ZUM HUND:

Machen wir es nicht unnötig kompliziert. Mit einem Hund zu verreisen, ist wirklich keine große Sache, wenn man ein paar Dinge im Vorfeld beachtet. Verstehen wir uns hierbei richtig, ich spreche an dieser Stelle nicht von Fernreisen. Wir sind immer mit unseren Tieren durch Europa gefahren. Mittlerweile sind wir routiniert, aber auch zu Beginn haben wir nie Unangenehmes erlebt. Und der Start hatte es wirklich in sich, denn dabei hatten wir nicht nur unseren stattlichen Rottweiler im Kofferraum, sondern mussten ungeplant auch noch den herzkranken Kater mitnehmen. Mit diesem Duo sind wir dann in Hotels eingerückt und Fähre gefahren. Unser Auftritt hat vielen Menschen ein amüsiertes Lächeln aufs Gesicht gezaubert.

Wenn man mit dem Hund verreisen möchte, kann man sich eine Sache schamlos zunutze machen: Der Hund liebt es, bei seinem Rudel zu sein und dafür tut er fast alles.

Die folgenden Tipps gelten eher für individuelle Reisen. Es gibt auch Pauschalreisen. Da können Sie sich direkt beraten lassen. Hierzu gibt es einschlägige und gute Seiten im Netz:
www.ferien-mit-Hund.de
www.hundeurlaub-net
www.hundeurlaub.de
(keine bezahlte Werbung), um nur einige zu nennen. Hier finden Sie auch gute Checklisten für die Reise selbst.

Das richtige Tier

Solange Sie noch planen können, suchen sie sich den richtigen Hund aus. Das gilt sowieso, wenn Sie sich für ein Tier entscheiden, im Bezug aufs Reisen erst recht. Es macht überhaupt keinen Sinn, sich ein Tier zuzulegen, dass viele Stunden Auslauf braucht, den Sie ihm nicht mehr ermöglichen wollen, wenn Sie erschöpft ihr Reiseziel erreicht haben.
So sind wir beispielsweise vom Rotti auf den Labbi umgestiegen, der liebt das Schwimmen im kühlen Nass und fühlt sich auf dem Schiff gleich bestens aufgehoben. Im zweiten Schritt haben wir uns gegen die Jagdlinie und für die „Couchpotatoe-Variante” entschieden und sind so, am Ziel angekommen, gleichermaßen matt, bevorzugen beide ein leckeres Essen und einen ruhigen Ausklang des Tages.
Wenn Ihnen das Geschlecht nicht wichtig ist, entscheiden Sie sich für eine Hündin, die markieren weniger und sind auch nicht persé dominant. Wenn Sie einen Rüden möchten, nehmen Sie nicht unbedingt den Chef des Wurfs. Erzählen Sie schon Ihrem Züchter (oder bei wem Sie Ihr Tier erhalten), dass Sie viel reisen wollen, also bisschen einen neugierigen und flexiblen Tierbeiner möchten.

Nutzen Sie die Prägephase!

Gerade beim Hund gilt: Was Mäxchen nicht gelernt hat, lernt Max nimmermehr. D. h für Sie: Lassen Sie den Hund im ersten halben Jahr alles erleben, was er später mit Bravour meistern soll. Besuchen Sie eine Hundeschule und üben SIE ein guter Rudelführer zu sein. Wenn Sie unsicher sind, ist es der Hund mit Sicherheit.
Bringen Sie dem Tier unbedingt bei, alleine bleiben zu können. Egal ob auf dem Campingplatz, im Hotelzimmer oder auf dem Schiff. Unsere Leila haben wir im Mai bekommen, Ende Juni schipperte sie zwei Wochen auf den französischen Kanälen mit und lernte schwimmen. Direkt anschließend ging es mit Auto und Fähre und nochmals Fähre auf eine griechische Insel und wieder zurück. Dass macht den Welpen schussfest – und Sie auch.
(Kleiner Exkurs: Sommerhunde bekommt man schneller stubenrein. Leila war es nach drei Wochen, mit ca. zwei Unfällen. Gerne können Sie mich anmailen und erfahren dann mehr dazu.)
Das ist vielleicht zu Beginn ein wenig viel, aber bedenken Sie, dass Sie im ersten halben Jahr ein bisschen härter arbeiten müssen, um ein ganzes Hundeleben entspannt reisen zu können. Leila ist nun im zweiten Jahr auf Reisen und marschiert souverän und well-educated in jedes Hotel oder Restaurant ein. Das wiederum führt dazu, dass die Menschen drumherum wohlwollend auf uns und unseren Schoko-Labbi reagieren.

Der Hund ist ein Ritualmonster – Nutzen Sie das unbedingt!

Leila reist immer mit ihrer geliebten Hundedecke. Wenn die dabei ist, ist ihre Welt in Ordnung. Das kann aber auch ein Schmusetier oder Spielzeug sein. Hauptsache der Hund liebt es.
Wenn Sie alleine bleiben muss, erzähle ich ihr immer, dass ich „jetzt auf die Jagd gehe“. Das ist ihr mittlerweile ein Begriff und sie kann sich darauf verlassen, dass ich bei der Rückkehr etwas extrem Leckeres in der Hand halte, das ich (natürlich nur rein symbolisch) „erlegt“ habe. So bleibt Sie in jeder Schiffskabine für die Zeit der Mahlzeiten alleine.
Wenn Sie zu Beginn nicht 100% sicher sind, ob der Hund im Hotelzimmer auch zuverlässig still ist, nutzen Sie ein Babyphon. Sollten Sie keines zur Hand haben, arbeiten Sie mit einer Bapyphon-App. Ein Endgerät bleibt im Zimmer, das zweite geht mit ins Restaurant (die App läuft über das WLAN des Hotels) und so bekommen Sie auf der Stelle mit, wenn Fiffi auf Krawall gebürstet ist und können eingreifen. Im ersten Jahr haben wir Leila im Bad des Zimmers gelassen. So wäre ein kleiner Betriebsunfall schnell wegzuwischen gewesen und sie hatte auch keine Möglichkeit, es sich auf dem Bett gemütlich zu machen. Heute brauchen wir das nicht mehr.
Halten Sie die gewohnten Zeiten ihres Tieres ein. Wenn der Hund normalerweise um 7 Uhr am Morgen sein Futter bekommt, so sollte er sich auch im Urlaub darauf verlassen können. Ebenso sollten Sie mit ihm so laufen, wie er es gewohnt ist.

Gut geplant ist 100 Prozent gewonnen

Vor Reiseantritt sollten Sie sich über die Einreisebestimmungen des Landes schlau machen, in das Sie einreisen wollen. Denken Sie hier auch an die Länder, durch die Sie nur durchreisen, um an Ihr Ziel zu gelangen. Generell gilt für Europa:
Der Hund muss gechipt sein. Das erledigt der Tierarzt heutzutage schon selbstverständlich, denn es ist seit 2011 Pflicht. Ebenfalls benötigt das Tier den blauen Heimtierausweis, in dem alle Impfungen und auch die Chipnummer dokumentiert sind. Aber auch um den kommen Sie, auch ohne Reiserei, nicht herum, denn das Tier muss ja auch bei uns geimpft werden. Es ist an dieser Stelle nicht extra zu erwähnen, dass der Hund haftpflichtversichert sein muss. Es ist auch nicht verkehrt, wenn er seine Steuermarke gut sichtbar trägt. Nicht zuletzt sollten Sie mit Ihrem Tierarzt über die wichtigsten Medikamente der Reiseapotheke sprechen.
Lassen Sie Ihr Tier gegen eine kleine Spende bei Tasso (keine bezahlte Werbung, www.tasso.net) registrieren. Das bietet sich auch an, wenn Sie nicht so der Reisetyp sind. Ein Hund kann immer mal weglaufen oder sonstwie (grade in fremder Umgebung) verloren gehen. Bei Tasso wäre Ihr Liebling registriert und kann so relativ schnell wieder gefunden werden.
Klären Sie den Aufenthalt Ihres Vierbeiners mit der Unterkunft ab, egal, ob Sie dort nur für eine Nacht sind oder Ihren ganzen Urlaub dort verbringen möchten. So erfahren Sie gleich, ob das überhaupt erlaubt ist und wenn ja zu welchen Konditionen. Es kann sein, dass Sie für den Aufenthalt einen kleinen Extrabetrag leisten müssen. Hier lohnt sich ein Preisvergleich. 10 € finde ich völlig in Ordnung; schließlich muss das Zimmer u. U. gründlicher gereinigt werden, als ohne Tier. 40 € z. B. haben wir auch schon als Angebot bekommen. Das finde ich Wucher und würde es auch nicht bezahlen. An dieser Stelle können Sie ebenfalls einen guten Eindruck hinterlassen und werden so auch in Zukunft herzlich mit Ihrem Tier empfangen, wenn Sie das Zimmer / die Kabine / den Camper mit einem gut ausgebürsteten Tier beziehen.
Wir sind viel auf der Durchreise und haben meist eine kleine Sammlung an Unterkünften im Gepäck. Eine Reise kann immer anders als geplant verlaufen. So können Sie flexibel auf alle Eventualitäten reagieren und kommen nicht in Stress, nur weil Sie zwei Stunden im Stau gestanden haben und Ihr Ziel nicht mehr erreichen.
Haben Sie auch ausreichend Wasser für das Tier dabei und nehmen Sie das gewohnte Futter mit. Manche Tiere reagieren sehr sensibel auf Veränderungen in der Ernährung und eine Durchfallerkrankung im Urlaub braucht echt kein Hund. Außerdem kennen Sie die Örtlichkeiten der Urlaubsumgebung zu Beginn der Reise noch nicht und wollen Ihre kostbare freie Zeit bestimmt nicht mit ermüdender Futtersuche verplempern.
Haben Sie einen Maulkorb dabei und trainieren Sie den Umgang mit diesem Teil. In vielen Gondeln oder anderen öffentlichen Fahrzeugen, besteht eine Maulkorbpflicht. KleinenTipp: Ich trage das Gerät meist gut sichtbar an meiner Tasche, wenn der Hund dann relaxed, leinenführig ankommt, stehen die Chancen bei wenig Betrieb gut, dass Sie niemand auf das Anlegen anspricht. Der Hund muss es vom Prinzip aber können, damit es nicht plötzlich zu einer stressigen Situation kommt, wenn es doch eingefordert wird.

FAZIT:

Vielleicht hört sich das im ersten Moment alles sehr viel für Sie, aber bedenken Sie: Vieles, wie z. B. Impfung, Haftpflicht, Hundeschule, haben Sie wahrscheinlich direkt erledigt. Probieren Sie es einfach mal aus. Fangen Sie im Kleinen an. Machen Sie einen Wochenendausflug in der näheren Umgebung oder führen Sie einen Restaurantbesuch durch. Dann können Sie prima sehen, wie sich ihr Tier verhält. Gegebenenfalls kommen Sie auch zu dem Schluss, dass Reisen gar nichts für Sie und Ihr Tier ist. Dann machen Sie sich auch keinen Stress und fahren eben ohne Ihr Tier. Urlaub soll ja für alle die schönste Zeit des Jahres werden.

Im Vorfeld sollte man jede Reise auf Hundetauglichkeit überprüfen. Ein moderater Wanderurlaub ist eher etwas für den geliebten Vierbeiner als 14 Tage Sonnenbaden bei brütender Hitze angeleint am überfüllten Strand (falls das überhaupt erlaubt ist).

Ich habe hier bewusst nur über Reisen im europäischen Raum geschrieben, weil ich z. B. der Meinung bin, dass der Hund auf einer Fernreise nichts zu suchen hat. Ich finde das für das Tier zu strapaziös und auch zu risikoreich. Aber hier kann man anderer Meinung sein. Wir vermeiden das Fliegen für unsere Tiere jedenfalls, nachdem wir es einmal mitgemacht haben.

Unsere Leila jedenfalls ahnt, wenn es wieder so weit ist und sitzt quasi auf gepackten Koffern, um ja die Abreise nicht zu verpassen. Lieber die, wenn es losgeht, als die, wenn es wieder heimwärts geht.

Weitere Fragen beantworte ich gerne per mail.

 

ZUR KATZE

Zum Thema Reisen mit Katze waren wir bis vor zwei Wochen höchst jungfräulich unterwegs. Da man weiß, dass die Stuben- oder Gartentiger Ortswechsel alles andere als mögen, haben wir bislang dafür gesorgt, dass die Futterbar über die Maßen gefüllt und Findus‘ Lieblingsnachbarin Zeit für ihn hatte. Das klappte gut, war nur für fünf Monate kein Plan, zumal wir merkten, dass ihm das Leben ohne sein Rudel mit seinen 13 Jahren immer schwerer fiel.

Also wurde beschlossen, ihn mit auf die Reise zu nehmen; zunächst ohne große Bauchschmerzen. Der Kater war alt, kastriert und schon auch Zuhause fast ausschließlich innerhalb der Grundstücksgrenzen unterwegs.

Je näher die große Fahrt allerdings, rückte desto massiver wurden die Bedenken: Was wäre, wenn er es nicht gut hinbekäme? Wenn er rebellieren würde? Wenn er alles zusammenmiauen würde, so wie auf dem kurzen Weg zum Tierarzt? Oder noch schlimmer, wenn er alles vollpinkeln oder -koten würde? Einen Plan B gab es nicht, wir setzten alles auf eine Karte und darauf, dass wir unser Tier gut kennen. Immerhin hatten wir ihn als Baby übernommen und würden ihn jetzt nicht einfach abgeben oder entsorgen können.

Es wurde Katzenminze und Globulis gekauft und sechs Wochen vor Reiseantritt, wurde versucht, den roten Tiger mehr und mehr in den OOOMMM-Modus zu versetzen. Die Tierärztin wurde um homöopathische Beruhigungsmittel gebeten, die sie nach kritischem Nachfragen auch rausrückte. Natürlich ist er für Dänemark und Schweden geimpft, gechipt und bei TASSO registriert.

Und dann ging es los! Die fünfstündige Autofahrt konnten wir ihm nicht ersparen, die Mittelchen schienen nicht viel zu helfen. Am Schiff angekommen, ließen wir ihn in der Kombüse raus und hatten dafür gesorgt, dass er genug „Höhlen“ finden würde. Ebenso gibt es eine feste Begrenzung für den Hund, so dass Findus einen Teil der Yacht für sich genießen kann. Er verschwand gleich mal für Stunden im Stauraum unterm Bett. Ab jetzt überließen wir ihm das Tempo.

Immer wenn er sich blicken ließ, und das war schon am ersten Abend der Fall,  zeigten wir ihm seinen Platz zum Fressen, das Katzenklo und seine Decke. Zu unser aller Erleichterung nahm er alles widerstandslos an.

In der ersten Nacht maunzte er ziemlich unwirsch vor sich hin, was daran lag, dass er im Vergleich zu uns eher anders lebt: Er döst lieber den ganzen Tag vor sich hin und will nachts raus. Deswegen öffneten wir ihm in der zweiten Nacht ein Kabinenfenster und sofort sprang er heraus. Wenn ihm nun langweilig ist, tapst er nächtens auf dem Boot (das Schiff selbst verlässt er nicht) herum und hat, im Gegenteil zu Zuhause den Vorteil, dass ihm diese Katzenklappe 24/7 offen steht.

FAZIT: Vielleicht kann man es nicht mit jeder Katze machen. Uns spielt bestimmt sein Alter in die Hände und die Tatsache, dass er kaum noch jagt. Die ganzen Mittelchen haben nach unserer Beobachtung allerdings kaum geholfen. Eher, dass wir versucht haben, seinen Bedürfnissen gerecht zu werden und ihn zu verstehen. Bei genauer Beobachtung hat er nämlich ganz klar miaut, was ihm gerade nicht passt oder fehlt. Wir sind sehr froh und dankbar!!!!🐈🐈🐈