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Valence, unsere dritte Heimat

Endlich wird es Süden! Auch wenn ich eigentlich gar nicht für die große Hitze gemacht bin – ursprünglich komme ich aus den Tiefen Neufundlands – liebe ich persönlich die vom Himmel lachende Sonne sehr. In solchen Momenten bin ich zwar nicht hyperaktiv und muss, wenn keine Schwimmmöglichkeiten vorhanden sind, regelmäßig aus der Borddusche refresht werden, aber ich liebe es, an diesen Tagen auf dem Vorschiff zu dösen . Neuerdings hat Frauchen auch noch eine neue Funktion der ohnehin schon ekligen Haarbürste entdeckt. Die ziept mir die Unterwolle aus dem Fell. Sie soll dafür sorgen, dass ich es etwas luftiger habe, ist aber extrem unangenehm für meine zarte Haut. Sie macht das immer, wenn ich nicht großartig flüchten kann. Wir haben ein nicht ausgesprochenes Agreement: Ich lasse ihr ein paar Züge, ziehe mich vornehm auf die andere Seite des Vorschiffes zurück und sie akzeptiert das.

Ich liebe den Geruch vom großen weiten Meer, den ich persönlich jetzt schon in der Nase habe, das Zirpen der Zikaden und das üppige Leben im Draußen und seinen Plätzen. Deshalb schlug mein Herzchen vor Freude immer höher, als wir uns dann endlich aus der Großstadt verzogen und weiter gen Süden schiffwanderten. 

Valence und endlich gibt es ein Wiedersehen mit Anne und Wolfgang

Nach drei Tagen kamen wir dann nach Valence, was meine beiden Menschen direkt in wahre Entzückung versetzte. Sie erkannten Orte in der Landschaft wieder, die mir völlig neu waren und faselten von Namen zu denen ich keinen Geruch in der Nase hatte. Wahrscheinlich war das auf kleine Trips zurückzuführen, die sie unverschämterweise ohne mich unternommen hatten. Ihr Verhalten machte mich immer neugieriger, weil jetzt auch ich wissen wollte, wer sich denn hinter den Namen Anne und Wolfgang verbirgt.

Am Freitag gegen halb elf tauchten die beiden dann endlich auf und, das machte sie mir direkt äußerst sympathisch, sie brachten gleich etwas zu essen mit. Leider war es überwiegend Gemüse, was mich als Labbi enttäuschte, aber meine Lieben hochgradig erfreute, denn es handelt sich um Erzeugnisse aus Wolfgangs Garten. Ich erspähte aber noch zwei Gläser, in denen ich Wurst vermutete. Das würde eher was für mich sein. Leider durfte ich nur den Duft kosten. Bei so guten Sachen wird leider nicht immer gerecht gedrittelt. Und Pommes hatten Anne und Wolfgang nicht dabei.  

Bei einem etwas verfrühten, aber durchaus erquicklichen Apero kamen die Vier ins Plaudern und erzählten viel aus den alten Zeiten. Herrchen und Wolfgang waren mal Geschäftspartner, aber daraus ist schnell sehr viel mehr geworden. Und auch Wolfgang und Anne sind echte Schiffsleute, die vor vielen Jahren um die halbe Welt gesegelt sind. Herrchen war von Island bis Grönland mit an Bord. Unser Schiff hat ihnen sehr gut gefallen und wenn es zeitlich klappt, wollen Sie gerne mal mit auf Reisen kommen. Im Moment vermieten sie aber ihre tolle Ferienwohnung und machen für ihre Gäste schon mal einen supertollen Apero aus ihrem Selbstversorgerleben. Bei denen hat man als Labbi bestimmt den Himmel auf Erden. Vielleicht sehen wir sie im Herbst sogar bei uns auf der Insel wieder. Auch darüber haben sie gesprochen. Ich wäre unbedingt dafür, auch wenn sie nichts zu essen mitbringen.

Danach ließen sie mich auf dem Boot alleine und machten ihren obligatorischen Bummel durch Valence, den sie immer unternehmen, wenn sie die beiden besuchen. Das war für mich sehr okay, denn ich kenne so langsam die eng gestellten Tische in Frankreich. Es würde mir nicht sehr gefallen, mich bei den warmen Temperaturen unter einen kleinen Tisch zur verkrümeln und von den umher strömenden Essensdüften wahnsinnig zu werden. Da ging es mir auf dem Schiff schon besser. Leider sah ich die beiden nicht mehr, aber Wolfgang hinterließ mir einen lieben Gruß, indem er mir die Knochen seiner Schweinefüßchen überließ. Bestimmt habe ich einen guten Eindruck bei ihm hinterlassen. 

Und zack sind wir im Mittelmeer

Den Samstag hatten wir eigentlich ein weiteres Mal durch Valence stromern wollen, aber da die hier mit ihren Leihfahrrädern nicht ganz so gut aufgestellt sind wie in Lyon und wir auf dem Markt gar nichts mehr holen mussten, weil wir ja so tolles Gemüse von Wolfgang bekommen hatten, blieben wir im Hafen, was eine kluge Entscheidung war, denn bereits am Vormittag ging ein heftiges Gewitter über die Marina hinweg. So machten wir unsere üblichen Bootsgeschäfte, wie Waschen, Aufräumen, die nächsten Routen ausbaldowern und gingen noch in aller Ruhe tanken. Die nächsten Tage waren größere Routen angedacht. So half uns der Tag, uns dafür zu richten.

Die Überfahrt nach Viviers war eine echte Wurmtour, denn da steckte von Anfang derselbige drin. Schon bei der ersten Schleuse schrubsten wir mit dem Schiff an die Ecke des Anlegestegs für die Schleuse. Alle Schleusenpoller, die wir sonst im Schlaf finden, schienen sich in letzter Sekunde mit einem Satz in die ein oder andere Richtung zu verschwinden und zu guter Letzt donnerten wir direkt vor dem Hafen unter sämtlichen Blicken der dort flanierenden Sonntagsspaziergänger über ein paar Felsbrocken, die ziemlich untief angebracht waren. Zwar waren wir auf der richtigen Seite des Pollers gefahren, das wohl aber ein wenig zu nah. 

Mir ist das zwar stets ein wenig peinlich und ich verziehe ich mich sofort ins Schiffsinnere bis ein wenig Gras über die Sache gewachsen ist. Aber solche Tage gehören zum Bootsfahrerleben dazu (sagt Herrchen immer) und so lange nichts Übleres passiert, stimme ich dem zu. Das Anlegen gegen die Strömung gelang dem Kapitän wunderprächtig und so konnten wir den Tag entspannt beenden, einen langen Spaziergang durch die entzückenden Gassen des Ortes unternehmen und waren am Montag für neue Abenteuer gerüstet.

Dieser Tag lief auch nicht ganz nach Plan, aber das stellte sich im Nachhinein eher als Gewinn heraus. Wir hatten eigentlich nicht die nahezu 80 km bis nach Avignon fahren wollen. Wir sind ja schließlich nicht auf der Entenjagd. Aber in diesem Abschnitt der Rhône gibt es nicht allzu viele Anlegemöglichkeiten. In freier Wildbahn anzulegen, ist in diesem Fluss keine gute Idee. Den Steg vor St. Etienne gab es nicht mehr, wie im Fahrtenbuch angekündigt. Für die Marina in L’Ardoise hätten wir in einem Parallelarm der Rhone 4 km gegen die Strömung zurück fahren müssen. Das hätten wir zwar gemacht, aber nachdem wir die Fotos der Marina im Internet entdeckt hatten, war das keine Alternative mehr. Also blieb der letzte Steg (9 km vor Avignon) und der sah so wenig einladend und so wenig schattig aus, dass wir das bisschen noch anhängten und schon am frühen Abend an der berühmten Pont Saint-Bénézet vorbei fuhren, die einen wirklich sehr beeindruckt. 

Bei unserer Reiserei finde ich besonders spannend, dass wir häufig eine andere Sicht auf die Dinge bekommen, weil wir sie vom Wasser aus betrachten können. Die Brücke in Avignon sieht man ja von der Stadt aus oder man flaniert darüber. Die Brücke selbst besteht nur noch aus einem Rest, der bis in die Mitte des Flussarms reicht. Wir durften also am Wasser und somit an der Brücke vorbeifahren, was wenige Besucher zu Gesicht bekommen. Durch die Torbögen zu fahren ist aus selbsterklärenden Gründen verboten. Das war ein ganz beeindruckendes Erlebnis.

Überhaupt ist Avignon wirklich eine bezaubernde Stadt, in der man sich Tage lang verlustieren kann. Kaum biegt man um die Ecke tut sich ein neues Viertel auf, alles befindet sich fußläufig und am Palast der Päpste kommt man so oder so vorbei. Am Abend herrscht dort ein fantastisches Flair. Viele sitzen in den Cafés und Restaurants, andere sitzen auf den vielen Stufen und einige flanieren über den Platz. Leider war es sehr heiß, so dass wir über Mittag eine Pause einlegen mussten. Aber wir wandelten in den Markthallen, frühstückten wie immer französisch auf einem kleinen Platz und schickten Frauchen zum Friseur. Die hatte es bitter nötig und obwohl ihre französischen Sprachkenntnisse gerade erst wieder zum Leben erwachen, konnte sie dem Coiffeur gut verständlich und somit erfolgreich klar machen, was ihr Anliegen war. 

Der Termin in der Werft für das Aufstellen der Masten rückt immer näher, so dass wir nur einen ganzen Tag in dieser wundervollen Stadt hatten, aber sie ist jedem zu empfehlen und wir werden hier bestimmt wieder vorbei kommen – um uns die anderen Perspektiven der Brücke zu Gemüte zu führen. 

Nach einem sehr heißen Reisetag und einer nicht eingeplanten Warteschleife in der letzten Schleuse der Rhône, liegen wir nun im Port St. Louis schon im Salzwasser und genießen die Meeresbrise, die uns die Hitze erträglicher macht. Das war gestern noch nicht so. Ich hatte Mühe mein Schattenplätzchen auf dem Schiff zu finden und wurde aber dankenswerterweise in regelmäßigen Abständen abgeduscht. Die letzte Schleuse befindet sich direkt vor dem Hafen, so dass wir eigentlich schon das Gefühl hatten dazu sein. Für das Schleusen gibt es feste Termin, da direkt nach Austritt die Brücke hochgefahren werden muss. Damit nicht jeder Bootsfahrer diese Aktion auslöst und den gesamten Autoverkehr aufhält, wird ein bisschen gesammelt. Spätestens sollten wir da sein, um Viertel vor vier würde geschleust. 

Leider kam ein Feuer irgendwo in der Gegend dazwischen, dass die Feuerwehr dazu bewegte, die Brücke für die Dauer ihres Einsatzes zu sperren und so mussten wir über eine Stunde in der Schleuse und der entsprechenden Hitze, mit Schwimmwesten und ohne Schatten ausharren und kamen dann endlich am Liegeplatz an.

Heute treffen wir sämtliche Vorbereitungen, die für die Maststellung erforderlich sind und genießen ansonsten den Ruhetag in der Marina. 

Bleibt uns gewogen, bis zum nächsten Mal Eure Labbidame Leila

Lörzweiler liegt kurz vor Lyon

Wüsste ich es nicht besser, so könnte ich glatt auf die Idee kommen, dass mich die beiden manchmal ein bisschen ärgern wollen. Den größten Stress, dem man mich aussetzen kann, ist, wenn ich mich zwischen den beiden entscheiden muss. Das war zu Hause schon heftig, aber jetzt auf Reisen, kann ich es gar nicht leiden, wenn der eine nach rechts und der andere nach links von dannen zieht. Ein typisches Szenario dieser Art findet kurz nach dem Anlegen statt. Während Herrchen uns in der Captainerie anmeldet, nimmt mich Frauchen an die Leine und will mit mir in einer komplett fremden Umgebung einfach weggehen, so als wollten wir ausbüxen. Sie erwartet dann von mir, dass ich so ganz einfach meine Geschäfte verrichte. Ich soll meine Muskulatur locker lassen, mich entspannen und einen Haufen abseilen. Dabei weiß ich überhaupt nicht, in welcher Gefahr sich der Rest des Rudels eventuell gerade befindet und ob nicht unter Umständen mein Eingreifen gefordert ist. 

Denen meine Not beizubringen ist echt mühsam, aber so langsam haben es die beiden kapiert. Wir machen das kleine Geschäft nun direkt nach dem Aussteigen in Rufnähe des Hafenbüros und die große Runde findet am späteren Nachmittag statt: zu Dritt selbstverständlich! Das schont meine Nerven und damit die meines Rudels gleich mit. Die finden es nämlich ebenfalls nicht lustig, wenn ich plötzlich bocke und mich wie ein Esel keinen Millimeter mehr von der Stelle rühre.

Die Saône, ihre tollen Plätze und liebster Besuch

Nachdem wir also den Junior wieder in die Heimat entlassen hatten, schafften wir uns weiter auf dem schönen französischen Flüsschen in Richtung Lyon, unserem nächsten Etappenziel. Was gleich auffiel, waren die reichlich traumhaften Liegeplätze. Wir konnten immer zwischen sehr privaten Plätzen mitten in der Natur oder mittelgroßen Städten wählen, die alles zur Verfügung haben, was ein Bootsfahrerherz so begehrt. Auf dem Naturplatz schmissen wir den Grill an und wanderten durch das satte Grün. In Auxonne tummelten wir durch die Stadt, wuschen mal wieder Wäsche und füllten die Vorräte auf. 

Als Nächstes sollte es nach Crêches sur Saône gehen. Unsere Freunde Angela und Thomas befanden sich auf dem Rückweg von ihrem französischen Urlaubsort. Was lange gewünscht und geplant worden war, sollte Ende der Woche Wirklichkeit werden, denn wir würden beide diesen kleinen Ort an der Saône erreichen – und das zum selben Zeitpunkt! Für die beiden passte es sogar prima als Zwischenstation für eine Nacht und so wurde alles getan, mich und das Boot in bestem Glanz erscheinen zu lassen. Zeitweise stieg ich aus dem Boot aus, um mir von außen zu betrachten, dass alles auf den ersten Blick wunderprächtig aussehen würde. Auch plötzliche Unwägbarkeiten wie eine wie aus dem Nichts auftauchende Schnakeninvasion konnten meine beiden Menschen nicht stoppen. Herrchen tauchte in die Tiefe des Unterschiffs ab und fand noch zwei Fliegennetze, die er nach eingehender Berechnung auf sieben Stück Blatt Papier maßstabsgetreu auf der Terrasse des Schiffs anbrachte. Frauchen sorgte für adäquates Befestigungsmaterial und packte ihre Wäscheklammern aus. So wird hier an Bord Großes geleistet. 

Bei Ankunft der beiden durfte ich lernen, dass dieser Ort offenbar gar nicht so weit von unserer Heimat entfernt liegt, denn sie kamen locker angeradelt, wie ich das von zu Hause kenne. Auch sie schienen keinen Honig bekommen zu haben, denn sie brachten zwei fantastische Flaschen Rosé und zwei leckere Melonen mit. Es wurde ein fröhlicher Abend, an dem mal draußen, mal drinnen gesessen, viel gelacht und gegessen wurde. Selbstverständlich zeigte ich mich von meiner Schokoladenseite und trug viel dazu bei, dass sich die beiden bei uns ziemlich wohlfühlen konnten. Ich verbiss es mir schweren Herzens, ihnen das Essen von der Gabel zu schauen und machte sie auch mit meiner Pfote nicht darauf aufmerksam, dass ein Teil der Portion eigentlich für mich bestimmt ist. Gut, Herrchen sorgte stets für volle Gläser. Das hat bestimmt auch geholfen, denn schließlich hatten sich die Vier eine Menge zu erzählen. Jedenfalls war es schon sehr dunkel als die beiden schließlich wieder mit den Rädern nach Hause in die Nähe von Mommenheim fuhren. Ich habe schon mal nachgehört, dort sind sie und ihre Räder gut angekommen. Es war ein wunderschöner Abend und sie dürfen gerne jederzeit wiederkommen. 

Lyon ist immer eine Reise wert

Unser zweites Highlight befand sich 70 km die Saône abwärts. Diverse Male waren wir bereits an dieser Stadt vorbeigekommen. Immer dann wenn wir unsere Freunde Anne und Wolfgang an der Ardeche besucht haben. Einen genauen Blick haben wir nie auf dieses Fleckchen Erde geworfen, weil wir eben nur auf der Durchreise waren und zielstrebig dran vorbei fuhren. Schließlich wartete der kalte Sekt in Boussenac auf uns. 

Woran ich merke, dass wir mal wieder in einer Großstadt unterwegs sind? Ich habe das Schiff tagsüber ziemlich für mich alleine. Das gefällt mir den ersten Tag recht gut. Ich kann endlich mal so vor mich hindösen, ohne dass mich jemand anspricht. Auch werde ich nicht von Essensdüften, die aus der Kombüse aufsteigen in meinen Träumen abgelenkt. Kommen die beiden dann zurück, haben sie stets was Nettes für mich im Gepäck. Im Anschluss gibt es dann einen besonders dicken Spaziergang und eine unendliche Krauleeinheit. 

Für diese Stadt  haben sie sich Räder ausgeliehen und ich hatte die kurzfristige Befürchtung, sie würden damit wie unsere Freunde nach Hause radeln. Weit war es ja nicht. Aber das war natürlich nicht der Fall. Das Zentrum befand sich etwa 3 km vom Hafen entfernt. So würden sie schneller wieder bei mir sein und sich ihr üppiges Essen, was es in dieser Stadt zuhauf gibt, gleich abtrainieren können. Das Ausleihen ist so wunderbar einfach organisiert, dass sogar ich das hinbekommen würde. Die Diskussionen der beiden habe ich beim Weggehen mit einem halben Ohr noch mitbekommen: Herrchen hätte lieber die Bahn genommen, aber Frauchen wollte unbedingt aufs Rad. Herrchen traute dem System nicht, dabei war das eine ganz dolle Sache: Man kauft sich einen Tagespass für 4 € pro Person. Dann kann man sich Räder so oft und überall in der Stadt ausleihen, wie man es braucht. Das klappt total easy und die Stationen finden sich wirklich überall. 

Den ersten Tag verbrachten sie in Vieux Lyon, also in der Altstadt. Dabei stromerten sie durch die vielen verwinkelten Gassen und Höfe, gingen in ein Café, in dem man sein eigenes Croissant aus der Bäckerei mitbringen durfte. So frühstücken die Franzosen oft. Gestärkt bestiegen sie den Berg zur Basilika der Notre-Dame im Fourvière und konnten einen atemberaubenden Blick auf die großartige Stadtinsel werfen, die von Saône und Rhone umarmt wird. 

Am zweiten Tag verschlug es sie, mit einem neuen Tagespass ausgestattet, in das Viertel Bellecour. Das ist eher der moderne Teil und gilt als die Shoppingmeile der Stadt. Viel haben die beiden aber nicht gebraucht: die Postkarten für Oma und Opa, das Musst-have Kettchen für Frauchen und Lavendel, falls die Schnaken den Weg von Crêche in die Stadt finden. 

Damit sie auch von ein bisschen Bildung erzählen können, gingen sie vor dem Mittagessen noch in ein tolles Museum. Das Musée de l’Illusion präsentiert spannende Phänomene, die das Auge und die eigene Wahrnehmung gelungen hinters Licht führen. Zwischen Hologrammen, Kaleidoskopen, visuellen Rätseln, Zerrspiegeln, Illusionsspielen  und anderen multidimensionalen Räumen kann man leicht die eigene Orientierung verlieren. Aber man verbringt dort eine unglaubliche Zeit, in der optische Täuschungen die Hauptrolle spielen! Eigentlich hätten sie dort noch eine ganze Weile bleiben können. Aber es gibt ja schließlich noch mich. Außerdem wollten sie dort noch ein leckeres Mittagessen einnehmen. Bildung hin oder her. Es muss sehr lecker gewesen sein. Jedenfalls zeigte das das kleine Stückchen, das ich kosten durfte. 

Morgen geht es also weiter. Dann fahren wir in die Rhone ein und ich habe es in der Nase: Da steht wieder etwas auf dem Plan. Bis dahin muss ich mich erstmal auf meinem neuen Überwurf von der Großstadt erholen.

Unsere Crew ist wieder komplett

Der Junior fährt heimlich hinter uns her. Irgendwie jedenfalls. So muss es sein. Anscheinend ist er für die adäquate Versorgung an Bord verantwortlich. Und das ist im Nordosten Frankreichs (Grand Est) bitter nötig. Denn hier ist es an vielen Stellen sehr leer und ich musste die letzten Tage bereits feststellen, dass selbst die süße kleine Bäckerei in Pfotennähe keine Selbstverständlichkeit ist. 

Viele Dörfchen, in die wir fahren, wirken wie ausgestorben. Die Straßen sind leer, die meisten Ladengeschäfte auch, von Restaurants ganz zu schweigen. Gut, zum Damenfriseur könnte ich in jederzeit und überall gehen. Das scheint wichtig zu sein. Aber einige dieser kleinen Landstriche machen doch einen sehr verlassenen Eindruck und ich denke mir, dass viele von dort weggehen. Viele Wohnhäuser sehen jedenfalls sehr einsam aus.

Das hat der Junior bestimmt gerochen. Denn am Abend des letzten Mittwochs tauchte er wie aus dem Nichts auf. Ich hätte eigentlich selbst drauf kommen können. Alles wurde von meinen Zweibeinern hübsch gemacht und aufgeräumt. Das Wetter wurde auf Sommer geknipst und schon war er da. Offenbar wurde das auch höchste Zeit, denn er hatte ein fast vollgeladenes Auto und für jeden was dabei.

Der Flohmarkt in Fontenoy-le-Chateau hatte es nicht so wirklich gebracht. Frauchen wollte ja Vieles, was auf dem Boot an Accessoires fehlt, unterwegs erstehen, damit sie  immer an das Reisen erinnert wird. Aber dieser Markt war kein typisch französischer, sondern eher eine Keller-Ausmist-Aktion. Also Sperrmüll auf dem Dorfplatz.

Frauchen hatte nebenbei mit ganz anderen Problemen zu kämpfen und kein wirkliches Auge für die einzelnen Stände. Sie versteifte sich an diesem Tag lieber darauf, ihre EC-Karte zu verlieren, sie dann sperren zu müssen, nur um sie am Ende wiederzufinden. Nicht jeder Landgang ist hier die Entspannung pur. Für ein bisschen frisches Gemüse und das obligatorische Schmuckstück hat es dann doch noch gereicht. Auch für das Essen musste an diesem Tag nicht gesorgt werden. Es gab einen Stand mit Steak-Sandwich und einer guten Flasche Wein. Für die Menschen! Ich wurde mit ein paar billigen Pommes abgespeist. 

Apropos Essen

Dachte ich in Metz noch, meine Existenz sei gesichert, wurde es in diesem Teil des Landes mit der Jagdbeute meiner Leute zunehmend dürftig. Das geht allen Bootskollegen so, die wir jeden Abend wunderbarerweise am neuen Anlegeort wiederfinden. Kurz nach dem Aussteigen und Strom legen (falls es überhaupt welchen gibt) wird Kontakt mit dem Rest der Meute aufgenommen und die allgemeine Restaurant,- Bäcker- oder Supermarktlage besprochen. Dienstag sind wir zum Beispiel extra nicht ganz so weit gefahren, weil es in Selles ein leckeres Restaurant geben sollte. Kaum, dass wir angelegt hatten, stellte sich die Lokalität, die in Reichweite der Liegestelle lag, entgegen gewisser Informationen aus dem Internet als zuverlässig verrammelt heraus. Und man darf sich an dieser nicht vorstellen, dass es weitere Alternativen zu begutachten gegeben hätte.

Wir trafen auf ein weiteres Paar aus der Schweiz, die diese Gegend seit vielen Jahren befahren und richtig ein bisschen überdrüssig geworden sind, weil es kaum etwas gibt. Von kulturellen Reizen wollen wir an dieser Stelle noch überhaupt nicht sprechen.

Auch meine Leute kennen das Problem. Schließlich sind sie die Tour vor neun Jahren schon mal gefahren und dabei fast verhungert. Was bin ich froh, dass ich erst später in diese Familie gekommen bin. Natürlich hatten sie sich auf die Diaspora vorbereitet, aber schließlich will man in Frankreich nicht aus der Dose leben, wenn zu einem guten Anlegemanöver ein leckeres Gericht und ein Gläschen Rosé gehört. 

Gut also, wenn man einen Junior hat, der einen ein bisschen mitversorgt. So bekam Herrchen eine Kiste alkoholfreies Bier, das es hier kaum gibt, Frauchen ihr gutes Olivenöl aus der Heimat und ich ein paar zärtliche Krauler hinter die Ohren. 

Und nur um auf Nummer sicher zu gehen und weil das Auto nun mal gerade vor der Tür stand, fuhren sie in den nächstgelegenen Supermarkt, um sich für die nächsten Tage zu versorgen. Was ich da so alles in den Kühlschrank wandern sah, machte mir durchaus Mut. 

Die Saône 

Der Sohnemann ist aber auch ein Kluger. Er stieß in Corre zu uns. Das ist die Endstation des Canal-des-Vosges und ab hier sollte die Lage besser werden. Zur Feier des Tages hatten wir uns für die schönere Marina entschieden. Die sollte auf jeden Fall ein Restaurant haben. An der letzten Schleuse, von übrigens über 90, die wir mittlerweile bewältigt hatten, gaben wir unsere Schleusenfernbedienung wieder ab, indem wir sie in einen Kasten warfen. Ab jetzt würden uns Bämbel begleiten. So nennen wir die dicken Schläuche die von einer Leitung herunterhängen und gedreht werden müssen. 

Ein kleiner Anlass, an dem man die Diskussionsfreudigkeit meines Rudels ablesen kann.  Hier wird nicht einfach zur Kenntnis genommen, dass man rechts drehen muss. Die Frage was rechtsherum in diesem Zusammenhang nun wirklich bedeutet und wie das Prozedere richtig zu verstehen sei, wurde den halben Vormittag ausgiebig debattiert und geprüft.  Und man soll es nicht glauben, jeder hat dazu eine eigene Vorstellung. Häufig höre ich nur mit einem halben Ohr zu, während ich so vor mich hin döse. So lange der Laden insgesamt läuft, besteht meinerseits kein Bedarf, um einzugreifen. Und der Laden lief in der Tat recht gut. 

Die Marina liegt also nach der Schleuse bereits in der Petite Saône und so konnten wir einen Blick auf den Hochwasserstand werfen und das beruhigte doch sehr. Ganz sanft konnten wir eintreten und direkt fühlen, dass das mit dem Fluss kein Problem werden würde. Die Marina war toll. Nur auf Hunde müssen sie sich noch ein wenig einstellen. Die haben da so richtig eklige Steggitter, die an Land führen. Und die sind für uns Vierbeiner die Hölle. Ich habe zwar als Welpe geübt, über jeden Bodenbelag zu stapfen, aber ein Vergnügen ist das barpfotig nicht. Ich hätte mir dieses Rudel jedoch nicht ausgesucht, wenn sie in so einem Fall nicht Abhilfe schaffen könnten. Als sie sahen, wie sehr ich mich abmühen musste, packten sie den Bollerwagen aus und ich verstand sofort. In dem bequemsten Shuttle-Service wurde ich nun unter amüsiertem Gelächter sämtlicher umliegender Bootsfahrer an Land gebracht. Milde lächelnd grüßte ich erhobenen Hauptes nach rechts und links und wahrte die Haltung. 

Jetzt da wir wieder zu Dritt an Bord waren, konnten wir unser Running-System ein wenig verändern. Wir spielten alle Rollen mal durch. Herrchen musste also auch mal an die Leinen, was er dringend nötig hatte. Frauchen und der Junior mussten sich am Steuer behaupten und in passgenaue Schleusen und durch enge Sicherheitstore manövrieren.  Eigentlich ist es für mich entspannter, wenn jeder so seine Aufgaben und Funktionen inne hat. Dann gibt es kaum Geschrei und Diskussionen und alles läuft getragen und lautlos wie in einem Stummfilm ab. Aber schnell kann es passieren, dass die Rollen getauscht werden müssen. Dann ist es gut, wenn jeder eine Ahnung hat, was auf ihn zukommt. Nur meine persönliche Verantwortung hier an Bord ist natürlich nicht delegierbar.

Der Junior fuhr sogar den dunklen und kühlen St. Albin-Tunnel. Es war ganz heiß an dem Tag und so waren die 860 m für mich eine erholsame Abwechslung, aber bestimmt nicht einfach zu steuern. Die kleine Saône bietet zwei solcher Tunnels an. Die sparen einem nämlich einige Fluss-Kilometer. Ebenso mussten wir mehrere Sicherheitstore passieren, die nach dem Hochwasser wieder offen standen. An der Vegetation konnte man übrigens gut sehen, wie weit das Wasser über die Ufer getreten war. Sie war heftigst schlammig verfärbt.

In der Saône wird es auch mit dem Essen besser. Meine Leute brachten jedenfalls gute Jagdbeute mit nach Hause und einmal durfte ich sogar mit. Am Freitag haben wir uns einfach an einen kleinen Steg mitten im Fluss gelegt und sind in ein nahegelegenes Strandbad gelaufen. Dort gab es lecker Burger und Pommes (mal wieder für mich). Doch ich lieb’s, wenn ich mit darf. Ich lege mich dann unter den Tisch und betrachte das ganze Kino, was um mich passiert, ohne die Futterquelle aus den Augen zu lassen.

Außerdem darf ich jetzt jeden Tag schwimmen und das finde ich richtig klasse. Das Wetter ist toll, es gibt immer den passenden Ausstieg für mich und die Ente fällt immer zum richtigen Moment ins Wasser. 

Nur eines ist blöd. Nach vier Tagen musste der Junior wieder heim und wir fahren ohne ihn weiter. Aber ich bin mir sicher, wenn bei uns die Versorgungslage eng wird, kommt er wieder angefahren. Vielleicht aber auch einfach so, um uns zu besuchen. Ich freu mich, so oder so.

Echt jetzt? Geht’s los? Ich bin bereit!!

Es mehren sich die Zeichen, dass sich in diesem Haus endlich mal wieder etwas tut. Bin ich doch hier angetreten, um ein europaweit wandelnder Labbi zu werden. Nach nunmehr über 20 Monaten des Innehaltens kann ich meine innere Uhr an den täglichen Tagesabläufen ausrichten, bevor es mein Rudel tut. So habe ich vorzeitig die Leine in der Schnauze, stehe am Fußball bereit mit dem Junior zu kicken und in meiner Futterecke, um meiner Lieblingsbeschäftigung nachzugehen. Ist alles ganz nett, aber täglich passiert hier dasselbe. Aber wie vielen anderen auch, fehlt mir die Welt.

Sonntagsfrühstück bei schönem Wetter

Es tut sich was! Ich bin begeistert

Seit ein paar Tagen scheint sich hier jedoch einiges zu tun. Es ist eine gewisse Rührigkeit zu verspüren, die mir Hoffnung macht. Gut, der Junior ist raus, der muss dieses Mal leider Zuhause bleiben, kommt aber immer mal wieder an Bord. Erfreulich zu sehen ist, dass Herrchen wieder baut. Er produziert Utensilien, die ganz offensichtlich aufs Schiff gehören und teilweise mit mir zu tun haben. So hat er ein überdimensionales Monster geschaffen, über das ich wandeln soll. Die Tücke: Gerade, wenn ich die Überquerung elegant und souverän hinbekomme, wird das Teil wieder ein Stückchen steiler aufgestellt. Gut, sie werden schon wissen, was sie da tun. Ich mache mit, wenn es nur endlich wieder losgehen kann.

Letzten Dienstag kam das Boot nicht nur wieder ins Wasser, wir fuhren über das lange Wochenende auch nach Winningen und überprüften, ob alle Reparaturen erledigt worden waren, machten eine heimelige Probefahrt und genossen das Dasein auf dem Wasser. Fazit: Das macht Lust auf mehr. Nur die Abwasserpumpe muss noch ausgesucht werden., sagt jedenfalls Frauchen.

Frauchen kann ich im Moment noch nicht helfen. Die kontrolliert als Sicherheitsbeauftragte die Reiseapotheke und ordert alles was während des vergangenen Trips aufgebraucht werden musste (und das war ja ein bisschen was) oder abgelaufen ist. Auch kauft sie Dinge fürs Schiff ein, die für mich völlig uninteressant sind: also Putzmittel, Wein und Klopapier. Und sie wäscht! Polster, Kissen und Bezüge. Das kann die Gute getrost machen – aber ohne mich. Ich steige ins Geschäft ein, wenn es um die wirklich wichtigen Dinge geht: Proviant und andere Leckereien.

Route

Hatte ich zwischendurch schon gedacht, es gäbe nur noch unser rheinhessisches Kaff, scheint auch Frankreich wieder auf die Karte zurückgefunden zu haben. Jedenfalls sieht so langsam alles danach aus, als könnten wir versuchen unseren heillos ins Hintertreffen geratenen Zeitplan einholen – aber ohne Eile. Wir haben uns vorgenommen, so zu fahren, wie uns die Lust und die Laune das vorgeben.

Zumindest bis Marseille – das ist der Plan! Das bedeutet, wenn alles klappt geht es in Winningen an der Mosel los. Und – mein Herzchen hüpft: Das bedeutet natürlich, dass dieser Sommer eine komplette geruchsvolle und entschleunigte Fluss- und Kanalfahrt wird, denn wer sich auskennt, weiß, erst in Marseille geht es ins Meer. Und das erst, wenn das Schiff wieder aufgeriggt ist und die Segel eingefädelt sind.

Vorher aber peilen wir es wie folgt an: Von der Mosel geht es in den Canal des Vosges – die Saône – die Rhone und zack sind wir im Mittelmeer. Dort dümpeln wir noch ein bisschen vor uns hin. Je nachdem wieviel Zeit noch übrig ist.

Der Wermutstropfen

Ich muss noch gute zwei Wochen Geduld aufbringen. Erstens damit das Boot sicher und schick ist und zweitens gibt es davor noch ein special Ereignis. Das habe ich zwar jetzt noch nicht so ganz kapiert, aber Herrchen und Frauchen wollen das ganz groß und nur zu Zweit feiern. Vielleicht kann ich da beim nächsten Mal ein bisschen mehr erzählen. Bis dahin, gehabt euch wohl,

Wuff kommt natürlich mit

Eure Leila

The same procedure wie letztes Jahr – Leider nein!

Meine Ankunft an Bord

Da behaupte nochmal einer, der Hund könne sich nur über einen kurzen Zeitraum erinnern und lebe ansonsten zu 100 % im Augenblick. Am Pfingstwochenende habe ich meine Menschen eines Besseren belehrt: Fast ein Dreivierteljahr hat mich keiner mit aufs Boot genommen. Zugegeben, es war aufgrund der neuerlichen Umbaumßnahmen auch kaum betretbar, aber als ich dann am vergangenen Freitag wieder durfte, habe ich mein Rudel doch sehr in Erstaunen versetzt, denn mein Groschen fiel direkt.

Nach vielen Wochen purem Genuss des heimischen Feldes war ich äußerst aufgeregt, als sich Altbekanntes regte: Ich ahnte Fröhliches, als intensiv gepackt wurde und wir alle ins Auto stiegen. Nach relativ kurzer Zeit hatten wir unser Ziel erreicht, auf die griechische Insel ging es leider nicht. Dennoch kam mir der Geruch des hessischen Federviehs in Ginsheim durchaus bekannt vor und ich wurde spontan euphorisch.

Mein ausgewählter Stammplatz

Als ich mit Betreten des Bootes kapierte was los war, bin ich schier ausgeflippt. Ein paar Schnüffler reichten aus und mir zogen Gerüche vom großen weiten Meer und leckeren Zimtschnecken durch die Nase und ich dankte meinen Leuten ganz viel, dass es offenbar wieder losging. Sofort nahm ich meinen angestammten Platz ein und signalisierte dezent, dass ich zur Abfahrt bereit sei und man die Leinen lösen könne.

Ich musste mich jedoch bis zum nächsten Morgen gedulden, denn die erste Nacht blieben wir noch in unserem Heimathafen liegen. Direkt vor dem Zubettgehen erinnerte ich mein Frauchen an unser lieb gewonnenes Betthupferl-Ritual und wartete am Berg der Treppe, bis sie endlich verstand was ich von ihr wollte. Vielleicht fiel es ihr ein bisschen schwer, weil die Katze Zuhause bleiben musste, aber dann machte es doch noch KLICK und ich bekam mein Betthupferl, verspeiste es im Körbchen und brachte ihr „de Böcha“ auf Kommando zurück. Ich hatte hier überhaupt nichts vergessen.

Meine Bauabnahme

Herrchen hatte mir auch was tolles neu gebastelt, denn nun musste ich nicht mehr über bloßes Metall wandeln, um meine Aufgaben an Bord zu erledigen. (Er hat auch noch eine neue Baderampe für mich hergestellt, aber von der weiß ich offiziell noch nichts.) Jedenfalls hat Herrchen über den Winter die Seitengänge mit Teakholz verlegt und ich schwebe nun quasi wie auf Wolken vom Heck bis zum Bug und wieder zurück.

Wer jetzt denkt, es hätte sich dabei um ein kleines nettes Wochenendprojekt gehandelt, der kennt erstens mein Herrchen nicht und unterschätzt zweitens diese Arbeit. Wahrscheinlich aufgrund der Tatsache, dass er ausblendet, dass der Schiffskörper ja gebogen ist, während jede einzelne Teaklatte von Natur aus gerade daher kommt.

Herrchen verbrachte folglich die erste Hälfte des Winters im Stall, verbog und bearbeitete in etwa 220 Leisten, die alle nummeriert und für den Einsatz an Bord präpariert wurden, während wir es uns drinnen gemütlich machten.

Im zweiten Teil zog er fast aufs Schiff und am Wochenende der Junior mit, so dass dem Schiff nach vielen Wochen und enormer Kleinarbeit ein wunderbar neuer Glanz zuteil wurde. Was sollte man auch sonst tun, wenn ein kleines mieses Virus sich weltweit auszutoben meint und viele Leben und geschmiedete Pläne durcheinander bringt.

Mitte Mai war es dann so weit. Der größte Teil der Bauarbeiten war erledigt und es konnte ans Reine machen gehen. Mich nahm man immer noch nicht mit. Ein halbes Stündchen war ich darüber leicht verschnupft.

Am letzten Wochenende war es dann so weit. Ich wurde zur Bauabnahme gerufen und voll des Lobs wedelte ich mit ganzer Freude mit allem was mir zur Verfügung stand und war voller Erwartung wohin es nun gehen würde.

Die Seitengänge sind nun zu meinem neuen Lieblingsplatz mutiert. Ich gebe zu, der Marienkäfer hat auch ein wenig gelockt, wenn ich mich auf dem neuen Holz aber nicht so wohlfühlen würde, würde ich mich bestimmt nicht so zusammenfalten.

Meine Pläne für den Sommer 2020

Aber so ganz konnte es nicht wie geplant laufen, denn natürlich können wir nicht, wie ursprünglich gedacht, durch Frankreich und Italien reisen. 5 – 6 Wochen durch die Kanäle zu stromern, klappt nicht. Bei Marseille ins Mittelmeer einzutreten und die Masten wieder aufzustellen, wird nicht stattfinden. Mit schickem Hut ein Glas Sekt an der Côte d’Azur zu schlürfen und auf unsere Freunde zu treffen, all das bleibt 2020 ein Traum. Natürlich wären wir auf dem Schiff recht sicher, aber wir wollen ja Land, Leute und die Hundewelt beschnuppern und deswegen bleiben wir aller Wahrscheinlichkeit nach erst mal daheim.

Fast! Ein bisschen was geht immer und nach ein bisschen Telefonierei fanden wir einen tollen Liegeplatz an der Mosel. In Ginsheim konnten wir nicht bleiben. Wir hatten den ja nur bis zu unserer geplanten Abreise gemietet. Aber, man weiß ja nie wofür etwas gut ist: An der Mosel kann man viel schöner Schiff fahren, als auf dem trubeligen Rhein und das ist es, was wir uns für diesen Sommer vorgenommen haben. Wir nutzen unser Boot als Wochenendhäuschen und unternehmen schöne Ausflüge, die Mosel entlang.

Was immer sich dann noch ergibt, wird mit Freude angenommen. Mein Rudel ist offen dafür, und ich bin dabei. Was sind Eure Pläne, schreibt es doch mal in die Kommentare. Ich freue mich.

Fantastisches Stockholm als nördlicher Wendepunkt und Abschied eines Crewmitglieds

Zwei Tage benötigten wir nach Stockholm. Den Sonntag nächtigten wir in einem wunderbar idyllischen Naturhafen mit angrenzendem Naturum. Dachten wir, dass unser Anlegemanöver mit Heckanker und zwei Vorleinen an Ringen am Felsen bei Wind schon laut und diskussionsfreudig von statten gegangen war und ich mich leicht am Fremdschämen war, so toppte uns eine Stunde später eine schwedische Familie locker um viele Dezibel. Zwischendurch waren sich Mann und Frau so uneins, dass wir Angst bekamen, dass er sie ins Wasser schupsen würde. Sofort war sich mein Rudel wieder einig und die Familie verdrückte sich in eine hintere Ecke des Naturhafens und ward nicht mehr gesehen.

Dienstag jedenfalls kamen wir in Stockholm an und machten mitten im Trubel im Wasahamnen fest. Zum Glück hatten wir vorher angerufen. Da am Wochenende eine Regatta anstand, hätten wir ansonsten keine Chance gehabt.

Temporeich legten wir gleich los und schlenderten ins Vasa Museum, das in fußläufiger Entfernung lag. Wer jetzt an eine Knäckebrot-Ausstellung denkt, liegt völlig falsch: Dort ist das Wrack der Vasa, einem schwedischen Kriegsschiff, ausgestellt. Peinlicherweise sank dieses Schiff am 10.08.1628 direkt beim Stapellauf. Grund hierfür war offenbar die falsche Bauweise. Es gab 30 Tote. Für einen Aufbau im Museum, übrigens eine der größten touristischen Attraktionen weltweit, sorgte aber eher die Tatsache, dass die Vasa 333 Jahre später von einem Hobby-Forscherteam wieder geborgen wurde. Es wurde mühevoll restauriert und besteht zu 98 % aus seinen Originalteilen. Zwei Stunden wurden wir in die Welt der Schweden des 17. Jahrhunderts zurückversetzt und konnten einen eindrucksvollen Blick auf diese harte und entbehrungsreiche Zeit werfen.

Am nächsten Morgen kam Frauchen dann endlich in ihr geliebtes ABBA Museum. Seit frühester Kindheit Fan dieses schwedischen Phänomens genoss sie, aber die anderen auch, die Zeit im Museum und gönnte sich am Ende noch eine Tasse, die sie ab jetzt Tag und Nacht nutzt.

Dennoch war Frauchen in dieser tollen Stadt nicht 100 % bei der Sache. In diesen Tagen hätte sie sich gewünscht, dass Beamen funktioniert. Das Schuljahr in Rheinland-Pfalz ging zu Ende und gerne hätte sie ihre 4. Klasse mit verabschiedet. Aber es geht eben nicht alles im Leben und wie meine Oma zu sagen pflegte ist es auch „koi Bubbestübsche“ und deswegen DANKE an alle, die sie ein bisschen daran teilhaben ließen. Macht‘s gut meine 19 Lieben. Ich wünsche euch tolle Ferien und einen Superstart in die neue Schule.

Das älteste Freilichtmuseum weltweit, Skansen, beeindruckte alle sehr. Hier vermischen sich Gegenwart und Vergangenheit. Wir fanden nordische Wildtiere (schönes Elchvideo), aber auch exotische Arten und ein sehr großes Aquarium. Wir durchkämmten diverse Haushalte aus unterschiedlichen Zeiten. Eine schöne Idee hierbei: Oft befindet sich eine Person , der Zeit entsprechend gekleidet, im Raum, die gerne Fragen beantwortet oder berichtet wer wie in dem Haus gelebt hat. Am Ende trafen wir noch auf eine sehr lebendige Folklore-Gruppe. Hier mussten wir eine Weile stehen bleiben.

Und natürlich haben wir uns mehrfach in der Gamla Stan getummelt. Hierfür mussten wir kurz mit der Fähre übersetzen. Wir fanden auch die weniger touristischen Ecken mit viel schwedischem Handwerk. Die Altstadt gilt als der Urkern von Stockholm, von hieraus breitete sich die Stadt aus. Nach Södermalm, dem angeblichen Soho Stockholms, haben wir es leider nicht mehr geschafft und dem Gröna Lund Vergnügungspark verweigerten wir uns einstimmtig. Brandgefährlich erschienen uns tiefenentschleunigten Bootsfahrern diese rasenden Höllengeräte, aus denen wilde Angstschreie bis spät in die Nacht zu unserem Schiff herüber schallten.

Der Abschied am Freitag war unvermeidlich. Nicht die Katze ging von Bord (die hat sich ganz gut an ihr momentanes Indoorleben gewöhnt, lässt sich dick füttern und gönnt sich auch sonst jede Dreistigkeit, besetzt Betten und weckt Frauchen mitten in der Nacht zum Dosen öffnen). Alex machte sich auf den Weg zum Flughafen. Er war nicht seekrank, es war ihm bei uns auch nicht zu kalt, zu regnerisch oder zu langweilig. Nein, die fast vier Wochen waren einfach schon vorbei und seine Familie wollte ihn wieder haben. Lieber Alex, wir wünschen dir einen guten Flug und noch viel Spaß bis auch dein Weg ins Berufsleben startet.

Mein Rudel erzählt jetzt wieder dauernd etwas von Schären. Also wenn das stimmt was ich damit verbinde, dann will ich einfach nur noch los. Großstadt ist nichts für mich. Ich firmiere bevorzugt unter Landei.

Protokoll einer Kanalfahrt

Eigentlich bin ich nicht gut in der Lage, diesen Blogeintrag zu schreiben. Paradoxerweise fehlen mir die Worte, dieser Schönheit und Atmosphäre des Göta-Kanals verbal gerecht zu werden, obwohl ich übergelaufen bin an dem was ich gesehen habe. Frauchen hat mir jedoch gehörig die Leviten gelesen und mir gesagt, ich könne nicht mitten im Blog einfach so aufhören, etwas von mir hören zu lassen. Also machte ich mich ans Werk. Während der Kanaldurchquerung konnte ich partout nicht tippen, so sehr war ich durch Schnüffeleien und Beobachtungen abgelenkt. Ich würde mal behaupten an diesem Fleckchen Erde ist die ganze Welt vereinigt: Man findet Seen en masse wie in der Schweiz, reichlich Wälder wie in Kanada, herrliche Baumalleen wie an unseren Landstraßen, kleine entzückende Dörfchen wie in Frankreich, traumhafte Buchten wie am Mittelmeer und die Architektur erinnert an die Bauweise amerikanischer Farmerhäuschen; es ist einfach von allem was da und dennoch hat das Land seinen eigenen Charakter.

Run um die Leine

Ich liebe Kanäle und Flüsse ein klitzekleines bisschen mehr als das Meer. Die Gerüche sind leichter aufzuschnappen und mehr zu sehen bekomme ich auch. Vor allen Dingen interessante Artgenossen, die ich neuerdings anfange zu verbellen. Frauchen hat sich direkt ein Kommando ausgedacht und bei „Nicht bellen“ muss ich nun die Klappe halten. Revierkämpfchen beim Schleusen gab es auch. Angeblich hätte ich mich mitten in die Leinen gesetzt. Das kann ich nicht verstehen, ich wollte nur helfen. Nun haben wir uns geeinigt. Ich darf an den Bug, aber weg von den Leinen. Das kann ich akzeptieren und so wurde die Kanalfahrerei ein voller Erfolg.

Der Göta-Kanal mit seinen 190 km und 58 Schleusen ist etwas ganz Besonderes: Er verbindet zusammen mit dem Trollhättan-Kanal die beiden Städte Göteborg und Stockholm miteinander. Vor ziemlich genau 200 Jahren befand er sich mitten im Bau. Er sollte die üppige Seenlandschaft im Landesinneren miteinander verbinden, um somit die Transportwege in Schweden zu erleichtern. Ca. 100 Jahre war er die bedeutendste Strecke für Handel und Transport, ehe ihm der aufkommende Bahnverkehr den Rang ablief. Heutzutage ist er das beliebteste Reiseziel Schwedens. Ca. 3000 Freizeitschiffe befahren ihn pro Jahr. Wir waren eines davon. 

Bei der Planung haben wir uns entschieden, den Kanal von Sjötorp aus anzugehen. Einfach erstmal, weil wir lieber runter- als hochschleusen. Während der Fahrt stellten wir dann fest, dass die meisten von Mem aus starten, was uns wenig Wartezeiten an den Schleusen und viele freie Plätze in den Marinas bescherte.

Gerne möchte ich an dieser Stelle wieder für die Schweden schwärmen. Alles an diesem Kanal ist top organisiert. Bei Eintritt in den Kanal checkt man ein und bekommt eine kleine Einweisung, wie geschleust wird. Denn hier darf jeder ran, ob erfahren oder nicht. Das Personal schätzt die Schleusenkünste recht unauffällig ein und gibt (offenbar) Besonderheiten an die nächsten Schleusen weiter. Wir kamen mit zwei jugendlichen Flinkfüßen ganz gut in der Beurteilung weg und legten einen souveränen Start hin. Bei anderen Booten sprang man unauffällig herbei und fing Leinen auf oder führte das Boot mit in die nächste Kammer der Doppelschleuse, wenn das Schiff mit nur einem Mann besetzt war. Wir wurden stets gut informiert und instruiert. Z.B. wenn es vor der nächsten Schleuse zu Wartezeiten kam oder bei den Eisenbahnbrücken Eile mit der Durchfahrt geboten war. Nie mussten wir jemandem nachlaufen oder irgendwo anrufen. Man kam immer sofort auf uns zu. Die vielen Studenten, die die Schleusen bedienen, hatten immer ein Lächeln im Gesicht und ein nettes Wort für uns übrig. Innerhalb des Kanals sind die Übernachtungen im Preis inbegriffen. Das ist bei dem Gesamtpreis mehr als in Ordnung. Max. fünf Nächte darf man in einem Hafen bleiben. D.h. man sollte seinen Aufenthalt ein wenig ziehen, denn rein rechnerisch ist man in drei bis fünf Tagen durch.

Das war unser Programm:

Wir traten also am 12.6. in Sjötorp in den Kanal ein. Sofort ist die altbekannte Langsamkeit wieder da. Wir schafften an diesem Tag 7 km in 4 1/2 Stunden. Leider spielte das Wetter nicht recht mit. Es war nass und kühl. Da wir wegen des Schleusens aber viel draußen waren, wurden wir schnell unbeweglich in den Gliedern und steif in den Fingern, was ein bisschen anstrengte, da man die Leinen fest in der Hand halten muss. Bei Ankunft brunchten wir in einem süßen Café in Lyrestad und schauten den Rest des Tages dem strömenden Regen zu. Zum Glück wurde das Wetter schon am nächsten Tag besser.

Wir landeten nach drei Brücken und neun Schleusen an einem wunderbaren Liegeplatz in Hjästorp. Zunächst hatten wir den ganzen Platz für uns, aber nach ein paar Stunden lernten wir ein nettes Ehepaar kennen, an das wir auf dem Kanal noch öfter geraten würden. Durch sie haben wir die wirklich echten, leckeren schwedischen Kekse kennengelernt. Auch das ein altbekanntes Phänomen auf dem Kanal: Wenn man am selben Tag startet, trifft man sich immer wieder, weil man so ähnliche Strecken hinter sich lässt. Das sind mal nette, mal wundersame Begegnungen und bieten teilweise köstlichen Gesprächsstoff. So hat sich gezeigt, dass wir mit der Spontanvergabe des Namens „Hexe“ und unserer Menschenkenntnis nicht falsch lagen. Nicht nur unter Bootsleuten ist es völlig unüblich, in letzter Sekunde kommentarlos an vier wartenden Schiffen vorbei in die Schleuse zu schießen, seine Leine in egoistischer Weise über alle anderen zu legen oder allen Mitschleusern lediglich in der eigenen Muttersprache mitzuteilen, wie man vorzugehen hat.

Aber die meisten Bekanntschaften oder Beobachtungen waren durchweg positiv. Wir trafen eine entzückende junge schwedische Familie, die ein ca. zweijähriges Mädchen bei sich hatte, das fest angeschnallt auf dem Fahrersitz thronte. Während die Mutter oben mit der Vorleine hantierte, übernahm der Vater die Rückleine, bespaßte sein Töchterchen und fütterte es, weil bei fünf Schleusen irgendwann der Hunger kommt. Oder ein älteres Ehepaar, das sich mit wenigen Vorkenntnissen todesmutig in das Abenteuer Schleusen stürzte und mit jeder weiteren Schleuse unsicherer wurde. Auch hier griff das Schleusenpersonal (und wir) unauffällig ein. Natürlich blieben auch wir nicht verschont. Wir mussten beim Runterschleusen eine Leine kappen, da sie sich verhakt hatte. Aber die oberste Regel griff: Beim Runterschleusen muss immer ein Beil parat liegen und das kam zum Einsatz. Wir wurden vom Schleusenpersonal für unsere schnelle Reaktion gelobt.

Auf dem Weg nach Karlsborg wurde das Wetter endlich beständig schön. Während die Jungs direkt ins Wasser hüpften, wartete der Rest des Rudels vornehm bis Ljungsbro ab. Ich musste sogar bis Norsholm warten, weil es meist so problematisch war ins Wasser zu kommen oder wieder raus. Deswegen lernte ich dort etwas ganz Tolles, was mir am Anfang nicht geheuer schien. Ich lernte mit Anlauf vom Badesteg ins Wasser zu hüpfen. Dabei hat mich Herrchen einmal so überrumpelt, dass ich überhaupt nicht nachdachte und einfach mitlief (mach ich ja sonst auch immer). Als ich kapierte, wie viel Spaß das macht, wollte ich gar nicht mehr aufhören.

Mit jedem Tag wurde es immer abwechslungsreicher. Der Kanal ging in Seen über, wurde wieder zum Kanal, zeigte seine verwunschenen Ecken oder romantischen Plätze. Wir liefen über vor schönen Anblicken. An Kanaltagen machten wir nichts außer schleusen und gucken. Es wurde nicht gelesen, es wurde nicht geschrieben, es wurden auch sonst nur die nötigsten Dinge verrichtet. Wer sich diesem Flair nicht hingibt, verpasst etwas sehr Einzigartiges.

Ich muss zugeben, dass ich die Affinität für Schweden vieler Menschen immer ein wenig belächelt habe. Für mich ist der Süden ganz klar das Paradies auf Erden (gewesen). Aber das hier zu entdecken und durchfahren zu dürfen war mehr als das Highlight unserer Reise. Es ist nicht nur die Natur. Es ist auch das Licht, das sich viele Male über den Tag verändert. Es sind die taghellen Nächte. Es sind die wunderhübschen Plätze, die für die Gäste geschaffen werden. Es ist die freundliche Art der Schweden, die Tummelei mit den anderen Nationen, es ist so Vieles mehr. Man muss mal da gewesen sein.

In Motala besuchten wir das Kanalmuseum und lernten, welch ein Kraftakt der Bau des Kanals gewesen ist. Leider erlebte der Erbauer Baltzar von Platen die Fertigstellung seines Lebenswerkes, an dem er beinahe 20 Jahre gearbeitet hatte, nicht mehr. Er verunglückte drei Jahre vorher auf dem Vättern-See, ist nun aber in Motala direkt am Kanal bestattet worden. Wir haben ihm zugewinkt.

Wir erlebten ein gigantisches Gewitter kurz nachdem wir in Norsholm eingelaufen sind. Es brach so gewaltig vom Himmel, dass selbst die Schweden angelaufen kamen und Fotos machten. Eine halbe Stunde drauf badeten wir wieder im Kanal.

Noah fing im Roxen-See seinen zweiten Fisch. Dieses Mal war es ganz klar ein Hecht, mit stattlichen 52cm. Er reichte für alle Fischesser an Bord, inkl. der Sieben-Länder-Katze und mir.

Noah fing seinen zweiten Fisch, ein Hecht

Und am letzten Tag im Kanal und dem letzten Urlaubstag von Alex‘ Eltern, die ebenfalls auf Tour in Schweden waren, schafften wir doch noch ein gemeinsames Treffen. Schon die ganzen Tage hatten wir gegenseitig auf unsere jeweiligen Reiserouten gelinst, waren jedoch immer zu weit voneinander entfernt gewesen. Vorgestern aber nahmen Sandra und Jürgen den Weg von 2,5 Stunden Autofahrt auf sich, brachten leckeren Kuchen und anderes Backwerk mit, und wir saßen doch ein paar Stunden gemütlich zusammen.

Nur Midsommar haben wir nicht gefunden. Am Freitag begrüßten uns die Schleusenguards allesamt mit Blumenkränzen im Haar und wünschten uns fröhlich alles Gute zu ihrem hochheiligen Feiertag. Wir fragten jeden akribisch aus und fuhren extra bis Söderköping, um das große Ereignis nicht zu verpassen, was eigentlich gar nicht ging, wie man uns sagte. Als wir dann aber am Abend loszogen und Midsommar suchten, war ganz nach schwedischer Manier bereits alles wieder geschlossen und von Midsommer weit und breit nichts zu sehen. Das war ein bisschen schade, aber tat dem charmanten Kanal in der Mitte Schwedens keinen Abbruch.

Ich habe es Frauchen angedroht und nun muss es auch kommen. Wir müssen an dieser Stelle über ihre modischen Highlights an Bord sprechen.

Die Wahrheit ist: ungeschminkt, schmucklos, durcheinander gewürfelt, manchmal schräg, den Gegebenheiten angepasst und ohne jegliche Filter, ABER GEIL!!

Kanal, Schleusentreppe und mehr See

Schlagartig wurde es wieder labbigerecht. Die Häuser verwandelten sich in Bäume, die Luft wurde reiner, die Geräusche natürlicher und das Tempo wandelte sich von Großstadt-Rasen in Gemütlichkeit. Von einer Sekunde auf die andere wurden wir ruhig und es ging in Richtung Trollhätte-Kanal.

Den ersten Tag bis nach Akersvass begleitete uns strahlender Sonnenschein. Wir genossen jede Minute und ich blieb den ganzen Tag draußen; zwischendurch wurde es richtig heiß. Akersvass ist ein mitten im Grünen liegender Ankerplatz. Unterhalb der alten Schleusentreppe in parkartiger Umgebung wollten wir grillen. Leider richtete sich das Wetter nach dem Bericht und pünktlich um 19 Uhr krachte ein urgewaltiges Gewitter vom Himmel, das uns alle zusammenzucken ließ. Die Umgebung passte sich an und es wurde richtig nebelig, ein verwunschener Märchenwald entstand. Gegrillt wurde trotzdem.

Nach so einem geruhsamen Abend war die Schleusentreppe am nächsten Morgen kein Problem. Das bereits seit vielen Jahren eingespielte Team kam zum Vorschein und wir schleusten die vier Schleusen souverän in 1,5 Stunden durch. Sie waren ein wenig umständlich zu handhaben, da wir die Leinen mangels passender Poller jedes mal um die Treppensprossen legen mussten. Das Zahlen der TrollhätteKanal-Gebühren hätten wir uns allerdings sparen können, die sind nämlich in den Gebühren für den Göta-Kanal inbegriffen, aber das sollten wir erst später bemerken. Unser Ziel sollte Vänersborg werden und wurde es auch. Daran änderten auch die zwei ausstehenden Brücken und die von der Kapitänin unterschlagene 5. Schleuse nichts.

Vänersborg ist der Einstieg in den Vänern, dem größten See der Schweden. Zum Vergleich: Er ist 11 x größer als der Bodensee. Man hat eher das Gefühl auf dem Meer unterwegs zu sein. Auf Anraten eines Schifferkollegen steuerten wir Läckö an und das war kein Fehler.

Wenn ich malen könnte, so wäre Läcko genau der Ort, der auf meinem Zeichenblock entstehen würde. Das barocke Schloss ist natürlich der Blickfang, aber drumherum ist ein Paradies zu finden, das ganz im Sinne der Natur erhalten wird. Schafe mähen den Rasen, das Hotel- und Restaurantgebäude ist mit unbehandeltem Holz verkleidet, ab Juni werden Führungen auf dem Naturlehrpfad angeboten, Wanderwege schlängeln sich durch das gesamte Gebiet und die Duschen liegen romantisch mitten im Wald. Ich wäre gerne noch länger geblieben, aber die Katze kam pünktlich zurück und deswegen gab es keinen Grund am Montagmorgen nicht abzulegen.

In Mariestad lagen wir unterhalb des Doms und die Marina, direkt am Städtchen, zeigte sich in mediterranem Kleid, was sicherlich an der angeknipsten Sonne lag. Das genossen wir in vollen Zügen.

Hier fand ich auch eine tolle Spielkameradin

Bis nach Sjötorp, unserer letzten Station am Vänern, war es lediglich eine Etappe von ca. 20 km. Deswegen wurde die Überfahrt dem Angeln gewidmet. Wir dümpelten mit 5 km/h dorthin, wenn man da nicht entschleunigt, weiß ich auch nicht. Von Erfolg gekrönt war das Ganze leider nicht. Obwohl es in dem See von Fischen nur so wimmeln soll, hat sich keiner an unsere Haken verirrt.

Eine abwechslungsreiche Woche liegt hinter uns. Langeweile kommt nicht auf, weil sich permanent das Terrain ändert. Im Kanal kann man sich kaum an der Umgebung satt sehen, draußen auf dem Meer fühlt man sich ein wenig wie Vasco da Gama und die Schleusenarbeit gibt einem das Gefühl am Ende des Tages etwas geleistet zu haben. Das ist als kleine Fingerübung ganz gut, denn es erwarten uns im nächsten Abschnitt 58 Schleusen auf 190 km. Der Labbi und seine Crew sind gerüstet.

Chillout-Lounge Schwedens

Ich will ja nicht behaupten, dass wir den westlichen Schärengarten in- und auswendig kennengelernt haben, dazu ist er viel zu reichhaltig und vielfältig bestückt. Aber in der letzten Woche ist es uns gelungen, einen nachhaltigen Eindruck von der schwedischen Schärenwelt auf der Westseite des Landes zu gewinnen.

Ich bin nicht im Ansatz ein esoterisch angehauchter Labbi. Ich gebe Laute wie „Wuff“ und nicht „Ooommm“ von mir, aber ich muss schon sagen, die Orte, die wir in der letzten Woche kennengelernt haben, haben mich in einen extrem gechillten Flow versetzt. Wenn an Bord Aufregung entsteht, lupfe ich nur noch müde das Augenlid.

Ein ganzes Wochenende haben wir uns im Naturhafen Hjälton samt Wald, Felsen, Badebuchten wie Robinson Crusoe gefühlt. Das war genau meine Welt. Ich kam fast um vor lauter unbekannten Gerüchen und durfte die ganze Zeit frei laufen. Zu Beginn war ich ja ein wenig skeptisch gewesen, wie ich ohne Steg an Land kommen soll. Aber auf das Rudel ist Verlass. Vor Ort gibt es häufig eine wunderbare Vorrichtungen – ich denke für Labbis und sonstige Hunde. Da kann man mit den Vorderleinen an Metallösen, die am Felsen angebracht sind, festmachen. Hinten muss man dann nur noch den Anker schmeißen und schon liegt man bombenfest. Das Ankermanöver, dass ich zeitlich in etwa auf den halben Nachmittag eingeschätzt hatte, verlief erstaunlich schnell, und ohne große Komplikationen lagen wir gegen jeden Wind geschützt in der Bucht. Direkt ging das Abenteuer los und wir durchstreiften alle Vier das neue Revier. Wie in dieser Familie so üblich wurden auf der Stelle große Pläne geschmiedet und (Gott sei Dank nur theoretisch) Arbeitspläne aufgestellt: Wie man wohl auf diesem Fleckchen Erde als Selbstversorger überleben könne, lautete die Frage. Ein gewisses Starterpaket dürfte geordert werden (Baumaterial, Werkzeug, Hühner und Lebensmittel für die erste Zeit), aber nach ein paar Monaten müsse man ohne Anbindung an die Außenwelt klar kommen. Mit halbem Ohr bekam ich mit, dass mein Beitrag darin bestehen würde, die Enten zu jagen, falls die im Starterpaket enthalten wären. Falls nicht müsste ich auf Hasen umsteigen. Na ja, mir egal, war zum Glück nicht ganz ernst gemeint, jedenfalls kam am Abend das gekaufte Grillgut auf den Rost. Und den Rest des Wochenendes ging auch keiner mit mir auf die Jagd, wonach auch immer.

Am Montag hieß es Abschied nehmen. Da sich die ganze Woche wettermäßig eher zum Nachteil entwickeln würde (Donnerstag kündigte sich ein 7+ Wind an) beschlossen wir im inneren Teil des Gartens zu bleiben und haben das nicht bereut. Warum sollen wir auch außen fahren? Ich finde dann kann ich nur Wasser sehen und schnuppern. Punkt! Im inneren Teil hingegen muss man beim Fahren zwar sehr aufpassen, aber es gibt wunderbare Landschaften zu verfolgen, allein stehende Häuschen mitten auf hohen Felsen zu bewundern oder idyllische Buchten zu bestaunen.

So landeten wir schließlich in Gullholmen. Zwar wäre mein Rudel fast dran vorbei gefahren, weil sie sich so in die Landschaft verguckt und dabei kurzfristig den Überblick verloren hatten, aber letztendlich lagen wir fest vertäut vor dem einzigen, natürlich geschlossenen Restaurant des Städchens. Anfang der Woche in der Vorsaison in den schwedischen Schären unterwegs zu sein, heißt oft auf verriegelte Türen zu stoßen. Etwas diskriminierend, findet Frauchen die Tatsache, dass die Marinas mitnichten auf Frauen zu dieser Jahreszeit vorbereitet sind. Ist die Dusche schon mal geöffnet, bleibt das Wasser eiskalt oder sie ist gar nicht erst beheizt. Es hüpfen hier zwar nicht viele Frauen rum, aber die wenigen wollen auch sauber durch die Schären tingeln. (Zum besseren Verständnis: man versucht natürlich die vorhandenen Duschen in den Marinas zu nutzen. Das schont die eigenen Tanks).

Wir wurden beim Erobern dieses wunderbar pittoresken Ortes sofort von solch banalen Gedanken abgelenkt. Wanderten wir erst durch ein zauberhaftes Naturschutzgebiet, das einem die Seele öffnet, stromerten wir am Nachmittag durch das Häuserviertel und kamen aus dem Staunen kaum heraus. Bebauungspläne können die hier nicht haben, Zäune kennen sie auch nicht. Die Häuschen sind wie mit dem Würfelbecher ausgeschüttet und stehen in friedlicher Eintracht unüberbrückbar nebeneinander. Einem Teil kann man ansehen, dass sie offenbar eher im Sommer oder an den Wochenenden genutzt werden. Die Gedankenspiele kamen erneut ins Trudeln und mein Rudel überlegte, wie sie wohl leben würden, wenn das Geburtenroulette sie auf diesem Fleckchen Erde ausgespuckt hätte? Wie würden sie leben? Was würden sie arbeiten? Hätten sie mich in Haibach überhaupt gefunden?

Mittwoch musste dann mal Diesel getankt werden. Das ging am besten in Henan. Eine wie aus dem Ei gepellte Marina kam zum Vorschein, hatte alles was das Herz begehrte (außer geöffnete Damenduschen).

Es ist schon witzig zu beobachten: Jetzt wo wir so lange (zwei Monate sind es jetzt!) unterwegs sind, schafft sich ein neues Phänomen hervor: Sobald man angelegt hat und alle wichtigen Funktionen laufen, macht man sich die Umgebung häuslich. Ich erschnuppere mir die Welt, meine mitreisenden Menschen erlaufen oder ergoogeln sich alles was die nächsten 15 Kilometer so zu bieten haben. Jedenfalls fühlen wir uns spätestens am Nachmittag so heimisch, als hätten wir nie woanders gelebt.

Dazu gehört, dass der Junior die Supermarktlage checkt, Herrchen die angrenzenden Bäckereien stürmt, Frauchen die Aktionsmöglickkeiten von Minigolf bis Museum (alles aber noch zu) abscannt, die Katze die Nacht-Jagd-Gebiete ausbaldowert und ich nach den Feld- und Waldwegen schiele.

Langsam geht es in die Planung für die Fahrt nach Göteborg, die wir weiterhin im Inneren vornehmen müssen. Unser nächster Schlag ging also nach Stenungssund. Dort würden wir auch den Vatertag verbringen müssen, weil der wettermäßig ganz übel werden würde. Bei Ankunft stellten wir fest, dass wir direkt vor einem ausreichend bestückten Shopping-Center liegen würden. Nicht sehr hübsch, aber an einem Regentag außerordentlich nützlich.

Alles in allem liegt also eine komplett entspannte Woche hinter uns. Gerne hätten wir mehr Naturhäfen besucht, aber da hat das Wetter nicht unbedingt mitgespielt. Das ist nicht weiter schlimm, denn wir haben ja noch den Schärengarten vor Stockholm im Progrramm und dann ist auch in Schweden Sommer. Die einzelnen Schärenorte jedenfalls haben uns verzaubert und wir können jetzt in den Chor aller Fans miteinstimmen. Das Alles in der Vorsaison zu erleben, gibt dieser Reise einen besonderen Touch. Man kommt nicht drumherum, den Ruhepol in sich zu entdecken.

Ich lerne gerade steuerbord und backbord

Das dachte sich auch die Katz. Zuviel Müßiggang macht träge und blieb die Nacht von Mittwoch auf Donnerstag gleich mal weg. Gut, wir hatten ja den Tracker, dachten wir. Der zeigte auch direkt, in welchem Gebiet sie unterwegs war. Letztendlich geholfen hat er leider nicht. Diverse Male während des Suchens hätte Findus höchstens drei Meter neben uns stehen müssen, gesehen haben wir ihn nicht. Um 14 Uhr war der Akku alle und die Stimmung fiel auf dem Barometer schon Richtung „gedrückt“ Wir hofften zum zweiten Male auf die Nacht und seine Zuneigung zu uns, die er im Alltag bestens unter Verschluss hält. Und in der Tat sprang er kurz vor Mitternacht wie selbstverständlich durch die Klappe und verstand die Aufregung, die ihm entgegengebracht wurde gar nicht. Er wollte seinen Dosenöffner in Aktion sehen und gut is.

Die Crew ist komplett, so kann es nach Göteborg gehen. Mal schauen, ob wir City noch können. Schaut wieder vorbei. Ich freue mich.

Schären-Hopping bis der Alex kommt und die nackten Füße dürfen endlich an die frische Luft

Mit einer Dreiviertelstunde Verspätung (wieder gab es Nebel, aber dieses Mal war Frauchen die Kapitänin) wechselten wir offenbar nicht nur das Land, sondern auch die Jahreszeit. Gestartet sind wir im November, angelegt haben wir im Mai. Diesen Tag haben wir vollends genossen: Die See war sanft, die Sonne strahlte mit voller Kraft, Verkehr gab es nicht mal in der Enggstelle zwischen Dänemark und Schweden und die DIALIMA lag wie eine Sahneschnitte im Wasser.

Was Frauchen, bis unter die Zähne mit technischem Know-how bewaffnet, nie für möglich gehalten hätte: das Schiff lag allein durch die installierten Masten so viel stabiler im Wasser, dass es eine helle Freude war darauf zu schippern. Natürlich rollten wir mal die Genua auf, was wir aber mangels Wind gleich wieder sein ließen.

Unser erster Anlaufpunkt in Schweden hieß Mölle. Dort hat es uns gut gefallen. Wir benahmen uns spontan frühlingshaft: Die Socken und langen Hosen flogen in den Schrank; kurze Hosen und Flip Flops konnten endlich ausgepackt werden. Es gab ein Eis, das in der Sonne gleich dreimal so gut schmeckte. Jetzt konnten wir endlich mit dem beginnen, auf das wir uns schon so lange gefreut hatten: Wandern, Rad fahren und die Natur genießen. In Mölle hieß das, auf den Kullenberg zu spazieren. Ein rundum gelungener Tag, den wir in einem Ausflugslokal mit Scholle und Remouladensoße ausklingen ließen. Aber auch in Schweden muss man schnell sein: Um 19 Uhr wird die Küche zugemacht.

Seit fast einer Woche haben wir nun die Qual der Wahl. Die westlichen Schären vor Göteborg sind so reizvoll, vielfältig und unterschiedlich, dass uns die Entscheidung, wohin es am nächsten Tag gehen soll gar nicht so leicht fällt. Haben wir zu Beginn noch versucht ein Programm festzulegen, so haben wir diesen Plan ganz schnell über Bord geworfen. Wir lassen uns treiben und meist entscheidet das Wetter oder das eine oder andere Detail, das wir über die verschiedenen Ziele gelesen haben. Wir haben jetzt Kungshamn als nördlichen Wendpunkt festgelegt. Dann sind wir rechtzeitig wieder in Göteborg, um unser nächstes Crewmitglied einzufangen. Der ist nicht ausgebüxt, sondern Noahs Freund Alex und fährt ab dann drei Wochen mit uns durch den Göta-Kanal. (Übrigens, lieber Alex, könntest du bitte noch ein bisschen Skat üben, dann muss Frauchen nicht immer der dritte Mann sein.)

Angefahren haben wir bislang:

Glommen am Sonntag

Dort wollten wir nach dem Anlegen eine gemütliche Wanderung zum Morups Tange, einem Leuchtfeuer in der Nähe, machen. Frauchen und ich mussten das allerdings alleine übernehmen, weil die Jungs an Bord nur kurz den Glomex zum Laufen bringen wollten. Das Ganze dauerte dann geschlagene sechs Stunden, kostete einiges an Nerven, brachte die wüstesten Kommentare der Technikersprache ans Tageslicht und warf die abstrusesten Ideen auf, die am Ende doch irgendwie dazu führten, dass das Internet wieder lief. Den 1 a-Technikern an Bord sei Dank.

Es sollte an dieser Stelle nicht ganz unerwähnt bleiben, dass diese Anstrengungen nicht nur für mich und meinen Blog unternommen wurden, wie mehrfach betont. Auch die Herren frequentieren das Netz in nicht unerheblicher Weise.

Gottskär am Montag

Dieser Hafenmeister war das lebende Beispiel dafür, dass wir uns noch in der absoluten Vorsaison befinden. Ziemlich überrascht von uns, nahm er uns natürlich freundlich in Empfang und wies uns in alles ein. Als wir ihn ein bisschen ausfragen wollten, welche weitere Route er denn so empfehlen würde, hatte er sein Wissen noch nicht aus dem Winterschlaf befreit und schien ein bisschen überrumpelt. Er meinte, wir sollen doch einfach direkt nach Göteborg fahren. Wir entschieden uns anders und fuhren nach

Donsö am Dienstag

Dort unternahmen wir eine herrliche Radtour durch eine wunderbare Landschaft. Die sportliche Betätigung tat im Übrigen ganz gut, denn es ging ziemlich über Stock und Stein bergauf.

Leider fanden wir nicht das eigens auf der Insel gebraute und nur dort ausgeschenkte Bier, da das Restaurant (wieder mal) um 14 Uhr schloss und es der Supermarkt nicht vorrätig hatte.

Marstrand am Mittwoch

Während wir Drei eine richtig große Wanderung weit um die Festung Carlsten (ein ehemaliges Gefängnis) unternahmen und ich auch mal wieder lange frei laufen durfte, fuhr der Junior mit der Fähre nach Koön zum Frisör und kam schick gestylt wieder zurück. Eines fällt hier direkt auf: Schweden ist ein Land, das seine Natur liebt. Hier darf die Erde noch Natur sein. Auf diesem Spaziergang war alles dabei. Wir liefen am Meer entlang, kletterten über die Felsen, bogen in den Wald ab, stießen auf ein süßes kleines Biotop und überall schafft der Schwede nette Plätze zum Verweilen, die von den Besuchern respektiert werden. Es machte uns ganz viel Freude über diese Pfade wandeln zu können.

Uddevalla für Donnerstag und Freitag

Bis Mittwochabend halb elf stand fest, dass wir am nächsten Tag nach Gullholmen wollen. Dann bekamen wir den Wind schon im Hafen zu spüren und die Überprüfung durch die Wetterapp prophezeite uns eine ungemütliche Überfahrt. Das wollten wir nicht, also verzogen wir uns in den wirklich innersten Teil des Schärengartens und wurden mit einer wirklich ruhigen und wunderbaren Überfahrt belohnt. Der draußen vorherrschende Viererwind war im Inneren überhaupt nicht zu spüren. Was nicht heißt, dass man dort nicht hellwach sein muss. Überall tauchen plötzlich kleine felsige Inseln wie Buckelwale aus dem Wasser auf. Außerdem darf man die Orientierung in dieser Inselwelt nicht verlieren. Ohne unseren heiß geliebten Plotter hätten wir entweder bereits einen neuen Kontinent entdeckt oder wären am Ende der Welt wieder aufgetaucht. Hier mal ein Beispiel:

Uddevalla ist eine 55.000 Einwohner starke Industriestadt, die zwar keinen Schönheitspreis von uns bekommt, aber für unsere Bedürfnisse gerade recht kam. Da wir die nächsten Tage Naturhäfen ansteuern wollen, mussten die Vorräte aufgestockt und Grillgut besorgt werden. Außerdem waren wir wieder mal in Sachen Internet unterwegs. Natürlich brauchten wir – anders als vermutet – eine schwedische SIM-Karte und zwar eine, die man ohne schwedische Personalnummer aktivieren kann. Haben wir hinbekommen. Und nachdem alles erledigt ist, geht es jetzt so richtig in die Natur, ohne Strom und allem Drum und Dran.

Natürlich ist die Katze noch an Bord, was glaubt Ihr denn? Wir haben uns in den letzten Wochen einen zuverlässigen Rhythmus erarbeitet. Abends verlässt sie mit Tracker-Rucksack, das Schiff und am Morgen ist sie brav zurück. Allerdings ist mir immer ein wenig schwummrig, wenn ich sehe, wie weit sie sich in der Nacht vom Schiff entfernt. Aber offenbar kann sie es. Ich hoffe, sie lässt sich in den Naturhäfen nicht von all den vielen Elchen ablenken??

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