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Lörzweiler liegt kurz vor Lyon

Wüsste ich es nicht besser, so könnte ich glatt auf die Idee kommen, dass mich die beiden manchmal ein bisschen ärgern wollen. Den größten Stress, dem man mich aussetzen kann, ist, wenn ich mich zwischen den beiden entscheiden muss. Das war zu Hause schon heftig, aber jetzt auf Reisen, kann ich es gar nicht leiden, wenn der eine nach rechts und der andere nach links von dannen zieht. Ein typisches Szenario dieser Art findet kurz nach dem Anlegen statt. Während Herrchen uns in der Captainerie anmeldet, nimmt mich Frauchen an die Leine und will mit mir in einer komplett fremden Umgebung einfach weggehen, so als wollten wir ausbüxen. Sie erwartet dann von mir, dass ich so ganz einfach meine Geschäfte verrichte. Ich soll meine Muskulatur locker lassen, mich entspannen und einen Haufen abseilen. Dabei weiß ich überhaupt nicht, in welcher Gefahr sich der Rest des Rudels eventuell gerade befindet und ob nicht unter Umständen mein Eingreifen gefordert ist. 

Denen meine Not beizubringen ist echt mühsam, aber so langsam haben es die beiden kapiert. Wir machen das kleine Geschäft nun direkt nach dem Aussteigen in Rufnähe des Hafenbüros und die große Runde findet am späteren Nachmittag statt: zu Dritt selbstverständlich! Das schont meine Nerven und damit die meines Rudels gleich mit. Die finden es nämlich ebenfalls nicht lustig, wenn ich plötzlich bocke und mich wie ein Esel keinen Millimeter mehr von der Stelle rühre.

Die Saône, ihre tollen Plätze und liebster Besuch

Nachdem wir also den Junior wieder in die Heimat entlassen hatten, schafften wir uns weiter auf dem schönen französischen Flüsschen in Richtung Lyon, unserem nächsten Etappenziel. Was gleich auffiel, waren die reichlich traumhaften Liegeplätze. Wir konnten immer zwischen sehr privaten Plätzen mitten in der Natur oder mittelgroßen Städten wählen, die alles zur Verfügung haben, was ein Bootsfahrerherz so begehrt. Auf dem Naturplatz schmissen wir den Grill an und wanderten durch das satte Grün. In Auxonne tummelten wir durch die Stadt, wuschen mal wieder Wäsche und füllten die Vorräte auf. 

Als Nächstes sollte es nach Crêches sur Saône gehen. Unsere Freunde Angela und Thomas befanden sich auf dem Rückweg von ihrem französischen Urlaubsort. Was lange gewünscht und geplant worden war, sollte Ende der Woche Wirklichkeit werden, denn wir würden beide diesen kleinen Ort an der Saône erreichen – und das zum selben Zeitpunkt! Für die beiden passte es sogar prima als Zwischenstation für eine Nacht und so wurde alles getan, mich und das Boot in bestem Glanz erscheinen zu lassen. Zeitweise stieg ich aus dem Boot aus, um mir von außen zu betrachten, dass alles auf den ersten Blick wunderprächtig aussehen würde. Auch plötzliche Unwägbarkeiten wie eine wie aus dem Nichts auftauchende Schnakeninvasion konnten meine beiden Menschen nicht stoppen. Herrchen tauchte in die Tiefe des Unterschiffs ab und fand noch zwei Fliegennetze, die er nach eingehender Berechnung auf sieben Stück Blatt Papier maßstabsgetreu auf der Terrasse des Schiffs anbrachte. Frauchen sorgte für adäquates Befestigungsmaterial und packte ihre Wäscheklammern aus. So wird hier an Bord Großes geleistet. 

Bei Ankunft der beiden durfte ich lernen, dass dieser Ort offenbar gar nicht so weit von unserer Heimat entfernt liegt, denn sie kamen locker angeradelt, wie ich das von zu Hause kenne. Auch sie schienen keinen Honig bekommen zu haben, denn sie brachten zwei fantastische Flaschen Rosé und zwei leckere Melonen mit. Es wurde ein fröhlicher Abend, an dem mal draußen, mal drinnen gesessen, viel gelacht und gegessen wurde. Selbstverständlich zeigte ich mich von meiner Schokoladenseite und trug viel dazu bei, dass sich die beiden bei uns ziemlich wohlfühlen konnten. Ich verbiss es mir schweren Herzens, ihnen das Essen von der Gabel zu schauen und machte sie auch mit meiner Pfote nicht darauf aufmerksam, dass ein Teil der Portion eigentlich für mich bestimmt ist. Gut, Herrchen sorgte stets für volle Gläser. Das hat bestimmt auch geholfen, denn schließlich hatten sich die Vier eine Menge zu erzählen. Jedenfalls war es schon sehr dunkel als die beiden schließlich wieder mit den Rädern nach Hause in die Nähe von Mommenheim fuhren. Ich habe schon mal nachgehört, dort sind sie und ihre Räder gut angekommen. Es war ein wunderschöner Abend und sie dürfen gerne jederzeit wiederkommen. 

Lyon ist immer eine Reise wert

Unser zweites Highlight befand sich 70 km die Saône abwärts. Diverse Male waren wir bereits an dieser Stadt vorbeigekommen. Immer dann wenn wir unsere Freunde Anne und Wolfgang an der Ardeche besucht haben. Einen genauen Blick haben wir nie auf dieses Fleckchen Erde geworfen, weil wir eben nur auf der Durchreise waren und zielstrebig dran vorbei fuhren. Schließlich wartete der kalte Sekt in Boussenac auf uns. 

Woran ich merke, dass wir mal wieder in einer Großstadt unterwegs sind? Ich habe das Schiff tagsüber ziemlich für mich alleine. Das gefällt mir den ersten Tag recht gut. Ich kann endlich mal so vor mich hindösen, ohne dass mich jemand anspricht. Auch werde ich nicht von Essensdüften, die aus der Kombüse aufsteigen in meinen Träumen abgelenkt. Kommen die beiden dann zurück, haben sie stets was Nettes für mich im Gepäck. Im Anschluss gibt es dann einen besonders dicken Spaziergang und eine unendliche Krauleeinheit. 

Für diese Stadt  haben sie sich Räder ausgeliehen und ich hatte die kurzfristige Befürchtung, sie würden damit wie unsere Freunde nach Hause radeln. Weit war es ja nicht. Aber das war natürlich nicht der Fall. Das Zentrum befand sich etwa 3 km vom Hafen entfernt. So würden sie schneller wieder bei mir sein und sich ihr üppiges Essen, was es in dieser Stadt zuhauf gibt, gleich abtrainieren können. Das Ausleihen ist so wunderbar einfach organisiert, dass sogar ich das hinbekommen würde. Die Diskussionen der beiden habe ich beim Weggehen mit einem halben Ohr noch mitbekommen: Herrchen hätte lieber die Bahn genommen, aber Frauchen wollte unbedingt aufs Rad. Herrchen traute dem System nicht, dabei war das eine ganz dolle Sache: Man kauft sich einen Tagespass für 4 € pro Person. Dann kann man sich Räder so oft und überall in der Stadt ausleihen, wie man es braucht. Das klappt total easy und die Stationen finden sich wirklich überall. 

Den ersten Tag verbrachten sie in Vieux Lyon, also in der Altstadt. Dabei stromerten sie durch die vielen verwinkelten Gassen und Höfe, gingen in ein Café, in dem man sein eigenes Croissant aus der Bäckerei mitbringen durfte. So frühstücken die Franzosen oft. Gestärkt bestiegen sie den Berg zur Basilika der Notre-Dame im Fourvière und konnten einen atemberaubenden Blick auf die großartige Stadtinsel werfen, die von Saône und Rhone umarmt wird. 

Am zweiten Tag verschlug es sie, mit einem neuen Tagespass ausgestattet, in das Viertel Bellecour. Das ist eher der moderne Teil und gilt als die Shoppingmeile der Stadt. Viel haben die beiden aber nicht gebraucht: die Postkarten für Oma und Opa, das Musst-have Kettchen für Frauchen und Lavendel, falls die Schnaken den Weg von Crêche in die Stadt finden. 

Damit sie auch von ein bisschen Bildung erzählen können, gingen sie vor dem Mittagessen noch in ein tolles Museum. Das Musée de l’Illusion präsentiert spannende Phänomene, die das Auge und die eigene Wahrnehmung gelungen hinters Licht führen. Zwischen Hologrammen, Kaleidoskopen, visuellen Rätseln, Zerrspiegeln, Illusionsspielen  und anderen multidimensionalen Räumen kann man leicht die eigene Orientierung verlieren. Aber man verbringt dort eine unglaubliche Zeit, in der optische Täuschungen die Hauptrolle spielen! Eigentlich hätten sie dort noch eine ganze Weile bleiben können. Aber es gibt ja schließlich noch mich. Außerdem wollten sie dort noch ein leckeres Mittagessen einnehmen. Bildung hin oder her. Es muss sehr lecker gewesen sein. Jedenfalls zeigte das das kleine Stückchen, das ich kosten durfte. 

Morgen geht es also weiter. Dann fahren wir in die Rhone ein und ich habe es in der Nase: Da steht wieder etwas auf dem Plan. Bis dahin muss ich mich erstmal auf meinem neuen Überwurf von der Großstadt erholen.

Unsere Crew ist wieder komplett

Der Junior fährt heimlich hinter uns her. Irgendwie jedenfalls. So muss es sein. Anscheinend ist er für die adäquate Versorgung an Bord verantwortlich. Und das ist im Nordosten Frankreichs (Grand Est) bitter nötig. Denn hier ist es an vielen Stellen sehr leer und ich musste die letzten Tage bereits feststellen, dass selbst die süße kleine Bäckerei in Pfotennähe keine Selbstverständlichkeit ist. 

Viele Dörfchen, in die wir fahren, wirken wie ausgestorben. Die Straßen sind leer, die meisten Ladengeschäfte auch, von Restaurants ganz zu schweigen. Gut, zum Damenfriseur könnte ich in jederzeit und überall gehen. Das scheint wichtig zu sein. Aber einige dieser kleinen Landstriche machen doch einen sehr verlassenen Eindruck und ich denke mir, dass viele von dort weggehen. Viele Wohnhäuser sehen jedenfalls sehr einsam aus.

Das hat der Junior bestimmt gerochen. Denn am Abend des letzten Mittwochs tauchte er wie aus dem Nichts auf. Ich hätte eigentlich selbst drauf kommen können. Alles wurde von meinen Zweibeinern hübsch gemacht und aufgeräumt. Das Wetter wurde auf Sommer geknipst und schon war er da. Offenbar wurde das auch höchste Zeit, denn er hatte ein fast vollgeladenes Auto und für jeden was dabei.

Der Flohmarkt in Fontenoy-le-Chateau hatte es nicht so wirklich gebracht. Frauchen wollte ja Vieles, was auf dem Boot an Accessoires fehlt, unterwegs erstehen, damit sie  immer an das Reisen erinnert wird. Aber dieser Markt war kein typisch französischer, sondern eher eine Keller-Ausmist-Aktion. Also Sperrmüll auf dem Dorfplatz.

Frauchen hatte nebenbei mit ganz anderen Problemen zu kämpfen und kein wirkliches Auge für die einzelnen Stände. Sie versteifte sich an diesem Tag lieber darauf, ihre EC-Karte zu verlieren, sie dann sperren zu müssen, nur um sie am Ende wiederzufinden. Nicht jeder Landgang ist hier die Entspannung pur. Für ein bisschen frisches Gemüse und das obligatorische Schmuckstück hat es dann doch noch gereicht. Auch für das Essen musste an diesem Tag nicht gesorgt werden. Es gab einen Stand mit Steak-Sandwich und einer guten Flasche Wein. Für die Menschen! Ich wurde mit ein paar billigen Pommes abgespeist. 

Apropos Essen

Dachte ich in Metz noch, meine Existenz sei gesichert, wurde es in diesem Teil des Landes mit der Jagdbeute meiner Leute zunehmend dürftig. Das geht allen Bootskollegen so, die wir jeden Abend wunderbarerweise am neuen Anlegeort wiederfinden. Kurz nach dem Aussteigen und Strom legen (falls es überhaupt welchen gibt) wird Kontakt mit dem Rest der Meute aufgenommen und die allgemeine Restaurant,- Bäcker- oder Supermarktlage besprochen. Dienstag sind wir zum Beispiel extra nicht ganz so weit gefahren, weil es in Selles ein leckeres Restaurant geben sollte. Kaum, dass wir angelegt hatten, stellte sich die Lokalität, die in Reichweite der Liegestelle lag, entgegen gewisser Informationen aus dem Internet als zuverlässig verrammelt heraus. Und man darf sich an dieser nicht vorstellen, dass es weitere Alternativen zu begutachten gegeben hätte.

Wir trafen auf ein weiteres Paar aus der Schweiz, die diese Gegend seit vielen Jahren befahren und richtig ein bisschen überdrüssig geworden sind, weil es kaum etwas gibt. Von kulturellen Reizen wollen wir an dieser Stelle noch überhaupt nicht sprechen.

Auch meine Leute kennen das Problem. Schließlich sind sie die Tour vor neun Jahren schon mal gefahren und dabei fast verhungert. Was bin ich froh, dass ich erst später in diese Familie gekommen bin. Natürlich hatten sie sich auf die Diaspora vorbereitet, aber schließlich will man in Frankreich nicht aus der Dose leben, wenn zu einem guten Anlegemanöver ein leckeres Gericht und ein Gläschen Rosé gehört. 

Gut also, wenn man einen Junior hat, der einen ein bisschen mitversorgt. So bekam Herrchen eine Kiste alkoholfreies Bier, das es hier kaum gibt, Frauchen ihr gutes Olivenöl aus der Heimat und ich ein paar zärtliche Krauler hinter die Ohren. 

Und nur um auf Nummer sicher zu gehen und weil das Auto nun mal gerade vor der Tür stand, fuhren sie in den nächstgelegenen Supermarkt, um sich für die nächsten Tage zu versorgen. Was ich da so alles in den Kühlschrank wandern sah, machte mir durchaus Mut. 

Die Saône 

Der Sohnemann ist aber auch ein Kluger. Er stieß in Corre zu uns. Das ist die Endstation des Canal-des-Vosges und ab hier sollte die Lage besser werden. Zur Feier des Tages hatten wir uns für die schönere Marina entschieden. Die sollte auf jeden Fall ein Restaurant haben. An der letzten Schleuse, von übrigens über 90, die wir mittlerweile bewältigt hatten, gaben wir unsere Schleusenfernbedienung wieder ab, indem wir sie in einen Kasten warfen. Ab jetzt würden uns Bämbel begleiten. So nennen wir die dicken Schläuche die von einer Leitung herunterhängen und gedreht werden müssen. 

Ein kleiner Anlass, an dem man die Diskussionsfreudigkeit meines Rudels ablesen kann.  Hier wird nicht einfach zur Kenntnis genommen, dass man rechts drehen muss. Die Frage was rechtsherum in diesem Zusammenhang nun wirklich bedeutet und wie das Prozedere richtig zu verstehen sei, wurde den halben Vormittag ausgiebig debattiert und geprüft.  Und man soll es nicht glauben, jeder hat dazu eine eigene Vorstellung. Häufig höre ich nur mit einem halben Ohr zu, während ich so vor mich hin döse. So lange der Laden insgesamt läuft, besteht meinerseits kein Bedarf, um einzugreifen. Und der Laden lief in der Tat recht gut. 

Die Marina liegt also nach der Schleuse bereits in der Petite Saône und so konnten wir einen Blick auf den Hochwasserstand werfen und das beruhigte doch sehr. Ganz sanft konnten wir eintreten und direkt fühlen, dass das mit dem Fluss kein Problem werden würde. Die Marina war toll. Nur auf Hunde müssen sie sich noch ein wenig einstellen. Die haben da so richtig eklige Steggitter, die an Land führen. Und die sind für uns Vierbeiner die Hölle. Ich habe zwar als Welpe geübt, über jeden Bodenbelag zu stapfen, aber ein Vergnügen ist das barpfotig nicht. Ich hätte mir dieses Rudel jedoch nicht ausgesucht, wenn sie in so einem Fall nicht Abhilfe schaffen könnten. Als sie sahen, wie sehr ich mich abmühen musste, packten sie den Bollerwagen aus und ich verstand sofort. In dem bequemsten Shuttle-Service wurde ich nun unter amüsiertem Gelächter sämtlicher umliegender Bootsfahrer an Land gebracht. Milde lächelnd grüßte ich erhobenen Hauptes nach rechts und links und wahrte die Haltung. 

Jetzt da wir wieder zu Dritt an Bord waren, konnten wir unser Running-System ein wenig verändern. Wir spielten alle Rollen mal durch. Herrchen musste also auch mal an die Leinen, was er dringend nötig hatte. Frauchen und der Junior mussten sich am Steuer behaupten und in passgenaue Schleusen und durch enge Sicherheitstore manövrieren.  Eigentlich ist es für mich entspannter, wenn jeder so seine Aufgaben und Funktionen inne hat. Dann gibt es kaum Geschrei und Diskussionen und alles läuft getragen und lautlos wie in einem Stummfilm ab. Aber schnell kann es passieren, dass die Rollen getauscht werden müssen. Dann ist es gut, wenn jeder eine Ahnung hat, was auf ihn zukommt. Nur meine persönliche Verantwortung hier an Bord ist natürlich nicht delegierbar.

Der Junior fuhr sogar den dunklen und kühlen St. Albin-Tunnel. Es war ganz heiß an dem Tag und so waren die 860 m für mich eine erholsame Abwechslung, aber bestimmt nicht einfach zu steuern. Die kleine Saône bietet zwei solcher Tunnels an. Die sparen einem nämlich einige Fluss-Kilometer. Ebenso mussten wir mehrere Sicherheitstore passieren, die nach dem Hochwasser wieder offen standen. An der Vegetation konnte man übrigens gut sehen, wie weit das Wasser über die Ufer getreten war. Sie war heftigst schlammig verfärbt.

In der Saône wird es auch mit dem Essen besser. Meine Leute brachten jedenfalls gute Jagdbeute mit nach Hause und einmal durfte ich sogar mit. Am Freitag haben wir uns einfach an einen kleinen Steg mitten im Fluss gelegt und sind in ein nahegelegenes Strandbad gelaufen. Dort gab es lecker Burger und Pommes (mal wieder für mich). Doch ich lieb’s, wenn ich mit darf. Ich lege mich dann unter den Tisch und betrachte das ganze Kino, was um mich passiert, ohne die Futterquelle aus den Augen zu lassen.

Außerdem darf ich jetzt jeden Tag schwimmen und das finde ich richtig klasse. Das Wetter ist toll, es gibt immer den passenden Ausstieg für mich und die Ente fällt immer zum richtigen Moment ins Wasser. 

Nur eines ist blöd. Nach vier Tagen musste der Junior wieder heim und wir fahren ohne ihn weiter. Aber ich bin mir sicher, wenn bei uns die Versorgungslage eng wird, kommt er wieder angefahren. Vielleicht aber auch einfach so, um uns zu besuchen. Ich freu mich, so oder so.

Jetzt werden die Messer gewetzt!

Ich dachte, wir sind nach Epinal umgezogen. Da war ich mir komplett sicher. Wir haben dort für fünf Tage gelegen. So lange waren wir noch nie an einem Ort, aber Feiertag, Sperrung und der Regen machten es nötig. Seitdem hat sich das Schiff keinen Millimeter Richtung Süden bewegt! Wir kauften hier ein wie zu Hause, wir wuschen und putzten wie zu Hause, wir gingen Gassi wie zu Hause und ich war manchmal für ein Stündchen alleine wie zu Hause, wenn meine Leute auf die Jagd gingen. Hier in Epinal wollten sie unbedingt los, um tollen Honig zu kaufen und kamen mit zwei Kisten Rosé wieder. So machen die das. An mich denkt hier keiner!

In diesem entzückenden Städtchen zu verweilen war zunächst recht amüsant. Wir lagen an der Kaimauer. Direkt dahinter erschloss sich ein Park, indem viele verschiedene Menschen auftauchten, auf den Bänken vor sich hin träumten, joggten, Ball spielten oder so Vierbeiner wie mich ausführten. Ich hätte also überhaupt keine Langeweile gehabt, während meine Zweibeiner das Schiff auf Vordermann brachten. Das macht man nämlich so an Liegetagen. Man muss all das wieder richten, was während der Fahrerei liegen  geblieben ist oder nicht gemacht werden konnte. Und da kommt ganz schön was zusammen.

Wenn nur dieser Regen nicht gewesen wäre. Bei den Massen, die da runter machten, konnte ich meinen Platz in der ersten Reihe auf dem Vorschiff nicht einnehmen, um mir alles in Ruhe zu betrachten. Kaum waren wir losgelaufen, um meine Runde zu drehen, mussten wir wieder nach Hause hechten, weil es nass von oben wurde. Und die Aussichten wurden immer schlimmer. So richteten wir alles nach dem Wetterbericht aus und genossen ansonsten die Ruhe. Einmal mussten wir sogar die Heizung anmachen –  an einem Nachmittag – im Juli! Aber das sind natürlich keine ernsthaften Probleme, bei all dem was plötzlich in der Heimat passierte, mit all den schlimmen Überschwemmungen.

14 Juillet fällt ins Wasser 

Unter den Wetterbedingungen wäre auch mit Sicherheit der französische Nationalfeiertag ein wenig öde geworden, da es auch an diesem Tag wie aus Eimern schüttete. Das Feuerwerk, das es wirklich in jeder vernünftigen Stadt an diesem Tag zu bewundern gibt, hätten wir fast verpasst. Es ging nämlich zu nacht schlafender Zeit los, wenn kleine Labbis schon im Körbchen liegen. Am 13.07. abends um 23 Uhr. Aber wir hatten auf unserer Terrasse einen tollen Platz und bekamen den zweiten Teil gebührend mit. So eine unmotivierte Knallerei nehme ich übrigens ganz locker. Das macht mir nichts aus. Ich hatte zwar keinen Schimmer wo der ganze Krach herrührte und fürchtete schon, dass jemand vielleicht auf die Idee gekommen war, erneut auf die Bastille zu stürmen, aber bevor es ernst wurde, war offenbar der Friede wieder eingekehrt. 

Am Feiertag selbst war außer einer kleinen Runde nicht viel drin, und so waren wir froh, uns mit unseren netten Nachbarn aus der Schweiz (die übrigens ebenfalls einen so sympathischen Hund wie mich haben) zu einem Aperitif verabredet zu haben und verlebten einen kurzweiligen und schönen Abend. Ich habe zwar nicht so viel von mir zu geben, aber meine Ohren sind stets auf Empfang und so bekam ich eine Menge mit von den beiden, die auf einer wahnsinnig attraktiven, blauen und 20 m langen Péniche wohnen. Natürlich muss ich unumwunden zugeben, dass mich auch die kleinen Leckereien auf dem Tisch ein wenig abgelenkt haben und ich hier nicht mehr alles wortgetreu wiedergeben kann. Aber die Zwei machen auch mehr als Urlaub auf dem Schiff und sind im Moment in die entgegengesetzte Richtung bis nach Toul unterwegs. Natürlich haben wir sie vor dem Kraut gewarnt. Das macht man unter Bootsleuten so.

Und auch sie wollen einen Blog schreiben. Ob bei denen wohl auch der Hund schreibt? Also wenn ihr mal eine schöne hellblaue Péniche seht, dann grüßt die Drei ganz lieb von uns.

Schleusentreppe und die letzten 14 Male nach oben

Auch wenn am folgenden Abend der Gegenbesuch angestanden hätte, haben wir uns doch entschlossen, weiter auf Wanderschaft zu gehen. Wenn man sich das so angewöhnt hat, wird man ein wenig ungeduldig, wenn man sich so gar nicht vom Fleck weg bewegt. 

Trotz der nassen Aussichten wollten wir wenigstens die Schleusentreppe schaffen. Gerne wollten wir die alleine fahren. Das ist in den kleinen Dingern wirklich entspannender. Deswegen starteten wir schon vor 9, um pünktlich einzufahren. Den gleichen Gedanken hatten wohl noch zwei andere Schiffe und so teilten wir uns in wirklich netter Art und Weise gerecht auf. Wir würden die Schleusentreppe, das sind wirklich 14 Schleusen direkt hintereinander und ohne Pause, mit einem kleinen Segler schleusen. D. h. Wir würden wieder weiter nach vorne in die Schleuse müssen und die Leinen richtig gut in den Griff nehmen, damit wir weder vorne gegen das Schleusentor knallen, aber auch nicht gegen unseren Hintermann donnern. 

Alles in allem funktionierte das auch ganz gut und ich konnte mich mal wieder über die Entwicklung meiner beiden Mitfahrer freuen. Sie brauchten genau zwei Schleusen, um ihr System auszubaldowern. Nur ich stand kurzfristig unter Schock, weil Frauchen nicht aufs Boot zurückkam. Sie fuhr einfach mit dem E-Roller weg. Ich überlegte fieberhaft, ob es vielleicht in der Nähe eine Bäckerei gäbe, die sie sucht oder ob es dort oben trockener wäre. Aber Gott sei Dank wartete sie zuverlässig an der nächsten Schleuse und als ich das verstanden hatte, konnte ich mich wieder der schönen Natur widmen. Nur an einer Bäckerei kam sie offenbar nicht vorbei.

Nach der Schleusentreppe war der nächste Liegeplatz der unsere. Den Nachmittag regnete es durch und ab dem Abend sahen wir nur noch geschockt im TV, was da in Deutschland passiert ist. Sehr schlimm.

Jetzt geht es bergab

Nun war der Tag gekommen, an dem wir den Berg erklommen hatten. Nach einer kurzen Passage durch die Scheitelsohle kam die erste Schleuse, die nach unten führte und da denke ich jetzt immer noch drüber nach, wie diese Zauberei möglich ist. Zu Beginn der Reise sind wir immer in den Keller des Wassers gefahren und die Wand fuhr von oben nach unten, so dass wir irgendwann einen tollen Blick zurück in die Welt bekamen. Jetzt passiert das plötzlich umgekehrt. Ich sehe nette Häuschen, treffe manchmal lustige oder freche Schleusenhunde und wenn sich die Maschinerie in Gang setzt, kommt die Glibberwand von unten nach oben und wir verschwinden im Keller? Ich würde es ernsthaft mit der Angst zu tun bekommen, wenn nicht die Welt wieder käme, meist schöner als zuvor, sobald die Tore wieder aufgehen. 

Und meinen Zweibeinern tut das Runterschleusen gut, jedenfalls gehen sie das ganz locker an. Nur liegen neuerdings eine Axt und ein scharfes Messer auf dem Vorschiff. Das hat mich schwer beeindruckt, vor allem weil ich da natürlich nicht reintreten darf. Dabei handelt es sich um eine reine Sicherheitsmaßnahme, sagt der Kapitän. Es gibt beim Runterschleusen nämlich nur einen dummen Punkt und das ist der, wenn sich die Leine aus irgendwelchen Gründen verhaken oder verkanten würde. Dann senkt sich das Wasser weiter ab und  das Boot hängt plötzlich an den Leinen in der Luft. In so einem Fall muss man ganz schnell die betroffene Leine durchschneiden. Und da ich nicht mal schnell in die Küche  laufen kann, um ein Messer zu holen, hat Herrchen alles gleich mal bereit gelegt. 

Sperrung, die Zweite

Wir könnten jetzt ganz genüsslich weiter verfahren und bald in die Saône eintreten. Aber wir haben in der Zwischenzeit erfahren, dass dieser Fluss, ebenfalls aus Hochwassergründen, gesperrt werden musste. Also sind wir jetzt nur bis Fontenoy-le-Chateau gefahren und bleiben mal wieder liegen, aber ganz gewiss werden es keine fünf Tage, denn die Durchfahrt soll schnell wieder aufgemacht werden. Und gerade kommt auch hier der Sommer an. Wir können ja bis dahin ein bisschen putzen und waschen und in diesem entzückenden kleinen Ort wohnen bleiben. 

Also haltet uns weiter die Daumen.

Und schon sind wir am Ende von Deutschland

Zum ersten Mal seit fast zwei Jahren waren am 20. Juni alle Koffer, inkl. meiner überschaubar kleinen Reisetasche gepackt und ich konnte beim Anblick nur hoffen, dass mein Futter anderweitig an Bord gelangt ist. Wie bei unserer Schwedentour war das Rudel zunächst komplett und als wir in Winningen unser Schiff erreichten, schien auch alles seinen gewohnten Gang zu gehen. Während ich es mir erst mal gemütlich machte, wuselten meine Zweibeiner zwischen Auto und Schiff hin und her, füllten alles auf und richteten die Räumlichkeiten nett her. Meine Erziehung flutschte, das Personal flitzte.

Dann aber, als ich dachte, dass es nun endlich losgeht, verließen wir das Schiff wieder und stiegen ins Auto. Es konnte ja jetzt wohl nicht sein, dass wir wieder die Heimfahrt antreten würden. Jetzt wo endlich alles schön für die Abreise gerichtet war, wollten die wieder nach Hause? Nicht mit mir. Ich wusste ja jetzt wo das Schiff lag.

Wir fuhren jedoch nur eine kurze Strecke in den Nachbarort und marschierten in ein lecker riechendes Restaurant, in dem man mich sogar mit meinem Namen begrüßte, obwohl ich noch nie eine Pfote in dieses Etablissement gesetzt hatte. Das ließ Herrliches vermuten und deswegen zeigte ich mich auch von meiner besten Seite, machte brav Sitz und ignorierte den anwesenden Vierbeiner unter dem Tisch geflissentlich.

Silberhochzeit – ein wunderschön, privates Fest in tollem Ambiente

Man gab uns ein paar Schlüssel und direkt zogen wir weiter in ein herrlich kühles und schnuckeliges Hotelzimmer, indem es offenbar etwas zu feiern gab, denn alle schienen gut gelaunt. Wir blieben zwei Tage in dem leckeren Restaurant. Am ersten Abend feierten wir Abschied vom Junior, der nach Hause und an die Klausuren musste, am nächsten Tag zelebrierten wir den Abend romantisch zu Dritt und teilten uns die Leckereien etwas unfair zu meinen Ungunsten auf. Ich kann es den beiden nachsehen, denn das was ich bekam, war so unfassbar lecker und war überhaupt nicht mit den sonstigen Pizzarändern zu vergleichen, die normalerweise unter den Tisch wandern.

Gut geplant hilft beim Boot fahren auch nicht immer

Die Crew hatte sich perfekt vorbereitet. Die Zeit des unfreiwilligen Zuhausebleibens war genutzt worden, um Macken und Sollbruchstellen zu beheben. Es würde entspannt und fahrplanmäßig losgehen. Da war ich mir sicher. Und auch wenn ich als Reiseprofi gewohnt bin, dass es gerade in den ersten Tagen anders als gedacht läuft, blieb ich noch eine kleine Weile zuversichtlich.

Bereits am ersten Abend in Treis-Kaden musste Herrchen die Duschwanne erneut auspumpen. Das Wasser dort stieg zu hoch und ließ die Abwasserpumpe gleich mit absaufen. Am zweiten Abend in Senheim war dann die Bilge ziemlich gut gefüllt mit einer nicht sicher definierbaren Flüssigkeit. Der Kapitän konnte nicht herausfinden, ob es sich um Diesel, Wasser oder ein Gemisch handelte. So jedenfalls wollten wir uns nicht aus dem Dunstkreis unseres Mechanikers bewegen und deswegen riefen wir ihn an. Der Gute tauchte wirklich nach knapp zwei Stunden bei uns auf, befand mich für klasse und versenkte sich richtig ungemütlich für Stunden im Motorraum. Mir erging es nicht viel besser. Ich hatte nicht gut aufgepasst und mich spontan unter den Tisch verkrümelt. Bei offener Motorraumklappe entpuppte sich das als sicheres Gefängnis und ich musste dort ziemlich lange ausharren. Aber man weiß ja wofür man es tut.

Der Chef und sein Kollege verbrachten den Nachmittag bei uns und fanden keine Stelle an der das Wasser hätte austreten können. ! Dafür aber war das Getriebeöl schon wieder leer. Das füllte wir auf, zogen alles nochmal eine Spur fester und machten dann, nachdem wir die Bilge getrocknet hatten eine Probefahrt, um herauszufinden, ob Wasser, als das es sich schließlich herausgestellt hatte, von außen kam. Ich bin zwar eine routinierte Schwimmerin, was nicht heißt, dass ich das in einem fließenden Gewässer unter Beweis stellen möchte. Mir reicht es, meine Ente souverän aus jedem reißenden Fluss zu befreien und gut iss.

Zum Glück wurde das Wetter am nächsten Tag besser und der Junior hatte sich nach seiner Klausurenwoche zu Besuch angemeldet. Das hob die Stimmung. Das war auch nötig, denn kaum waren wir gestartet, fanden wir heraus, dass es auch die Abwasserpumpe nicht geschafft hatte. Und dieses Teil, was auch noch ein besonders Spezielles ist, ist nicht mal eben so schnell besorgt. Wir mussten also rum telefonieren und am Ende war es so, dass der Schwager die Pumpe in Wiesbaden besorgte, der Junior sie auf dem Weg zu uns dort abpflückte, sodass wir sie am Samstag kurz vor knapp einbauen konnten. Ich muss ganz ehrlich sagen, mein stubenreines Auftreten ist da schon ein bisschen unaufwendiger als das meiner Menschen, die ein hohes Maß an Technik benötigen, um die gute Stube sauber zu halten.

Jetzt läuft’s – hoffentlich

Das fehlende Rudelmitglied kam am Freitag wieder an Bord und von Bernkastel-Kues ging es zu unserem Lieblingsplatz in Pölich. Dort liegt man wie an einem Schweizer See und die ganze Zeit gibt es auf der Wasseroberfläche etwas zu gucken. Bei herrlichstem Wetter durfte zuerst ich eine Runde schwimmen, dann meine Menschen und am Abend wurde gegrillt und gelacht. Sonntagmorgen radelte mein jüngstes Herrchen zurück nach Bernkastel, stieg ins Auto und fuhr nach Hause. Wir machten uns auf die Reise zu unserer letzten Station in Deutschland. Konz stand auf dem Plan, die Geburtsstadt des Kapitäns. Dort kamen wir ohne besondere Vorkommnisse an. Bis vielleicht auf die Tatsache, dass der Schleusenwärter in Trier uns über Gebühr warten ließ, weil er auf die Berufsschifffahrt wartete, die nicht kam. Aber über solche Kleinigkeiten regt man sich nach einer Woche an Bord kaum mehr auf.

Alles in allem haben wir uns einpendelt. Das seemännische Geschehen läuft besser als von Frauchen vermutet. Auch zu Zweit bekommen wir das Schleusen hin. Alles eine Frage der Aufteilung. Die Technik des Kapitäns musste kurz modifiziert werden, hatte sich in der Praxis nicht ganz zu 100% bewährt. Nun aber haben sie den Dreh raus. Meine stumm gesetzten Impulse reichen aus und sie hören recht gut – meine Zweibeiner.

Morgen geht es endlich ins Ausland. Liebe Grüße, bleibt dabei und gespannt.

Eure Leila

Echt jetzt? Geht’s los? Ich bin bereit!!

Es mehren sich die Zeichen, dass sich in diesem Haus endlich mal wieder etwas tut. Bin ich doch hier angetreten, um ein europaweit wandelnder Labbi zu werden. Nach nunmehr über 20 Monaten des Innehaltens kann ich meine innere Uhr an den täglichen Tagesabläufen ausrichten, bevor es mein Rudel tut. So habe ich vorzeitig die Leine in der Schnauze, stehe am Fußball bereit mit dem Junior zu kicken und in meiner Futterecke, um meiner Lieblingsbeschäftigung nachzugehen. Ist alles ganz nett, aber täglich passiert hier dasselbe. Aber wie vielen anderen auch, fehlt mir die Welt.

Sonntagsfrühstück bei schönem Wetter

Es tut sich was! Ich bin begeistert

Seit ein paar Tagen scheint sich hier jedoch einiges zu tun. Es ist eine gewisse Rührigkeit zu verspüren, die mir Hoffnung macht. Gut, der Junior ist raus, der muss dieses Mal leider Zuhause bleiben, kommt aber immer mal wieder an Bord. Erfreulich zu sehen ist, dass Herrchen wieder baut. Er produziert Utensilien, die ganz offensichtlich aufs Schiff gehören und teilweise mit mir zu tun haben. So hat er ein überdimensionales Monster geschaffen, über das ich wandeln soll. Die Tücke: Gerade, wenn ich die Überquerung elegant und souverän hinbekomme, wird das Teil wieder ein Stückchen steiler aufgestellt. Gut, sie werden schon wissen, was sie da tun. Ich mache mit, wenn es nur endlich wieder losgehen kann.

Letzten Dienstag kam das Boot nicht nur wieder ins Wasser, wir fuhren über das lange Wochenende auch nach Winningen und überprüften, ob alle Reparaturen erledigt worden waren, machten eine heimelige Probefahrt und genossen das Dasein auf dem Wasser. Fazit: Das macht Lust auf mehr. Nur die Abwasserpumpe muss noch ausgesucht werden., sagt jedenfalls Frauchen.

Frauchen kann ich im Moment noch nicht helfen. Die kontrolliert als Sicherheitsbeauftragte die Reiseapotheke und ordert alles was während des vergangenen Trips aufgebraucht werden musste (und das war ja ein bisschen was) oder abgelaufen ist. Auch kauft sie Dinge fürs Schiff ein, die für mich völlig uninteressant sind: also Putzmittel, Wein und Klopapier. Und sie wäscht! Polster, Kissen und Bezüge. Das kann die Gute getrost machen – aber ohne mich. Ich steige ins Geschäft ein, wenn es um die wirklich wichtigen Dinge geht: Proviant und andere Leckereien.

Route

Hatte ich zwischendurch schon gedacht, es gäbe nur noch unser rheinhessisches Kaff, scheint auch Frankreich wieder auf die Karte zurückgefunden zu haben. Jedenfalls sieht so langsam alles danach aus, als könnten wir versuchen unseren heillos ins Hintertreffen geratenen Zeitplan einholen – aber ohne Eile. Wir haben uns vorgenommen, so zu fahren, wie uns die Lust und die Laune das vorgeben.

Zumindest bis Marseille – das ist der Plan! Das bedeutet, wenn alles klappt geht es in Winningen an der Mosel los. Und – mein Herzchen hüpft: Das bedeutet natürlich, dass dieser Sommer eine komplette geruchsvolle und entschleunigte Fluss- und Kanalfahrt wird, denn wer sich auskennt, weiß, erst in Marseille geht es ins Meer. Und das erst, wenn das Schiff wieder aufgeriggt ist und die Segel eingefädelt sind.

Vorher aber peilen wir es wie folgt an: Von der Mosel geht es in den Canal des Vosges – die Saône – die Rhone und zack sind wir im Mittelmeer. Dort dümpeln wir noch ein bisschen vor uns hin. Je nachdem wieviel Zeit noch übrig ist.

Der Wermutstropfen

Ich muss noch gute zwei Wochen Geduld aufbringen. Erstens damit das Boot sicher und schick ist und zweitens gibt es davor noch ein special Ereignis. Das habe ich zwar jetzt noch nicht so ganz kapiert, aber Herrchen und Frauchen wollen das ganz groß und nur zu Zweit feiern. Vielleicht kann ich da beim nächsten Mal ein bisschen mehr erzählen. Bis dahin, gehabt euch wohl,

Wuff kommt natürlich mit

Eure Leila

Gute Reise kleiner Rotschopf – Ein Nachruf von Hund zu Katze

Seit fast zwei Wochen bist du nun auf deiner letzten Reise und ich hätte nie gedacht, dass du mir so fehlen würdest. Wir beide waren zwar nie wie Hund und Katz, aber die große Liebe schlug bei uns beiden auch nicht ein. Du hattest für mich quirligen Junghund nicht mehr die Nerven. Das habe ich dann irgendwann verstanden. Akzeptiert hast du mich dennoch und an guten Tagen hast du meine Schmuseattacken geduldig über dich ergehen lassen. Gerne hast du ein Auge auf mich geworfen und uns heimlich auf unseren Spaziergängen begleitet. Glaub ja nicht, ich hätte das nie bemerkt. Dafür habe ich dir bei leckeren Häppchen den Vortritt gelassen.

Als sich der Sommer verabschiedete und es kälter wurde, haben wir alle gemerkt, dass deine Kräfte weniger wurden. Ein bisschen komisch bist du schon seit Längerem gelaufen. Nun aber musstest du deine Hinterläufe sehr verzögert nachziehen. Am Abend wolltest du nicht mehr in die Nacht abtauchen. Kaum warst du draußen, wolltest du wieder rein und umgekehrt. Es dauerte Stunden, bis du dein Lieblingsplätzchen wieder gefunden hattest. Häufig warst du mir völlig neu.

Auch die Medizin, die du bekamst schien nicht zu helfen. Weder die sanfte noch die starke. Dein Jammern und Klagen nahmen zu. Unsere Schlafstunden wurden weniger. Helfen konnte ich dir leider nicht.

Du schienst uns nicht mehr zu kennen, liefst gegen Wände und wurdest am Ende angriffslustig, was gar nicht deine Art war. Nachdem auch die letzte heftige Spritze gar nicht zu deinem Wohlbefinden beigetragen hat und du dich auch von unseren Menschen nicht mehr anfassen lassen wolltest, mussten sie eine Entscheidung treffen. Es ist wirklich so, wie man immer sagt, man erkennt den richtigen Moment – ohne Zweifel. Wir wussten, jetzt würden wir dich nur noch erlösen können.

Der Tag stand fest. Zwei Tage lang wurdest du von uns nach allen Regeln der Kunst verwöhnt. Du bekamst Spezialitäten ohne Ende, Katzenmilch ohne Limit und Streicheleinheiten so viel du wolltest. Du solltest uns alle in guter Erinnerung behalten.

Aber manchmal möchte es das Schicksal anders. Oder du – wer weiß?

Ein Tag vor deinem Lebensende wurdest du noch unruhiger. Du schienst nichts mehr zu sehen, verheddertest dich in den Lamellen am Fenster und wärst beinahe die Treppen runter gefallen. Wir konnten dich nicht mehr alleine lassen. Frauchen nahm dich auf einem Kissen mit an ihren Schreibtisch und murmelte auf dich ein. Du konntest dich entspannen und wurdest ruhiger. Friede kehrte ein. Frauchen erzählte dir, dass du jetzt gehen könntest und dass deine alte Freundin NALA auf dich warten würde.

Du holtest einmal tief Luft, schnauftest mehrere Male aus und machtest dich auf den Weg. Ganz entspannt. Sehr ruhig. Zu 100 % am Ende deines Lebens: am Donnerstag, den 12.11.2020 gegen 11 Uhr. Nach 14 gemeinsamen Jahren kannst du auf ein erlebnisreiches Katzenleben zurück blicken. Du bist als kleiner Kater in Griechenland gestartet, wurdest von deiner herzallerliebsten Ziehmutter Nala liebevoll aufgezogen. Mit zwei Jahren bist du nach Rheinhessen umgezogen und hast Teich, Garten und Haus gegen sämtliche Katzen der Nachbarschaft vehement verteidigt.

Auch wenn wir dich manchmal wochenlang in der Obhut deiner zuverlässigen Katzen-Patentanten zurückließen, wurdest du nie untreu. Kaum bogen wir mit dem Auto um die Ecke, erschienst du auf der Bildfläche. Die ersten Stunden zwar ein wenig verschnupft, aber pünktlich zur Tagesschau, vorstellig am Sofa zur allabendlichen Kuschel-Session. Von dort aus, hoch oben, hast du mir vernichtende Blicke zugeworfen: verächtlich, wenn ich im Körbchen lag und missbilligend, wenn ich neben dich wollte. Als wohlerzogener Labbi, der sich an die vorgegebene Hierarchie hält, akzeptierte ich die Rangfolge widerstandslos und überließ dir das Feld.

Sieben Länder hast du in deinem Leben bereist und wir alle sind von Herzen glücklich, dass du im letzten Sommer mit uns die Schwedentour gemacht hast. Du hast uns zwar mit deinen Ausflügen den ein oder anderen Schreck eingejagt, aber im Grunde warst du eine hochverlässliche Schiffskatze, die auch wenn sie es nicht immer gezeigt hat, einen Heidenspaß auf dieser Reise hatte.. Ich werde dich vermissen und denke jeden Abend an dich: immer wenn ich pünktlich zur Tagesschau vor dem Sofa auflaufe.

Run free, geliebter Freund. Vergiss uns nicht, bester Kumpel

The same procedure wie letztes Jahr – Leider nein!

Meine Ankunft an Bord

Da behaupte nochmal einer, der Hund könne sich nur über einen kurzen Zeitraum erinnern und lebe ansonsten zu 100 % im Augenblick. Am Pfingstwochenende habe ich meine Menschen eines Besseren belehrt: Fast ein Dreivierteljahr hat mich keiner mit aufs Boot genommen. Zugegeben, es war aufgrund der neuerlichen Umbaumßnahmen auch kaum betretbar, aber als ich dann am vergangenen Freitag wieder durfte, habe ich mein Rudel doch sehr in Erstaunen versetzt, denn mein Groschen fiel direkt.

Nach vielen Wochen purem Genuss des heimischen Feldes war ich äußerst aufgeregt, als sich Altbekanntes regte: Ich ahnte Fröhliches, als intensiv gepackt wurde und wir alle ins Auto stiegen. Nach relativ kurzer Zeit hatten wir unser Ziel erreicht, auf die griechische Insel ging es leider nicht. Dennoch kam mir der Geruch des hessischen Federviehs in Ginsheim durchaus bekannt vor und ich wurde spontan euphorisch.

Mein ausgewählter Stammplatz

Als ich mit Betreten des Bootes kapierte was los war, bin ich schier ausgeflippt. Ein paar Schnüffler reichten aus und mir zogen Gerüche vom großen weiten Meer und leckeren Zimtschnecken durch die Nase und ich dankte meinen Leuten ganz viel, dass es offenbar wieder losging. Sofort nahm ich meinen angestammten Platz ein und signalisierte dezent, dass ich zur Abfahrt bereit sei und man die Leinen lösen könne.

Ich musste mich jedoch bis zum nächsten Morgen gedulden, denn die erste Nacht blieben wir noch in unserem Heimathafen liegen. Direkt vor dem Zubettgehen erinnerte ich mein Frauchen an unser lieb gewonnenes Betthupferl-Ritual und wartete am Berg der Treppe, bis sie endlich verstand was ich von ihr wollte. Vielleicht fiel es ihr ein bisschen schwer, weil die Katze Zuhause bleiben musste, aber dann machte es doch noch KLICK und ich bekam mein Betthupferl, verspeiste es im Körbchen und brachte ihr „de Böcha“ auf Kommando zurück. Ich hatte hier überhaupt nichts vergessen.

Meine Bauabnahme

Herrchen hatte mir auch was tolles neu gebastelt, denn nun musste ich nicht mehr über bloßes Metall wandeln, um meine Aufgaben an Bord zu erledigen. (Er hat auch noch eine neue Baderampe für mich hergestellt, aber von der weiß ich offiziell noch nichts.) Jedenfalls hat Herrchen über den Winter die Seitengänge mit Teakholz verlegt und ich schwebe nun quasi wie auf Wolken vom Heck bis zum Bug und wieder zurück.

Wer jetzt denkt, es hätte sich dabei um ein kleines nettes Wochenendprojekt gehandelt, der kennt erstens mein Herrchen nicht und unterschätzt zweitens diese Arbeit. Wahrscheinlich aufgrund der Tatsache, dass er ausblendet, dass der Schiffskörper ja gebogen ist, während jede einzelne Teaklatte von Natur aus gerade daher kommt.

Herrchen verbrachte folglich die erste Hälfte des Winters im Stall, verbog und bearbeitete in etwa 220 Leisten, die alle nummeriert und für den Einsatz an Bord präpariert wurden, während wir es uns drinnen gemütlich machten.

Im zweiten Teil zog er fast aufs Schiff und am Wochenende der Junior mit, so dass dem Schiff nach vielen Wochen und enormer Kleinarbeit ein wunderbar neuer Glanz zuteil wurde. Was sollte man auch sonst tun, wenn ein kleines mieses Virus sich weltweit auszutoben meint und viele Leben und geschmiedete Pläne durcheinander bringt.

Mitte Mai war es dann so weit. Der größte Teil der Bauarbeiten war erledigt und es konnte ans Reine machen gehen. Mich nahm man immer noch nicht mit. Ein halbes Stündchen war ich darüber leicht verschnupft.

Am letzten Wochenende war es dann so weit. Ich wurde zur Bauabnahme gerufen und voll des Lobs wedelte ich mit ganzer Freude mit allem was mir zur Verfügung stand und war voller Erwartung wohin es nun gehen würde.

Die Seitengänge sind nun zu meinem neuen Lieblingsplatz mutiert. Ich gebe zu, der Marienkäfer hat auch ein wenig gelockt, wenn ich mich auf dem neuen Holz aber nicht so wohlfühlen würde, würde ich mich bestimmt nicht so zusammenfalten.

Meine Pläne für den Sommer 2020

Aber so ganz konnte es nicht wie geplant laufen, denn natürlich können wir nicht, wie ursprünglich gedacht, durch Frankreich und Italien reisen. 5 – 6 Wochen durch die Kanäle zu stromern, klappt nicht. Bei Marseille ins Mittelmeer einzutreten und die Masten wieder aufzustellen, wird nicht stattfinden. Mit schickem Hut ein Glas Sekt an der Côte d’Azur zu schlürfen und auf unsere Freunde zu treffen, all das bleibt 2020 ein Traum. Natürlich wären wir auf dem Schiff recht sicher, aber wir wollen ja Land, Leute und die Hundewelt beschnuppern und deswegen bleiben wir aller Wahrscheinlichkeit nach erst mal daheim.

Fast! Ein bisschen was geht immer und nach ein bisschen Telefonierei fanden wir einen tollen Liegeplatz an der Mosel. In Ginsheim konnten wir nicht bleiben. Wir hatten den ja nur bis zu unserer geplanten Abreise gemietet. Aber, man weiß ja nie wofür etwas gut ist: An der Mosel kann man viel schöner Schiff fahren, als auf dem trubeligen Rhein und das ist es, was wir uns für diesen Sommer vorgenommen haben. Wir nutzen unser Boot als Wochenendhäuschen und unternehmen schöne Ausflüge, die Mosel entlang.

Was immer sich dann noch ergibt, wird mit Freude angenommen. Mein Rudel ist offen dafür, und ich bin dabei. Was sind Eure Pläne, schreibt es doch mal in die Kommentare. Ich freue mich.

Herrchen und Frauchen als Erntehelfer bei meiner ersten Olivenernte

Das sollte meine erste Olivenernte werden und ich war schon mächtig aufgeregt. Herrchen und Frauchen kannten das schon, weil sie vor vielen Jahren schon einmal die ganzen Oliven selbst gepflückt hatten. All die Jahre danach ging es nicht, weil die Oliven nicht während der Ferien reif werden, sondern erst im November. In diesem Jahr passte alles.

Zunächst pflückte Frauchen die Essoliven. Davon gibt es nur einen Baum auf dem Grundstück. Das war also schnell erledigt. Ich muss sagen, am Anfang war ich sehr enttäuscht. Natürlich spielte ich die Vorkosterin. Aber ich spuckte die Dinger in hohem Bogen wieder aus, weil sie so bitter waren. Aber Frauchen kannte einen tollen Trick: Man legt sie über einen Zeitraum von drei Wochen in Salzwasser ein, das man alle zwei Tage wechselt. Das Salz entzieht der Frucht die Bitterstoffe. Sind die Oliven dann genießbar, kann man sie nach jedem persönlichen Geschmack einlegen. Das ging schon eher in Richtung meiner Feinschmeckerzunge.

Die Oliven, aus denen wir Öl pressen lassen wollten, hingen an weiteren 38 Bäumen. Es war klar, dass wir das alleine nicht schaffen würden, aber wir hatten Glück. Dina und Jianni halfen uns und wir bekamen einen weiteren unermüdlichen Erntehelfer an die Seite gestellt. Unser Freund Christos besaß eine phänomenale Maschine, die die Oliven von den abgeschnittenen Ästen rüttelt. Und die lieh er uns aus. So muss man sie nicht mühselig auf die traditionelle Art auskämmen. Man legt die Zweige in die Maschine ein, die werden gerüttelt und so fällt ein guter Teil der Oliven direkt in den Sack. Der andere Teil spritzt ins Umfeld und ist am Ende schnell zusammen gekehrt. So waren wir am Ende erfolgreicher als gedacht und es blieb noch Zeit für mich übrig.

Die Tage plätscherten wunderbar dahin. Natürlich war ich immer dabei. Nach Feierabend saßen wir gerne bei leckerem Essen zusammen. Am Nachmittag liefen wir eine lange Runde auf den griechischen Wanderwegen und am Abend wurde der Kamin angemacht. Wie von selbst sammelten sich am Ende 466 Kilo an und Dina machte einen Termin in der Ölmühle.

Man kann die geernteten Oliven auch einfach so in der Mühle vorbei bringen. Dann wird die Masse gewogen und man bekommt „irgendein“ Öl. Wir aber wollten unseres, denn wir behandeln die Oliven nicht und somit sind sie absolut bio. Montags vor unserer Abreise war es dann so weit.

Auch unsere Ernte wurde abgewogen und wir konnten sehen, wie unsere Oliven in den Schacht der Anlage eingefüllt wurden. In einer zweiten Maschine werden die Früchte noch mal gereinigt und geschüttelt, so dass noch mehr Blätter und kleine Äste aussortiert werden. Ähnlich wie bei Trauben, entsteht im nächsten Schritt eine Maische, die dann zentrifugiert wird. Als Letztes wird das Öl gefiltert und kann dann abgefüllt werden. Wir waren sehr stolz, als unser grünes Gold aus dem Hahn lief. Am Ende hatten wir über 70 Liter feinstes Olivenöl beisammen. Familie und Freunde können sich also freuen.

Gleich Zuhause angekommen testeten wir unser noch warmes und sehr frisches Öl mit einer Schreibe frischem Brot. Was gibt es Herrlicheres?

Aber auch die wunderschönsten Tage gehen einmal zu Ende und unser lernendes Rudelmitglied Zuhause wollte mal wieder beschnuppert werden. Also machten wir uns auf den Heimweg. So einfach sollte es uns aber nicht gemacht werden. Wir mussten beide Fähren umbuchen, denn ein 10er Wind hatte sich angekündigt und mit dem wollten wir keine Bekannschaft schließen.

Gesund und munter kamen wir Mitte November wieder in Rheinhessen an und stiegen direkt in die Adventszeit ein. Jetzt freuen wir uns auf harmonisches Weihnachtsfest und einen schneereichen Ski-Urlaub. Dann kann ich allen wieder zeigen, wie toll ich Gondel fahren kann.

Lieben Dank an alle, die in diesem Jahr diesem Blog gefolgt sind. Es macht viele mehr Freude für andere zu schreiben, als nur für sich selbst. Wir wünschen euch ein Frohes Fest, für 2020 alles Gute und ein bisschen mehr Frieden für die ganze Welt. Folgt uns auch im nächsten Jahr wieder. Im Januar verrate ich euch das nächste Reiseziel!!

Mailand – die Stadt der Schuhe ? Auch

Diese Reise würde wie immer und doch völlig neu ablaufen. Wie schon  ganz oft davor würden wir wieder Richtung Ithaka aufbrechen. Schließlich  hatten wir das ganze Jahr nicht auf unserer griechischen Insel  vorbeigeschaut. Aber zum 1. Mal würden wir es außerhalb der Ferien tun und das auch noch ohne den Junior, der ja jetzt am Studieren ist.

So kamen wir auf die Idee über die Schweiz zu fahren und einen ganzen Tag in Mailand zu verbringen. Diese wunderbare Stadt hatten wir schon lange auf dem Plan. Außerdem brauchte Frauchen ein paar neue Schuhe (die hat Probleme!!). Herrchen war da prakmatischer. Er buchte eine kleine Wohnung, kein Hotel.

So kamen wir am Nachmittag bei strömenden Regen in der Via Manfredo Camperio an. Unser Vermieter Francesco war ein überaus sympathischer Mann, der uns gleich in Empfang nahm und erstmal ins Parkhaus lotste. Wir waren  nämlich mitten in der City. An einen Parkplatz war gar nicht zu denken und ohne ihn  hätten wir im Leben keinen bezahlbaren Parkplatz gefunden. Ein wenig  Maßarbeit war nötig, um uns in die kleine Parkbox zu manövrieren, aber nachdem wir passgenau an allen vier Ecken in Francescos Garage standen und unser Gepäck in sein Auto umgeladen hatten, ging es in wenigen  Minuten zu unserer Wohnung. Ich durfte vorne mitfahren.

Die Wohnung war der Hammer: gemütlich und schick zugleich. Ein  Wohn-Esszimmerbereich samt Küche auf der einen Ebene sowie ein kuscheliges Schlafzimmer unterm Dach. Diese Art des Wohnens hat sich voll ausgezahlt. Wir waren viel flexibler als in einem normalen Hotel, das so mitten in der City äußerst teuer gewesen wäre. Wir fragten Franceso noch nach einem netten Restaurant, dann gingen wir erstmal unsere unmittelbare Umgebung erkunden. Natürlich durfte  ich mit und lernte auch den Innenhof des Castelos Sforzesco und meine Hundewiese für die kommenden Tage kennen.

Wir suchten uns noch schnell einen Supermarkt und deckten uns mit allem ein, was wir für ein kleines italienisches Frühstück brauchen würden. Dann kehrten wir in unsere kleine Wohnung zurück. Nachdem sich meine beiden Mitbewohner ausgehfertig gemacht hatten und losgezogen waren, hatte ich das kleine Reich endlich für mich alleine. Ich meine, es ist schon gut, wenn man als Hund so ein bisschen weit gereist ist. Der Fahrstuhl in dem Haus ist für  mich kein Problem und dass ich nach drei Stunden gleich für zwei Stunden an einem Ort alleine bleibe, den ich nicht kenne, finden meine Leute und ich äußerst bewundernswert. Das ganze basiert natürlich nur auf  gegenseitigem Vertrauen. Sie lassen mich nur in angenehmen Hotels, schicken  Wohnungen oder gut klimatisierten Schiffen, dafür sieht die Bude am Ende noch genau so aus wie vorher. Natürlich bringen sie mir immer etwas von ihrer JAGD mit.

Den Freitag haben wir uns dann gut aufgeteilt. Sie wollten Sightseeing  machen und ein wenig shoppen. Das interessiert mich natürlich null, also  machte ich ein bisschen Wellness im Apartment. Dafür ging es am  Nachmittag, als der Regen komplett verflogen und ein wunderbares  Spätsommer-Wetter die Stadt durchflutete, mit mir auf die Pirsch.

So erkundeten wir einen wunderbaren Spazierweg, der uns zunächst in Richtung des Castellos führte. Dahinter erstreckt sich der fantastische Sempione Park, der an diesem Tag aufgrund des Wetters voller Leben war. Direkt am Ende des Parks stößt man auf den Arco della Pace, an dessen  Vorplatz wir ein bisschen verweilten. Da hat sich dann wieder mal gezeigt, dass Reisen bildet, denn ich habe zwei Polizisten gesehen die auf riesigen Hunden geritten sind. Ich war so perplex, dass ich glatt vergessen habe, mich den beiden mal vorzustellen. Mein Herz aber ging auf, als wir den Hundepark fanden. Eine tolle Idee der Italiener: Mitten im Park gab es eine Rasenfläche mit ein paar Agility-Geräten. Dort durften wir Vierbeiner frei laufen und ausgelassen miteinder toben. Ich muss gestehen, dass ich am Anfang etwas schüchtern war. Das legte sich aber.

Natürlich hat Frauchen ihre Schuhe gesucht und gefunden und ich durfte mit in die Pizzeria, Pizzarand essen.

Der Rest der Reise nach Ithaka war dann reine Routine, ich meine wir machen das ja nicht zum ersten Mal. Nur auf der letzten Etappe musste ich mich doch arg aufregen. Auf der anderen Seite war ich schon gerührt, wie lieb mich meine Menschen haben. Natürlich wissen die, dass sie mich nicht mit ins Schiff nehmen dürfen. Das ist kein Grund für sie, mich (für zweieinhalb Stunden) in diese entsetzliche Hundebox zu geben oder in der Autogarage zu lassen. Dumm nur, dass es draußen nicht eine Sitzgelegenheit gab. Also verbrachten wir die Fahrt zwischen 19 und 22 Uhr auf der Außentreppe. Egal, um halb elf waren wir in unserem griechischen Zuhause und Dina hatte wie eine Mama für uns gesorgt. Es gab kühle Getränke und etwas zu essen stand auch auf dem Herd.

Ich habe es sofort wieder erkannt und mein grüner Lakost hat – wie auch immer- ebenfalls hierher gefunden.

Was wir dem Junior nicht erzählen werden? Dass wir uns in Mailand ohne seine Hilfe zweimal ziemlich verlaufen haben.

Bequem in Boussenac versus Trubel in Thüringen



Es tut sich wieder was

Die letzten Wochen ist es ziemlich still um mich, den reisenden Labbi geworden. Das hatte seinen Grund: Wir sind ja nicht am Reisen! Kaum Zuhause angekommen ist der Junior ausgezogen. Er ist nun nur am Wochenende da, was ich nicht sehr lustig finde und das lasse ich ihn die ersten zehn Minuten, wenn er kommt auch spüren. Auch Herrchen und Frauchen hatten eine Menge zu tun.

Letzten Sonntag war es aber wieder so weit. Ich habe es daran bemerkt, dass eine große Tasche gepackt wurde. Allerdings nicht für alle. Nur meine Sachen verschwanden darin. Das habe ich nicht verstanden, bis mich Noah zur Tante gebracht hat. Ich durfte also mit der Verwandschaft in die Großstadt nach Erfurt. In diesem Moment war es mir fast egal, was meine Menschen unternehmen würden, denn in Erfurt wartet ein großes Bürorudel auf mich, das mich von morgens bis abends verwöhnt – und das meine ich nicht nur kulinarisch. Wenn es mir in dem einen Zimmer zu langweilig wird, tappe ich eben ins nächste. Ich finde, jedes Büro sollte einen Hund haben. Tut nicht nur dem Vierbeiner gut.

Boussenac an der Ardeche
Was aber trieben meine Menschen? Gut, der Junior geht nun jede Woche seinen Studien nach und lebt sich in Baden-Würtemberg ein. Die anderen zwei haben sich auf den Weg ein Paradies nach Frankreich gemacht. Sie sind zu Anne und Wolfgang an die Ardeche gefahren. Dort waren sie bereits ganz oft, aber es geht ihnen immer wieder das Herz auf. Die Anreise funktioniert ein bisschen schneller als mit dem Schiff. Innerhalb von acht Stunden, größtenteils auf französischen Autobahnen, die sich entspannt fahren lassen, waren sie da. Allerdings einen Tag zu früh!!! Wer aber denkt, das würde die Bewohner von Boussenac aus dem Konzept bringen, der täuscht sich. Nach einem kurzen Moment der Überraschung wurden noch ein paar Zutaten in den Topf geworfen und so reichte das Essen für alle. Die Wiedersehensfreude war so groß, dass gleich in Annes Geburtstag reingefeiert wurde. So waren alle am nächsten Tage ein wenig müde.

Beim Ablaufen des Grundstücks hatte sich wieder einiges verändert: Es gibt ein neues Teichhäuschen, die Tochter Iris hat Bienenhäuschen aufgestellt, fährt erste Erfolge als Imkerin ein und die Scheune ist keine Scheune mehr, sondern ist auf dem Weg ein schönes Apartment zu werden. Das Highlight, aber ist die neue Eselin Diane, ein ausgesprochen sanftes Tier, das zu Pinos großem Vergnügen, die Nachfolge seines Vaters und Kumpels Paco angetreten hat. Im Frühjahr gibt es Nachwuchs. Schon am zweiten Morgen begrüßten sie uns lautstark von ihrem Platz aus.



Die Nachmittage werden dann ganz gemütlich auf dem Berg verbracht. Wäre es noch ein wenig wärmer, könnte man den Schwimmteich nutzen und mit den Fischen um die Wette plantschen. Wären meine Leutchen nicht so faul, könnten Sie hinter dem Haus auch eine Partie Tennis spielen oder eine tolle Wanderung durch die französische Landschaft unternehmen. Dieses Fleckchen Erde zu genießen, füllt jeden Akku wieder auf.



Zwei feste Dates an der Ardeche

Für meine Leute gibt es an der Ardeche meist zwei Unternehmungen. Zuerst bummeln sie durch Valence, überqueren den Markt und nehmen in einer kleinen Brasserie (Le Bistro des Clerks) den Plat du Jour ein. Gestern Mittag sogar draußen im Sonnenschein. Trotzdem bereitete Wolfgang am Abend (als hätten sie nicht schon genug gegessen, aber wir sind ja in Frankreich) eine wunderbare Bouillabaisse für seine Anne als Geburtstagsgeschenk zu.

Den Tag drauf geht es, jedenfalls, wenn es ein Freitag ist, nach La Voulte auf den Markt. Dort werden ein paar wunderbare französische Lebensmittel für alle Daheimgebliebenen eingepackt. Anschließend gehen sie natürlich, wie es sich hier gehört, auf ein Bierchen / Weinchen ins Bistro. Einen Teil der Einkäufe haben sie dort gleich verzehrt und an eine entzückende kleine Kollegin abgetreten. Das wäre eigentlich mein Platz gewesen.



Jetzt schlafen wir hier nicht bei Freunden auf dem Sofa, sondern dürfen die Ferienwohnung nutzen, die angemietet werden kann. Hier trifft man auf keine anderen Gäste, erfährt eine wunderbare Ruhe umgeben von Natur und vielen Tieren (zwei Esel, sechs Schafe, sechs Hühner, unzähligen Koi, herumwühlenden Wildschweinen und ein paar Katzen, die auf der Suche nach Futter vorbeischauen).

Währenddessen habe ich die Großstadt unsicher gemacht. Ich konnte souverän zeigen, wie man sich im Aufzug verhält und auch als Bürohund Laut geben kann. Von den Passanten in der Fußgängerzone wollte ich wissen, ob sie wirklich dasgleiche in der Bäckertüte haben, wie wir in Rheinhessen und fast wäre ich noch mit dem Riesenrad gefahren, das gerade auf dem Domplatz seine Runden dreht. Es ging mir herrlich in diesen Tagen und ich habe meine Leute nicht allzu stark vermisst, obwohl auch ich die neue Eselin gerne mal beschnuppert hätte.

Am Samstag findet dann Zuhause wieder die große Familienzusammenführung statt: Der Junior kommt aus seinem Studienort, wir aus dem Osten und Herrchen und Frauchen direkt vom Paradies. Bis dahin lass ich mich noch ein wenig bespaßen und spiele mit Dolly, dem Schaf.

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