Labbi goes europe - Blog

Schlagwort: Reiseblog (page 1 of 2)

Mailand – die Stadt der Schuhe ? Auch

Diese Reise würde wie immer und doch völlig neu ablaufen. Wie schon  ganz oft davor würden wir wieder Richtung Ithaka aufbrechen. Schließlich  hatten wir das ganze Jahr nicht auf unserer griechischen Insel  vorbeigeschaut. Aber zum 1. Mal würden wir es außerhalb der Ferien tun und das auch noch ohne den Junior, der ja jetzt am Studieren ist.

So kamen wir auf die Idee über die Schweiz zu fahren und einen ganzen Tag in Mailand zu verbringen. Diese wunderbare Stadt hatten wir schon lange auf dem Plan. Außerdem brauchte Frauchen ein paar neue Schuhe (die hat Probleme!!). Herrchen war da prakmatischer. Er buchte eine kleine Wohnung, kein Hotel.

So kamen wir am Nachmittag bei strömenden Regen in der Via Manfredo Camperio an. Unser Vermieter Francesco war ein überaus sympathischer Mann, der uns gleich in Empfang nahm und erstmal ins Parkhaus lotste. Wir waren  nämlich mitten in der City. An einen Parkplatz war gar nicht zu denken und ohne ihn  hätten wir im Leben keinen bezahlbaren Parkplatz gefunden. Ein wenig  Maßarbeit war nötig, um in die kleine Parkbox zu manövrieren, aber nachdem wir passgenau an allen vier Ecken in Francescos Garage standen und unser Gepäck in sein Auto umgeladen hatten, ging es in wenigen  Minuten zu unserer Wohnung. Ich durfte vorne mitfahren.

Die Wohnung war der Hammer: gemütlich und schick zugleich. Ein  Wohn-Esszimmerbereich samt Küche auf der einen Ebene sowie ein kuscheliges Schlafzimmer unterm Dach. Diese Art des Wohnens hat sich voll ausgezahlt. Wir waren viel flexibler als in einem normalen Hotel, das so mitten in der City äußerst teuer gewesen wäre. Wir fragten Franceso noch nach einem netten Restaurant, dann gingen wir erstmal unsere unmittelbare Umgebung erkunden. Natürlich durfte  ich mit und lernte auch den Innenhof des Castelos Sforzesco und meine Hundewiese für die kommenden Tage kennen.

Wir suchten uns noch schnell einen Supermarkt und deckten uns mit allem ein, was wir für ein kleines italienisches Frühstück brauchen würden. Dann kehrten wir in unsere kleine Wohnung zurück. Nachdem sich meine beiden Mitbewohner ausgehfertig gemacht hatten, hatte ich das kleine Reich endlich für mich alleine. Ich meine, es ist schon gut, wenn man als Hund so ein bisschen weit gereist ist. Der Fahrstuhl in dem Haus ist für  mich kein Problem und dass ich nach drei Stunden gleich für zwei Stunden an einem Ort alleine bleibe, den ich nicht kenne, finden meine Leute und ich äußerst bewundernswert. Das ganze basiert natürlich nur auf  gegenseitigem Vertrauen. Sie lassen mich nur in guten Hotels, schicken  Wohnungen oder gut klimatisierten Schiffen, dafür sieht die Bude am Ende noch genau so aus wie vorher. Natürlich bringen sie mir immer etwas von ihrer JAGD mit.

Den Freitag haben wir uns dann gut aufgeteilt. Sie wollten Sightseeing  machen und ein wenig shoppen. Das interessiert mich natürlich null, also  machte ich ein bisschen Wellness im Apartment. Dafür ging es am  Nachmittag, als der Regen komplett verflogen und ein wunderbares  Spätsommer-Wetter die Stadt durchflutete, mit mir auf die Pirsch.

So erkundeten wir einen wunderbaren Spazierweg, der uns zunächst in Richtung des Castellos führte. Dahinter erstreckt sich der fantastische Sempione Park, der an diesem Tag aufgrund des Wetters voller Leben war. Direkt am Ende des Parks stößt man auf den Arco della Pace, an dessen  Vorplatz wir ein bisschen verweilten. Da hat sich dann wieder mal gezeigt, dass Reisen bildet, denn ich habe zwei Polizisten gesehen die auf riesigen Hunden geritten sind. Ich war so perplex, dass ich glatt vergessen habe, mich den beiden mal vorzustellen. Mein Herz aber ging auf, als wir den Hundepark fanden. Eine tolle Idee der Italiener. Mitten im Park gab es eine Rasenfläche mit ein paar Agility-Geräten. Dort durften wir Vierbeiner frei laufen und ausgelassen miteinder toben. Ich muss gestehen, dass ich am Anfang etwas schüchtern war. Das legte sich aber.

Natürlich hat Frauchen ihre Schuhe gesucht und gefunden und ich durfte mit in die Pizzeria, Pizzarand essen.

Der Rest der Reise nach Ithaka war dann reine Routine, ich meine wir machen das ja nicht zum ersten Mal. Nur auf der letzten Etappe musste ich mich doch arg aufregen. Auf der anderen Seite war ich schon gerührt, wie lieb mich meine Menschen haben. Natürlich wissen die, dass sie mich nicht mit ins Schiff nehmen dürfen. Das ist kein Grund für sie, mich (für zweieinhalb Stunden) in diese entsetzliche Hundebox zu geben oder in der Autogarage zu lassen. Dumm nur, dass es draußen nicht eine Sitzgelegenheit gab. Also verbrachten wir die Fahrt zwischen 19 und 22 Uhr auf der Außentreppe. Egal, um halb elf waren wir in unserem griechischen Zuhause und Dina hatte wie eine Mama für uns gesorgt. Es gab kühle Getränke und etwas zu essen stand auch auf dem Herd.

Ich habe es sofort wieder erkannt und mein grüner Lakost hat – wie auch immer- ebenfalls hierher gefunden.

Was wir dem Junior nicht erzählen werden? Dass wir uns ohne seine Hilfe zweimal ziemlich verlaufen haben.

Bequem in Boussenac versus Trubel in Thüringen



Es tut sich wieder was

Die letzten Wochen ist es ziemlich still um mich, den reisenden Labbi geworden. Das hatte seinen Grund: Wir sind ja nicht gereist! Kaum Zuhause angekommen ist der Junior ausgezogen. Er ist nun nur am Wochenende da, was ich nicht sehr lustig finde und das lasse ich ihn die ersten zehn Minuten, wenn er kommt auch spüren. Auch Herrchen und Frauchen hatten eine Menge zu tun.

Letzten Sonntag war es aber wieder so weit. Ich habe es daran bemerkt, dass eine große Tasche gepackt wurde. Allerdings nicht für alle. Nur meine Sachen verschwanden darin. Das habe ich nicht verstanden, bis mich Noah zur Tante gebracht hat. Ich durfte also mit der Verwandschaft in die Großstadt nach Erfurt. In diesem Moment war es mir fast egal, was meine Menschen unternehmen würden, denn in Erfurt wartet ein großes Bürorudel auf mich, das mich von morgens bis abends verwöhnt. Wenn es mir in dem einen Zimmer zu langweilig wird, tappe ich eben ins nächste. Ich finde, jedes Büro sollte einen Hund haben. Tut nicht nur dem Vierbeiner gut.

Boussenac an der Ardeche
Was aber trieben meine Menschen? Gut der Junior geht nun jede Woche seinen Studien nach und lebt sich in Baden-Würtemberg ein. Die anderen zwei haben sich auf den Weg ins Paradies nach Frankreich gemacht. Sie sind zu Anne und Wolfgang an die Ardeche gefahren. Dort waren sie ja bereits ganz oft, aber es geht ihnen immer wieder das Herz auf. Die Anreise funktioniert ein bisschen schneller als mit dem Schiff. Innerhalb von acht Stunden, größtenteils auf französischen Autobahnen, die sich entspannt fahren lassen, waren sie da. Allerdings einen Tag zu früh!!! Wer aber denkt, das würde die Bewohner von Boussenac aus dem Konzept bringen, der täuscht sich. Nach einem kurzen Moment der Überraschung wurden noch ein paar Zutaten in den Topf geworfen und so reichte das Essen für alle. Die Wiedersehensfreude war so groß, dass gleich in Annes Geburtstag reingefeiert wurde. So waren alle am nächsten Tage ein wenig müde.

Beim Ablaufen des Grundstücks hatte sich wieder einiges verändert: Es gibt ein neues Teichhäuschen, die Tochter Iris hat Bienenhäuschen aufgestellt und fährt erste Erfolge als Imkerin ein und die Scheune ist keine Scheune mehr, sondern ist auf dem Weg ein schönes Apartment zu werden. Das Highlight, aber ist die neue Eselin Diane, ein ausgesprochen sanftes Tier, das zu Pinos großem Vergnügen, die Nachfolge seines Vaters und Kumpels Paco angetreten hat. Im Frühjahr gibt es Nachwuchs. Schon am zweiten Morgen begrüßten sie uns lautstark von ihrem Platz aus.



Die Nachmittage werden dann ganz gemütlich auf dem Berg verbracht. Wäre es noch ein wenig wärmer, könnte man den Schwimmteich nutzen und mit den Fischen um die Wette plantschen. Wären meine Leutchen nicht so faul, könnten Sie hinter dem Haus auch eine Partie Tennis spielen oder eine tolle Wanderung durch die französische Landschaft unternehmen. Dieses Fleckchen Erde zu genießen, füllt jeden Akku wieder auf.



Zwei feste Dates an der Ardeche

Für meine Leute gibt es an der Ardeche meist zwei Unternehmungen. Zuerst bummeln sie durch Valence, überqueren den Markt und nehmen in einer kleinen Brasserie (Le Bistro des Clerks) den Plat du Jour ein. Gestern Mittag sogar draußen im Sonnenschein. Trotzdem bereitete Wolfgang am Abend (als hätten sie nicht schon genug gegessen, aber wir sind ja in Frankreich) eine wunderbare Bouillabaisse für seine Anne als Geburtstagsgeschenk und für seine Gäste zu.

Den Tag drauf geht es, jedenfalls, wenn es ein Freitag ist, nach La Voulte auf den Markt. Dort werden ein paar wunderbare französische Lebensmittel für alle Daheimgebliebenen eingepackt. Anschließend gehen sie natürlich, wie es sich hier so gehört, auf ein Bierchen / Weinchen ins Bistro. Einen Teil der Einkäufe haben sie dort gleich verzehrt und an eine entzückende kleine Kollegin abgetreten. Das wäre eigentlich mein Platz gewesen.



Jetzt schlafen wir hier nicht bei Freunden auf dem Sofa, sondern dürfen die Ferienwohnung nutzen, die angemietet werden kann. Hier trifft man auf keine anderen Gäste, erfährt eine wunderbare Ruhe umgeben von Natur und vielen Tieren (zwei Esel, sechs Schafe, sechs Hühner, unzähligen Koi, herumwühlenden Wildschweinen und ein paar Katzen, die auf der Suche nach Futter vorbeischauen).

Währenddessen habe ich die Großstadt unsicher gemacht. Ich konnte souverän zeigen, wie man sich im Aufzug verhält und auch als Bürohund Laut geben kann. Von den Passanten in der Fußgängerzone wollte ich wissen, ob sie wirklich dasgleiche in der Bäckertüte haben, wie wir in Rheinhessen und fast wäre ich noch mit dem Riesenrad gefahren, das gerade auf dem Domplatz seine Runden dreht. Es ging mir herrlich in diesen Tagen und ich habe meine Leute nicht allzu stark vermisst, obwohl auch ich die neue Eselin gerne mal beschnuppert hätte.

Am Samstag findet dann Zuhause wieder die große Familienzusammenführung statt: Der Junior kommt aus seinem Studienort, wir aus dem Osten und Herrchen und Frauchen direkt vom Paradies. Bis dahin lass ich mich noch ein wenig bespaßen und spiele mit Dolly, dem Schaf.




Am Rhein – Daheim

Jetzt erklär mir einer diese Menschen!! Da fahren wir fünf Monate, tausende von Kilometern, erleben einen prachtvollen skandinavischen Sommer, nur um dann wieder in Rheinhessen zu enden? Haben die unser Zuhause verschoben? Ist der Teich samt Fischen umgezogen? Wie ging das? Manche Dinge muss man als Labbi einfach so hinnehmen. Gefreut habe ich mich trotzdem. Bin erst mal quer über die Wiese getobt und habe den gesamten Garten durchgeschnüffelt. Es war ein sehr schönes Nachhausekommen, zumal wir mit einem wunderbaren Sommerwetter empfangen wurden.

Das ging bereits in Duisburg los. Dort fuhren wir in den Rhein ein. Von nun an ging es bergauf. Es dauerte eine Weile bis wir uns an Zweierlei gewöhnt hatten: die eigene Langsamkeit und die schnelle Wuchtigkeit der anderen. Jeder Schlepper schien eine Bedrohung. Im Schnitt lag unsere Geschwindigkeit bei 5 km in der Stunde. Im Binger Loch gab es in der Tat eine Phase, da standen wir praktisch auf der Stelle. Der Plotter zeigt 0km/h an. Ein durchaus mulmiges Gefühl, wenn die Binnenschiffer von vorn und hinten angeschossen kommen.

1a in die hinterste Lücke eingeparkt

Nach einem Tag des Einfahrens fand der Kapitän eine Lösung für das Dilemma und so fuhren wir meist auf der flachen Seite des Flusses, da hält sich die Schifffahrt spontan eher nicht auf. Deswegen kamen wir gut aneinander vorbei und haben einiges dazu gelernt. Die Binnenschiffer haben nämlich schon ein bisschen ein Auge auf die kleinen Sportboote. Das haben wir über Funk mitbekommen. Wir griffen wieder unseren Rhythmus auf und wechselten im Stundentakt durch. Nach 60 Minuten ist man wirklich froh, wenn man sich ein wenig von der Wuseligkeit des breiten Flusses erholen kann.

Bei dieser Reisegeschwindigkeit fuhren wir somit fast den ganzen Tag Schiff. Für 50 km benötigten wir ca. 10 Stunden plus. Zwar standen wir früh auf, aber nachdem wir in der Marina angelegt hatten, war uns nur noch nach Erholung und gutem Essen. Wir bekamen mit Duisburg, Neuss und Köln die Highlights des Rheins mit und fühlten uns ab Oberwinter wieder heimisch, weil wir in Rheinland-Pfalz einfuhren und uns beim Beobachten der Landschaft, insbesondere der vielen Weinberge gleich warm ums Herz wurde.

Unterschwellig fuhr beim weiblichen Teil der Besatzung immer die Anspannung mit. Während die Herren voll in die Technik vertrauten, hörten wir auf jedes auffällige Motorengeräusch oder komische Brummen aus den Tiefen des Schiffbauches. Wir wollten es nicht erleben, plötzlich von der Strömung bergab geschoben zu werden und nichts dagegen tun zu können. Aber das blieb uns Gott sei Dank erspart. Die Dialima hat ihre Feuerprobe bestanden. Und am 22.08 war es dann so weit:

Wir huldigten der Skyline von Mainz, fuhren an Dom, Rheingoldhalle, Hyatt und Winterhafen vorbei. Ein wirklich beeindruckendes Gefühl nach all der Zeit. Auch wenn uns niemand winkte, so fuhren wir der Heimatstadt freudig entgegen und genossen das Gefühl wieder Zuhause zu sein.

Gegen 18 Uhr erreichten wir unseren Winter-Liegeplatz. Dort bleibt unser Schiff jetzt erst mal. Wir holten nur das Nötigste raus. Dazu gehörte selbstverständlich auch der rotgezeichnete Tiger und der hatte so was von überhaupt keine Lust das Schiff zu verlassen. Das tat er auch lautstark kund. Auch Zuhause machte er spontan nicht den Eindruck, komplett glücklich über die Heimkehr zu sein. Er ist also zur echten Schiffskatze mutiert. Mittlerweile hat er sich aber wieder eingelebt und genießt die sonnigen Ecken im Garten.

Wir sind gespannt, wie sich all die Erlebnisse in den nächsten Wochen setzen werden. Das ist unbedingt nötig. Am Ende waren wir kaum noch in der Lage, all die neuen Eindrücke zu verarbeiten. So viele Hirnzellen hat ein Labbi nun auch wieder nicht. Das werden die nächsten Wochen bringen.

Wir danken euch alle fürs Mitlesen und Mitfiebern. Es war schön, dass ihr uns begleitet habt. Und vergesst nicht: Nach der Reise ist vor der Reise. So haben wir es jedenfalls vor. Ich höre meine Leute schon wieder planen und recherchieren. Nur der Junior wird nicht mehr flächendeckend dabei sein. Ein herber Verlust für die Crew, aber die Welt ruft.

Deutschland, deine Wasserwege; so schön

In die Kanäle einzufahren war für mich ein bisschen wie Nachhausekommen. Hier gibt es zu 100 Prozent keine unangenehmen Wellen, ich habe beide Uferseiten bestens im Blick und schnuppern kann ich vom Vorschiff aus wie im Schlaraffenland. Frauchen sieht das genauso und deswegen sitzen wir beide oft vorne am Bug und denken uns Geschichten aus. 

Mein Rudel hatte in Lübeck kaum am Steg festgemacht, da stand schon ein eifriger Sportbootfahrer am Steg bereit, half uns beim Festmachen und klärte uns darüber auf, dass das Schiffshebewerk Scharnebeck bis auf Widerruf gesperrt sei. Infolge eines Dammschadens am Elb-Stauwehr Geesthacht war der Wasserstand der Elbe so weit abgesunken, dass das Schiffshebewerk seinen Betrieb einstellen musste. 

Der Schiffskollege, (der uns am nächsten Tag sehr unangenehm auffallen sollte) hatte sich bereits schlau gemacht und sein Weg schien es, zurück nach Fehmarn zu fahren (da kamen wir ja nicht gerade her!), durch den Nord-Ostsee-Kanal zu reisen, ein Stück auf der Nordsee zu schippern, um dann über die Weser wieder auf den Mittellandkanal zu stoßen. Für uns würde das einen zarten Umweg von über 350 km bedeuten und kam damit nur in höchster Not infrage. 

Es wurde guter Rat teuer und wir brainten schnell storm. Die Alternativrouten wären nicht nur ein Vieles mehr an Kilometer, sondern wir müssten uns zum guten Schluss in ein ziemlich fremdes Revier begeben, für das wir nicht ausreichend mit Kartenmaterial ausgerüstet waren. Die Nordsee hatten wir bereits auf der Hinfahrt ausgeschlossen, weil sie mehr Tide hat und unberechenbarer zu befahren ist. Auf der anderen Seite rückte unser Rückkehrdatum unerbittlich näher. Schließlich muss der Junior zum 02. September sein Studium antreten. Das war natürlich nicht ernsthaft in Gefahr: Es gibt schließlich Züge von Lübeck nach Mainz. Aber nach fünf gemeinsamen Monaten wollten wir die Fahrt schon gerne gemeinsam beenden. 

Wir eruierten eine Weile wie lange wir warten konnten und beschlossen erstmal in Lübeck liegen zu bleiben. Hier würde es uns nicht langweilig werden, zumal in unmittelbarer Nachbarschaft das Duckstein Festival stattfand, das wir uns selbstverständlich ausgiebig anschauten und das namensgebende Bier genossen. 

Am Morgen unseres Lübeck-Tages plumpste ich erneut ins Wasser und habe damit erfolgreich mein silbernes Schwimmabzeichen abgelegt. Dieses Mal war es nicht meiner eigenen Hektik geschuldet. Der bereits beschriebene Sportbootfahrer hatte einen Cockerspaniel und ist ein begeisterter Verfechter, die Hunde gleich frei zu lassen. Im Prinzip in Ordnung. Nur ist es unfair, wenn ich auf einem Steg an der Leine laufe und er frei von hinten angeschossen kommt und erst kurz hinter mir unmittelbar anfängt wie ein Wahnsinniger zu bellen. Ich habe mich so dermaßen erschrocken, dass ich einen Satz nach rechts ins Wasser gemacht habe. Dabei bin ich ganz schön tief gefallen. Zum Glück bin ich ein Labbi und kann schwimmen, wenn ich aber so urplötzlich ohne mein Apportierspielzeug im Wasser lande, dann bin auch ich nicht die Ruhe in Person. Die Oberfrechheit leistete sich aber besagtes Cockerspaniel-Herrchen, indem er, als sei nichts gewesen, samt Hund abdrehte und von dannen schritt. Das macht man nicht!!! Dankenswerterweise war gerade eine resolute Kölnerin mit ihren beiden Hunden unterwegs und packte tatkräftig mit an. Ich wunderte mich zwar, wieso eine völlig Fremde nach mir griff, spürte aber schon, dasss es gut wäre, das zuzulassen. Herrchen war so mit dem Heraushieven meines geschmeidigen Alabasterkörpers beschäftigt, dass er den Mann leider nicht mehr zu fassen bekam. 

Am Montag sickerte die Meldung durch, dass es Mittwoch am Schiffshebewerk evtl. weitergehen könnte. Herr Perlebeck, ein wirklich ganz netter Mensch, rief uns sogar zurück, um uns mitzuteilen, dass sie zwar zuerst die bislang 90 aufgelaufenen Binnenschiffer durchschleusen, jedoch stets mit Sportbooten auffüllen. Ebenso war angedacht, Tag und Nacht zu arbeiten. So entschieden wir uns, auf sein Anraten hin, schon mal nach Mölln weiterzufahren, um ein bisschen näher am Ort des Geschehens zu sein.

Dort lagen wir dann zwei Tage nett am See, erkundeten das kleine Städtchen und gingen bei gutem Wetter im See schwimmen, immer mit der Hand am Handy, um zu sehen, wann der Startschuss fallen würde. Auch das lernt man bei der langsamen Art des Reisens: Es macht einem kaum mehr etwas aus, wenn es nicht nach Plan läuft. Man macht es eben anders und in der Situation das Beste draus.

Donnerstag ging es am Schiffshebewerk weiter. Gegen halb 3 legten wir uns zu einem niederländischen Paar ins Päckchen, die wiederum an der Spundwand festgemacht hatten. Wir passten gut zusammen, denn auch sie hatten eine Retrieverhündin namens Balou an Bord. Stolz teilten uns die beiden mit, dass sie auf jeden Fall das nächste Sportboot wären, das mitdurfte. Nur wann war nicht klar, denn die Wanne war ca. 100 m lang, die meisten Schuber aber auch. Aufgefüllt werden konnte also nur bei kleineren Binnenschiffen. Zusätzlich hatten die Gastschiffe Vorfahrt, die die Touristen als Attraktion einmal hoch- und runterschleusen. Ob das in so einer Situation unbedingt sein muss, ist die Frage, denn das machte das Ganze völlig unberechenbar. Wir stellten uns auf eine lange Zeit des Wartens ein.

Während unser Päckchen-Nachbar dem NDR gerade ein Interview gab, überlegte mein Rudel, auf welche Art sie mit mir Gassi gehen könnten. Schließlich kam die Leiter an der Spundwand für mich nicht in Frage. Da schallte eine Ansage über die Lautsprecher, die wir fast nicht glauben konnten: Alle Sportboote sollten sich fertig machen und an die Kammer vorfahren. Man würde alle zusammen mit der Wasserschutzpolizei schleusen. Das war echt unverschämtes Glück für uns und wir schämten uns ein bisschen den anderen gegenüber, die so viele Stunden mehr gewartet hatten; freuten uns jedoch schon wie irre.

Wie sich am Abend an der Liegestelle Wulfstdorf, an der wir zusammen mit den Holländern nächtigten, herausstellte, waren Frits und Erika zwei äußerst sympathische Menschen. Sie luden uns auf ihr Boot ein und bei Wein, Bier und Sekt tauschten sich die Menschen über ihre Leben aus, während wir Hundemädels vor den Schiffen völlig frei toben konnten. Ich durfte sogar einfach mit auf deren Boot. Solch schöne Begegnungen machen das Reisen noch ein Stück wunderbarer. Gleich beim nächsten Einkauf besorgten wir Sekt, damit wir eine Gegeneinladung aussprechen konnten. Leider waren sie schneller unterwegs und wir haben sie nicht mehr gesehen. Liebe Erika, lieber Frits und liebe Balou, wir senden euch von hier aus ganz viele liebe Grüße. 

Vor uns lagen nun also wieder der Elbe-Seiten, der Mittelland, der Dortmund-Ems- sowie der Rhein-Herne-Kanal,  bevor ab Duisburg unsere letzte Etappe auf dem Rhein ansteht. 280 km, die wir mit höchster Disziplin und Aufmerksamkeit fahren müssen. Deswegen richteten wir uns auf eine Woche gemütliches Kanalfahren ein. Wir entdeckten die Liegeplätze, fuhren also nicht immer in eine Marina, was bei schönem Wetter eine herrlich freie Sache ist. Es spülte uns auf kleine Feste, die nun überall stattfinden und ließ uns manchmal in dem Glauben, allein auf der Welt zu sein. Da wo es uns auf dem Hinweg besonders gut gefallen hat, kehrten wir wieder ein oder probierten Neues aus. Wir genossen die Sanftheit der Kanäle, winkten völlig fremden Menschen zu und redeten manchmal über Stunden kein Wort. 

Dass zu viel chilliges Boot fahren nicht allzu lange gut geht, besagt ein ungeschriebenes Gesetz in der Schifffahrt. Samstag stand nichts auf dem Plan, die Sonne schien. Nur ein ziemlich langsam fahrender Schlepper störte die freie Sicht nach vorne. Also wurde ein Überholmanöver gestartet. Die normale Drehzahl reichte an dieser Stelle nicht aus und es wurde viel Gas gegeben. Auch das reichte nicht ganz und wir reihten uns wieder hinter dem Schlepper ein. Passiert manchmal. Eine Stunde später dröhnte das Motor-Alarm-Signal derart schrill durchs Schiff, dass die komplette Crew hellwach am Steuerstand auftauchte: Der Motor hatte sich überhitzt. Wir mussten ihn direkt ausmachen und waren damit manövrierunfähig. Auch auf einem friedlichen Kanal keine wünschenswerte Angelegenheit. Mit Bugstrahlruder konnten wir uns noch gerade in Position bringen. Und während wir dabei waren, herauszufinden, was eigentlich los war, kamen unsere rettenden Engel in Form von Manfred und Monika von hinten angefahren. Nicht nur, dass sie uns seitlich ins Schlepptau nahmen, Manfred stellte direkt die richtige Diagnose: Das Kühlwassersieb war in der Tat komplett zugesetzt. Durch den aufgewirbelten Schlamm, den wir beim Überholvorgang eingesogen hatten, war der Motor nicht mehr ausreichend gekühlt worden. Wir beseitigten das Problem, die Temperatur regulierte sich erstaunlich zügig und Manfred konnte uns vom Haken lassen. Zwei Tage später verstopfte das frisch gemähte Gras vom Kanalufer den Filter erneut und das Spektakel wiederholte sich, dieses Mal ohne Manfreds Leine. Da ich aber eine auffassungsbegabte Crew anführe, erledigten sie das Malheur in Windeseile und mussten zum Glück nur kurz im Kanal treiben. Nichts passiert ohne Grund. Mit dieser Aktion haben wir eine weitere Stelle gefunden, die regelmäßig kontrolliert werden muss, denn auf dem Rhein ist so ein Manöver weitaus ungemütlicher.

Ebenfalls in dieser Woche brachten wir das Kunststück fertig, das wir schon lange gefürchtet hatten. Wir legten ab, ohne vorher das Stromkabel eingeholt zu haben. Ich hänge meinen Leuten ja an den Lippen, achte auf jede Geste und folge aufs Wort, würden sie das nur mal umgekehrt tun, wäre uns das nicht passiert, denn ich habe extrem auffällig das blaue Kabel angestiert und damit ganz deutlich einen stummen Impuls gesetzt. Großartig passiert ist aber nichts, wir hatten nochmal Glück.

Heute geht es durch den gesamten Ruhrpott und mit den Schleusen Herne, Wanne-Eickel, Gelsenkirchen, Oberhausen und Ruhr landen wir gegen Mittag in Duisburg am Rhein. Die letzten 4 km können wir schon mal testen, wie sich die Bergfahrt mit unserem Schiff so anfühlt und wie Väterchen Rhein so drauf ist. 

Dies ist der letzte Post direkt von Bord. Den nächsten Blogbeitrag werde ich Frauchen wohl Zuhause am Schreibtisch verfassen lassen. Dann haben wir den Rhein hinter uns und werden wieder sesshaft (er).

Wie das wohl werden wird?


Dänemark ist so viel mehr als ein Sprungbrett zwischen Schweden und Deutschland.

Trelleborg und somit Schweden wollte uns zunächst nicht ziehen lassen. Der Tag begann mit einem immens starken Sommernebel, so dass sich die vorbeiziehenden Fähren per Hornsignal gegenseitig warnten. Deswegen kamen wir mit 2-stündiger Verspätung in Klintholm an. Da der Wind gut aufgefrischt hatte, war der Hafen schon brechend voll. Wir ergatterten nur noch einen Platz im Fischereihafen. Im Laufe der nächsten Stunden wurde jede Ecke der beiden Häfen zugepackt, sich ins Päckchen gestapelt und im Kampf um den Liegeplatz schon mal die Vorfahrt genommen.

Direkt, wie immer, ging Frauchen eine schnelle Runde mit mir. Ist nach 6 – 7 Stunden Fahrt dringend nötig. Ich spürte gleich, dass wir nicht mehr in Schweden waren. Es roch so anders. Aber so wie Ihr Menschen immer sagt: „Das Gesicht habe ich schon mal gesehen, es kommt mir irgendwie bekannt vor.“, ging es mir auch. Alle Düfte waren mir vertraut, nur roch es frischer, wärmer, einfach nach mehr Vielfalt. Irgendwann fiel dann der Groschen: Wir waren in Dänemark, es war nur nicht mehr so kalt. Es war Sommer geworden.

Und deswegen ging es ziemlich gleich an den Strand und das war herrlich!! Ich tobte den Strand entlang, traf einen coolen Hundetypen und buddelte was das Zeug hielt. Ich war im Labbi-Himmel. Da es über das Wochenende sehr windig werden sollte, blieben wir ebenfalls im Hafen und das kann man in dieser Marina gut genießen. Der Hafen ist bestens eingerichtet, nicht nur für Bootsurlauber. Dort kann man ebenfalls kleine Appartments mieten. An vielen Stellen gibt es Grillplätze, Bars, Cafés und Restaurants. Sogar ein kleiner Supermarkt befindet sich auf dem Gelände. Der Hafenmeister hat seine Anlage gut im Auge und ist sehr aufmerksam. 

Am nächsten Tag pfiff uns der Wind nur so um die Ohren. Alles schaukelte und wackelte. Der Schwell kam bis in die hinterste Ecke des Beckens. Wir brachten zusätzliche Leinen an. Man kam einfach nicht zur Ruhe. Und da geschah es: Nach fast drei Monaten wurde Frauchen seekrank – an Land! Nicht sehr schlimm, aber das permanente Schaukeln schien zu viel. Wir waren alle froh, dass sich das Wetter beruhigte und wir am Montag weiter konnten.

Es ging nach Gedser, dem südlichsten Punkt in Dänemark und die Aussichten waren famos. Der Ankunftstag zeigte sich noch ziemlich verregnet. Aber wir wurden mit einem längsseitigen Liegeplatz entschädigt. Das machen meine Leute für mich möglich, wann immer es geht. Ich kann dann besser aussteigen.

Einen Tag später wurde es sommerlich und wir machten einen langen Ausflug nach Gedser Odde; weiter südlich geht es in Dänemark wirklich nicht. Über drei Stunden waren wir unterwegs. Für Herrchen war das ein bisschen tückisch. Er bekam durch den ablenkenden Wind das Übermaß an Sonne nicht mit und verbrannte sich ziemlich das Gesicht. Auch mich hatte die Aktion ziemlich erschöpft. Ich brauchte erstmal ein ausgiebiges Nickerchen.

Am Nachmittag legte sich endlich der Wind und das sollte auch so bleiben. Das heißt eigentlich, dass die Überfahrt morgen zurück nach Deutschland wunderbar werden wird. Sollte sich die Heimat etwa auf uns freuen? Frauchen hat mal in den Kalender geschaut: Fast ein Vierteljahr waren wir jetzt in Skandinavien unterwegs. Bin gespannt, wie es sich anfühlt zurück zu sein. Ich habe gehört, es soll bei euch sehr heiß sein. Super, wir freuen uns drauf.

Relativität nach Leila

Denksession

In dieser Woche hatte ich so viel Zeit, es reichte fürs Nachdenken und was soll ich sagen am Ende hatte ich meine eigene Relativitätstheorie entwickelt und die geht so:

In Schweden ist gerade Sommer, man merkt ihn bloß überhaupt nicht, das sagen auch die Schweden selbst. Dennoch sieht man sie an allen Orten in die Fluten springen. Für uns Reisende aus „Tyskland“ fühlt sich das vorherrschende Klima eher nach Winterende oder Frühherbst an. Deswegen sieht man uns mit Windjacken und geschlossenem Schuhwerk. In dieser Woche habe ich Frauchen sogar dabei ertappt, wie sie ihre Wollmütze wieder ausgepackt hat. Für Griechen (die ich ja auch ganz gut kenne) wäre dieses Wetter tiefster Winter und sie würden auf der Stelle kehrt machen und heimreisen (vielleicht ist das der Grund warum wir hier auf keinen einzigen Südländer treffen). Deswegen ist der Sommer für alle in Schweden befindlichen Menschen gerade relativ.

Das Motto der Woche lautete folglich: Lass dich vom Wetter leiten und schau wo du ankommst. Den Geheimtipp von unseren Nachbarliegern aus Stockholm schafften wir noch ganz nach Plan. Es ging nach Utö und wurde wunderbar.

Das Wetter wurde dort beinahe sommerlich. Sogar alle meine Nicht-Fellnasen gingen schwimmen; ich am Anfang unfreiwillig. Da mein Rudel direkt um mich herum war, habe ich das gar nicht als kleinen Unfall registriert. Wir legten mit Heckanker an, also mit dem Bug zum Land und ich musste vorne ziemlich steil über den Steg aussteigen. Ich konnte es nicht abwarten, startete durch und landete kopfüber im Wasser. Als ich auftauchte, war Frauchen bereits da und griff nach meinem Halsband. Der Junior sprang kopfüber ins Wasser und war somit direkt an meiner Seite. Gemeinsam schwammen wir beide gemütlich an Land und ich freute mich über so einen Spaß mit den beiden.

In Utö herrschte Wochenendstimmung. Alle Liegeplätze waren voll und die Boote selbst auch. Man saß mit Freunden und Familie zusammen. Wir waren im Südhafen bestens aufgehoben, der war ein bisschen ruhiger. Im Nordteil ist es lebendiger. Dort herrscht oft Partystimmung. Wir schlenderten durch die Marina, die alles zu bieten hat, was das Bootsherz begehrt, erlebten das WM-Aus der deutschen Damen und deckten uns mit Vorräten ein, denn nun sollte es wieder in einen Naturhafen gehen.

Nach Rassavikar ging es wirklich in den hintersten Teil des Gartens, aber genau da wollten wir hin. Souverän manövrierte uns der Kapitän durch so manche Engstelle und wir legten einsam an einem Stück Land an. In Empfang nahm uns der Grundstücksbesitzer und wir lernten das „allemansrätten“ (Jedermansrecht) in seiner Praxis kennen. In Schweden ist es nämlich so, dass man sich in der Natur aufhalten darf, auch wenn das Grundstück jemand anderem gehört. Selbstverständlicherweise sollte man sich entsprechend verhalten. Kurz gesagt: „Nicht stören und nichts zerstören.“ So hieß uns der Mann herzlich willkommen, gab sich zu erkennen und bat mein Rudel kein offenes Feuer zu legen, und mich die Schafe in Ruhe zu lassen (Kein Problem für mich, ich stehe auf Enten). Er fragte noch kurz wie lange wir bleiben und schritt wieder von dannen. Unsere einzigen Mitbewohner an diesem Wochenende waren eine echt goldige Schwanenfamilie.

Erholt sollte es am Montag nach Oxelösund gehen. Zu Beginn des Törns kamen wir noch gut voran, jedoch wurden Regen und Wellen zunehmend stärker und so drehten wir wieder ein und landeten schon um halb elf in Ankarudden. In diesem Gott verlassenen Hafen verbrachten wir einen gemütlichen Lesetag. Nur ein weiterer Segler verirrte sich ebenfalls hierher. Am Abend fanden wir tatsächlich ein wunderbares kleines Restaurant, das geöffnet hatte.

Also Oxelösund einen Tag später. Die Überfahrt war besser, wir waren darauf eingestellt. Man hat ein bisschen die Wahl: Wagt man sich raus, schaukelt es doch schon sehr. Fährt man innerhalb der Schären muss man wirklich schwer aufpassen, nicht die Orientierung zu verlieren und keine unschöne Grundberührung zu provozieren. Deswegen fahren eigentlich immer zwei von uns (Vieraugenprinzip). Schaukelt es zu arg, wird der Dritte zu meiner seelischen Beruhigung abgestellt.

Ohne besondere Vorkommnisse ging es am Folgetag nach Arkösund. Das Prinzip in diesen Tagen ist ähnlich: Die Lage wird sondiert, dann wird getan, was so ansteht. Ein bisschen Kopfzerbrechen macht uns der Generator, der muckt wieder. Zögerlich springt er an, so dass wir in 1. Linie Gäste- und keine Naturhäfen anlaufen. Schön finde ich, dass die Marinas langsam belebter werden. Wir treffen vermehrt auf Menschen und ihre interessanten Vierbeiner und frühstücken auch mal in entzückenden kleinen Cafés.

Trotz 5 Beaufort fuddelten wir uns nach Harstena durch und stießen auf nichts. Das malerische Fischerdorf sollte DER Treffpunkt im Sommer sein; wir hatten ihn ganz für uns alleine. Nach einem etwas kniffligen Anlegemanöver bei viel Gegenwind aus ungünstiger Richtung wurde es ein ausgesprochen gemütlicher Nachmittag. Auf unserem obligatorischen Spaziergang sah ich die entzückendste Bäckerei mit der famosesten Aussicht, aber sonst fast niemanden. Früher ein Fischerdorf, werden die Häuser meist nur in den Ferien genutzt. Zum Glück fanden wir eine Stromsäule, denn der Generator lief nicht rund, wenn er überhaupt ansprang.

Am Samstag erreichten wir Västervik und es war sofort klar. Hier würden wir bis Montag bleiben. Das Wetter wollte es so und der Generator auch. Aber meine beiden Supertechniker enttäuschten auch dieses Mal nicht. Es kostete sie zwar den Dreiviertel-Sonntag und einen Anruf beim Hersteller, aber dann war das Problem gelöst. Erneut hatte ein Relais endgültig seinen Dienst verweigert und musste neu bestellt werden, abzuholen in Kalmar. Frauchen bekam dafür Kilometergeld. Die Waschmaschine war so weit entfernt, dass sie für eine Ladung 72 Minuten im Regen hin und her lief. Ja, solche Sachen rechnet man hier aus und Prozeduren, die man Zuhause nebenbei erledigt, erfahren hier große Langsamkeit.

Bevor es nach Kalmar geht, machen wir noch einen kleinen Abstecher nach Öland. Gotland ist leider gestrichen. Es klingt paradox, aber wir haben dafür keine Zeit.

Ebbe in der Vorratskiste? Ist mein Hundefutter etwa leer?

Kanal, Schleusentreppe und mehr See

Schlagartig wurde es wieder labbigerecht. Die Häuser verwandelten sich in Bäume, die Luft wurde reiner, die Geräusche natürlicher und das Tempo wandelte sich von Großstadt-Rasen in Gemütlichkeit. Von einer Sekunde auf die andere wurden wir ruhig und es ging in Richtung Trollhätte-Kanal.

Den ersten Tag bis nach Akersvass begleitete uns strahlender Sonnenschein. Wir genossen jede Minute und ich blieb den ganzen Tag draußen; zwischendurch wurde es richtig heiß. Akersvass ist ein mitten im Grünen liegender Ankerplatz. Unterhalb der alten Schleusentreppe in parkartiger Umgebung wollten wir grillen. Leider richtete sich das Wetter nach dem Bericht und pünktlich um 19 Uhr krachte ein urgewaltiges Gewitter vom Himmel, das uns alle zusammenzucken ließ. Die Umgebung passte sich an und es wurde richtig nebelig, ein verwunschener Märchenwald entstand. Gegrillt wurde trotzdem.

Nach so einem geruhsamen Abend war die Schleusentreppe am nächsten Morgen kein Problem. Das bereits seit vielen Jahren eingespielte Team kam zum Vorschein und wir schleusten die vier Schleusen souverän in 1,5 Stunden durch. Sie waren ein wenig umständlich zu handhaben, da wir die Leinen mangels passender Poller jedes mal um die Treppensprossen legen mussten. Das Zahlen der TrollhätteKanal-Gebühren hätten wir uns allerdings sparen können, die sind nämlich in den Gebühren für den Göta-Kanal inbegriffen, aber das sollten wir erst später bemerken. Unser Ziel sollte Vänersborg werden und wurde es auch. Daran änderten auch die zwei ausstehenden Brücken und die von der Kapitänin unterschlagene 5. Schleuse nichts.

Vänersborg ist der Einstieg in den Vänern, dem größten See der Schweden. Zum Vergleich: Er ist 11 x größer als der Bodensee. Man hat eher das Gefühl auf dem Meer unterwegs zu sein. Auf Anraten eines Schifferkollegen steuerten wir Läckö an und das war kein Fehler.

Wenn ich malen könnte, so wäre Läcko genau der Ort, der auf meinem Zeichenblock entstehen würde. Das barocke Schloss ist natürlich der Blickfang, aber drumherum ist ein Paradies zu finden, das ganz im Sinne der Natur erhalten wird. Schafe mähen den Rasen, das Hotel- und Restaurantgebäude ist mit unbehandeltem Holz verkleidet, ab Juni werden Führungen auf dem Naturlehrpfad angeboten, Wanderwege schlängeln sich durch das gesamte Gebiet und die Duschen liegen romantisch mitten im Wald. Ich wäre gerne noch länger geblieben, aber die Katze kam pünktlich zurück und deswegen gab es keinen Grund am Montagmorgen nicht abzulegen.

In Mariestad lagen wir unterhalb des Doms und die Marina, direkt am Städtchen, zeigte sich in mediterranem Kleid, was sicherlich an der angeknipsten Sonne lag. Das genossen wir in vollen Zügen.

Hier fand ich auch eine tolle Spielkameradin

Bis nach Sjötorp, unserer letzten Station am Vänern, war es lediglich eine Etappe von ca. 20 km. Deswegen wurde die Überfahrt dem Angeln gewidmet. Wir dümpelten mit 5 km/h dorthin, wenn man da nicht entschleunigt, weiß ich auch nicht. Von Erfolg gekrönt war das Ganze leider nicht. Obwohl es in dem See von Fischen nur so wimmeln soll, hat sich keiner an unsere Haken verirrt.

Eine abwechslungsreiche Woche liegt hinter uns. Langeweile kommt nicht auf, weil sich permanent das Terrain ändert. Im Kanal kann man sich kaum an der Umgebung satt sehen, draußen auf dem Meer fühlt man sich ein wenig wie Vasco da Gama und die Schleusenarbeit gibt einem das Gefühl am Ende des Tages etwas geleistet zu haben. Das ist als kleine Fingerübung ganz gut, denn es erwarten uns im nächsten Abschnitt 58 Schleusen auf 190 km. Der Labbi und seine Crew sind gerüstet.

Chillout-Lounge Schwedens

Ich will ja nicht behaupten, dass wir den westlichen Schärengarten in- und auswendig kennengelernt haben, dazu ist er viel zu reichhaltig und vielfältig bestückt. Aber in der letzten Woche ist es uns gelungen, einen nachhaltigen Eindruck von der schwedischen Schärenwelt auf der Westseite des Landes zu gewinnen.

Ich bin nicht im Ansatz ein esoterisch angehauchter Labbi. Ich gebe Laute wie „Wuff“ und nicht „Ooommm“ von mir, aber ich muss schon sagen, die Orte, die wir in der letzten Woche kennengelernt haben, haben mich in einen extrem gechillten Flow versetzt. Wenn an Bord Aufregung entsteht, lupfe ich nur noch müde das Augenlid.

Ein ganzes Wochenende haben wir uns im Naturhafen Hjälton samt Wald, Felsen, Badebuchten wie Robinson Crusoe gefühlt. Das war genau meine Welt. Ich kam fast um vor lauter unbekannten Gerüchen und durfte die ganze Zeit frei laufen. Zu Beginn war ich ja ein wenig skeptisch gewesen, wie ich ohne Steg an Land kommen soll. Aber auf das Rudel ist Verlass. Vor Ort gibt es häufig eine wunderbare Vorrichtungen – ich denke für Labbis und sonstige Hunde. Da kann man mit den Vorderleinen an Metallösen, die am Felsen angebracht sind, festmachen. Hinten muss man dann nur noch den Anker schmeißen und schon liegt man bombenfest. Das Ankermanöver, dass ich zeitlich in etwa auf den halben Nachmittag eingeschätzt hatte, verlief erstaunlich schnell, und ohne große Komplikationen lagen wir gegen jeden Wind geschützt in der Bucht. Direkt ging das Abenteuer los und wir durchstreiften alle Vier das neue Revier. Wie in dieser Familie so üblich wurden auf der Stelle große Pläne geschmiedet und (Gott sei Dank nur theoretisch) Arbeitspläne aufgestellt: Wie man wohl auf diesem Fleckchen Erde als Selbstversorger überleben könne, lautete die Frage. Ein gewisses Starterpaket dürfte geordert werden (Baumaterial, Werkzeug, Hühner und Lebensmittel für die erste Zeit), aber nach ein paar Monaten müsse man ohne Anbindung an die Außenwelt klar kommen. Mit halbem Ohr bekam ich mit, dass mein Beitrag darin bestehen würde, die Enten zu jagen, falls die im Starterpaket enthalten wären. Falls nicht müsste ich auf Hasen umsteigen. Na ja, mir egal, war zum Glück nicht ganz ernst gemeint, jedenfalls kam am Abend das gekaufte Grillgut auf den Rost. Und den Rest des Wochenendes ging auch keiner mit mir auf die Jagd, wonach auch immer.

Am Montag hieß es Abschied nehmen. Da sich die ganze Woche wettermäßig eher zum Nachteil entwickeln würde (Donnerstag kündigte sich ein 7+ Wind an) beschlossen wir im inneren Teil des Gartens zu bleiben und haben das nicht bereut. Warum sollen wir auch außen fahren? Ich finde dann kann ich nur Wasser sehen und schnuppern. Punkt! Im inneren Teil hingegen muss man beim Fahren zwar sehr aufpassen, aber es gibt wunderbare Landschaften zu verfolgen, allein stehende Häuschen mitten auf hohen Felsen zu bewundern oder idyllische Buchten zu bestaunen.

So landeten wir schließlich in Gullholmen. Zwar wäre mein Rudel fast dran vorbei gefahren, weil sie sich so in die Landschaft verguckt und dabei kurzfristig den Überblick verloren hatten, aber letztendlich lagen wir fest vertäut vor dem einzigen, natürlich geschlossenen Restaurant des Städchens. Anfang der Woche in der Vorsaison in den schwedischen Schären unterwegs zu sein, heißt oft auf verriegelte Türen zu stoßen. Etwas diskriminierend, findet Frauchen die Tatsache, dass die Marinas mitnichten auf Frauen zu dieser Jahreszeit vorbereitet sind. Ist die Dusche schon mal geöffnet, bleibt das Wasser eiskalt oder sie ist gar nicht erst beheizt. Es hüpfen hier zwar nicht viele Frauen rum, aber die wenigen wollen auch sauber durch die Schären tingeln. (Zum besseren Verständnis: man versucht natürlich die vorhandenen Duschen in den Marinas zu nutzen. Das schont die eigenen Tanks).

Wir wurden beim Erobern dieses wunderbar pittoresken Ortes sofort von solch banalen Gedanken abgelenkt. Wanderten wir erst durch ein zauberhaftes Naturschutzgebiet, das einem die Seele öffnet, stromerten wir am Nachmittag durch das Häuserviertel und kamen aus dem Staunen kaum heraus. Bebauungspläne können die hier nicht haben, Zäune kennen sie auch nicht. Die Häuschen sind wie mit dem Würfelbecher ausgeschüttet und stehen in friedlicher Eintracht unüberbrückbar nebeneinander. Einem Teil kann man ansehen, dass sie offenbar eher im Sommer oder an den Wochenenden genutzt werden. Die Gedankenspiele kamen erneut ins Trudeln und mein Rudel überlegte, wie sie wohl leben würden, wenn das Geburtenroulette sie auf diesem Fleckchen Erde ausgespuckt hätte? Wie würden sie leben? Was würden sie arbeiten? Hätten sie mich in Haibach überhaupt gefunden?

Mittwoch musste dann mal Diesel getankt werden. Das ging am besten in Henan. Eine wie aus dem Ei gepellte Marina kam zum Vorschein, hatte alles was das Herz begehrte (außer geöffnete Damenduschen).

Es ist schon witzig zu beobachten: Jetzt wo wir so lange (zwei Monate sind es jetzt!) unterwegs sind, schafft sich ein neues Phänomen hervor: Sobald man angelegt hat und alle wichtigen Funktionen laufen, macht man sich die Umgebung häuslich. Ich erschnuppere mir die Welt, meine mitreisenden Menschen erlaufen oder ergoogeln sich alles was die nächsten 15 Kilometer so zu bieten haben. Jedenfalls fühlen wir uns spätestens am Nachmittag so heimisch, als hätten wir nie woanders gelebt.

Dazu gehört, dass der Junior die Supermarktlage checkt, Herrchen die angrenzenden Bäckereien stürmt, Frauchen die Aktionsmöglickkeiten von Minigolf bis Museum (alles aber noch zu) abscannt, die Katze die Nacht-Jagd-Gebiete ausbaldowert und ich nach den Feld- und Waldwegen schiele.

Langsam geht es in die Planung für die Fahrt nach Göteborg, die wir weiterhin im Inneren vornehmen müssen. Unser nächster Schlag ging also nach Stenungssund. Dort würden wir auch den Vatertag verbringen müssen, weil der wettermäßig ganz übel werden würde. Bei Ankunft stellten wir fest, dass wir direkt vor einem ausreichend bestückten Shopping-Center liegen würden. Nicht sehr hübsch, aber an einem Regentag außerordentlich nützlich.

Alles in allem liegt also eine komplett entspannte Woche hinter uns. Gerne hätten wir mehr Naturhäfen besucht, aber da hat das Wetter nicht unbedingt mitgespielt. Das ist nicht weiter schlimm, denn wir haben ja noch den Schärengarten vor Stockholm im Progrramm und dann ist auch in Schweden Sommer. Die einzelnen Schärenorte jedenfalls haben uns verzaubert und wir können jetzt in den Chor aller Fans miteinstimmen. Das Alles in der Vorsaison zu erleben, gibt dieser Reise einen besonderen Touch. Man kommt nicht drumherum, den Ruhepol in sich zu entdecken.

Ich lerne gerade steuerbord und backbord

Das dachte sich auch die Katz. Zuviel Müßiggang macht träge und blieb die Nacht von Mittwoch auf Donnerstag gleich mal weg. Gut, wir hatten ja den Tracker, dachten wir. Der zeigte auch direkt, in welchem Gebiet sie unterwegs war. Letztendlich geholfen hat er leider nicht. Diverse Male während des Suchens hätte Findus höchstens drei Meter neben uns stehen müssen, gesehen haben wir ihn nicht. Um 14 Uhr war der Akku alle und die Stimmung fiel auf dem Barometer schon Richtung „gedrückt“ Wir hofften zum zweiten Male auf die Nacht und seine Zuneigung zu uns, die er im Alltag bestens unter Verschluss hält. Und in der Tat sprang er kurz vor Mitternacht wie selbstverständlich durch die Klappe und verstand die Aufregung, die ihm entgegengebracht wurde gar nicht. Er wollte seinen Dosenöffner in Aktion sehen und gut is.

Die Crew ist komplett, so kann es nach Göteborg gehen. Mal schauen, ob wir City noch können. Schaut wieder vorbei. Ich freue mich.

Maststellung in Frederiksvaerk

Auf dieses Fleckchen Erde waren wir gespannt, mein Rudel und ich, denn hier sollte Großes geschehen. Da war es auch nicht weiter schlimm, dass der Hafen in den Törnführern nicht all zu nett beschrieben wird. Grund hierfür, und das bestätigte uns auch der Vorbesitzer der DIALIMA, Hr. Jensen, auf den wir trafen, war das alte Stahlwerk. In der Tat war das kein recht schöner Anblick, aber anstatt nach links kann man ja auch nach rechts schauen und dann blickt man in einen traumhaft idyllischen Fjord, mit einer wirklich ansehenswerten und sehr aufgeräumten Marina. Von dem dahinter liegenden Ort bekamen nur der Kapitän samt Junior etwas mit, anlässlich der Besorgungen, die sie zu erledigen hatten.

Die Tage hätten wettertechnisch nicht unterschiedlicher sein können. Gab es am ersten Tag den Mischmasch, den wir die ganze Zeit schon erleben, wurde es am zweiten Tag so frühlingshaft, dass wir uns alle (inkl. mir, weil ich die Nase unbedingt in die Sonne strecken wollte) das Gesicht ein wenig verbrannten. Die Abreibung dafür gab es am dritten Tag, pures Aprilwetter ohne Sonne, jedoch mit einer kräftigen Portion Novemberflair. Aber darum ging es in diesem Tagen nicht.

Der Rigger, der, der die Masten, Takelage und Segelaufzieht, war für Donnerstag bestellt und vorher musste fast das gesamte Material noch intensiv gesäubert und poliert werden. Auch der Umzug unseres Glomex (Internet) an den ca. 10 m hohen Mast war besser heute, als morgen in luftiger Höhe zu erledigen. Alle Zweibeiner ließen die Finger rund gehen und ich trug die gesamte Verantwortung.

Zur Belohnung gab es ein Eis oder einen Burger oder beides, ich jedenfalls bekam den Großteil der Pommes.

Donnerstag ging es in der Tat hoch her und ich hätte nicht gedacht, dass am Ende des Tages aus dem Chaos aller Drahtseile und Leinen die komplette Maststellung erfolgen würde. Aber der Rigger schien zu wissen, was er tat, auch wenn ich zwischendurch desöfteren ein „I guess“, „I‘m not sure“ and „May be“ mitanhören musste. Selbstverständlich packten alle mit an. Auch der Voreigner, mit seinen fast 80 Jahren, wieselte wie nichts zwischen Steg und Boot hin und her. Am Abend waren alle so platt, dass es nur noch für ein wenig Serie gucken reichte, dann waren wir in unseren Kojen verschwunden.

Leider drückte uns ein wenig, die Tatsache, dass der Glomex in derart luftiger Höhe nicht arbeiten wollte. Offenbar wurde er nicht ausreichend mit Strom versorgt.

Deswegen standen wir am „Langen Freitag“ (Feiertag in Dänemark, an dem die Dänen nach Deutschland zum Shoppen fahren) früh auf, besorgten ein dickeres Elektrokabel und eine neue Haltevorrichtung für unser sensitives Internet-Ei und Noah wurde an eine echte Mutprobe herangeführt: Denn einer musste nach oben, um den Glomex wieder abzumontieren. Wir hatten ausbaldowert, dass uns die ursprüngliche Höhe des gefühlt rohen Plastik-Eis in der Nutzung durchaus zufriedengestellt hatte und dass es eher hinderlich war, den SIM-Kartenhalter so weit oben zu befestigen. 

In der Tat waren wir alle Vier sehr aufgeregt, als wir das Schiff erneut an den Schiffskran umlegten, damit der Junior sicher hochgezogen werden konnte. Dafür nutzten wir einen entsprechenden Schnürsitz, in den Noah verschalt wurde, um nach oben gezogen werden zu können. Frauchen war so konzentriert mit Sichern beschäftigt, dass sie zugunsten der Unversehrtheit des eigenen Kindes an dieser Stelle auf eine bildliche Dokumentation verzichtet hat. Am Ende stand der wirklich cool, aber auch verantwortungsbewusst agierende Spross mitsamt Glomex wieder auf sicherem Terrain und alle waren doch ein bisschen schwer erleichtert.

Hr. Jensen tauchte auch an diesem Tag wieder auf und ließ es sich nicht nehmen, uns darin zu unterstützen, alle Segel aufzuhissen, um sie dann wieder gut zu verpacken, damit wir auf unserer weiteren Reise darauf zurückgreifen können. Alleine hätten wir das nie geschafft. Selbst Hr. Jensen musste ein paar Mal intensiv nachdenken, wie alles nun wirklich zusammen gehör (Video)

Dafür bekommen sie von mir auch alle Mann ein dickes Lob, denn unter wirklich üblen Wetterbedingungen haben sie schwer und mit nur einer Teepause geschuftet und das Boot für den nächsten Reisetag gesichert, während ich die meiste Zeit im Körbchen schlummern durfte. Ganz süß: Hr. Jensen hatte uns zusammen nach Helsingör mit seiner Frau zum Essen einladen wollen, aber wir müssen leider weiter: ein neues Land ruft nach uns. Morgen geht es nach Schweden 🇸🇪 

Dänemark und deren Landsleute sind wirklich eine Reise wert. Wir finden sie super sympathisch, sehr hilfsbereit und immer freundlich. Nur über die Schweden lästern sie ein bisschen, aber das kennen wir zwischen den Mainzern und Wiesbadenern ja auch. 

Egal, ich freu mich jedenfalls auf die westlichen Schären, obwohl ich noch gar nicht so genau weiß, was das ist. Ob es sich futtern lässt?

Fangfrische Forellen und mehr in Gilleleje

Letzten Freitag sind wir schon ein wenig schweren Herzens und extrem früh von Kopenhagen, dieser tollen Stadt gestartet. Mit ca 60 km hatten wir uns Einiges vorgenommen. Das Wetter schien ruhig, die Wellen niedrig. Dennoch wurden wir auch auf dieser Etappe vor eine Herausforderung gestellt: Ungefragt tauchte plötzlich direkt vor uns eine riesige graue Küchensuppe auf. Frauchen wäre natürlich am liebsten in den nächsten Hafen eingelaufen. Mittlerweile hat sie aber schon begriffen, dass das nicht die Form von Abenteuer ist, die beim männlichen Teil der Mannschaft vorherrscht. Außerdem war sie leider nicht Captain an diesem Tag.

An dieser Stelle ist ein Loblied auf die Technik anzubringen. Mithilfe des Plotters (Navi für Schiffe) konnten wir genau sehen wie wir fahren. Und dann die Apps, ohne die wir gar nicht mehr ablegen wollen. Mit „Windy“ können wir genau das Seewetter checken. Deswegen konnten wir auch gleich sehen, dass wir „nur“ eine gute Stunde in dem Nebel würden ausharren müssen. Und mit „Schiffsradar“ (im übrigen alles keine Werbung und bezahlte schon mal gar nicht) können wir sehen, wer sich in unserem direkten Umfeld so rumtreibt, egal ob Cargoschiff oder kleines Fischerboot. So wurschtelten wir uns durch und abgesehen von zwei verknuddelten Angelleinen gestaltete sich die Überfahrt ruhig und schon gegen halb 2 zurrten wir die Leinen in Gilleleje fest. Beeindruckend auf diesem Weg die Meerenge zwischen Helsingör (DK) und Helsingborg (S). Die beiden kreuzenden Fähren ließen wir großzügig durch.

Von dem Bade- und Fischerort Gilleleje waren wir restlos begeistert und von der plötzlichen Lebendigkeit einer dänischen Marina schwerstens entzückt. Gleich zu Beginn hatten wir einen beeindruckenden Kontakt mit der Werft. Routinehalber war der Impeller auszutauschen. Noch in Deutschland hatten wir uns die Finger wund telefoniert und keinen Termin bekommen. Hier kam der Mechaniker gleich mit und tauschte das gute Stück aus. Der Außenborder war leider nur komplett zu ersetzen, die Pleuelstange war hin. Aber auch hier wurden wir gut beraten und würden den Neuen schon am Montag bekommen.

So stellten wir uns auf ein nettes Wochenende ein und wurden nicht enttäuscht. Zwar immer noch frisch, aber komplett sonnig, pilgerten wir die Strände entlang, ergötzten uns an den schönen Häuschen der immerhin 6.000 Einwohner und erkundeten das Städtchen. Und am Samstagmorgen wurde es voll, ein richtig kleiner Erholungsort der Dänen. Viele Kopenhagener fahren hier gerne im Sommer und an Wochenenden hin. Wir bekamen die zweite Regatta der Saison mit und ließen uns auf das Frühlingstreiben ein. Nun standen wir auf der anderen Seite was die Bekleidungsmodalitäten anbelangt. Anders, als wir es im Süden erleben, wanderten wir nun eingemummelt mit Mütze und Schal durch die Gassen, während die Dänen in kurzen Hosen und Flipflops über die Promenade wandelten. Ganz besonders freuten wir uns auf den frischen Fisch, den es direkt im Hafen zu kaufen gab und den wir uns noch am gleichen Abend lecker zubereitet haben.

Auch am Sonntag schien halb Gilleleje auf den Beinen. Die Geschäfte und Cafés waren geöffnet. Allerdings überstürzt sich das dänische Bewirtungspersonal nicht, wenn man eine Lokalität betritt, sondern legt eher eine nordische Gelassenheit an den Tag. Sie haben definitiv keine Angst, dass man als Gast wieder geht, wenn man nicht auf seine Wünsche angesprochen wird. Auch waren wir stets wieder früh auf dem Schiff, wenn wir essen gingen; das Abendgeschäft ist hier spätestens um 21 Uhr Geschichte und die Läden dicht. Frauchen wurde anlässlich des auch in Dänemark stattfindenden Muttertags am Abend zum Essen eingeladen. Sie hatten den Tisch für 19 Uhr reserviert, waren damit die letzten Gäste die eintrudelten und bei Frauchens Esstempo natürlich die letzten Gäste, die das Restaurant verließen.

Am Montag wurde dann wieder „gearbeitet“. Der Außenborder wurde abgeholt und angebracht und der vormalige Eigentümer kam und besprach mit uns die Maststellung am Donnerstag in Frederiksvaerk durch. Am Ende kontrollierten wir noch, ob wir dafür auch alles dabei und vorrätig hatten und plauschten ein wenig mit Hr. Jensen über das nun uns gehörende Schiff und seinen Erlebnissen damit.

Nach all der Action an der frischen Luft habe auch ich mich wieder an den Schreibtisch gesetzt und wüst über die passenden Formulierungen für diesen Blog nachgedacht.

ältestenBeiträge

Copyright © 2019 Labbi goes europe – Blog

Theme von Anders Norén↑ ↑

Durch die weitere Nutzung der Seite stimmst du der Verwendung von Cookies zu. Weitere Informationen

Die Cookie-Einstellungen auf dieser Website sind auf "Cookies zulassen" eingestellt, um das beste Surferlebnis zu ermöglichen. Wenn du diese Website ohne Änderung der Cookie-Einstellungen verwendest oder auf "Akzeptieren" klickst, erklärst du sich damit einverstanden.

Schließen