Labbi goes europe - Blog

Schlagwort: Schiffshund

The same procedure wie letztes Jahr – Leider nein!

Meine Ankunft an Bord

Da behaupte nochmal einer, der Hund könne sich nur über einen kurzen Zeitraum erinnern und lebe ansonsten zu 100 % im Augenblick. Am Pfingstwochenende habe ich meine Menschen eines Besseren belehrt: Fast ein Dreivierteljahr hat mich keiner mit aufs Boot genommen. Zugegeben, es war aufgrund der neuerlichen Umbaumßnahmen auch kaum betretbar, aber als ich dann am vergangenen Freitag wieder durfte, habe ich mein Rudel doch sehr in Erstaunen versetzt, denn mein Groschen fiel direkt.

Nach vielen Wochen purem Genuss des heimischen Feldes war ich äußerst aufgeregt, als sich Altbekanntes regte: Ich ahnte Fröhliches, als intensiv gepackt wurde und wir alle ins Auto stiegen. Nach relativ kurzer Zeit hatten wir unser Ziel erreicht, auf die griechische Insel ging es leider nicht. Dennoch kam mir der Geruch des hessischen Federviehs in Ginsheim durchaus bekannt vor und ich wurde spontan euphorisch.

Mein ausgewählter Stammplatz

Als ich mit Betreten des Bootes kapierte was los war, bin ich schier ausgeflippt. Ein paar Schnüffler reichten aus und mir zogen Gerüche vom großen weiten Meer und leckeren Zimtschnecken durch die Nase und ich dankte meinen Leuten ganz viel, dass es offenbar wieder losging. Sofort nahm ich meinen angestammten Platz ein und signalisierte dezent, dass ich zur Abfahrt bereit sei und man die Leinen lösen könne.

Ich musste mich jedoch bis zum nächsten Morgen gedulden, denn die erste Nacht blieben wir noch in unserem Heimathafen liegen. Direkt vor dem Zubettgehen erinnerte ich mein Frauchen an unser lieb gewonnenes Betthupferl-Ritual und wartete am Berg der Treppe, bis sie endlich verstand was ich von ihr wollte. Vielleicht fiel es ihr ein bisschen schwer, weil die Katze Zuhause bleiben musste, aber dann machte es doch noch KLICK und ich bekam mein Betthupferl, verspeiste es im Körbchen und brachte ihr „de Böcha“ auf Kommando zurück. Ich hatte hier überhaupt nichts vergessen.

Meine Bauabnahme

Herrchen hatte mir auch was tolles neu gebastelt, denn nun musste ich nicht mehr über bloßes Metall wandeln, um meine Aufgaben an Bord zu erledigen. (Er hat auch noch eine neue Baderampe für mich hergestellt, aber von der weiß ich offiziell noch nichts.) Jedenfalls hat Herrchen über den Winter die Seitengänge mit Teakholz verlegt und ich schwebe nun quasi wie auf Wolken vom Heck bis zum Bug und wieder zurück.

Wer jetzt denkt, es hätte sich dabei um ein kleines nettes Wochenendprojekt gehandelt, der kennt erstens mein Herrchen nicht und unterschätzt zweitens diese Arbeit. Wahrscheinlich aufgrund der Tatsache, dass er ausblendet, dass der Schiffskörper ja gebogen ist, während jede einzelne Teaklatte von Natur aus gerade daher kommt.

Herrchen verbrachte folglich die erste Hälfte des Winters im Stall, verbog und bearbeitete in etwa 220 Leisten, die alle nummeriert und für den Einsatz an Bord präpariert wurden, während wir es uns drinnen gemütlich machten.

Im zweiten Teil zog er fast aufs Schiff und am Wochenende der Junior mit, so dass dem Schiff nach vielen Wochen und enormer Kleinarbeit ein wunderbar neuer Glanz zuteil wurde. Was sollte man auch sonst tun, wenn ein kleines mieses Virus sich weltweit auszutoben meint und viele Leben und geschmiedete Pläne durcheinander bringt.

Mitte Mai war es dann so weit. Der größte Teil der Bauarbeiten war erledigt und es konnte ans Reine machen gehen. Mich nahm man immer noch nicht mit. Ein halbes Stündchen war ich darüber leicht verschnupft.

Am letzten Wochenende war es dann so weit. Ich wurde zur Bauabnahme gerufen und voll des Lobs wedelte ich mit ganzer Freude mit allem was mir zur Verfügung stand und war voller Erwartung wohin es nun gehen würde.

Die Seitengänge sind nun zu meinem neuen Lieblingsplatz mutiert. Ich gebe zu, der Marienkäfer hat auch ein wenig gelockt, wenn ich mich auf dem neuen Holz aber nicht so wohlfühlen würde, würde ich mich bestimmt nicht so zusammenfalten.

Meine Pläne für den Sommer 2020

Aber so ganz konnte es nicht wie geplant laufen, denn natürlich können wir nicht, wie ursprünglich gedacht, durch Frankreich und Italien reisen. 5 – 6 Wochen durch die Kanäle zu stromern, klappt nicht. Bei Marseille ins Mittelmeer einzutreten und die Masten wieder aufzustellen, wird nicht stattfinden. Mit schickem Hut ein Glas Sekt an der Côte d’Azur zu schlürfen und auf unsere Freunde zu treffen, all das bleibt 2020 ein Traum. Natürlich wären wir auf dem Schiff recht sicher, aber wir wollen ja Land, Leute und die Hundewelt beschnuppern und deswegen bleiben wir aller Wahrscheinlichkeit nach erst mal daheim.

Fast! Ein bisschen was geht immer und nach ein bisschen Telefonierei fanden wir einen tollen Liegeplatz an der Mosel. In Ginsheim konnten wir nicht bleiben. Wir hatten den ja nur bis zu unserer geplanten Abreise gemietet. Aber, man weiß ja nie wofür etwas gut ist: An der Mosel kann man viel schöner Schiff fahren, als auf dem trubeligen Rhein und das ist es, was wir uns für diesen Sommer vorgenommen haben. Wir nutzen unser Boot als Wochenendhäuschen und unternehmen schöne Ausflüge, die Mosel entlang.

Was immer sich dann noch ergibt, wird mit Freude angenommen. Mein Rudel ist offen dafür, und ich bin dabei. Was sind Eure Pläne, schreibt es doch mal in die Kommentare. Ich freue mich.

Fantastisches Stockholm als nördlicher Wendepunkt und Abschied eines Crewmitglieds

Zwei Tage benötigten wir nach Stockholm. Den Sonntag nächtigten wir in einem wunderbar idyllischen Naturhafen mit angrenzendem Naturum. Dachten wir, dass unser Anlegemanöver mit Heckanker und zwei Vorleinen an Ringen am Felsen bei Wind schon laut und diskussionsfreudig von statten gegangen war und ich mich leicht am Fremdschämen war, so toppte uns eine Stunde später eine schwedische Familie locker um viele Dezibel. Zwischendurch waren sich Mann und Frau so uneins, dass wir Angst bekamen, dass er sie ins Wasser schupsen würde. Sofort war sich mein Rudel wieder einig und die Familie verdrückte sich in eine hintere Ecke des Naturhafens und ward nicht mehr gesehen.

Dienstag jedenfalls kamen wir in Stockholm an und machten mitten im Trubel im Wasahamnen fest. Zum Glück hatten wir vorher angerufen. Da am Wochenende eine Regatta anstand, hätten wir ansonsten keine Chance gehabt.

Temporeich legten wir gleich los und schlenderten ins Vasa Museum, das in fußläufiger Entfernung lag. Wer jetzt an eine Knäckebrot-Ausstellung denkt, liegt völlig falsch: Dort ist das Wrack der Vasa, einem schwedischen Kriegsschiff, ausgestellt. Peinlicherweise sank dieses Schiff am 10.08.1628 direkt beim Stapellauf. Grund hierfür war offenbar die falsche Bauweise. Es gab 30 Tote. Für einen Aufbau im Museum, übrigens eine der größten touristischen Attraktionen weltweit, sorgte aber eher die Tatsache, dass die Vasa 333 Jahre später von einem Hobby-Forscherteam wieder geborgen wurde. Es wurde mühevoll restauriert und besteht zu 98 % aus seinen Originalteilen. Zwei Stunden wurden wir in die Welt der Schweden des 17. Jahrhunderts zurückversetzt und konnten einen eindrucksvollen Blick auf diese harte und entbehrungsreiche Zeit werfen.

Am nächsten Morgen kam Frauchen dann endlich in ihr geliebtes ABBA Museum. Seit frühester Kindheit Fan dieses schwedischen Phänomens genoss sie, aber die anderen auch, die Zeit im Museum und gönnte sich am Ende noch eine Tasse, die sie ab jetzt Tag und Nacht nutzt.

Dennoch war Frauchen in dieser tollen Stadt nicht 100 % bei der Sache. In diesen Tagen hätte sie sich gewünscht, dass Beamen funktioniert. Das Schuljahr in Rheinland-Pfalz ging zu Ende und gerne hätte sie ihre 4. Klasse mit verabschiedet. Aber es geht eben nicht alles im Leben und wie meine Oma zu sagen pflegte ist es auch „koi Bubbestübsche“ und deswegen DANKE an alle, die sie ein bisschen daran teilhaben ließen. Macht‘s gut meine 19 Lieben. Ich wünsche euch tolle Ferien und einen Superstart in die neue Schule.

Das älteste Freilichtmuseum weltweit, Skansen, beeindruckte alle sehr. Hier vermischen sich Gegenwart und Vergangenheit. Wir fanden nordische Wildtiere (schönes Elchvideo), aber auch exotische Arten und ein sehr großes Aquarium. Wir durchkämmten diverse Haushalte aus unterschiedlichen Zeiten. Eine schöne Idee hierbei: Oft befindet sich eine Person , der Zeit entsprechend gekleidet, im Raum, die gerne Fragen beantwortet oder berichtet wer wie in dem Haus gelebt hat. Am Ende trafen wir noch auf eine sehr lebendige Folklore-Gruppe. Hier mussten wir eine Weile stehen bleiben.

Und natürlich haben wir uns mehrfach in der Gamla Stan getummelt. Hierfür mussten wir kurz mit der Fähre übersetzen. Wir fanden auch die weniger touristischen Ecken mit viel schwedischem Handwerk. Die Altstadt gilt als der Urkern von Stockholm, von hieraus breitete sich die Stadt aus. Nach Södermalm, dem angeblichen Soho Stockholms, haben wir es leider nicht mehr geschafft und dem Gröna Lund Vergnügungspark verweigerten wir uns einstimmtig. Brandgefährlich erschienen uns tiefenentschleunigten Bootsfahrern diese rasenden Höllengeräte, aus denen wilde Angstschreie bis spät in die Nacht zu unserem Schiff herüber schallten.

Der Abschied am Freitag war unvermeidlich. Nicht die Katze ging von Bord (die hat sich ganz gut an ihr momentanes Indoorleben gewöhnt, lässt sich dick füttern und gönnt sich auch sonst jede Dreistigkeit, besetzt Betten und weckt Frauchen mitten in der Nacht zum Dosen öffnen). Alex machte sich auf den Weg zum Flughafen. Er war nicht seekrank, es war ihm bei uns auch nicht zu kalt, zu regnerisch oder zu langweilig. Nein, die fast vier Wochen waren einfach schon vorbei und seine Familie wollte ihn wieder haben. Lieber Alex, wir wünschen dir einen guten Flug und noch viel Spaß bis auch dein Weg ins Berufsleben startet.

Mein Rudel erzählt jetzt wieder dauernd etwas von Schären. Also wenn das stimmt was ich damit verbinde, dann will ich einfach nur noch los. Großstadt ist nichts für mich. Ich firmiere bevorzugt unter Landei.

Protokoll einer Kanalfahrt

Eigentlich bin ich nicht gut in der Lage, diesen Blogeintrag zu schreiben. Paradoxerweise fehlen mir die Worte, dieser Schönheit und Atmosphäre des Göta-Kanals verbal gerecht zu werden, obwohl ich übergelaufen bin an dem was ich gesehen habe. Frauchen hat mir jedoch gehörig die Leviten gelesen und mir gesagt, ich könne nicht mitten im Blog einfach so aufhören, etwas von mir hören zu lassen. Also machte ich mich ans Werk. Während der Kanaldurchquerung konnte ich partout nicht tippen, so sehr war ich durch Schnüffeleien und Beobachtungen abgelenkt. Ich würde mal behaupten an diesem Fleckchen Erde ist die ganze Welt vereinigt: Man findet Seen en masse wie in der Schweiz, reichlich Wälder wie in Kanada, herrliche Baumalleen wie an unseren Landstraßen, kleine entzückende Dörfchen wie in Frankreich, traumhafte Buchten wie am Mittelmeer und die Architektur erinnert an die Bauweise amerikanischer Farmerhäuschen; es ist einfach von allem was da und dennoch hat das Land seinen eigenen Charakter.

Run um die Leine

Ich liebe Kanäle und Flüsse ein klitzekleines bisschen mehr als das Meer. Die Gerüche sind leichter aufzuschnappen und mehr zu sehen bekomme ich auch. Vor allen Dingen interessante Artgenossen, die ich neuerdings anfange zu verbellen. Frauchen hat sich direkt ein Kommando ausgedacht und bei „Nicht bellen“ muss ich nun die Klappe halten. Revierkämpfchen beim Schleusen gab es auch. Angeblich hätte ich mich mitten in die Leinen gesetzt. Das kann ich nicht verstehen, ich wollte nur helfen. Nun haben wir uns geeinigt. Ich darf an den Bug, aber weg von den Leinen. Das kann ich akzeptieren und so wurde die Kanalfahrerei ein voller Erfolg.

Der Göta-Kanal mit seinen 190 km und 58 Schleusen ist etwas ganz Besonderes: Er verbindet zusammen mit dem Trollhättan-Kanal die beiden Städte Göteborg und Stockholm miteinander. Vor ziemlich genau 200 Jahren befand er sich mitten im Bau. Er sollte die üppige Seenlandschaft im Landesinneren miteinander verbinden, um somit die Transportwege in Schweden zu erleichtern. Ca. 100 Jahre war er die bedeutendste Strecke für Handel und Transport, ehe ihm der aufkommende Bahnverkehr den Rang ablief. Heutzutage ist er das beliebteste Reiseziel Schwedens. Ca. 3000 Freizeitschiffe befahren ihn pro Jahr. Wir waren eines davon. 

Bei der Planung haben wir uns entschieden, den Kanal von Sjötorp aus anzugehen. Einfach erstmal, weil wir lieber runter- als hochschleusen. Während der Fahrt stellten wir dann fest, dass die meisten von Mem aus starten, was uns wenig Wartezeiten an den Schleusen und viele freie Plätze in den Marinas bescherte.

Gerne möchte ich an dieser Stelle wieder für die Schweden schwärmen. Alles an diesem Kanal ist top organisiert. Bei Eintritt in den Kanal checkt man ein und bekommt eine kleine Einweisung, wie geschleust wird. Denn hier darf jeder ran, ob erfahren oder nicht. Das Personal schätzt die Schleusenkünste recht unauffällig ein und gibt (offenbar) Besonderheiten an die nächsten Schleusen weiter. Wir kamen mit zwei jugendlichen Flinkfüßen ganz gut in der Beurteilung weg und legten einen souveränen Start hin. Bei anderen Booten sprang man unauffällig herbei und fing Leinen auf oder führte das Boot mit in die nächste Kammer der Doppelschleuse, wenn das Schiff mit nur einem Mann besetzt war. Wir wurden stets gut informiert und instruiert. Z.B. wenn es vor der nächsten Schleuse zu Wartezeiten kam oder bei den Eisenbahnbrücken Eile mit der Durchfahrt geboten war. Nie mussten wir jemandem nachlaufen oder irgendwo anrufen. Man kam immer sofort auf uns zu. Die vielen Studenten, die die Schleusen bedienen, hatten immer ein Lächeln im Gesicht und ein nettes Wort für uns übrig. Innerhalb des Kanals sind die Übernachtungen im Preis inbegriffen. Das ist bei dem Gesamtpreis mehr als in Ordnung. Max. fünf Nächte darf man in einem Hafen bleiben. D.h. man sollte seinen Aufenthalt ein wenig ziehen, denn rein rechnerisch ist man in drei bis fünf Tagen durch.

Das war unser Programm:

Wir traten also am 12.6. in Sjötorp in den Kanal ein. Sofort ist die altbekannte Langsamkeit wieder da. Wir schafften an diesem Tag 7 km in 4 1/2 Stunden. Leider spielte das Wetter nicht recht mit. Es war nass und kühl. Da wir wegen des Schleusens aber viel draußen waren, wurden wir schnell unbeweglich in den Gliedern und steif in den Fingern, was ein bisschen anstrengte, da man die Leinen fest in der Hand halten muss. Bei Ankunft brunchten wir in einem süßen Café in Lyrestad und schauten den Rest des Tages dem strömenden Regen zu. Zum Glück wurde das Wetter schon am nächsten Tag besser.

Wir landeten nach drei Brücken und neun Schleusen an einem wunderbaren Liegeplatz in Hjästorp. Zunächst hatten wir den ganzen Platz für uns, aber nach ein paar Stunden lernten wir ein nettes Ehepaar kennen, an das wir auf dem Kanal noch öfter geraten würden. Durch sie haben wir die wirklich echten, leckeren schwedischen Kekse kennengelernt. Auch das ein altbekanntes Phänomen auf dem Kanal: Wenn man am selben Tag startet, trifft man sich immer wieder, weil man so ähnliche Strecken hinter sich lässt. Das sind mal nette, mal wundersame Begegnungen und bieten teilweise köstlichen Gesprächsstoff. So hat sich gezeigt, dass wir mit der Spontanvergabe des Namens „Hexe“ und unserer Menschenkenntnis nicht falsch lagen. Nicht nur unter Bootsleuten ist es völlig unüblich, in letzter Sekunde kommentarlos an vier wartenden Schiffen vorbei in die Schleuse zu schießen, seine Leine in egoistischer Weise über alle anderen zu legen oder allen Mitschleusern lediglich in der eigenen Muttersprache mitzuteilen, wie man vorzugehen hat.

Aber die meisten Bekanntschaften oder Beobachtungen waren durchweg positiv. Wir trafen eine entzückende junge schwedische Familie, die ein ca. zweijähriges Mädchen bei sich hatte, das fest angeschnallt auf dem Fahrersitz thronte. Während die Mutter oben mit der Vorleine hantierte, übernahm der Vater die Rückleine, bespaßte sein Töchterchen und fütterte es, weil bei fünf Schleusen irgendwann der Hunger kommt. Oder ein älteres Ehepaar, das sich mit wenigen Vorkenntnissen todesmutig in das Abenteuer Schleusen stürzte und mit jeder weiteren Schleuse unsicherer wurde. Auch hier griff das Schleusenpersonal (und wir) unauffällig ein. Natürlich blieben auch wir nicht verschont. Wir mussten beim Runterschleusen eine Leine kappen, da sie sich verhakt hatte. Aber die oberste Regel griff: Beim Runterschleusen muss immer ein Beil parat liegen und das kam zum Einsatz. Wir wurden vom Schleusenpersonal für unsere schnelle Reaktion gelobt.

Auf dem Weg nach Karlsborg wurde das Wetter endlich beständig schön. Während die Jungs direkt ins Wasser hüpften, wartete der Rest des Rudels vornehm bis Ljungsbro ab. Ich musste sogar bis Norsholm warten, weil es meist so problematisch war ins Wasser zu kommen oder wieder raus. Deswegen lernte ich dort etwas ganz Tolles, was mir am Anfang nicht geheuer schien. Ich lernte mit Anlauf vom Badesteg ins Wasser zu hüpfen. Dabei hat mich Herrchen einmal so überrumpelt, dass ich überhaupt nicht nachdachte und einfach mitlief (mach ich ja sonst auch immer). Als ich kapierte, wie viel Spaß das macht, wollte ich gar nicht mehr aufhören.

Mit jedem Tag wurde es immer abwechslungsreicher. Der Kanal ging in Seen über, wurde wieder zum Kanal, zeigte seine verwunschenen Ecken oder romantischen Plätze. Wir liefen über vor schönen Anblicken. An Kanaltagen machten wir nichts außer schleusen und gucken. Es wurde nicht gelesen, es wurde nicht geschrieben, es wurden auch sonst nur die nötigsten Dinge verrichtet. Wer sich diesem Flair nicht hingibt, verpasst etwas sehr Einzigartiges.

Ich muss zugeben, dass ich die Affinität für Schweden vieler Menschen immer ein wenig belächelt habe. Für mich ist der Süden ganz klar das Paradies auf Erden (gewesen). Aber das hier zu entdecken und durchfahren zu dürfen war mehr als das Highlight unserer Reise. Es ist nicht nur die Natur. Es ist auch das Licht, das sich viele Male über den Tag verändert. Es sind die taghellen Nächte. Es sind die wunderhübschen Plätze, die für die Gäste geschaffen werden. Es ist die freundliche Art der Schweden, die Tummelei mit den anderen Nationen, es ist so Vieles mehr. Man muss mal da gewesen sein.

In Motala besuchten wir das Kanalmuseum und lernten, welch ein Kraftakt der Bau des Kanals gewesen ist. Leider erlebte der Erbauer Baltzar von Platen die Fertigstellung seines Lebenswerkes, an dem er beinahe 20 Jahre gearbeitet hatte, nicht mehr. Er verunglückte drei Jahre vorher auf dem Vättern-See, ist nun aber in Motala direkt am Kanal bestattet worden. Wir haben ihm zugewinkt.

Wir erlebten ein gigantisches Gewitter kurz nachdem wir in Norsholm eingelaufen sind. Es brach so gewaltig vom Himmel, dass selbst die Schweden angelaufen kamen und Fotos machten. Eine halbe Stunde drauf badeten wir wieder im Kanal.

Noah fing im Roxen-See seinen zweiten Fisch. Dieses Mal war es ganz klar ein Hecht, mit stattlichen 52cm. Er reichte für alle Fischesser an Bord, inkl. der Sieben-Länder-Katze und mir.

Noah fing seinen zweiten Fisch, ein Hecht

Und am letzten Tag im Kanal und dem letzten Urlaubstag von Alex‘ Eltern, die ebenfalls auf Tour in Schweden waren, schafften wir doch noch ein gemeinsames Treffen. Schon die ganzen Tage hatten wir gegenseitig auf unsere jeweiligen Reiserouten gelinst, waren jedoch immer zu weit voneinander entfernt gewesen. Vorgestern aber nahmen Sandra und Jürgen den Weg von 2,5 Stunden Autofahrt auf sich, brachten leckeren Kuchen und anderes Backwerk mit, und wir saßen doch ein paar Stunden gemütlich zusammen.

Nur Midsommar haben wir nicht gefunden. Am Freitag begrüßten uns die Schleusenguards allesamt mit Blumenkränzen im Haar und wünschten uns fröhlich alles Gute zu ihrem hochheiligen Feiertag. Wir fragten jeden akribisch aus und fuhren extra bis Söderköping, um das große Ereignis nicht zu verpassen, was eigentlich gar nicht ging, wie man uns sagte. Als wir dann aber am Abend loszogen und Midsommar suchten, war ganz nach schwedischer Manier bereits alles wieder geschlossen und von Midsommer weit und breit nichts zu sehen. Das war ein bisschen schade, aber tat dem charmanten Kanal in der Mitte Schwedens keinen Abbruch.

Ich habe es Frauchen angedroht und nun muss es auch kommen. Wir müssen an dieser Stelle über ihre modischen Highlights an Bord sprechen.

Die Wahrheit ist: ungeschminkt, schmucklos, durcheinander gewürfelt, manchmal schräg, den Gegebenheiten angepasst und ohne jegliche Filter, ABER GEIL!!

Kanal, Schleusentreppe und mehr See

Schlagartig wurde es wieder labbigerecht. Die Häuser verwandelten sich in Bäume, die Luft wurde reiner, die Geräusche natürlicher und das Tempo wandelte sich von Großstadt-Rasen in Gemütlichkeit. Von einer Sekunde auf die andere wurden wir ruhig und es ging in Richtung Trollhätte-Kanal.

Den ersten Tag bis nach Akersvass begleitete uns strahlender Sonnenschein. Wir genossen jede Minute und ich blieb den ganzen Tag draußen; zwischendurch wurde es richtig heiß. Akersvass ist ein mitten im Grünen liegender Ankerplatz. Unterhalb der alten Schleusentreppe in parkartiger Umgebung wollten wir grillen. Leider richtete sich das Wetter nach dem Bericht und pünktlich um 19 Uhr krachte ein urgewaltiges Gewitter vom Himmel, das uns alle zusammenzucken ließ. Die Umgebung passte sich an und es wurde richtig nebelig, ein verwunschener Märchenwald entstand. Gegrillt wurde trotzdem.

Nach so einem geruhsamen Abend war die Schleusentreppe am nächsten Morgen kein Problem. Das bereits seit vielen Jahren eingespielte Team kam zum Vorschein und wir schleusten die vier Schleusen souverän in 1,5 Stunden durch. Sie waren ein wenig umständlich zu handhaben, da wir die Leinen mangels passender Poller jedes mal um die Treppensprossen legen mussten. Das Zahlen der TrollhätteKanal-Gebühren hätten wir uns allerdings sparen können, die sind nämlich in den Gebühren für den Göta-Kanal inbegriffen, aber das sollten wir erst später bemerken. Unser Ziel sollte Vänersborg werden und wurde es auch. Daran änderten auch die zwei ausstehenden Brücken und die von der Kapitänin unterschlagene 5. Schleuse nichts.

Vänersborg ist der Einstieg in den Vänern, dem größten See der Schweden. Zum Vergleich: Er ist 11 x größer als der Bodensee. Man hat eher das Gefühl auf dem Meer unterwegs zu sein. Auf Anraten eines Schifferkollegen steuerten wir Läckö an und das war kein Fehler.

Wenn ich malen könnte, so wäre Läcko genau der Ort, der auf meinem Zeichenblock entstehen würde. Das barocke Schloss ist natürlich der Blickfang, aber drumherum ist ein Paradies zu finden, das ganz im Sinne der Natur erhalten wird. Schafe mähen den Rasen, das Hotel- und Restaurantgebäude ist mit unbehandeltem Holz verkleidet, ab Juni werden Führungen auf dem Naturlehrpfad angeboten, Wanderwege schlängeln sich durch das gesamte Gebiet und die Duschen liegen romantisch mitten im Wald. Ich wäre gerne noch länger geblieben, aber die Katze kam pünktlich zurück und deswegen gab es keinen Grund am Montagmorgen nicht abzulegen.

In Mariestad lagen wir unterhalb des Doms und die Marina, direkt am Städtchen, zeigte sich in mediterranem Kleid, was sicherlich an der angeknipsten Sonne lag. Das genossen wir in vollen Zügen.

Hier fand ich auch eine tolle Spielkameradin

Bis nach Sjötorp, unserer letzten Station am Vänern, war es lediglich eine Etappe von ca. 20 km. Deswegen wurde die Überfahrt dem Angeln gewidmet. Wir dümpelten mit 5 km/h dorthin, wenn man da nicht entschleunigt, weiß ich auch nicht. Von Erfolg gekrönt war das Ganze leider nicht. Obwohl es in dem See von Fischen nur so wimmeln soll, hat sich keiner an unsere Haken verirrt.

Eine abwechslungsreiche Woche liegt hinter uns. Langeweile kommt nicht auf, weil sich permanent das Terrain ändert. Im Kanal kann man sich kaum an der Umgebung satt sehen, draußen auf dem Meer fühlt man sich ein wenig wie Vasco da Gama und die Schleusenarbeit gibt einem das Gefühl am Ende des Tages etwas geleistet zu haben. Das ist als kleine Fingerübung ganz gut, denn es erwarten uns im nächsten Abschnitt 58 Schleusen auf 190 km. Der Labbi und seine Crew sind gerüstet.

Chillout-Lounge Schwedens

Ich will ja nicht behaupten, dass wir den westlichen Schärengarten in- und auswendig kennengelernt haben, dazu ist er viel zu reichhaltig und vielfältig bestückt. Aber in der letzten Woche ist es uns gelungen, einen nachhaltigen Eindruck von der schwedischen Schärenwelt auf der Westseite des Landes zu gewinnen.

Ich bin nicht im Ansatz ein esoterisch angehauchter Labbi. Ich gebe Laute wie „Wuff“ und nicht „Ooommm“ von mir, aber ich muss schon sagen, die Orte, die wir in der letzten Woche kennengelernt haben, haben mich in einen extrem gechillten Flow versetzt. Wenn an Bord Aufregung entsteht, lupfe ich nur noch müde das Augenlid.

Ein ganzes Wochenende haben wir uns im Naturhafen Hjälton samt Wald, Felsen, Badebuchten wie Robinson Crusoe gefühlt. Das war genau meine Welt. Ich kam fast um vor lauter unbekannten Gerüchen und durfte die ganze Zeit frei laufen. Zu Beginn war ich ja ein wenig skeptisch gewesen, wie ich ohne Steg an Land kommen soll. Aber auf das Rudel ist Verlass. Vor Ort gibt es häufig eine wunderbare Vorrichtungen – ich denke für Labbis und sonstige Hunde. Da kann man mit den Vorderleinen an Metallösen, die am Felsen angebracht sind, festmachen. Hinten muss man dann nur noch den Anker schmeißen und schon liegt man bombenfest. Das Ankermanöver, dass ich zeitlich in etwa auf den halben Nachmittag eingeschätzt hatte, verlief erstaunlich schnell, und ohne große Komplikationen lagen wir gegen jeden Wind geschützt in der Bucht. Direkt ging das Abenteuer los und wir durchstreiften alle Vier das neue Revier. Wie in dieser Familie so üblich wurden auf der Stelle große Pläne geschmiedet und (Gott sei Dank nur theoretisch) Arbeitspläne aufgestellt: Wie man wohl auf diesem Fleckchen Erde als Selbstversorger überleben könne, lautete die Frage. Ein gewisses Starterpaket dürfte geordert werden (Baumaterial, Werkzeug, Hühner und Lebensmittel für die erste Zeit), aber nach ein paar Monaten müsse man ohne Anbindung an die Außenwelt klar kommen. Mit halbem Ohr bekam ich mit, dass mein Beitrag darin bestehen würde, die Enten zu jagen, falls die im Starterpaket enthalten wären. Falls nicht müsste ich auf Hasen umsteigen. Na ja, mir egal, war zum Glück nicht ganz ernst gemeint, jedenfalls kam am Abend das gekaufte Grillgut auf den Rost. Und den Rest des Wochenendes ging auch keiner mit mir auf die Jagd, wonach auch immer.

Am Montag hieß es Abschied nehmen. Da sich die ganze Woche wettermäßig eher zum Nachteil entwickeln würde (Donnerstag kündigte sich ein 7+ Wind an) beschlossen wir im inneren Teil des Gartens zu bleiben und haben das nicht bereut. Warum sollen wir auch außen fahren? Ich finde dann kann ich nur Wasser sehen und schnuppern. Punkt! Im inneren Teil hingegen muss man beim Fahren zwar sehr aufpassen, aber es gibt wunderbare Landschaften zu verfolgen, allein stehende Häuschen mitten auf hohen Felsen zu bewundern oder idyllische Buchten zu bestaunen.

So landeten wir schließlich in Gullholmen. Zwar wäre mein Rudel fast dran vorbei gefahren, weil sie sich so in die Landschaft verguckt und dabei kurzfristig den Überblick verloren hatten, aber letztendlich lagen wir fest vertäut vor dem einzigen, natürlich geschlossenen Restaurant des Städchens. Anfang der Woche in der Vorsaison in den schwedischen Schären unterwegs zu sein, heißt oft auf verriegelte Türen zu stoßen. Etwas diskriminierend, findet Frauchen die Tatsache, dass die Marinas mitnichten auf Frauen zu dieser Jahreszeit vorbereitet sind. Ist die Dusche schon mal geöffnet, bleibt das Wasser eiskalt oder sie ist gar nicht erst beheizt. Es hüpfen hier zwar nicht viele Frauen rum, aber die wenigen wollen auch sauber durch die Schären tingeln. (Zum besseren Verständnis: man versucht natürlich die vorhandenen Duschen in den Marinas zu nutzen. Das schont die eigenen Tanks).

Wir wurden beim Erobern dieses wunderbar pittoresken Ortes sofort von solch banalen Gedanken abgelenkt. Wanderten wir erst durch ein zauberhaftes Naturschutzgebiet, das einem die Seele öffnet, stromerten wir am Nachmittag durch das Häuserviertel und kamen aus dem Staunen kaum heraus. Bebauungspläne können die hier nicht haben, Zäune kennen sie auch nicht. Die Häuschen sind wie mit dem Würfelbecher ausgeschüttet und stehen in friedlicher Eintracht unüberbrückbar nebeneinander. Einem Teil kann man ansehen, dass sie offenbar eher im Sommer oder an den Wochenenden genutzt werden. Die Gedankenspiele kamen erneut ins Trudeln und mein Rudel überlegte, wie sie wohl leben würden, wenn das Geburtenroulette sie auf diesem Fleckchen Erde ausgespuckt hätte? Wie würden sie leben? Was würden sie arbeiten? Hätten sie mich in Haibach überhaupt gefunden?

Mittwoch musste dann mal Diesel getankt werden. Das ging am besten in Henan. Eine wie aus dem Ei gepellte Marina kam zum Vorschein, hatte alles was das Herz begehrte (außer geöffnete Damenduschen).

Es ist schon witzig zu beobachten: Jetzt wo wir so lange (zwei Monate sind es jetzt!) unterwegs sind, schafft sich ein neues Phänomen hervor: Sobald man angelegt hat und alle wichtigen Funktionen laufen, macht man sich die Umgebung häuslich. Ich erschnuppere mir die Welt, meine mitreisenden Menschen erlaufen oder ergoogeln sich alles was die nächsten 15 Kilometer so zu bieten haben. Jedenfalls fühlen wir uns spätestens am Nachmittag so heimisch, als hätten wir nie woanders gelebt.

Dazu gehört, dass der Junior die Supermarktlage checkt, Herrchen die angrenzenden Bäckereien stürmt, Frauchen die Aktionsmöglickkeiten von Minigolf bis Museum (alles aber noch zu) abscannt, die Katze die Nacht-Jagd-Gebiete ausbaldowert und ich nach den Feld- und Waldwegen schiele.

Langsam geht es in die Planung für die Fahrt nach Göteborg, die wir weiterhin im Inneren vornehmen müssen. Unser nächster Schlag ging also nach Stenungssund. Dort würden wir auch den Vatertag verbringen müssen, weil der wettermäßig ganz übel werden würde. Bei Ankunft stellten wir fest, dass wir direkt vor einem ausreichend bestückten Shopping-Center liegen würden. Nicht sehr hübsch, aber an einem Regentag außerordentlich nützlich.

Alles in allem liegt also eine komplett entspannte Woche hinter uns. Gerne hätten wir mehr Naturhäfen besucht, aber da hat das Wetter nicht unbedingt mitgespielt. Das ist nicht weiter schlimm, denn wir haben ja noch den Schärengarten vor Stockholm im Progrramm und dann ist auch in Schweden Sommer. Die einzelnen Schärenorte jedenfalls haben uns verzaubert und wir können jetzt in den Chor aller Fans miteinstimmen. Das Alles in der Vorsaison zu erleben, gibt dieser Reise einen besonderen Touch. Man kommt nicht drumherum, den Ruhepol in sich zu entdecken.

Ich lerne gerade steuerbord und backbord

Das dachte sich auch die Katz. Zuviel Müßiggang macht träge und blieb die Nacht von Mittwoch auf Donnerstag gleich mal weg. Gut, wir hatten ja den Tracker, dachten wir. Der zeigte auch direkt, in welchem Gebiet sie unterwegs war. Letztendlich geholfen hat er leider nicht. Diverse Male während des Suchens hätte Findus höchstens drei Meter neben uns stehen müssen, gesehen haben wir ihn nicht. Um 14 Uhr war der Akku alle und die Stimmung fiel auf dem Barometer schon Richtung „gedrückt“ Wir hofften zum zweiten Male auf die Nacht und seine Zuneigung zu uns, die er im Alltag bestens unter Verschluss hält. Und in der Tat sprang er kurz vor Mitternacht wie selbstverständlich durch die Klappe und verstand die Aufregung, die ihm entgegengebracht wurde gar nicht. Er wollte seinen Dosenöffner in Aktion sehen und gut is.

Die Crew ist komplett, so kann es nach Göteborg gehen. Mal schauen, ob wir City noch können. Schaut wieder vorbei. Ich freue mich.

Schären-Hopping bis der Alex kommt und die nackten Füße dürfen endlich an die frische Luft

Mit einer Dreiviertelstunde Verspätung (wieder gab es Nebel, aber dieses Mal war Frauchen die Kapitänin) wechselten wir offenbar nicht nur das Land, sondern auch die Jahreszeit. Gestartet sind wir im November, angelegt haben wir im Mai. Diesen Tag haben wir vollends genossen: Die See war sanft, die Sonne strahlte mit voller Kraft, Verkehr gab es nicht mal in der Enggstelle zwischen Dänemark und Schweden und die DIALIMA lag wie eine Sahneschnitte im Wasser.

Was Frauchen, bis unter die Zähne mit technischem Know-how bewaffnet, nie für möglich gehalten hätte: das Schiff lag allein durch die installierten Masten so viel stabiler im Wasser, dass es eine helle Freude war darauf zu schippern. Natürlich rollten wir mal die Genua auf, was wir aber mangels Wind gleich wieder sein ließen.

Unser erster Anlaufpunkt in Schweden hieß Mölle. Dort hat es uns gut gefallen. Wir benahmen uns spontan frühlingshaft: Die Socken und langen Hosen flogen in den Schrank; kurze Hosen und Flip Flops konnten endlich ausgepackt werden. Es gab ein Eis, das in der Sonne gleich dreimal so gut schmeckte. Jetzt konnten wir endlich mit dem beginnen, auf das wir uns schon so lange gefreut hatten: Wandern, Rad fahren und die Natur genießen. In Mölle hieß das, auf den Kullenberg zu spazieren. Ein rundum gelungener Tag, den wir in einem Ausflugslokal mit Scholle und Remouladensoße ausklingen ließen. Aber auch in Schweden muss man schnell sein: Um 19 Uhr wird die Küche zugemacht.

Seit fast einer Woche haben wir nun die Qual der Wahl. Die westlichen Schären vor Göteborg sind so reizvoll, vielfältig und unterschiedlich, dass uns die Entscheidung, wohin es am nächsten Tag gehen soll gar nicht so leicht fällt. Haben wir zu Beginn noch versucht ein Programm festzulegen, so haben wir diesen Plan ganz schnell über Bord geworfen. Wir lassen uns treiben und meist entscheidet das Wetter oder das eine oder andere Detail, das wir über die verschiedenen Ziele gelesen haben. Wir haben jetzt Kungshamn als nördlichen Wendpunkt festgelegt. Dann sind wir rechtzeitig wieder in Göteborg, um unser nächstes Crewmitglied einzufangen. Der ist nicht ausgebüxt, sondern Noahs Freund Alex und fährt ab dann drei Wochen mit uns durch den Göta-Kanal. (Übrigens, lieber Alex, könntest du bitte noch ein bisschen Skat üben, dann muss Frauchen nicht immer der dritte Mann sein.)

Angefahren haben wir bislang:

Glommen am Sonntag

Dort wollten wir nach dem Anlegen eine gemütliche Wanderung zum Morups Tange, einem Leuchtfeuer in der Nähe, machen. Frauchen und ich mussten das allerdings alleine übernehmen, weil die Jungs an Bord nur kurz den Glomex zum Laufen bringen wollten. Das Ganze dauerte dann geschlagene sechs Stunden, kostete einiges an Nerven, brachte die wüstesten Kommentare der Technikersprache ans Tageslicht und warf die abstrusesten Ideen auf, die am Ende doch irgendwie dazu führten, dass das Internet wieder lief. Den 1 a-Technikern an Bord sei Dank.

Es sollte an dieser Stelle nicht ganz unerwähnt bleiben, dass diese Anstrengungen nicht nur für mich und meinen Blog unternommen wurden, wie mehrfach betont. Auch die Herren frequentieren das Netz in nicht unerheblicher Weise.

Gottskär am Montag

Dieser Hafenmeister war das lebende Beispiel dafür, dass wir uns noch in der absoluten Vorsaison befinden. Ziemlich überrascht von uns, nahm er uns natürlich freundlich in Empfang und wies uns in alles ein. Als wir ihn ein bisschen ausfragen wollten, welche weitere Route er denn so empfehlen würde, hatte er sein Wissen noch nicht aus dem Winterschlaf befreit und schien ein bisschen überrumpelt. Er meinte, wir sollen doch einfach direkt nach Göteborg fahren. Wir entschieden uns anders und fuhren nach

Donsö am Dienstag

Dort unternahmen wir eine herrliche Radtour durch eine wunderbare Landschaft. Die sportliche Betätigung tat im Übrigen ganz gut, denn es ging ziemlich über Stock und Stein bergauf.

Leider fanden wir nicht das eigens auf der Insel gebraute und nur dort ausgeschenkte Bier, da das Restaurant (wieder mal) um 14 Uhr schloss und es der Supermarkt nicht vorrätig hatte.

Marstrand am Mittwoch

Während wir Drei eine richtig große Wanderung weit um die Festung Carlsten (ein ehemaliges Gefängnis) unternahmen und ich auch mal wieder lange frei laufen durfte, fuhr der Junior mit der Fähre nach Koön zum Frisör und kam schick gestylt wieder zurück. Eines fällt hier direkt auf: Schweden ist ein Land, das seine Natur liebt. Hier darf die Erde noch Natur sein. Auf diesem Spaziergang war alles dabei. Wir liefen am Meer entlang, kletterten über die Felsen, bogen in den Wald ab, stießen auf ein süßes kleines Biotop und überall schafft der Schwede nette Plätze zum Verweilen, die von den Besuchern respektiert werden. Es machte uns ganz viel Freude über diese Pfade wandeln zu können.

Uddevalla für Donnerstag und Freitag

Bis Mittwochabend halb elf stand fest, dass wir am nächsten Tag nach Gullholmen wollen. Dann bekamen wir den Wind schon im Hafen zu spüren und die Überprüfung durch die Wetterapp prophezeite uns eine ungemütliche Überfahrt. Das wollten wir nicht, also verzogen wir uns in den wirklich innersten Teil des Schärengartens und wurden mit einer wirklich ruhigen und wunderbaren Überfahrt belohnt. Der draußen vorherrschende Viererwind war im Inneren überhaupt nicht zu spüren. Was nicht heißt, dass man dort nicht hellwach sein muss. Überall tauchen plötzlich kleine felsige Inseln wie Buckelwale aus dem Wasser auf. Außerdem darf man die Orientierung in dieser Inselwelt nicht verlieren. Ohne unseren heiß geliebten Plotter hätten wir entweder bereits einen neuen Kontinent entdeckt oder wären am Ende der Welt wieder aufgetaucht. Hier mal ein Beispiel:

Uddevalla ist eine 55.000 Einwohner starke Industriestadt, die zwar keinen Schönheitspreis von uns bekommt, aber für unsere Bedürfnisse gerade recht kam. Da wir die nächsten Tage Naturhäfen ansteuern wollen, mussten die Vorräte aufgestockt und Grillgut besorgt werden. Außerdem waren wir wieder mal in Sachen Internet unterwegs. Natürlich brauchten wir – anders als vermutet – eine schwedische SIM-Karte und zwar eine, die man ohne schwedische Personalnummer aktivieren kann. Haben wir hinbekommen. Und nachdem alles erledigt ist, geht es jetzt so richtig in die Natur, ohne Strom und allem Drum und Dran.

Natürlich ist die Katze noch an Bord, was glaubt Ihr denn? Wir haben uns in den letzten Wochen einen zuverlässigen Rhythmus erarbeitet. Abends verlässt sie mit Tracker-Rucksack, das Schiff und am Morgen ist sie brav zurück. Allerdings ist mir immer ein wenig schwummrig, wenn ich sehe, wie weit sie sich in der Nacht vom Schiff entfernt. Aber offenbar kann sie es. Ich hoffe, sie lässt sich in den Naturhäfen nicht von all den vielen Elchen ablenken??

Fangfrische Forellen und mehr in Gilleleje

Letzten Freitag sind wir schon ein wenig schweren Herzens und extrem früh von Kopenhagen, dieser tollen Stadt gestartet. Mit ca 60 km hatten wir uns Einiges vorgenommen. Das Wetter schien ruhig, die Wellen niedrig. Dennoch wurden wir auch auf dieser Etappe vor eine Herausforderung gestellt: Ungefragt tauchte plötzlich direkt vor uns eine riesige graue Küchensuppe auf. Frauchen wäre natürlich am liebsten in den nächsten Hafen eingelaufen. Mittlerweile hat sie aber schon begriffen, dass das nicht die Form von Abenteuer ist, die beim männlichen Teil der Mannschaft vorherrscht. Außerdem war sie leider nicht Captain an diesem Tag.

An dieser Stelle ist ein Loblied auf die Technik anzubringen. Mithilfe des Plotters (Navi für Schiffe) konnten wir genau sehen wie wir fahren. Und dann die Apps, ohne die wir gar nicht mehr ablegen wollen. Mit „Windy“ können wir genau das Seewetter checken. Deswegen konnten wir auch gleich sehen, dass wir „nur“ eine gute Stunde in dem Nebel würden ausharren müssen. Und mit „Schiffsradar“ (im übrigen alles keine Werbung und bezahlte schon mal gar nicht) können wir sehen, wer sich in unserem direkten Umfeld so rumtreibt, egal ob Cargoschiff oder kleines Fischerboot. So wurschtelten wir uns durch und abgesehen von zwei verknuddelten Angelleinen gestaltete sich die Überfahrt ruhig und schon gegen halb 2 zurrten wir die Leinen in Gilleleje fest. Beeindruckend auf diesem Weg die Meerenge zwischen Helsingör (DK) und Helsingborg (S). Die beiden kreuzenden Fähren ließen wir großzügig durch.

Von dem Bade- und Fischerort Gilleleje waren wir restlos begeistert und von der plötzlichen Lebendigkeit einer dänischen Marina schwerstens entzückt. Gleich zu Beginn hatten wir einen beeindruckenden Kontakt mit der Werft. Routinehalber war der Impeller auszutauschen. Noch in Deutschland hatten wir uns die Finger wund telefoniert und keinen Termin bekommen. Hier kam der Mechaniker gleich mit und tauschte das gute Stück aus. Der Außenborder war leider nur komplett zu ersetzen, die Pleuelstange war hin. Aber auch hier wurden wir gut beraten und würden den Neuen schon am Montag bekommen.

So stellten wir uns auf ein nettes Wochenende ein und wurden nicht enttäuscht. Zwar immer noch frisch, aber komplett sonnig, pilgerten wir die Strände entlang, ergötzten uns an den schönen Häuschen der immerhin 6.000 Einwohner und erkundeten das Städtchen. Und am Samstagmorgen wurde es voll, ein richtig kleiner Erholungsort der Dänen. Viele Kopenhagener fahren hier gerne im Sommer und an Wochenenden hin. Wir bekamen die zweite Regatta der Saison mit und ließen uns auf das Frühlingstreiben ein. Nun standen wir auf der anderen Seite was die Bekleidungsmodalitäten anbelangt. Anders, als wir es im Süden erleben, wanderten wir nun eingemummelt mit Mütze und Schal durch die Gassen, während die Dänen in kurzen Hosen und Flipflops über die Promenade wandelten. Ganz besonders freuten wir uns auf den frischen Fisch, den es direkt im Hafen zu kaufen gab und den wir uns noch am gleichen Abend lecker zubereitet haben.

Auch am Sonntag schien halb Gilleleje auf den Beinen. Die Geschäfte und Cafés waren geöffnet. Allerdings überstürzt sich das dänische Bewirtungspersonal nicht, wenn man eine Lokalität betritt, sondern legt eher eine nordische Gelassenheit an den Tag. Sie haben definitiv keine Angst, dass man als Gast wieder geht, wenn man nicht auf seine Wünsche angesprochen wird. Auch waren wir stets wieder früh auf dem Schiff, wenn wir essen gingen; das Abendgeschäft ist hier spätestens um 21 Uhr Geschichte und die Läden dicht. Frauchen wurde anlässlich des auch in Dänemark stattfindenden Muttertags am Abend zum Essen eingeladen. Sie hatten den Tisch für 19 Uhr reserviert, waren damit die letzten Gäste die eintrudelten und bei Frauchens Esstempo natürlich die letzten Gäste, die das Restaurant verließen.

Am Montag wurde dann wieder „gearbeitet“. Der Außenborder wurde abgeholt und angebracht und der vormalige Eigentümer kam und besprach mit uns die Maststellung am Donnerstag in Frederiksvaerk durch. Am Ende kontrollierten wir noch, ob wir dafür auch alles dabei und vorrätig hatten und plauschten ein wenig mit Hr. Jensen über das nun uns gehörende Schiff und seinen Erlebnissen damit.

Nach all der Action an der frischen Luft habe auch ich mich wieder an den Schreibtisch gesetzt und wüst über die passenden Formulierungen für diesen Blog nachgedacht.

Vier-Städte-Tour

Lübeck, Neustadt, Grömitz und Burgtiefe (Fehmarn)

Lübeck23./24.04: Landgang

In den Büchern steht, dass Lübeck eine der schönsten Städte des Nordens sei. Das können mein Rudel und ich bestätigen. Am Dienstag haben wir nicht mehr viel gemacht. Mein Rudel freut sich ja immer tierisch, dass alles so gut klappt, dass wir „superfrüh“ am Liegeplatz sein werden. Ha ha, bis wir dann wirklich fest liegen und alle Arbeiten verrichtet sind, ist es doch meist halb 6 / 6. Dabei zeige ich denen immer, dass ich am Mittag keine so große Runde brauche. Ich verrichte dezent meine Geschäftchen, bleibe demonstrativ mitten auf der Straße stehen und blicke stoisch Richtung Schiff. Auch ich möchte einfach mein neues Zuhause mal ohne Motorenmusik im Hintergrund genießen.


Schleusenwärterin Leila: Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser

Deswegen habe ich sie am nächsten Tag alle mal von Bord geschickt. Nur die Vierbeiner durften bleiben: Noah ging trainieren, der Kapitän suchte einen Bootsladen (Shopping für Männer!) und Frauchen schlappte in die Stadt. Auch wenn die Stimmung an Bord ungelogen gut ist, will man auch mal einfach was für sich machen.

Am Mittag trafen sich alle wieder am Schiff und bestaunten gemeinsamen das doch ziemlich schiefe Holsten Tor und die kleine echt gemütliche Stadt. Am Ende gab es ein kleines nettes Mittagessen am Wasser und am Abend wurde am HotSpot der Marina mit einem Aperölchen gesurft und gechillt.


Neustadt(25./26.04.2019):

Seit heute sind wir in der Ostsee! Die beschaulichen Kanalfahrten gehören erst mal der Vergangenheit an. Ob mir das Meer gefällt, weiß ich noch nicht so genau. Es schaukelt schon mehr, besonders wenn uns so eine blöde Welle trifft. Auch das Rudel ist konzentrierter. Jetzt stehen immer Zwei am Steuerstand und passen zusammen auf, also eine Kraulmaschine weniger.


Was ne Riesenmarina – kann man da nur sagen und super organisiert. Hier hatten wir uns von Tante Heike ein paar Dinge nachschicken lassen( u. a. den Katzentracker – jetzt entwischt er uns nicht mehr), die uns prompt ausgehändigt wurden. Wir unternahmen eine Radtour in die Stadt selbst, waren aber zu spät: Abends um sechs war schon alles hochgeklappt. Für den nächsten Tag wurde „klar Schiff“ machen beschlossen. Das ging dann nur drinnen, weil es gewitterte und nass wurde. Anschließend wurde beschlossen, keinen weiteren Tag in Neustadt zu bleiben, sondern lieber eine zusätzliche Station in Grömitz zu machen, bevor es dann Richtung Fehmarn geht. Was  meine Zweibeiner jetzt schon machen, ist dauernd das Wetter zu gucken, damit die Überfahrt nach Dänemark ruhig und bestimmt nicht aufregend wird. Niemand von denen will einen seekranken Labbi an Bord haben – wirklich nicht. Und das wäre noch das kleinere Übel.

Die Tauben sind hier übrigens riesig.😉

Grömitz, 27.04.2019

Auf dem Weg nach Grömitz hingen wir zum ersten Mal in ernster Absicht die Angeln raus. Gleich biss auch einer an, aber in letzter Sekunde sprang er uns doch vom Haken. Also doch Spaggis zum Abendessen.

In Grömitz selbst schnupperten wir absolute Ostsee-Touri-Meilen-Luft und gingen ein leckeres Eis essen.

Burgtiefe / Fehmarn28./29.April 2019

Ha, ob es der von gestern war wissen wir nicht, aber heute haben wir ihn bekommen:


Der Junior und ich waren sehr stolz.

Die beiden Tage haben wir damit verbracht, die nächste Etappe unserer Reise im Detail zu planen. Dieses Mal war nicht das WLAN das Problem, sondern der Strom. Wir fanden keine Dose, die Saft hatte, aber Dank des nun perfekt laufenden Generators konnte sogar eine Ladung Wäsche gewaschen werden. 

Am Dienstag geht es Richtung Dänemark. Wir werden Gedser anlaufen und uns dann auf der Ostseite nach Frederiksvaerk vorarbeiten. 


Gedser bis Frederiksvaerk – über Kopenhagen

Heute darf ich aber nochmal an den Hundestrand und mich tapfer in die Ostsee stürzen. Die Wassertemperaturen sind einstellig – wollte es nur mal erwähnt haben.

Ich melde mich wieder aus DÄNEMARK.

Auch als Video bei Instagram

Logbuch der Dialima

WESEL-DATTELN-KANAL
Samstag, der 13.04.2019, De Bijland – Wesel, ca. 50 km

Kapitän: Guny

Zum Glück geht der Kapitän morgens gleich ne Stunde mit mir laufen und wenn es geht, darf ich gut flitzen. So halte ich die zehn Stunden an Bord gut aus. 


Den Niederrhein ging es fast ohne besondere Vorkommnisse hoch. Den Schlepper J. wollen wir mal unerwähnt lassen. Obwohl es wirklich keine nette Art ist, uns so in Bedrängnis zu bringen, nachdem wir uns schon extrem an die Buhne verdrückt hatten.

Das muss man sich mal auf der Zunge zergehen lassen: Wir sind heute 50 Kilometer weit gereist und haben dafür etwa 9 Stunden gebraucht. Kann man sich das in der heutigen, schnell lebigen Zeit überhaupt noch vorstellen? Das bringt mich auf einen Gedanken:

Unser Leben in Zahlen:

Wir leben jetzt zu 5. auf ca. 50 Quadratmeter in 2 Ebenen und drei Kabinen. Das Schiff ist ca. 13 m lang und 4,5 m breit. Erst Brücken ab 3,5 m Höhe sind für uns ungefährlich. 

Wir sind heute im Schnitt 6 km/h Stunde gefahren. Gegen 9 Uhr fuhren wir los, ca. gegen 17 Uhr legten wir an der Tankstelle an. Dort haben wir 625 L Diesel aufgenommen. Der Wassertank nimmt ca. 800 L auf, die dann bis zur nächsten Möglichkeit reichen müssen (klappt aber ganz gut; sind auch noch city-tauglich). Der Fäkalientank muss nach spätestens 500 L geleert werden; hier sollte man nicht ganz bis an die Grenzen gehen.

Während des Fahrens achten wir ständig auf die Wassertiefe (unser eigener Tiefgang beträgt 1,30 m) und die Drehzahl beim Motor (1300 Umdrehungen ist für uns die Obergrenze). Natürlich dürfen die Kilometrierungen rechts und links am Fluss / Kanal nicht vernachlässigt werden, sonst weiß man nicht mehr wo man ist. 

Liegen wir abends endlich am Strom, muss die Anzeige des Generators immer im Blick bleiben. Die Batterieanzeige sollte bevorzugt auf 100 % stehen. Alles andere versetzt mein Rudel nach wie vor in Alarmbereitschaft. Frauchen, unsere Spezialistin, hat es beim Kochen noch nicht so drauf und lässt nach wie vor beinahe alle Geräte in der Küche parallel laufen. Sie hält das für besonders ökonomisch, erreicht damit jedoch lediglich, dass wir die zumeist doch sehr niedrige Absicherung in den Marinas überschreiten. Aber sie ist lernfähig.

Nur der Vollständigkeit halber: Ich bekomme 2 Mahlzeiten am Tag (was ganz klar zu wenig ist) und werde dreimal ausgeführt.

MITTELLANDKANAL

Sonntag, 14.04.2019, Wesel – Flaesheim, 54 km, 4 Schleusen

Kapitän: Frauchen


Hier habe ich mal eine gute Übersichtskarte für euch gefunden. Dort könnt ihr mal unsere Reise bis in die Ostsee (beginnend mit heute ab Wesel) verfolgen. Anfang der Woche ab dem 21. wollen wir in die Ostsee einfahren. Den Rhein haben wir heute verlassen und das finden alle (inkl. uns Vierbeiner) richtig erholsam. Es schaukelt weniger, die Strömung fehlt. Dadurch fahren wir fast doppelt so schnell und es ist beschaulicher, weil hier weitaus weniger Schlepper unterwegs sind, die hier eine recht entspannte Fahrweise an den Tag legen.


Noahs erste Einfahrt in die Schleuse


Montag, 15.04.2019 Flaseheim– Fuestruep, 68 km, 3 Schleusen

Kapitän: Junior

Der heutige Tag war ein richtig schöner. Der Frühling hat sich zurückgemeldet. Frauchen und ich haben das direkt ausgekostet und uns in unserer freien Stunde in die Sonne gepflanzt. Andere Aufgaben blieben liegen und müssen bis morgen warten.


Wir haben unser System gefunden. Auch die Schleusen klappen jetzt. Jeder fährt seine Stunde ab und hat dann zwei Stunden frei. In dieser Zeit wird heftig an den einzelnen Projekten gearbeitet:

Frauchen schreibt ihre Blogbeiträge oder erstellt eine neue Seite

Noah arbeitet an seiner Website (www.proandfitbook.de) und 

Guny bastelt an seinen Filmen. Bis die fertig sind, hier mal ein paar Eindrücke vom Dortmund Ems Kanal. So langweilig, wie in den Büchern behauptet wird, finden wir den Kanal gar nicht.

Als wir am Samstag Holland verlassen haben und wieder nach Deutschland gefahren sind, kamen wir in der Wüste an: in der digitalen!!! Echt wahr. In Holland waren wir sofort im Internet. WiFi-Codes werden direkt an die Hand gegeben oder sind gleich offen. Die Verbindung ist gut, die Geschwindigkeit schnell. Kaum in Deutschland sind meine Leute fast von der Welt abgeschnitten. Ständig blinkt das E auf dem Display. Tja, werden die Drei mal für eine Weile ins analoge Leben zurück katapultiert.

Dienstag, 16.04.19, Fuestrupp – Bad Essen, 90 km

Kapitän: Guny

Fahrt ohne besondere Vorkommnisse oder ich habe nichts mitbekommen. Ich habe nämlich heute in die aus Versehen offen stehende Futterdose gepackt und mich etwas sehr überfressen.

Am Abend lagen wir dann in einem relativ modernen Hafen, war mir aber egal. Hauptsache ich fand eine gute Wiese. Mein Rudel hat dann mal wieder kräftig die Vorräte aufgestockt.

Mittwoch, 17.04.2019 Bad Essen – Idenssen, 70 km

Kapiteuse: Frauchen

Fahrt fast ohne besondere Vorkommnisse. Wir werden alle sicherer und trauen uns mehr zu. Zwei- und Vierbeiner genießen die Sonne. Etwas überrascht wurden wir von der Tatsache, dass am Wochenende Ostern ist. Man vergisst hier fast die Zeit.

Ciao Bellos, macht’s gut, die Leine ruft und die Wildnis wartet.

GO: Logbuch der DIALIMA – Es geht los!!


Dienstag, 09.04.Volendam – Weesp, ca. 30 km, 2 Schleusen

Crew: Kapitän, Frauchen, Junior, Heike, Olaf, Findus und ich

Am Montag begaben wir uns ziemlich früh aufs IJsselmeer, der Wind hatte aufgefrischt, 4 Beaufort waren angesagt. Das hatten wir davon:

4 Beaufort auf dem IJsselmeer


Ich war zum ersten Mal seekrank und hätte ich meinen Junior nicht gehabt, ich weiß nicht, wie viel sie hätten wischen müssen. Offenbar war ich so grün im Gesicht, dass ich ausnahmsweise aufs Sofa durfte.


Der Rest der Crew war auffallend ruhig. Es war nicht wirklich gefährlich, aber als ausgewiesene Landratten hatte diese Aktion schon einen gewissen Abenteuer-Touch. Zwischendurch flogen uns alle nicht fest verstauten Dinge um die Ohren. Wir würden umpacken müssen!!! Das Geschirr aber hielt.

Nach vier Stunden war der Spuk vorbei. Wir waren jedoch nicht direkt nach Muiden gefahren, sondern sind wieder über die Schleuse rein nach Amsterdam und von da aus den Amsterdam-Rijn-Kanal bis nach Weesp, wo wir einen unbeschwerten letzten Abend mit unserem großen Rudel verbrachten und lecker von unseren Gästen zum Essen eingeladen wurden.

Mittwoch, 10.04.Weesp – Breukelen, ca. 35 km, 3 Brücken

Crew: s. o. (die Katz ist immer noch an Bord)

Eine unaufgeregte Fahrt bei schönem Wetter und aufs Wort folgenden Brückenwärtern.

In Breukelen stand Abschiednehmen auf dem Programm. Der Kapitän und Olaf holten unser Auto und den Hänger. Es wurden nochmals Sachen ausgetauscht und gepackt. Der Junior bekam doch seine Gewichte, Platz war entstanden. 


Und dann waren wir allein. Es war eine schöne knappe Woche mit der Verwandtschaft, in der das Verhältnis zwischen Abenteuer und dem Chillfaktor recht ausgeglichen war.

Den Rest des Tages verbrachten wir mit „klar Schiff“ machen und dem Aufstocken der Vorräte durch den ansässigen Supermarkt. Es ist erstaunlich, je länger man auf dem Schiff wohnt, desto größer wird es für einen. Fanden wir es zu Beginn noch sehr beengt, hat man nach wenigen Tagen das Gefühl, dass der vorhandene Platz immer mehr wird. 

Donnerstag, 11.04.2019: Breukelen – Tiel / Waal, ca. 60 km 3 Brücken, 2  Schleusen

Crew (bis auf Weiteres): Kapitän, Frauchen, Junior, die Katz und ich 

Bei kaltem, aber sonnigem Wetter starteten wir gegen 9 Uhr. Trügerisch gaukelte uns der Tag Idylle vor. Zunächst lief auch alles perfekt an. Damit jeder jede Rolle an Bord beherrscht, haben wir beschlossen, dass jeder Kapitän sein muss, damit er weiß was es heißt die Verantwortung zu übernehmen. Auch muss jeder in der Lage sein, alle Arbeiten an Bord verrichten zu können. Das heißt nicht, dass man alles selbst fahren muss, aber man hat (endlich mal) das Sagen. Wir vereinbarten einen Stunden-Rhythmus (jede Stunde musste also im Wechsel jemand anders steuern), so dass man etwas Zeit für sich hat oder weitere Arbeiten an Bord verrichten kann.


Wäschetag auf der DIALIMA

Heute war Frauchen Kapiteuse. Zunächst fuhr sie auch alle Manöver selbst und es lief auch. Vor der „Prinzess-Irene-Schleuse“ übergab sie das Steuer ihrem Mann. Man muss es ja bei fünf mitschleusenden Schleppern nicht übertreiben. Das Desaster kündigte sich nicht an. Souverän legten wir hinter dem letzten Schlepper steuerbord an und machten mit zwei Leinen mittig an einer Klampe an. Ein Fehler wie sich später herausstellen sollte. Zunächst lief alles wie gewohnt. Aber aufgrund der vor uns gurgelnden Riesenschiffe und der Fixierung durch die Seile an nur einem Punkt, fingen wir in der Schleuse an zu tanzen. Das ist nicht nur hochgradig peinlich. Das ist in erster Linie gefährlich. Da der Junior und Frauchen sich mit den Seilen absprechen und abwechseln mussten, nutzte einer dieser unverschämten quirligen Wirbel den günstigen Augenblick und drehte unser Heck von der Schleusenwand in Richtung Schleusenmitte weg, auf den neben uns liegenden Schlepper zu. Mit vereinten Kräften versuchten wir diesen Vorgang rückgängig zu machen. Es gelang nicht sofort. Das Bug war kurz davor, sich an der Wand vorbeizuschrupsen (das Bugstrahlruder griff schon nicht mehr), als Frauchen nach vorne sprinten musste, um das zu verhindern. Das gelang zum Glück und Herrchen konnte wieder mit dem Bugstrahlruder agieren, während der Junior uns wieder an die Wand zog.

Und dann kam auch noch Pech dazu: Als wir gerade wieder fest an den Klampen lagen, riss die Heckleine. Einfach so. Materialschaden. Vorher nicht erkennbar. Und das Spielchen ging von vorne los. Zum Glück nicht ganz so heftig und zum Glück war der Schleusenvorgang in diesem Moment vorbei. Aus nachvollziehbaren Gründen gibt es an dieser Stelle keine Fotodokumentationen. Wir haben ganz schön gekämpft und gewonnen.

Es war schon ein bisschen schocking, aber, so stellten wir abends bei einem leckeren Teller Spaghetti und der Nachbesprechung fest, gehören solche Erlebnisse dazu, um die Sorgfalt und Achtsamkeit nicht zu verlieren. Auf die zweite Schleuse an diesem Tag hätte jeder verzichten können, aber wir mussten ja durch und wurden belohnt. Zwar war auch diese wieder voll, aber nicht so sprudelig und wir legten direkt mit zwei Leinen vorne und hinten an – und nahmen in der Mitte sicherheitshalber eine dritte hinzu.

Da wir aus der Leek wieder rausmussten (Dieser Fluss sollte laut Gino ruhiger und bequemer sein. Leider hatte er uns nicht verraten, dass die dort ansässige Schleuse geschlossen war), verloren wir eine Stunde, mussten wieder auf die Waal zurück. Wir machten etwas früher in Tiel Schluss. Zu diesem kleinen Örtchen gibt es nicht viel zu sagen. Wir machten es uns gemütlich und frönten unserer ersten Serie, die natürlich – der Reise entsprechend – in Dänemark und Schweden spielt. 

Freitag, 12.04.2019: Tiel – De Bijland, ca. 50 km

Kapitän: Junior

Leider war uns die Sonne heute nicht hold, aber das hat unsere Laune nicht gedrückt, denn wir wissen, dass wir im Warmen sitzen können. Schon mehrfach haben wir den Vergleich zu unserer Gulet gezogen und dabei festgestellt, dass wir es bei den momentanen Wetterbedingungen auf der DIALIMA viel besser haben. Auf der Holzlaube müssten wir den weitaus überwiegenden Teil draußen auf der Terrasse verbringen, alles wäre zugig und nur durch eine durchlässige Persenning geschützt, die Heizen nicht wirklich sinnig macht.

Der Tag heute war ohne besondere Vorkommnisse und das hat uns allen sehr gut getan. Es gab keine Schleusen zu bewältigen, die Maschinerie lief perfekt und die Stimmung war gut. Auch wenn einer der Kapitän ist, fährt man hier auf dem Niederrhein schon eher zusammen, da es hier nur so von Schleppern wimmelt, die sich um uns kleinen Floh nicht kümmern.

Dank u wel fürs Zuhören. Frauchen geht jetzt kochen. Die Katze guckt von rechts und ich von links. Das lassen wir uns nicht entgehen.

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