Labbi goes europe - Blog

Schlagwort: Törn

Mit Heiligenhafen und Fehmarn hat uns Deutschland wieder

Die Überfahrt zurück nach Deutschland, ich kann es euch sagen, war weich wie Butter. Es war warm, weitsichtig und die Ostsee glatt wie Seide. Wir fuhren geradewegs in den Sommer, saßen bereits während der Fahrt in T-Shirts und kurzen Hosen auf dem Vorschiff. Ich durfte die ganzen fünf Stunden ohne Schwimmweste draußen bleiben und habe das sehr genossen. Natürlich wurde, auch wenn es ein wenig lächerlich aussieht, auf meinen Sonnenschutz geachtet.

In Heiligenhafen angelegt, ging der Rummel schlagartig los. Die Marina, die gut 1000 Liegeplätze zur Verfügung stellt, war gut voll. Das Glück war auf unserer Seite, denn wir durften bis Samstag auf dem Liegeplatz bleiben und mussten nicht umlegen. Mit 34 Grad und einer leichten nordischen Brise fühlten wir uns ausgesprochen wohl. Gewöhnen mussten wir uns allerdings an die Menschenmassen. So viele Urlauber auf einen Schlag waren wir gar nicht gewohnt. Ebenfalls neu für uns war das Gefühl, länger als eine Nacht in einem Hafen zu liegen. Es gefiel uns. Man lernt die Nachbarschaft ein bisschen genauer kennen und rast nicht so die Ortschaften ab, sondern kann einiges gelassener angehen.

War das Gefühl nach über drei Monaten wieder zurück in Deutschland zu sein ein besonderes? Nein, ich denke nicht. Man ist nur die ersten Augenblicke ein wenig erstaunt, dass so flächendeckend deutsch gesprochen wird. Aber nach zwei Tagen legt sich das rasch wieder. Und da wir noch nicht so häufig im Norden unterwegs waren, bestand nach wie vor das Gefühl, Neuland zu erobern.

Für mich gab es einen ganz tollen See, indem ich viel schwimmen durfte. Das hat mir mächtig gefallen und ich habe meine „Bob, der Baumeister-Sand-Qualitäten“ entdeckt. Noah streckte seine Fühler nach einem KITE-Kurs aus. Er wollte sich in den Wind stürzen. Hier in Heiligenhafen wurde es aus zeitlichen Gründen nichts, aber in Burgtiefe / Fehmarn würde er ab Samstag ins Geschehen einsteigen. Das war auch der Grund warum wir nach drei Tagen trotz 5er Wind losfuhren. Die Wellen sollten nicht allzu hoch werden und die Fahrt nur 2,5 Stunden dauern. Bei der Wellenhöhe hat der Kapitän wohl ein bisschen geschummelt. Wir mussten doch sehr gegen ca. 1-Meter hohe Wellen ankämpfen und hatten unseren Schaff, in die Tonnenstraße einzubiegen. Auch das Anlegemanöver war wenig souverän. Die Box ließ kaum Platz und der Wind schob uns fast quer. Eine liebe Nachbarin sprang jedoch gleich zu Hilfe und so lagen wir doch fest vertäut am Rundsteg. Hier mussten wir einen Tag später nochmal umlegen, aber jedes Anlegemanöver bei Wind ist eine gute Übung.

In Burgtiefe sollten wir eine Woche wohnhaft werden. Noah stieg am Sonntag in seinen Kite-Kurs ein, der Kapitän organisierte das Legen der Masten, Frauchen tippte wieder eifrig in die Tasten und ich kümmerte mich um die vielen Hundefreunde, die es zu beschnuppern gab.

Dienstag leisteten wir die Vorarbeit für den Rigger und zogen schon mal die Segel raus, klemmten die Elektronik ab und verpackten alles in unserem Kellerloch. Mittwoch begutachtete der Kranführer die Vorarbeiten, war mit uns zufrieden und legte gemeinsam mit dem Rigger die Masten. Am Ende waren wir doch froh, die Fachleute mit ins Boot geholt zu haben. Zwei Masten zu legen ist natürlich eine machbare Sache, aber das Know-how hat geholfen und den ein oder anderen Tipp haben wir ebenfalls mitgenommen. Auch wenn so ein Mast nur aus Alu ist, sollte er sich eben nicht ungebremst in Bewegung setzen (Worte der Sicherheitsbeauftragten). Am Donnerstag wurde zuguterletzt alles noch mobil an Bord befindliche fest verzurrt und der Rest des Tages wurde Ordnung gemacht, damit sich unser Wochenendbesuch auch wohlfühlen würde.

Noah hatte mit seinem KITE-Kurs leider enormes Pech. So verdünnisierte sich der Wind nach seinem ersten Tag in Aktion und tauchte die ganze Woche nicht wieder auf. Er hat zwar die Grundlagen erfahren, die Theorie bestanden und somit Level 2 erreicht (was wichtig für das Ausleihen des Equipments an anderen Orten ist). Leider aber seine zweite Praxiseinheit nicht mehr machen können. Sehr fair von der KITE-Schule war, dass sie uns einen Teil des Geldes zurückerstattet hat.

Nora und Stephan kamen am Freitagmorgen bei uns an und würden bis Lübeck bei uns mitfahren. Nach einem stärkenden Frühstück ging es an den Strand. Dort fand ein Beachvolleyballturnier statt, dem wir begeistert beiwohnten. Leider erlebten wir nur den ersten Tag mit, so dass wir die Sieger lediglich durch Internetrecherche in Erfahrung brachten. Die Stimmung eines solchen Turnieres ist jedoch unvergleichlich.

Samstag früh ging es los, Richtung Travemünde, einem Stadteil von Lübeck. Die Überfahrt war nett und wellenlos, sodass Nora und Stephan gut für ihren eigenen Bootstrip im September üben konnten, was sie auch eifrig taten: Im Schnellkurs bekamen sie diverse Anlegemanöver, sämtliche Knoten und Maschinenkunde beigebracht. Ich freute mich sehr, denn ich führe gerne ein großes Rudel an – und mehr zu futtern gab es auch.

Wir machten direkt vor dem historischen Segler „Passat“ fest und besichtigten das Schiff im Eilverfahren, da es nur nur noch 20 Minuten begehbar war. Für einen umfassenden Eindruck hat es dennoch gereicht. Im Gegensatz zu früher reisen wir heute äußerst komfortabel. Am Abend ging es die Strandpromenade entlang. Fünf verschiedene, leckere Flammkuchen und ein heißes Yatzy-Duell bildeten den Abschluss des Abends und kündigten das Ende der offenen Seefahrt an.

Am nächsten Tag sollte es nach Lübeck gehen, was uns auch problemlos gelang. Die Boxen im Hafen waren leer und groß genug, so dass Nora sich in der Kunst des Anlegens üben konnte. Übel schien nur die Nachricht, die mein Rudel direkt am Steg vom benachbarten Bootsführer erhielt. Kurz darauf saßen alle am Tisch, wälzten die Bücher, tippten auf dem Tablet durch verschiedene Seiten und rechneten emsig viele Kilometer durch. Irgendetwas schien komisch, denn am Ende beschlossen sie, erstmal nicht weiterzufahren und abzuwarten. Ich verstand es nicht, denn am Schiff ist nichts kaputt und an Bord auch keiner krank.

Am Ende machten wir doch noch einen Bummel durch Lübeck und ich zeigte unseren beiden Gästen das Holstentor, das ich ja schon im April kennengelernt habe.

Am Abend gingen wir im Hafenrestaurant essen und deren Currywurst mit Pommes und Trüffelmayonaise muss man einmal im Leben genossen haben. Ich kann das beurteilen. Ich bekomme ja immer ein Stück mitgebracht.

Dann war es mit dem Besuch auch schon wieder vorbei. Nora und Stephan stiegen in ihr Auto und düsten zurück in die Heimat. Einer muss am Montag ja das Büro aufschließen. Gut, dass ich es nicht bin.

Wie es mit uns weiter geht, werden die nächsten Tage zeigen. Gut, dass wir noch ein paar Tage Extra-Zeit im Gepäck haben. Bleibt mir also gewogen und schaut wieder rein. Ich freu‘ mich. Bis dahin sind wir einfach ein bisschen kreativ.

Dänemark ist so viel mehr als ein Sprungbrett zwischen Schweden und Deutschland.

Trelleborg und somit Schweden wollte uns zunächst nicht ziehen lassen. Der Tag begann mit einem immens starken Sommernebel, so dass sich die vorbeiziehenden Fähren per Hornsignal gegenseitig warnten. Deswegen kamen wir mit 2-stündiger Verspätung in Klintholm an. Da der Wind gut aufgefrischt hatte, war der Hafen schon brechend voll. Wir ergatterten nur noch einen Platz im Fischereihafen. Im Laufe der nächsten Stunden wurde jede Ecke der beiden Häfen zugepackt, sich ins Päckchen gestapelt und im Kampf um den Liegeplatz schon mal die Vorfahrt genommen.

Direkt, wie immer, ging Frauchen eine schnelle Runde mit mir. Ist nach 6 – 7 Stunden Fahrt dringend nötig. Ich spürte gleich, dass wir nicht mehr in Schweden waren. Es roch so anders. Aber so wie Ihr Menschen immer sagt: „Das Gesicht habe ich schon mal gesehen, es kommt mir irgendwie bekannt vor.“, ging es mir auch. Alle Düfte waren mir vertraut, nur roch es frischer, wärmer, einfach nach mehr Vielfalt. Irgendwann fiel dann der Groschen: Wir waren in Dänemark, es war nur nicht mehr so kalt. Es war Sommer geworden.

Und deswegen ging es ziemlich gleich an den Strand und das war herrlich!! Ich tobte den Strand entlang, traf einen coolen Hundetypen und buddelte was das Zeug hielt. Ich war im Labbi-Himmel. Da es über das Wochenende sehr windig werden sollte, blieben wir ebenfalls im Hafen und das kann man in dieser Marina gut genießen. Der Hafen ist bestens eingerichtet, nicht nur für Bootsurlauber. Dort kann man ebenfalls kleine Appartments mieten. An vielen Stellen gibt es Grillplätze, Bars, Cafés und Restaurants. Sogar ein kleiner Supermarkt befindet sich auf dem Gelände. Der Hafenmeister hat seine Anlage gut im Auge und ist sehr aufmerksam. 

Am nächsten Tag pfiff uns der Wind nur so um die Ohren. Alles schaukelte und wackelte. Der Schwell kam bis in die hinterste Ecke des Beckens. Wir brachten zusätzliche Leinen an. Man kam einfach nicht zur Ruhe. Und da geschah es: Nach fast drei Monaten wurde Frauchen seekrank – an Land! Nicht sehr schlimm, aber das permanente Schaukeln schien zu viel. Wir waren alle froh, dass sich das Wetter beruhigte und wir am Montag weiter konnten.

Es ging nach Gedser, dem südlichsten Punkt in Dänemark und die Aussichten waren famos. Der Ankunftstag zeigte sich noch ziemlich verregnet. Aber wir wurden mit einem längsseitigen Liegeplatz entschädigt. Das machen meine Leute für mich möglich, wann immer es geht. Ich kann dann besser aussteigen.

Einen Tag später wurde es sommerlich und wir machten einen langen Ausflug nach Gedser Odde; weiter südlich geht es in Dänemark wirklich nicht. Über drei Stunden waren wir unterwegs. Für Herrchen war das ein bisschen tückisch. Er bekam durch den ablenkenden Wind das Übermaß an Sonne nicht mit und verbrannte sich ziemlich das Gesicht. Auch mich hatte die Aktion ziemlich erschöpft. Ich brauchte erstmal ein ausgiebiges Nickerchen.

Am Nachmittag legte sich endlich der Wind und das sollte auch so bleiben. Das heißt eigentlich, dass die Überfahrt morgen zurück nach Deutschland wunderbar werden wird. Sollte sich die Heimat etwa auf uns freuen? Frauchen hat mal in den Kalender geschaut: Fast ein Vierteljahr waren wir jetzt in Skandinavien unterwegs. Bin gespannt, wie es sich anfühlt zurück zu sein. Ich habe gehört, es soll bei euch sehr heiß sein. Super, wir freuen uns drauf.

Intermezzo: Öland sehen und sterben

Öland gilt als die Ferieninsel der Schweden. Die schwedische Königsfamilie hat auf der zweitgrößten Insel eine Sommerresidenz. Insgesamt gibt es auf dem 135 km langen Eiland ca. 400 liebevoll gepflegte Windmühlen. Ebenso ist dort eine einzigartige karge Kalksteppe zu finden. Grund genug für uns einen Abstecher dorthin machen. Es wurde sich eingelesen. Die Wind- und Wetterlage wurde gecheckt und so ging es am Montagmorgen, für unsere Verhältnisse ziemlich spät, in Richtung Kalmarsund. Wir machten uns über die Überfahrt kaum Gedanken. Schließlich schien das Wetter ruhig und wir (meistens Frauchen und ich) sind schon längst nicht mehr so aufgeregt vor den Fahrten wie am Anfang.

Der Wind blieb ruhig bei zwei Beaufort, wie versprochen. Nur die Wellen nicht! Je tiefer wir in den Sund einfuhren, desto kippeliger wurde die See. Das Segel zu hissen, hätte nichts gebracht, weil ja praktisch kein Wind vorhanden war, der uns hätte stabilisieren können. Ich floh sofort auf meinen Wellen(Sofa)Platz, als das nicht mehr ausreichte, saß ich Frauchen auf dem Schoß. Sorry, aber wenn nicht angebundene Gegenstände durch das Schiff fliegen, verstehe ich keinen Spaß mehr.

Folgende Zeichen deuten an Bord an, dass lockeres Kaffeesegeln abgeschaltet ist: Die ansonsten ständig dudelnde Musik wird abgestellt. Noah verschwindet in seiner Kabine. Herrchen übernimmt das Steuer und kein Mensch sagt mehr etwas, während ich alles darf, was ich sonst nicht tun soll. Macht mir aber in dem Fall keinen Spaß.

Zwei zerbrochene Auflaufschüsseln und sieben durcheinander geflogene Wasserflaschen später lagen wir sicher im Hafen von Byxelkrok vertäut. Da waren wir nicht die einzigen. Das Hafenbecken lag voll. Es wurde eng zusammengerückt. Der Hafenmeister hatte ein bisschen seine Not. Wir verdienten uns eine Flasche Riesling von der Mosel, weil wir einer Bonner Männer-Crew Leinen-Asyl gewährten. Habe ich ja leider nichts von. Frauchen hütet die Flasche wie einen Schatz und wartet auf einen geeigneten Augenblick, sie zu öffnen.

Ich sprang raus und all mein Leid war vergessen. Das ist das Tolle an der Seefahrt. Währenddessen möchte man sterben. Sobald man eine Kralle wieder an Land hat, ist man geheilt. Ein bisschen erschöpft waren wir trotzdem. Schließlich war ich über zwei Stunden auf Frauchens Schoß herumgeturnt und habe ihr meinen Blend-a-Dent-freien Atem ins Gesicht gehechelt. Aber die steckt das weg.

Deswegen, und weil ein 5er Wind angekündigt war, legten wir einen Ferientag in diesem lebendigen Gästehamn ein. Hier war alles auf Touristen ausgelegt. Ein Büdchen neben dem anderen. Das tat uns gut. Leider konnten wir nur die kurzen Regenpausen zum Erkunden des dahinter liegenden Örtchens nutzen. Die eigentlich geplante Fahrradtour musste ausfallen. Das sind die Tage, an denen Blogbeiträge entstehen.

Mittwoch ging es dann nach Sandvik. Der Sund verlor seinen Schrecken. Mit der hochgezogenen Fock kamen wir stabil an und wurden belohnt. Es wurde ein milder Sommertag, der ein Eis und ein Abendessen im Freien möglich machte.

Am Nachmittag liefen wir zu einer der weltweit größten, achtstöckigen Mühle, Mitte des 19. Jhr. erbaut. Heute betreibt dort ein Italiener sein Ausflugsrestaurant. Uns zog es lieber an den Strand. Dort taten wir ein altes Saunahaus auf und ich durfte in die Fluten.

Da sich der Donnerstag sehr wind- und wellenstill ankündigte, beschlossen wir unseren Aufenthalt auf Öland frühzeitiger zu beenden. Nach Borgholm wären wir eigentlich gerne noch geschippert. So wurden wir der wunderbaren Insel nicht zu 100 Prozent gerecht. In der Hoffnung, dass das Wetter im Süden noch ein wenig besser wird, wollen wir noch Kapazitäten für den Schärengarten rund um Karlskrona zur Verfügung haben. Die Überfahrt nach Kalmar wurde so sanft, dass Frauchen und ich das dieses Mal alleine gemeistert haben. Der Junior war noch nicht auf Betriebstemperatur und der Kapitän hatte schon genug Stunden auf der Uhr.

An dieser Stelle muss ich mal erwähnen wie froh ich bin, dass Frauchen alles aufschreibt. Wir merken jetzt schon, wie wichtig diese Dokumentation auch für uns ist. Wenn man nomadenlike jeden Tag die Ortschaften wechselt, die sich nicht unähnlich sind, verschwimmen die Eindrücke mehr und mehr ineinander. Jeden Tag zwischen 13 und 15 Uhr in etwa laufen wir in kleine Häfen ein, die mit mehr oder weniger typischen, schwedenroten Häusern verziert sind. Die Umgebungen blühen uns ländlich entgegen. Wir laufen wunderbar durch in Ruhe gelassene Naturschutzgebiete und treffen auch hier wieder auf das ein oder andere bekannte Bootsgespann, das einem ähnlichen Weg wie wir folgt.

Diese Überfahrten sind mir die liebsten

Jedenfalls sitzen wir auf der DIALIMA oft zusammen und helfen uns gegenseitig dabei, unsere doch gerade erst geschehenen Erinnerungen auszugraben. Uns ist jetzt schon klar, dass es den Winter braucht, damit sich diese ganze Reise wird setzen können.

Auf der anderen Seite sind wir schon gut ins Reisedasein geschlüpft und werden nach zwei Nächten im selben Hafen bereits leicht unruhig. Wir wollen weiter und sehen, was als Nächstes auf uns wartet. Ganz konkret, die Hanöbukt, die unsere letzte große Station sein wird, bevor es wieder in Richtung Deutschland geht. Hebt uns also noch ein bisschen vom Sommer auf.

Fragen sind im übrigen jederzeit herzlich willkommen!

Chillout-Lounge Schwedens

Ich will ja nicht behaupten, dass wir den westlichen Schärengarten in- und auswendig kennengelernt haben, dazu ist er viel zu reichhaltig und vielfältig bestückt. Aber in der letzten Woche ist es uns gelungen, einen nachhaltigen Eindruck von der schwedischen Schärenwelt auf der Westseite des Landes zu gewinnen.

Ich bin nicht im Ansatz ein esoterisch angehauchter Labbi. Ich gebe Laute wie „Wuff“ und nicht „Ooommm“ von mir, aber ich muss schon sagen, die Orte, die wir in der letzten Woche kennengelernt haben, haben mich in einen extrem gechillten Flow versetzt. Wenn an Bord Aufregung entsteht, lupfe ich nur noch müde das Augenlid.

Ein ganzes Wochenende haben wir uns im Naturhafen Hjälton samt Wald, Felsen, Badebuchten wie Robinson Crusoe gefühlt. Das war genau meine Welt. Ich kam fast um vor lauter unbekannten Gerüchen und durfte die ganze Zeit frei laufen. Zu Beginn war ich ja ein wenig skeptisch gewesen, wie ich ohne Steg an Land kommen soll. Aber auf das Rudel ist Verlass. Vor Ort gibt es häufig eine wunderbare Vorrichtungen – ich denke für Labbis und sonstige Hunde. Da kann man mit den Vorderleinen an Metallösen, die am Felsen angebracht sind, festmachen. Hinten muss man dann nur noch den Anker schmeißen und schon liegt man bombenfest. Das Ankermanöver, dass ich zeitlich in etwa auf den halben Nachmittag eingeschätzt hatte, verlief erstaunlich schnell, und ohne große Komplikationen lagen wir gegen jeden Wind geschützt in der Bucht. Direkt ging das Abenteuer los und wir durchstreiften alle Vier das neue Revier. Wie in dieser Familie so üblich wurden auf der Stelle große Pläne geschmiedet und (Gott sei Dank nur theoretisch) Arbeitspläne aufgestellt: Wie man wohl auf diesem Fleckchen Erde als Selbstversorger überleben könne, lautete die Frage. Ein gewisses Starterpaket dürfte geordert werden (Baumaterial, Werkzeug, Hühner und Lebensmittel für die erste Zeit), aber nach ein paar Monaten müsse man ohne Anbindung an die Außenwelt klar kommen. Mit halbem Ohr bekam ich mit, dass mein Beitrag darin bestehen würde, die Enten zu jagen, falls die im Starterpaket enthalten wären. Falls nicht müsste ich auf Hasen umsteigen. Na ja, mir egal, war zum Glück nicht ganz ernst gemeint, jedenfalls kam am Abend das gekaufte Grillgut auf den Rost. Und den Rest des Wochenendes ging auch keiner mit mir auf die Jagd, wonach auch immer.

Am Montag hieß es Abschied nehmen. Da sich die ganze Woche wettermäßig eher zum Nachteil entwickeln würde (Donnerstag kündigte sich ein 7+ Wind an) beschlossen wir im inneren Teil des Gartens zu bleiben und haben das nicht bereut. Warum sollen wir auch außen fahren? Ich finde dann kann ich nur Wasser sehen und schnuppern. Punkt! Im inneren Teil hingegen muss man beim Fahren zwar sehr aufpassen, aber es gibt wunderbare Landschaften zu verfolgen, allein stehende Häuschen mitten auf hohen Felsen zu bewundern oder idyllische Buchten zu bestaunen.

So landeten wir schließlich in Gullholmen. Zwar wäre mein Rudel fast dran vorbei gefahren, weil sie sich so in die Landschaft verguckt und dabei kurzfristig den Überblick verloren hatten, aber letztendlich lagen wir fest vertäut vor dem einzigen, natürlich geschlossenen Restaurant des Städchens. Anfang der Woche in der Vorsaison in den schwedischen Schären unterwegs zu sein, heißt oft auf verriegelte Türen zu stoßen. Etwas diskriminierend, findet Frauchen die Tatsache, dass die Marinas mitnichten auf Frauen zu dieser Jahreszeit vorbereitet sind. Ist die Dusche schon mal geöffnet, bleibt das Wasser eiskalt oder sie ist gar nicht erst beheizt. Es hüpfen hier zwar nicht viele Frauen rum, aber die wenigen wollen auch sauber durch die Schären tingeln. (Zum besseren Verständnis: man versucht natürlich die vorhandenen Duschen in den Marinas zu nutzen. Das schont die eigenen Tanks).

Wir wurden beim Erobern dieses wunderbar pittoresken Ortes sofort von solch banalen Gedanken abgelenkt. Wanderten wir erst durch ein zauberhaftes Naturschutzgebiet, das einem die Seele öffnet, stromerten wir am Nachmittag durch das Häuserviertel und kamen aus dem Staunen kaum heraus. Bebauungspläne können die hier nicht haben, Zäune kennen sie auch nicht. Die Häuschen sind wie mit dem Würfelbecher ausgeschüttet und stehen in friedlicher Eintracht unüberbrückbar nebeneinander. Einem Teil kann man ansehen, dass sie offenbar eher im Sommer oder an den Wochenenden genutzt werden. Die Gedankenspiele kamen erneut ins Trudeln und mein Rudel überlegte, wie sie wohl leben würden, wenn das Geburtenroulette sie auf diesem Fleckchen Erde ausgespuckt hätte? Wie würden sie leben? Was würden sie arbeiten? Hätten sie mich in Haibach überhaupt gefunden?

Mittwoch musste dann mal Diesel getankt werden. Das ging am besten in Henan. Eine wie aus dem Ei gepellte Marina kam zum Vorschein, hatte alles was das Herz begehrte (außer geöffnete Damenduschen).

Es ist schon witzig zu beobachten: Jetzt wo wir so lange (zwei Monate sind es jetzt!) unterwegs sind, schafft sich ein neues Phänomen hervor: Sobald man angelegt hat und alle wichtigen Funktionen laufen, macht man sich die Umgebung häuslich. Ich erschnuppere mir die Welt, meine mitreisenden Menschen erlaufen oder ergoogeln sich alles was die nächsten 15 Kilometer so zu bieten haben. Jedenfalls fühlen wir uns spätestens am Nachmittag so heimisch, als hätten wir nie woanders gelebt.

Dazu gehört, dass der Junior die Supermarktlage checkt, Herrchen die angrenzenden Bäckereien stürmt, Frauchen die Aktionsmöglickkeiten von Minigolf bis Museum (alles aber noch zu) abscannt, die Katze die Nacht-Jagd-Gebiete ausbaldowert und ich nach den Feld- und Waldwegen schiele.

Langsam geht es in die Planung für die Fahrt nach Göteborg, die wir weiterhin im Inneren vornehmen müssen. Unser nächster Schlag ging also nach Stenungssund. Dort würden wir auch den Vatertag verbringen müssen, weil der wettermäßig ganz übel werden würde. Bei Ankunft stellten wir fest, dass wir direkt vor einem ausreichend bestückten Shopping-Center liegen würden. Nicht sehr hübsch, aber an einem Regentag außerordentlich nützlich.

Alles in allem liegt also eine komplett entspannte Woche hinter uns. Gerne hätten wir mehr Naturhäfen besucht, aber da hat das Wetter nicht unbedingt mitgespielt. Das ist nicht weiter schlimm, denn wir haben ja noch den Schärengarten vor Stockholm im Progrramm und dann ist auch in Schweden Sommer. Die einzelnen Schärenorte jedenfalls haben uns verzaubert und wir können jetzt in den Chor aller Fans miteinstimmen. Das Alles in der Vorsaison zu erleben, gibt dieser Reise einen besonderen Touch. Man kommt nicht drumherum, den Ruhepol in sich zu entdecken.

Ich lerne gerade steuerbord und backbord

Das dachte sich auch die Katz. Zuviel Müßiggang macht träge und blieb die Nacht von Mittwoch auf Donnerstag gleich mal weg. Gut, wir hatten ja den Tracker, dachten wir. Der zeigte auch direkt, in welchem Gebiet sie unterwegs war. Letztendlich geholfen hat er leider nicht. Diverse Male während des Suchens hätte Findus höchstens drei Meter neben uns stehen müssen, gesehen haben wir ihn nicht. Um 14 Uhr war der Akku alle und die Stimmung fiel auf dem Barometer schon Richtung „gedrückt“ Wir hofften zum zweiten Male auf die Nacht und seine Zuneigung zu uns, die er im Alltag bestens unter Verschluss hält. Und in der Tat sprang er kurz vor Mitternacht wie selbstverständlich durch die Klappe und verstand die Aufregung, die ihm entgegengebracht wurde gar nicht. Er wollte seinen Dosenöffner in Aktion sehen und gut is.

Die Crew ist komplett, so kann es nach Göteborg gehen. Mal schauen, ob wir City noch können. Schaut wieder vorbei. Ich freue mich.

Schären-Hopping bis der Alex kommt und die nackten Füße dürfen endlich an die frische Luft

Mit einer Dreiviertelstunde Verspätung (wieder gab es Nebel, aber dieses Mal war Frauchen die Kapitänin) wechselten wir offenbar nicht nur das Land, sondern auch die Jahreszeit. Gestartet sind wir im November, angelegt haben wir im Mai. Diesen Tag haben wir vollends genossen: Die See war sanft, die Sonne strahlte mit voller Kraft, Verkehr gab es nicht mal in der Enggstelle zwischen Dänemark und Schweden und die DIALIMA lag wie eine Sahneschnitte im Wasser.

Was Frauchen, bis unter die Zähne mit technischem Know-how bewaffnet, nie für möglich gehalten hätte: das Schiff lag allein durch die installierten Masten so viel stabiler im Wasser, dass es eine helle Freude war darauf zu schippern. Natürlich rollten wir mal die Genua auf, was wir aber mangels Wind gleich wieder sein ließen.

Unser erster Anlaufpunkt in Schweden hieß Mölle. Dort hat es uns gut gefallen. Wir benahmen uns spontan frühlingshaft: Die Socken und langen Hosen flogen in den Schrank; kurze Hosen und Flip Flops konnten endlich ausgepackt werden. Es gab ein Eis, das in der Sonne gleich dreimal so gut schmeckte. Jetzt konnten wir endlich mit dem beginnen, auf das wir uns schon so lange gefreut hatten: Wandern, Rad fahren und die Natur genießen. In Mölle hieß das, auf den Kullenberg zu spazieren. Ein rundum gelungener Tag, den wir in einem Ausflugslokal mit Scholle und Remouladensoße ausklingen ließen. Aber auch in Schweden muss man schnell sein: Um 19 Uhr wird die Küche zugemacht.

Seit fast einer Woche haben wir nun die Qual der Wahl. Die westlichen Schären vor Göteborg sind so reizvoll, vielfältig und unterschiedlich, dass uns die Entscheidung, wohin es am nächsten Tag gehen soll gar nicht so leicht fällt. Haben wir zu Beginn noch versucht ein Programm festzulegen, so haben wir diesen Plan ganz schnell über Bord geworfen. Wir lassen uns treiben und meist entscheidet das Wetter oder das eine oder andere Detail, das wir über die verschiedenen Ziele gelesen haben. Wir haben jetzt Kungshamn als nördlichen Wendpunkt festgelegt. Dann sind wir rechtzeitig wieder in Göteborg, um unser nächstes Crewmitglied einzufangen. Der ist nicht ausgebüxt, sondern Noahs Freund Alex und fährt ab dann drei Wochen mit uns durch den Göta-Kanal. (Übrigens, lieber Alex, könntest du bitte noch ein bisschen Skat üben, dann muss Frauchen nicht immer der dritte Mann sein.)

Angefahren haben wir bislang:

Glommen am Sonntag

Dort wollten wir nach dem Anlegen eine gemütliche Wanderung zum Morups Tange, einem Leuchtfeuer in der Nähe, machen. Frauchen und ich mussten das allerdings alleine übernehmen, weil die Jungs an Bord nur kurz den Glomex zum Laufen bringen wollten. Das Ganze dauerte dann geschlagene sechs Stunden, kostete einiges an Nerven, brachte die wüstesten Kommentare der Technikersprache ans Tageslicht und warf die abstrusesten Ideen auf, die am Ende doch irgendwie dazu führten, dass das Internet wieder lief. Den 1 a-Technikern an Bord sei Dank.

Es sollte an dieser Stelle nicht ganz unerwähnt bleiben, dass diese Anstrengungen nicht nur für mich und meinen Blog unternommen wurden, wie mehrfach betont. Auch die Herren frequentieren das Netz in nicht unerheblicher Weise.

Gottskär am Montag

Dieser Hafenmeister war das lebende Beispiel dafür, dass wir uns noch in der absoluten Vorsaison befinden. Ziemlich überrascht von uns, nahm er uns natürlich freundlich in Empfang und wies uns in alles ein. Als wir ihn ein bisschen ausfragen wollten, welche weitere Route er denn so empfehlen würde, hatte er sein Wissen noch nicht aus dem Winterschlaf befreit und schien ein bisschen überrumpelt. Er meinte, wir sollen doch einfach direkt nach Göteborg fahren. Wir entschieden uns anders und fuhren nach

Donsö am Dienstag

Dort unternahmen wir eine herrliche Radtour durch eine wunderbare Landschaft. Die sportliche Betätigung tat im Übrigen ganz gut, denn es ging ziemlich über Stock und Stein bergauf.

Leider fanden wir nicht das eigens auf der Insel gebraute und nur dort ausgeschenkte Bier, da das Restaurant (wieder mal) um 14 Uhr schloss und es der Supermarkt nicht vorrätig hatte.

Marstrand am Mittwoch

Während wir Drei eine richtig große Wanderung weit um die Festung Carlsten (ein ehemaliges Gefängnis) unternahmen und ich auch mal wieder lange frei laufen durfte, fuhr der Junior mit der Fähre nach Koön zum Frisör und kam schick gestylt wieder zurück. Eines fällt hier direkt auf: Schweden ist ein Land, das seine Natur liebt. Hier darf die Erde noch Natur sein. Auf diesem Spaziergang war alles dabei. Wir liefen am Meer entlang, kletterten über die Felsen, bogen in den Wald ab, stießen auf ein süßes kleines Biotop und überall schafft der Schwede nette Plätze zum Verweilen, die von den Besuchern respektiert werden. Es machte uns ganz viel Freude über diese Pfade wandeln zu können.

Uddevalla für Donnerstag und Freitag

Bis Mittwochabend halb elf stand fest, dass wir am nächsten Tag nach Gullholmen wollen. Dann bekamen wir den Wind schon im Hafen zu spüren und die Überprüfung durch die Wetterapp prophezeite uns eine ungemütliche Überfahrt. Das wollten wir nicht, also verzogen wir uns in den wirklich innersten Teil des Schärengartens und wurden mit einer wirklich ruhigen und wunderbaren Überfahrt belohnt. Der draußen vorherrschende Viererwind war im Inneren überhaupt nicht zu spüren. Was nicht heißt, dass man dort nicht hellwach sein muss. Überall tauchen plötzlich kleine felsige Inseln wie Buckelwale aus dem Wasser auf. Außerdem darf man die Orientierung in dieser Inselwelt nicht verlieren. Ohne unseren heiß geliebten Plotter hätten wir entweder bereits einen neuen Kontinent entdeckt oder wären am Ende der Welt wieder aufgetaucht. Hier mal ein Beispiel:

Uddevalla ist eine 55.000 Einwohner starke Industriestadt, die zwar keinen Schönheitspreis von uns bekommt, aber für unsere Bedürfnisse gerade recht kam. Da wir die nächsten Tage Naturhäfen ansteuern wollen, mussten die Vorräte aufgestockt und Grillgut besorgt werden. Außerdem waren wir wieder mal in Sachen Internet unterwegs. Natürlich brauchten wir – anders als vermutet – eine schwedische SIM-Karte und zwar eine, die man ohne schwedische Personalnummer aktivieren kann. Haben wir hinbekommen. Und nachdem alles erledigt ist, geht es jetzt so richtig in die Natur, ohne Strom und allem Drum und Dran.

Natürlich ist die Katze noch an Bord, was glaubt Ihr denn? Wir haben uns in den letzten Wochen einen zuverlässigen Rhythmus erarbeitet. Abends verlässt sie mit Tracker-Rucksack, das Schiff und am Morgen ist sie brav zurück. Allerdings ist mir immer ein wenig schwummrig, wenn ich sehe, wie weit sie sich in der Nacht vom Schiff entfernt. Aber offenbar kann sie es. Ich hoffe, sie lässt sich in den Naturhäfen nicht von all den vielen Elchen ablenken??

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