhättan-Kanal.