Labbi goes europe - Blog

Schlagwort: Ostsee

Mit Heiligenhafen und Fehmarn hat uns Deutschland wieder

Die Überfahrt zurück nach Deutschland, ich kann es euch sagen, war weich wie Butter. Es war warm, weitsichtig und die Ostsee glatt wie Seide. Wir fuhren geradewegs in den Sommer, saßen bereits während der Fahrt in T-Shirts und kurzen Hosen auf dem Vorschiff. Ich durfte die ganzen fünf Stunden ohne Schwimmweste draußen bleiben und habe das sehr genossen. Natürlich wurde, auch wenn es ein wenig lächerlich aussieht, auf meinen Sonnenschutz geachtet.

In Heiligenhafen angelegt, ging der Rummel schlagartig los. Die Marina, die gut 1000 Liegeplätze zur Verfügung stellt, war gut voll. Das Glück war auf unserer Seite, denn wir durften bis Samstag auf dem Liegeplatz bleiben und mussten nicht umlegen. Mit 34 Grad und einer leichten nordischen Brise fühlten wir uns ausgesprochen wohl. Gewöhnen mussten wir uns allerdings an die Menschenmassen. So viele Urlauber auf einen Schlag waren wir gar nicht gewohnt. Ebenfalls neu für uns war das Gefühl, länger als eine Nacht in einem Hafen zu liegen. Es gefiel uns. Man lernt die Nachbarschaft ein bisschen genauer kennen und rast nicht so die Ortschaften ab, sondern kann einiges gelassener angehen.

War das Gefühl nach über drei Monaten wieder zurück in Deutschland zu sein ein besonderes? Nein, ich denke nicht. Man ist nur die ersten Augenblicke ein wenig erstaunt, dass so flächendeckend deutsch gesprochen wird. Aber nach zwei Tagen legt sich das rasch wieder. Und da wir noch nicht so häufig im Norden unterwegs waren, bestand nach wie vor das Gefühl, Neuland zu erobern.

Für mich gab es einen ganz tollen See, indem ich viel schwimmen durfte. Das hat mir mächtig gefallen und ich habe meine „Bob, der Baumeister-Sand-Qualitäten“ entdeckt. Noah streckte seine Fühler nach einem KITE-Kurs aus. Er wollte sich in den Wind stürzen. Hier in Heiligenhafen wurde es aus zeitlichen Gründen nichts, aber in Burgtiefe / Fehmarn würde er ab Samstag ins Geschehen einsteigen. Das war auch der Grund warum wir nach drei Tagen trotz 5er Wind losfuhren. Die Wellen sollten nicht allzu hoch werden und die Fahrt nur 2,5 Stunden dauern. Bei der Wellenhöhe hat der Kapitän wohl ein bisschen geschummelt. Wir mussten doch sehr gegen ca. 1-Meter hohe Wellen ankämpfen und hatten unseren Schaff, in die Tonnenstraße einzubiegen. Auch das Anlegemanöver war wenig souverän. Die Box ließ kaum Platz und der Wind schob uns fast quer. Eine liebe Nachbarin sprang jedoch gleich zu Hilfe und so lagen wir doch fest vertäut am Rundsteg. Hier mussten wir einen Tag später nochmal umlegen, aber jedes Anlegemanöver bei Wind ist eine gute Übung.

In Burgtiefe sollten wir eine Woche wohnhaft werden. Noah stieg am Sonntag in seinen Kite-Kurs ein, der Kapitän organisierte das Legen der Masten, Frauchen tippte wieder eifrig in die Tasten und ich kümmerte mich um die vielen Hundefreunde, die es zu beschnuppern gab.

Dienstag leisteten wir die Vorarbeit für den Rigger und zogen schon mal die Segel raus, klemmten die Elektronik ab und verpackten alles in unserem Kellerloch. Mittwoch begutachtete der Kranführer die Vorarbeiten, war mit uns zufrieden und legte gemeinsam mit dem Rigger die Masten. Am Ende waren wir doch froh, die Fachleute mit ins Boot geholt zu haben. Zwei Masten zu legen ist natürlich eine machbare Sache, aber das Know-how hat geholfen und den ein oder anderen Tipp haben wir ebenfalls mitgenommen. Auch wenn so ein Mast nur aus Alu ist, sollte er sich eben nicht ungebremst in Bewegung setzen (Worte der Sicherheitsbeauftragten). Am Donnerstag wurde zuguterletzt alles noch mobil an Bord befindliche fest verzurrt und der Rest des Tages wurde Ordnung gemacht, damit sich unser Wochenendbesuch auch wohlfühlen würde.

Noah hatte mit seinem KITE-Kurs leider enormes Pech. So verdünnisierte sich der Wind nach seinem ersten Tag in Aktion und tauchte die ganze Woche nicht wieder auf. Er hat zwar die Grundlagen erfahren, die Theorie bestanden und somit Level 2 erreicht (was wichtig für das Ausleihen des Equipments an anderen Orten ist). Leider aber seine zweite Praxiseinheit nicht mehr machen können. Sehr fair von der KITE-Schule war, dass sie uns einen Teil des Geldes zurückerstattet hat.

Nora und Stephan kamen am Freitagmorgen bei uns an und würden bis Lübeck bei uns mitfahren. Nach einem stärkenden Frühstück ging es an den Strand. Dort fand ein Beachvolleyballturnier statt, dem wir begeistert beiwohnten. Leider erlebten wir nur den ersten Tag mit, so dass wir die Sieger lediglich durch Internetrecherche in Erfahrung brachten. Die Stimmung eines solchen Turnieres ist jedoch unvergleichlich.

Samstag früh ging es los, Richtung Travemünde, einem Stadteil von Lübeck. Die Überfahrt war nett und wellenlos, sodass Nora und Stephan gut für ihren eigenen Bootstrip im September üben konnten, was sie auch eifrig taten: Im Schnellkurs bekamen sie diverse Anlegemanöver, sämtliche Knoten und Maschinenkunde beigebracht. Ich freute mich sehr, denn ich führe gerne ein großes Rudel an – und mehr zu futtern gab es auch.

Wir machten direkt vor dem historischen Segler „Passat“ fest und besichtigten das Schiff im Eilverfahren, da es nur nur noch 20 Minuten begehbar war. Für einen umfassenden Eindruck hat es dennoch gereicht. Im Gegensatz zu früher reisen wir heute äußerst komfortabel. Am Abend ging es die Strandpromenade entlang. Fünf verschiedene, leckere Flammkuchen und ein heißes Yatzy-Duell bildeten den Abschluss des Abends und kündigten das Ende der offenen Seefahrt an.

Am nächsten Tag sollte es nach Lübeck gehen, was uns auch problemlos gelang. Die Boxen im Hafen waren leer und groß genug, so dass Nora sich in der Kunst des Anlegens üben konnte. Übel schien nur die Nachricht, die mein Rudel direkt am Steg vom benachbarten Bootsführer erhielt. Kurz darauf saßen alle am Tisch, wälzten die Bücher, tippten auf dem Tablet durch verschiedene Seiten und rechneten emsig viele Kilometer durch. Irgendetwas schien komisch, denn am Ende beschlossen sie, erstmal nicht weiterzufahren und abzuwarten. Ich verstand es nicht, denn am Schiff ist nichts kaputt und an Bord auch keiner krank.

Am Ende machten wir doch noch einen Bummel durch Lübeck und ich zeigte unseren beiden Gästen das Holstentor, das ich ja schon im April kennengelernt habe.

Am Abend gingen wir im Hafenrestaurant essen und deren Currywurst mit Pommes und Trüffelmayonaise muss man einmal im Leben genossen haben. Ich kann das beurteilen. Ich bekomme ja immer ein Stück mitgebracht.

Dann war es mit dem Besuch auch schon wieder vorbei. Nora und Stephan stiegen in ihr Auto und düsten zurück in die Heimat. Einer muss am Montag ja das Büro aufschließen. Gut, dass ich es nicht bin.

Wie es mit uns weiter geht, werden die nächsten Tage zeigen. Gut, dass wir noch ein paar Tage Extra-Zeit im Gepäck haben. Bleibt mir also gewogen und schaut wieder rein. Ich freu‘ mich. Bis dahin sind wir einfach ein bisschen kreativ.

Dänemark ist so viel mehr als ein Sprungbrett zwischen Schweden und Deutschland.

Trelleborg und somit Schweden wollte uns zunächst nicht ziehen lassen. Der Tag begann mit einem immens starken Sommernebel, so dass sich die vorbeiziehenden Fähren per Hornsignal gegenseitig warnten. Deswegen kamen wir mit 2-stündiger Verspätung in Klintholm an. Da der Wind gut aufgefrischt hatte, war der Hafen schon brechend voll. Wir ergatterten nur noch einen Platz im Fischereihafen. Im Laufe der nächsten Stunden wurde jede Ecke der beiden Häfen zugepackt, sich ins Päckchen gestapelt und im Kampf um den Liegeplatz schon mal die Vorfahrt genommen.

Direkt, wie immer, ging Frauchen eine schnelle Runde mit mir. Ist nach 6 – 7 Stunden Fahrt dringend nötig. Ich spürte gleich, dass wir nicht mehr in Schweden waren. Es roch so anders. Aber so wie Ihr Menschen immer sagt: „Das Gesicht habe ich schon mal gesehen, es kommt mir irgendwie bekannt vor.“, ging es mir auch. Alle Düfte waren mir vertraut, nur roch es frischer, wärmer, einfach nach mehr Vielfalt. Irgendwann fiel dann der Groschen: Wir waren in Dänemark, es war nur nicht mehr so kalt. Es war Sommer geworden.

Und deswegen ging es ziemlich gleich an den Strand und das war herrlich!! Ich tobte den Strand entlang, traf einen coolen Hundetypen und buddelte was das Zeug hielt. Ich war im Labbi-Himmel. Da es über das Wochenende sehr windig werden sollte, blieben wir ebenfalls im Hafen und das kann man in dieser Marina gut genießen. Der Hafen ist bestens eingerichtet, nicht nur für Bootsurlauber. Dort kann man ebenfalls kleine Appartments mieten. An vielen Stellen gibt es Grillplätze, Bars, Cafés und Restaurants. Sogar ein kleiner Supermarkt befindet sich auf dem Gelände. Der Hafenmeister hat seine Anlage gut im Auge und ist sehr aufmerksam. 

Am nächsten Tag pfiff uns der Wind nur so um die Ohren. Alles schaukelte und wackelte. Der Schwell kam bis in die hinterste Ecke des Beckens. Wir brachten zusätzliche Leinen an. Man kam einfach nicht zur Ruhe. Und da geschah es: Nach fast drei Monaten wurde Frauchen seekrank – an Land! Nicht sehr schlimm, aber das permanente Schaukeln schien zu viel. Wir waren alle froh, dass sich das Wetter beruhigte und wir am Montag weiter konnten.

Es ging nach Gedser, dem südlichsten Punkt in Dänemark und die Aussichten waren famos. Der Ankunftstag zeigte sich noch ziemlich verregnet. Aber wir wurden mit einem längsseitigen Liegeplatz entschädigt. Das machen meine Leute für mich möglich, wann immer es geht. Ich kann dann besser aussteigen.

Einen Tag später wurde es sommerlich und wir machten einen langen Ausflug nach Gedser Odde; weiter südlich geht es in Dänemark wirklich nicht. Über drei Stunden waren wir unterwegs. Für Herrchen war das ein bisschen tückisch. Er bekam durch den ablenkenden Wind das Übermaß an Sonne nicht mit und verbrannte sich ziemlich das Gesicht. Auch mich hatte die Aktion ziemlich erschöpft. Ich brauchte erstmal ein ausgiebiges Nickerchen.

Am Nachmittag legte sich endlich der Wind und das sollte auch so bleiben. Das heißt eigentlich, dass die Überfahrt morgen zurück nach Deutschland wunderbar werden wird. Sollte sich die Heimat etwa auf uns freuen? Frauchen hat mal in den Kalender geschaut: Fast ein Vierteljahr waren wir jetzt in Skandinavien unterwegs. Bin gespannt, wie es sich anfühlt zurück zu sein. Ich habe gehört, es soll bei euch sehr heiß sein. Super, wir freuen uns drauf.

Relativität nach Leila

Denksession

In dieser Woche hatte ich so viel Zeit, es reichte fürs Nachdenken und was soll ich sagen am Ende hatte ich meine eigene Relativitätstheorie entwickelt und die geht so:

In Schweden ist gerade Sommer, man merkt ihn bloß überhaupt nicht, das sagen auch die Schweden selbst. Dennoch sieht man sie an allen Orten in die Fluten springen. Für uns Reisende aus „Tyskland“ fühlt sich das vorherrschende Klima eher nach Winterende oder Frühherbst an. Deswegen sieht man uns mit Windjacken und geschlossenem Schuhwerk. In dieser Woche habe ich Frauchen sogar dabei ertappt, wie sie ihre Wollmütze wieder ausgepackt hat. Für Griechen (die ich ja auch ganz gut kenne) wäre dieses Wetter tiefster Winter und sie würden auf der Stelle kehrt machen und heimreisen (vielleicht ist das der Grund warum wir hier auf keinen einzigen Südländer treffen). Deswegen ist der Sommer für alle in Schweden befindlichen Menschen gerade relativ.

Das Motto der Woche lautete folglich: Lass dich vom Wetter leiten und schau wo du ankommst. Den Geheimtipp von unseren Nachbarliegern aus Stockholm schafften wir noch ganz nach Plan. Es ging nach Utö und wurde wunderbar.

Das Wetter wurde dort beinahe sommerlich. Sogar alle meine Nicht-Fellnasen gingen schwimmen; ich am Anfang unfreiwillig. Da mein Rudel direkt um mich herum war, habe ich das gar nicht als kleinen Unfall registriert. Wir legten mit Heckanker an, also mit dem Bug zum Land und ich musste vorne ziemlich steil über den Steg aussteigen. Ich konnte es nicht abwarten, startete durch und landete kopfüber im Wasser. Als ich auftauchte, war Frauchen bereits da und griff nach meinem Halsband. Der Junior sprang kopfüber ins Wasser und war somit direkt an meiner Seite. Gemeinsam schwammen wir beide gemütlich an Land und ich freute mich über so einen Spaß mit den beiden.

In Utö herrschte Wochenendstimmung. Alle Liegeplätze waren voll und die Boote selbst auch. Man saß mit Freunden und Familie zusammen. Wir waren im Südhafen bestens aufgehoben, der war ein bisschen ruhiger. Im Nordteil ist es lebendiger. Dort herrscht oft Partystimmung. Wir schlenderten durch die Marina, die alles zu bieten hat, was das Bootsherz begehrt, erlebten das WM-Aus der deutschen Damen und deckten uns mit Vorräten ein, denn nun sollte es wieder in einen Naturhafen gehen.

Nach Rassavikar ging es wirklich in den hintersten Teil des Gartens, aber genau da wollten wir hin. Souverän manövrierte uns der Kapitän durch so manche Engstelle und wir legten einsam an einem Stück Land an. In Empfang nahm uns der Grundstücksbesitzer und wir lernten das „allemansrätten“ (Jedermansrecht) in seiner Praxis kennen. In Schweden ist es nämlich so, dass man sich in der Natur aufhalten darf, auch wenn das Grundstück jemand anderem gehört. Selbstverständlicherweise sollte man sich entsprechend verhalten. Kurz gesagt: „Nicht stören und nichts zerstören.“ So hieß uns der Mann herzlich willkommen, gab sich zu erkennen und bat mein Rudel kein offenes Feuer zu legen, und mich die Schafe in Ruhe zu lassen (Kein Problem für mich, ich stehe auf Enten). Er fragte noch kurz wie lange wir bleiben und schritt wieder von dannen. Unsere einzigen Mitbewohner an diesem Wochenende waren eine echt goldige Schwanenfamilie.

Erholt sollte es am Montag nach Oxelösund gehen. Zu Beginn des Törns kamen wir noch gut voran, jedoch wurden Regen und Wellen zunehmend stärker und so drehten wir wieder ein und landeten schon um halb elf in Ankarudden. In diesem Gott verlassenen Hafen verbrachten wir einen gemütlichen Lesetag. Nur ein weiterer Segler verirrte sich ebenfalls hierher. Am Abend fanden wir tatsächlich ein wunderbares kleines Restaurant, das geöffnet hatte.

Also Oxelösund einen Tag später. Die Überfahrt war besser, wir waren darauf eingestellt. Man hat ein bisschen die Wahl: Wagt man sich raus, schaukelt es doch schon sehr. Fährt man innerhalb der Schären muss man wirklich schwer aufpassen, nicht die Orientierung zu verlieren und keine unschöne Grundberührung zu provozieren. Deswegen fahren eigentlich immer zwei von uns (Vieraugenprinzip). Schaukelt es zu arg, wird der Dritte zu meiner seelischen Beruhigung abgestellt.

Ohne besondere Vorkommnisse ging es am Folgetag nach Arkösund. Das Prinzip in diesen Tagen ist ähnlich: Die Lage wird sondiert, dann wird getan, was so ansteht. Ein bisschen Kopfzerbrechen macht uns der Generator, der muckt wieder. Zögerlich springt er an, so dass wir in 1. Linie Gäste- und keine Naturhäfen anlaufen. Schön finde ich, dass die Marinas langsam belebter werden. Wir treffen vermehrt auf Menschen und ihre interessanten Vierbeiner und frühstücken auch mal in entzückenden kleinen Cafés.

Trotz 5 Beaufort fuddelten wir uns nach Harstena durch und stießen auf nichts. Das malerische Fischerdorf sollte DER Treffpunkt im Sommer sein; wir hatten ihn ganz für uns alleine. Nach einem etwas kniffligen Anlegemanöver bei viel Gegenwind aus ungünstiger Richtung wurde es ein ausgesprochen gemütlicher Nachmittag. Auf unserem obligatorischen Spaziergang sah ich die entzückendste Bäckerei mit der famosesten Aussicht, aber sonst fast niemanden. Früher ein Fischerdorf, werden die Häuser meist nur in den Ferien genutzt. Zum Glück fanden wir eine Stromsäule, denn der Generator lief nicht rund, wenn er überhaupt ansprang.

Am Samstag erreichten wir Västervik und es war sofort klar. Hier würden wir bis Montag bleiben. Das Wetter wollte es so und der Generator auch. Aber meine beiden Supertechniker enttäuschten auch dieses Mal nicht. Es kostete sie zwar den Dreiviertel-Sonntag und einen Anruf beim Hersteller, aber dann war das Problem gelöst. Erneut hatte ein Relais endgültig seinen Dienst verweigert und musste neu bestellt werden, abzuholen in Kalmar. Frauchen bekam dafür Kilometergeld. Die Waschmaschine war so weit entfernt, dass sie für eine Ladung 72 Minuten im Regen hin und her lief. Ja, solche Sachen rechnet man hier aus und Prozeduren, die man Zuhause nebenbei erledigt, erfahren hier große Langsamkeit.

Bevor es nach Kalmar geht, machen wir noch einen kleinen Abstecher nach Öland. Gotland ist leider gestrichen. Es klingt paradox, aber wir haben dafür keine Zeit.

Ebbe in der Vorratskiste? Ist mein Hundefutter etwa leer?

Sieben Stiche und eine Sandbank bis nach Kopenhagen

Stubbekobing – Kalvehave, ca. 30 km

Dann waren sie da – die Abenteuer und nicht zu knapp. Deswegen sind wir jetzt, in Kopenhagen liegend, froh ein paar ruhige Tage verbringen zu können.

Angefangen hat alles damit, dass wir Stubbekobing am Freitag morgen gut gelaunt und voller Tatendrang verlassen haben. Der Wind hatte sich gelegt, die Sonne schien, wir waren gerade am Überlegen, ob wir unsere Tour nicht um ein paar Seemeilen verlängern sollten, da ruckte es zweimal kräftig und wir waren auf eine Sandbank aufgefahren. Davon gibt es im Gronsund eine Menge und das weiß mein Rudel natürlich auch, aber durch die vielen Wellen verschieben die sich auch gerne mal und sind dann nicht so genau, wie auf dem Plotter dargestellt.

Während Frauchen dann am liebsten die Feuerwehr, Küstenwache und Bergrettung auf einmal rufen würde, ist bei den männlichen Mitgliedern der Crew (der Kater natürlich ausgenommen, der verschläft eher die wahren Aktionen) die Abenteuerlust geweckt. Nachdem das Herausfahren mittels Motor und Bugstrahlruder nicht gelang, wurde der Tender klar gemacht und man wollte sich damit an der Spitze nach der Seite rausziehen. Was dadurch verhindert wurde, dass der Motor des Beiboots mit einem seltsamen Geräusch den Geist auf gab. Auch die zweite Idee, den Anker auszubringen und sich am festgezogenen Anker rauszuziehen klappte nicht. Wir blieben schön fest auf der Sandbank sitzen. Also ging der Kapitän erneut ans Steuer und malträtierte die Maschinerie so lange, bis die Sandbank nachgab und wir wieder frei schwammen. Die Frage, in Kalvehave festzumachen war wortlos beschlossen. Dort unternahmen wir noch eine schöne Wanderung an die etwas höher gelegene Kirche und genossen in gemütlicher Atmosphäre das auch hier vorherrschende, unberechenbare Aprilwetter in Dänemark.

Kalvehave – Rodvig, ca. 30 km

Die Fahrt nach Rodvig war dann erfreulich ereignisarm.Dort angekommen unternahm jeder was er wollte: die Herren gingen angeln, während Frauchen und ich die Ortschaft erkundeten.

Am Abend wollten wir dann mal so richtig dänisch essen gehen, was uns bislang nicht gelungen war. Wir landeten in einem sehr netten Restaurant mit gemütlichem Ambiente, das von einem sympathischen Berliner geführt wird. Auf der Suche nach einem Hausboot war er an diesem Zipfel Europas hängengeblieben und bereitet nun leckere Fischgerichte zu. Eine nette Begebenheit.

Rodvig über Koge nach Dragor (Vorort von Kopenhagen), ca. 70 km

Dieser Tag ging für mein Rudel völlig schief, aber Ende doch gut aus.

Es begann wie immer: Herrchen und ich übernahmen die Frührunde und sammelten schon mal ein paar Schritte. Bei der Rückkehr ans Boot hopste ich zuerst über die Rampe an Bord, Herrchen folgte und dann (ich hab‘s ja nicht so genau gesehen), rumste und schepperte es hinter mir. Sowohl meine Rampe, als auch Herrchens Schienbein waren kaputt. Das hatte zur Folge, dass ich ewig auf mein Futter warten musste und alle wie wild durcheinander liefen.

(Gedankt sei an dieser Stelle auch den total freundlichen Sanitätern der dänischen Ambulanz und dem aufrichtig bemühten Personal in der Klinik)

Ich habe der ganzen Aufregung entnommen, dass Herrchen in Kobe am Schienbein genäht werden musste (Foto nur auf Anfrage). Das bedeutete für Frauchen, den Junior und mich natürlich die nächste Feuerprobe: Wir beschlossen allein nach Koge (ca. 40 km) zu fahren, um das in Verlust gegangene und nun gehbehinderte Crewmitglied wieder einzusammeln. Und es ging, bis auf die Tatsache, dass wir einen kurzen Moment im falschen Hafen unterwegs waren, richtig gut. Wir verfuhren uns ansonsten nicht, schrotteten keine Fischernetze und reparierten sogar noch eine Fahrradbremse nebenbei – Dank meiner Oberaufsicht.

Nachdem wir das abtrünnige Rudelmitglied wieder an Bord hatten, ging es weiter nach Kopenhagen. Wir wollten im Zeitplan bleiben, da wir jetzt einen Mast-Termin am 16. in Frederiksvaerk bekommen haben. Das brachte uns einen 4er-Wind ein, was ich überhaupt nicht leiden kann,. Wir sind dann aber nicht ganz bis in den Hafen „Lange Linie“ direkt nach Kopenhagen gefahren, sondern haben im Vorort Dragor Halt gemacht. Dort bin ich auf einen sehr sympathischen Kumpel getroffen, der so von mir begeistert war, dass er bis in den späten Abend vor dem Schiff blieb. Die restlichen paar Kilometer haben wir am Montagmorgen sehr früh abgeschrubbt. Hat dafür aber kaum geschaukelt.

Ein schönes Highlight wird es wahrscheinlich im August auf der Heimfahrt noch geben: Meine lieben Geburtshelfer (Nordlights) ziehen um und liegen damit genau auf unserer Strecke. Dann kann ich Mama mal zeigen, was ich für ein tolles Mädchen geworden bin 🥰🥰🥰

Wir sind in Dänemark! Und mit denen läufts

Burgtiefe /Fehmarn – Stubbekobing (Dänemark)

Wir hatten eine richtig schöne und ruhige Überfahrt und – eine lange. Wir haben letztendlich über 90 km in elf Stunden zurückgelegt. Und das wird wohl auch die Strategie der nächsten Tage sein: An Tagen, an denen es windmäßig vertretbar ist , versuchen weit zu kommen, um dann an ungemütlichen Tagen im „Hafenkörbchen“ bleiben zu können. Tja, so ist es jetzt, nicht wir bestimmen, sondern das Wetter zeigt uns, wann wir fahren, wie weit wir kommen und wie lange wir liegen bleiben. Ist man als so eng getaktetes Lebewesen mit rasendem Alltag nicht gewöhnt, hat aber was.

Am Abend vor unserer Abfahrt kündigte sich die Wetterberuhigung an und rund ums Boot wurde alles für die Überfahrt vorbereitet. Auch ich musste meinen Teil dazu betragen und eine gewisse Zeit mit der Schwimmweste rumturnen, damit ich im Fall der Fälle nicht rumzappele.

Die Ostsee zwischen Fehmarn und Gedser zeigte sich von ihrer Schokoladenseite, was ich sehr nett fand, denn ich habe jetzt herausgefunden, wie das mit den Wellen und mir ist: Am liebsten bin ich vorne und erschnüffele mir die „Meereszeitung“. Das riecht alles so komplett anders, als ich es von den Feldrändern kenne. Hunde scheinen hier nicht so oft vorbeizukommen, es duftet eher maritim bis amphibisch. Schwer interessant. Total. Zu viele Wellen mag ich aber nicht, dann werde ich auch direkt nach hinten gerufen, da ist es ruhiger und ich kann auch keine Dummheiten machen (als würde ich mitten auf der See eine Möwe erjagen wollen).


Da es so famos lief, entschied das Rudel auf der Höhe von Gedser, gleich bis nach Haesnaes weiterzufahren, so nach dem Motto, was wir haben, haben wir. Und dann machen die ja manchmal Sachen, die kann man als vernunftbegabter Labbi nicht nachvollziehen, aber man ist ja von Hause aus treu. Wir hatten also in Haesnaes um 16 Uhr angelegt, den Strom angeschlossen, nochmal umgelegt, weil das besser schien, den Hafenmeister gesucht und nicht gefunden, den Strand erblickt; all das nur um dann wieder abzulegen und wieder wegzufahren? Herausgehört habe ich nur, dass hier in diesem Örtchen weniger als nichts zu finden war (hatte Frauchen ja nicht von Anfang an betont!) Das schien für die kommenden Tage etwas schwierig in Sachen Wetterbeobachtung zu sein und es gab ja noch das große Projekt des eigenen Internets. Deswegen brauchte es die ein oder andere Einkaufsmöglichkeit.

So landeten wir dann gegen 6 Uhr am Abend in Stubbekobing und haben es nicht bereut. Der Wind der vergangenen zwei Tage ist wirklich nicht ohne (Video auf Instagram @labbigoeseurope)und den Technikern und ITlern an Bord sei Dank: Wir haben jetzt unser eigenes Netzwerk an Bord. Sind also endlich von allen doch schwach funktionierenden WIFIs und der knauserigen GigaByte-Verteilung unabhängig.

Die Details habe ich jetzt auch nicht so auf der Pfanne, aber mit diesem lustigen Halb-Ei, sind wir in der Lage Internet zu empfangen (Reichweite ca. 20 sm bei freier Sicht auf die Funkmasten). In den Glomex steckt man dann eine SIM-Karte und jetzt kommt der Hammer: in Dänemark (und später auch in Schweden) haben die das im Griff.!!! Hier gibt es 200 GB für 30 Tage, kostet in etwa 27 €, bei flächendeckendem 4 G. Weitere Bemerkungen erspare ich mir an dieser Stelle, obwohl ich mich schon wundern muss, wie zähflüssig das in meiner Heimat laufen muss. Unsere Kommunikation jedenfalls ist gesichert und wir können nun auch auf dem Meer die Wind- und Wetterlage checken, ohne dauernd mit unseren nicht nennenswerten Datenvolumen haushalten zu müssen.

An den Tagen im Hafen ist uns überhaupt nicht langweilig. Es werden die Vorräte aufgestockt, Wanderwege erkundet, das Schiff auf Vordermann gebracht und die ortsansässige Restauration getestet.

Auch mit der Katz‘ hat Frauchen ein Agreement gefunden: An Abenden vor wichtigen Schlägen, darf er nicht raus. Damit muss er leben. In allen anderen Nächten muss er sich melden, bekommt dann seinen Tracker an und das Fenster auf. Entzückenderweise lässt sich das Katzentier drauf ein. Er wird noch richtig kommunikativ und ich ein wahrer Fan von ihm. Leider ist ihm meine Leidenschaft das ein oder andere Mal zu üppig. Spaßbremschen.

Was gibt es heute eigentlich zu essen?

Tak fürs Zuhören!

Vier-Städte-Tour

Lübeck, Neustadt, Grömitz und Burgtiefe (Fehmarn)

Lübeck23./24.04: Landgang

In den Büchern steht, dass Lübeck eine der schönsten Städte des Nordens sei. Das können mein Rudel und ich bestätigen. Am Dienstag haben wir nicht mehr viel gemacht. Mein Rudel freut sich ja immer tierisch, dass alles so gut klappt, dass wir „superfrüh“ am Liegeplatz sein werden. Ha ha, bis wir dann wirklich fest liegen und alle Arbeiten verrichtet sind, ist es doch meist halb 6 / 6. Dabei zeige ich denen immer, dass ich am Mittag keine so große Runde brauche. Ich verrichte dezent meine Geschäftchen, bleibe demonstrativ mitten auf der Straße stehen und blicke stoisch Richtung Schiff. Auch ich möchte einfach mein neues Zuhause mal ohne Motorenmusik im Hintergrund genießen.


Schleusenwärterin Leila: Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser

Deswegen habe ich sie am nächsten Tag alle mal von Bord geschickt. Nur die Vierbeiner durften bleiben: Noah ging trainieren, der Kapitän suchte einen Bootsladen (Shopping für Männer!) und Frauchen schlappte in die Stadt. Auch wenn die Stimmung an Bord ungelogen gut ist, will man auch mal einfach was für sich machen.

Am Mittag trafen sich alle wieder am Schiff und bestaunten gemeinsamen das doch ziemlich schiefe Holsten Tor und die kleine echt gemütliche Stadt. Am Ende gab es ein kleines nettes Mittagessen am Wasser und am Abend wurde am HotSpot der Marina mit einem Aperölchen gesurft und gechillt.


Neustadt(25./26.04.2019):

Seit heute sind wir in der Ostsee! Die beschaulichen Kanalfahrten gehören erst mal der Vergangenheit an. Ob mir das Meer gefällt, weiß ich noch nicht so genau. Es schaukelt schon mehr, besonders wenn uns so eine blöde Welle trifft. Auch das Rudel ist konzentrierter. Jetzt stehen immer Zwei am Steuerstand und passen zusammen auf, also eine Kraulmaschine weniger.


Was ne Riesenmarina – kann man da nur sagen und super organisiert. Hier hatten wir uns von Tante Heike ein paar Dinge nachschicken lassen( u. a. den Katzentracker – jetzt entwischt er uns nicht mehr), die uns prompt ausgehändigt wurden. Wir unternahmen eine Radtour in die Stadt selbst, waren aber zu spät: Abends um sechs war schon alles hochgeklappt. Für den nächsten Tag wurde „klar Schiff“ machen beschlossen. Das ging dann nur drinnen, weil es gewitterte und nass wurde. Anschließend wurde beschlossen, keinen weiteren Tag in Neustadt zu bleiben, sondern lieber eine zusätzliche Station in Grömitz zu machen, bevor es dann Richtung Fehmarn geht. Was  meine Zweibeiner jetzt schon machen, ist dauernd das Wetter zu gucken, damit die Überfahrt nach Dänemark ruhig und bestimmt nicht aufregend wird. Niemand von denen will einen seekranken Labbi an Bord haben – wirklich nicht. Und das wäre noch das kleinere Übel.

Die Tauben sind hier übrigens riesig.😉

Grömitz, 27.04.2019

Auf dem Weg nach Grömitz hingen wir zum ersten Mal in ernster Absicht die Angeln raus. Gleich biss auch einer an, aber in letzter Sekunde sprang er uns doch vom Haken. Also doch Spaggis zum Abendessen.

In Grömitz selbst schnupperten wir absolute Ostsee-Touri-Meilen-Luft und gingen ein leckeres Eis essen.

Burgtiefe / Fehmarn28./29.April 2019

Ha, ob es der von gestern war wissen wir nicht, aber heute haben wir ihn bekommen:


Der Junior und ich waren sehr stolz.

Die beiden Tage haben wir damit verbracht, die nächste Etappe unserer Reise im Detail zu planen. Dieses Mal war nicht das WLAN das Problem, sondern der Strom. Wir fanden keine Dose, die Saft hatte, aber Dank des nun perfekt laufenden Generators konnte sogar eine Ladung Wäsche gewaschen werden. 

Am Dienstag geht es Richtung Dänemark. Wir werden Gedser anlaufen und uns dann auf der Ostseite nach Frederiksvaerk vorarbeiten. 


Gedser bis Frederiksvaerk – über Kopenhagen

Heute darf ich aber nochmal an den Hundestrand und mich tapfer in die Ostsee stürzen. Die Wassertemperaturen sind einstellig – wollte es nur mal erwähnt haben.

Ich melde mich wieder aus DÄNEMARK.

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