Ich will ja nicht behaupten, dass wir den westlichen Schärengarten in- und auswendig kennengelernt haben, dazu ist er viel zu reichhaltig und vielfältig bestückt. Aber in der letzten Woche ist es uns gelungen, einen nachhaltigen Eindruck von der schwedischen Schärenwelt auf der Westseite des Landes zu gewinnen.

Ich bin nicht im Ansatz ein esoterisch angehauchter Labbi. Ich gebe Laute wie „Wuff“ und nicht „Ooommm“ von mir, aber ich muss schon sagen, die Orte, die wir in der letzten Woche kennengelernt haben, haben mich in einen extrem gechillten Flow versetzt. Wenn an Bord Aufregung entsteht, lupfe ich nur noch müde das Augenlid.

Ein ganzes Wochenende haben wir uns im Naturhafen Hjälton samt Wald, Felsen, Badebuchten wie Robinson Crusoe gefühlt. Das war genau meine Welt. Ich kam fast um vor lauter unbekannten Gerüchen und durfte die ganze Zeit frei laufen. Zu Beginn war ich ja ein wenig skeptisch gewesen, wie ich ohne Steg an Land kommen soll. Aber auf das Rudel ist Verlass. Vor Ort gibt es häufig eine wunderbare Vorrichtungen – ich denke für Labbis und sonstige Hunde. Da kann man mit den Vorderleinen an Metallösen, die am Felsen angebracht sind, festmachen. Hinten muss man dann nur noch den Anker schmeißen und schon liegt man bombenfest. Das Ankermanöver, dass ich zeitlich in etwa auf den halben Nachmittag eingeschätzt hatte, verlief erstaunlich schnell, und ohne große Komplikationen lagen wir gegen jeden Wind geschützt in der Bucht. Direkt ging das Abenteuer los und wir durchstreiften alle Vier das neue Revier. Wie in dieser Familie so üblich wurden auf der Stelle große Pläne geschmiedet und (Gott sei Dank nur theoretisch) Arbeitspläne aufgestellt: Wie man wohl auf diesem Fleckchen Erde als Selbstversorger überleben könne, lautete die Frage. Ein gewisses Starterpaket dürfte geordert werden (Baumaterial, Werkzeug, Hühner und Lebensmittel für die erste Zeit), aber nach ein paar Monaten müsse man ohne Anbindung an die Außenwelt klar kommen. Mit halbem Ohr bekam ich mit, dass mein Beitrag darin bestehen würde, die Enten zu jagen, falls die im Starterpaket enthalten wären. Falls nicht müsste ich auf Hasen umsteigen. Na ja, mir egal, war zum Glück nicht ganz ernst gemeint, jedenfalls kam am Abend das gekaufte Grillgut auf den Rost. Und den Rest des Wochenendes ging auch keiner mit mir auf die Jagd, wonach auch immer.

Am Montag hieß es Abschied nehmen. Da sich die ganze Woche wettermäßig eher zum Nachteil entwickeln würde (Donnerstag kündigte sich ein 7+ Wind an) beschlossen wir im inneren Teil des Gartens zu bleiben und haben das nicht bereut. Warum sollen wir auch außen fahren? Ich finde dann kann ich nur Wasser sehen und schnuppern. Punkt! Im inneren Teil hingegen muss man beim Fahren zwar sehr aufpassen, aber es gibt wunderbare Landschaften zu verfolgen, allein stehende Häuschen mitten auf hohen Felsen zu bewundern oder idyllische Buchten zu bestaunen.

So landeten wir schließlich in Gullholmen. Zwar wäre mein Rudel fast dran vorbei gefahren, weil sie sich so in die Landschaft verguckt und dabei kurzfristig den Überblick verloren hatten, aber letztendlich lagen wir fest vertäut vor dem einzigen, natürlich geschlossenen Restaurant des Städchens. Anfang der Woche in der Vorsaison in den schwedischen Schären unterwegs zu sein, heißt oft auf verriegelte Türen zu stoßen. Etwas diskriminierend, findet Frauchen die Tatsache, dass die Marinas mitnichten auf Frauen zu dieser Jahreszeit vorbereitet sind. Ist die Dusche schon mal geöffnet, bleibt das Wasser eiskalt oder sie ist gar nicht erst beheizt. Es hüpfen hier zwar nicht viele Frauen rum, aber die wenigen wollen auch sauber durch die Schären tingeln. (Zum besseren Verständnis: man versucht natürlich die vorhandenen Duschen in den Marinas zu nutzen. Das schont die eigenen Tanks).

Wir wurden beim Erobern dieses wunderbar pittoresken Ortes sofort von solch banalen Gedanken abgelenkt. Wanderten wir erst durch ein zauberhaftes Naturschutzgebiet, das einem die Seele öffnet, stromerten wir am Nachmittag durch das Häuserviertel und kamen aus dem Staunen kaum heraus. Bebauungspläne können die hier nicht haben, Zäune kennen sie auch nicht. Die Häuschen sind wie mit dem Würfelbecher ausgeschüttet und stehen in friedlicher Eintracht unüberbrückbar nebeneinander. Einem Teil kann man ansehen, dass sie offenbar eher im Sommer oder an den Wochenenden genutzt werden. Die Gedankenspiele kamen erneut ins Trudeln und mein Rudel überlegte, wie sie wohl leben würden, wenn das Geburtenroulette sie auf diesem Fleckchen Erde ausgespuckt hätte? Wie würden sie leben? Was würden sie arbeiten? Hätten sie mich in Haibach überhaupt gefunden?

Mittwoch musste dann mal Diesel getankt werden. Das ging am besten in Henan. Eine wie aus dem Ei gepellte Marina kam zum Vorschein, hatte alles was das Herz begehrte (außer geöffnete Damenduschen).

Es ist schon witzig zu beobachten: Jetzt wo wir so lange (zwei Monate sind es jetzt!) unterwegs sind, schafft sich ein neues Phänomen hervor: Sobald man angelegt hat und alle wichtigen Funktionen laufen, macht man sich die Umgebung häuslich. Ich erschnuppere mir die Welt, meine mitreisenden Menschen erlaufen oder ergoogeln sich alles was die nächsten 15 Kilometer so zu bieten haben. Jedenfalls fühlen wir uns spätestens am Nachmittag so heimisch, als hätten wir nie woanders gelebt.

Dazu gehört, dass der Junior die Supermarktlage checkt, Herrchen die angrenzenden Bäckereien stürmt, Frauchen die Aktionsmöglickkeiten von Minigolf bis Museum (alles aber noch zu) abscannt, die Katze die Nacht-Jagd-Gebiete ausbaldowert und ich nach den Feld- und Waldwegen schiele.

Langsam geht es in die Planung für die Fahrt nach Göteborg, die wir weiterhin im Inneren vornehmen müssen. Unser nächster Schlag ging also nach Stenungssund. Dort würden wir auch den Vatertag verbringen müssen, weil der wettermäßig ganz übel werden würde. Bei Ankunft stellten wir fest, dass wir direkt vor einem ausreichend bestückten Shopping-Center liegen würden. Nicht sehr hübsch, aber an einem Regentag außerordentlich nützlich.

Alles in allem liegt also eine komplett entspannte Woche hinter uns. Gerne hätten wir mehr Naturhäfen besucht, aber da hat das Wetter nicht unbedingt mitgespielt. Das ist nicht weiter schlimm, denn wir haben ja noch den Schärengarten vor Stockholm im Progrramm und dann ist auch in Schweden Sommer. Die einzelnen Schärenorte jedenfalls haben uns verzaubert und wir können jetzt in den Chor aller Fans miteinstimmen. Das Alles in der Vorsaison zu erleben, gibt dieser Reise einen besonderen Touch. Man kommt nicht drumherum, den Ruhepol in sich zu entdecken.

Ich lerne gerade steuerbord und backbord

Das dachte sich auch die Katz. Zuviel Müßiggang macht träge und blieb die Nacht von Mittwoch auf Donnerstag gleich mal weg. Gut, wir hatten ja den Tracker, dachten wir. Der zeigte auch direkt, in welchem Gebiet sie unterwegs war. Letztendlich geholfen hat er leider nicht. Diverse Male während des Suchens hätte Findus höchstens drei Meter neben uns stehen müssen, gesehen haben wir ihn nicht. Um 14 Uhr war der Akku alle und die Stimmung fiel auf dem Barometer schon Richtung „gedrückt“ Wir hofften zum zweiten Male auf die Nacht und seine Zuneigung zu uns, die er im Alltag bestens unter Verschluss hält. Und in der Tat sprang er kurz vor Mitternacht wie selbstverständlich durch die Klappe und verstand die Aufregung, die ihm entgegengebracht wurde gar nicht. Er wollte seinen Dosenöffner in Aktion sehen und gut is.

Die Crew ist komplett, so kann es nach Göteborg gehen. Mal schauen, ob wir City noch können. Schaut wieder vorbei. Ich freue mich.